skip to Main Content
Referenzen In Der Bewerbung? Wer’s Nötig Hat

Referenzen in der Bewerbung? Wer’s nötig hat

Immer wieder entdecke ich in Lebensläufen die Namen von Ex-Chefs, Top-Managern, Professoren und anderen Persönlichkeiten, die Bewerber samt Telefonnummer und E-Mail-Adresse unter der Überschrift „Referenzen“ auflisten. Persönlich bekannte Fürsprecher aus ihrem bisherigen Arbeitsleben, die einem neuen potenziellen Arbeitgeber bestens Auskunft geben sollen. Über die Echtheit von im Lebenslauf gelisteten Tätigkeiten und Erfolgen, über die Wahrheit der beschriebenen Wechselmotivation und über alles das, was in einem wohlwollend formulierten Zeugnis maximal zwischen den Zeilen steht. Mal ehrlich: Haben Sie das überhaupt nötig?

Es kommt mir so vor, als ob der Trend zur Nennung von Referenzen in den letzten Jahren zugenommen hat. Vielleicht, weil es international üblicher ist und immer mehr hiervon auch zu uns rüberschwappt. Vielleicht, weil Bewerbungen immer austauschbarer werden und Jobwechsler glauben, sich durch die Angabe von Referenzen positiv von der Masse abzuheben. Vielleicht aber auch, weil wir in Zeiten von #FakeNews gesellschaftlich immer stärker das Gefühl haben, Fakten und ihre Echtheit beweisen zu müssen, um als glaubwürdig wahrgenommen zu werden.

Spreche ich im Coaching mit Bewerbern darüber, warum es ihnen wichtig ist, Ex-Chefs oder wohlgesonnene alte Kollegen als Referenzen aufzuführen, reichen die Antworten von „Das macht man doch heute so, oder?“ über „Mein Chef hat mir angeboten, dass ich ihn nennen darf.“ bis hin zu „Ich bin ja schließlich betriebsbedingt gekündigt worden“. So richtig klar ist vielen von ihnen nicht, warum genau sie diese Namen samt Kontaktdaten in ihren Lebenslauf schreiben.

Referenzen: Der Echtheitsstempel Ihrer Bewerbung?

Referenzen sind das Resultat von Unsicherheit und letzter Hoffnung durch Klammern an den Strohhalm von Fürsprechern – wenn die Bewerbung allein gefühlt nicht überzeugen kann. Die meisten Bewerber, die zu mir kommen, haben bereits etliche Monate eines erfolglosen und frustrierenden Bewerbungsmarathons hinter sich und irgendwann aus der Not heraus entschieden, Referenzen als zusätzliches Bonbon für Recruiter und zukünftige Chefs in ihre eh zu diesem Zeitpunkt bereits überfrachteten und durchoptimierten Unterlagen aufzunehmen. Andere stecken so tief in der Haltung des verunsicherten Bittstellers fest, dass sie ihrer Bewerbung mit der Nennung von Referenzen den ultimativen Echtheitsstempel aufdrücken möchten:

„Wenn Sie nicht glauben, was Sie lesen, dann können Sie ja meine Ex-Chefs fragen.“

Glauben Sie wirklich, dass sich Recruiter oder Führungskräfte nach Eingang Ihrer Bewerbung gegenseitig anrufen oder schreiben, um sich über Sie als Bewerber auszutauschen? „Sagen Sie mal, wie sind Sie als Chef damals mit Herrn Mustermann klar gekommen und stimmt es wirklich, dass er damals 1995 den Umsatz im Vertrieb um 10 Prozent gesteigert hat?“ Glauben Sie, dass Ihr neuer Chef erst zum Hörer greift und Ihre Ex-Chefs über Sie ausfragt, bevor er sich über Sie selbst im Bewerbungsgespräch ein Bild gemacht hat? Nein, daran glauben auch die wenigsten meiner Klienten, wenn sie ernsthaft darüber nachdenken.

Die Angabe von Referenzen hat damit für sie einzig und allein den Zweck, die eigene berufliche Vergangenheit auf dem Papier reinzuwaschen und befürchtete Fragen im Kopf eines Recruiters in vorauseilendem Gehorsam schon vor dem ersten Kennenlernen aus der Welt zu schaffen. „Sie können gerne meinen Ex-Chef fragen, ich habe nichts zu verbergen!“

Referenzen in der Bewerbung: Haben Sie das echt nötig?

Brauchen Sie tatsächlich diese Zeugen, die Ihnen Alibis für ihren bisherigen beruflichen Werdegang samt Erfolgen liefern und Ihre weiße Weste als Arbeitnehmer garantieren? Brauchen Sie wirklich Fürsprecher, die ihre Hand für Sie ins Feuer legen? Glauben Sie, dass sich Ihr neuer Chef davon beeindrucken lässt und Sie als Bewerber bevorzugt, wenn Sie Namedropping betreiben und zeigen, welche hochrangigen Persönlichkeiten hinter Ihnen stehen?

Ich bin der Meinung, dass Sie sich in der Rolle als Bewerber durch die Nennung von Referenzen vor allem selbst klein machen und damit schwächen. Und dies unabhängig davon, ob es um die Position des Top-Managers oder die des Angestellten oder Arbeiters geht.

Sie senden, wenn auch nur unterbewusst, die Botschaft an die Leser Ihrer Bewerbung, dass Sie ihnen unterstellen, Ihnen allein und Ihren Angaben in der Bewerbung nicht zu glauben. Wer Ihnen nicht vertraut, der darf schließlich die genannten Referenzpersonen befragen. Bereits die Tatsache, dass Sie unterstellen, man könne Ihnen nicht vertrauen, beschädigt Vertrauen.

Wenn Sie schließlich nichts zu verheimlichen haben und in Ihrem Lebenslauf und den Zeugnissen alles mit rechten Dingen zugeht, warum braucht es dann die Referenzen, um den beruflichen Erfolg, die Echtheit Ihrer Angaben und damit Ihre eigene Ehrlichkeit als Bewerber unter Beweis zu stellen? Diese Frage würde mir jedenfalls als Personalentscheider durch den Kopf gehen.

Eigene Klarheit in der Bewerbung statt fremdes Alibi

Schaffen Sie selbst Vertrauen durch Klarheit in Ihrer Bewerbung, statt diese Verantwortung an Dritte in Form von Referenzen abzugeben. Klarheit im Lebenslauf über Ihre berufliche Vergangenheit sowie Klarheit im Anschreiben über Ihre Pläne für die Zukunft, Ihre Wertevorstellungen und Ziele sowie Ihre Stärken, Talente und Persönlichkeit.

Gelingt es Ihnen, mit Ihrer Bewerbung diese Klarheit durch einen gut strukturierten und leicht erfassbaren Lebenslauf sowie ein ehrliches Anschreiben als echtem Mehrwert zu Ihrem Lebenslauf zu schaffen und sich selbst damit für den Leser richtig greifbar zu machen, dann braucht es in dieser frühen Phase des Bewerbungsprozesses keine Fürsprecher und Zeugen, die die Richtigkeit Ihrer Angaben bestätigen. Wer nichts zu verbergen hat, der benötigt kein Alibi.

Referenzen oder Empfehlungsschreiben auf Wunsch

Ich sage nicht, dass Referenzen oder Empfehlungsschreiben gar keine Rolle im Bewerbungsprozess spielen. Es kann zu einem späteren Zeitpunkt durchaus sinnvoll sein, einem potenziellen neuen Arbeitgeber im persönlichen Gespräch anzubieten oder zu erlauben, den Kontakt etwa zu einem früheren Chef herzustellen. Doch auch hier sollten Sie als Bewerber fragen, warum es Ihrem Gegenüber wichtig ist, diesen Kontakt zu suchen und welche Informationen er sich erhofft, die Sie nicht im gegenseitigen Austausch klären können.

Auch halte ich für angestellt Beschäftigte Empfehlungsschreiben als Dokument über das Arbeitszeugnis hinaus für nicht relevant im Bewerbungsprozess. Ein anderer Fall liegt bei Selbständigen oder Freiberuflern vor, die von ihren Kunden kein „Arbeitszeugnis“ ausgestellt bekommen und daher durch Referenzen, Bewertungen oder Empfehlungen Vertrauen aufbauen sowie im Akquise- und Angebotsprozess so zusätzliche Klarheit schaffen können.

Referenzen in der Bewerbung – Mein Fazit

Die Nennung von Dritten als Referenzen und Auskunftsgeber im Lebenslauf bietet zu diesem frühen Zeitpunkt des Bewerbungsprozesses keinen echten Mehrwert für einen neuen Arbeitgeber, sondern kann Sie und Ihre Haltung als Bewerber sogar schwächen. Wer Referenzen angibt, setzt sich selbst auf die Anklagebank und ordnet sich als Bewerber unter.

Schaffen Sie mit Ihrem Anschreiben, dem Lebenslauf sowie den wichtigsten Zeugnissen und Dokumenten die Klarheit, die ein Leser Ihrer Bewerbung benötigt, um neugierig echtes Interesse zu entwickeln, Sie im Gespräch persönlich kennenzulernen. Äußert Ihr Gegenüber im Gespräch den Wunsch, Referenzen oder die Kontaktdaten Ihrer ehemaligen Vorgesetzten zu erhalten, sprechen Sie mit ihm offen über die Motive dahinter und entscheiden Sie, wie Sie als Bewerber auf Augenhöhe darauf reagieren möchten.

Haben auch Sie schon einmal Referenzen in Ihrer Bewerbung angegeben und welche Erfahrungen haben Sie hiermit gemacht? Ich freue mich über Ihre Sichtweise zum Thema unten als Kommentar. 

(Titelbild: 123rf.com, #45264065, strejman)

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag in Ihren Netzwerken teilen.

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Themen rund um die Karriereplanung und berufliche Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 17 Kommentare
  1. Nun, möglicherweise bin ich genau kein Vertreter der beschriebenen Spezies.

    Ich habe früher sogar die Arbeitsumgebung verschleiert, wenn auch recht offensichtlich – „ein Telekommunikationsunternehmen mit Hauptsitz in Bonn“, „ein Automobilhersteller aus München“ …

    Ich bin ein einziges Mal nach Referenzen und ein weiteres Mal nach Zeugnissen gefragt worden. In beiden Fällen ging es danach nicht weiter und wir sind seither nie mehr zusammengekommen. Die eine Stelle meldet sich allerdings regelmäßig mit Anfragen.

    Meine Erfahrung ist zusammen genommen: es passt so oder gar nicht. Die Frage nach Referenzen, Zeugnissen und dergleichen lenkt vom Wesentlichen ab.

    Insofern kann ich diesen Praxisbericht nur bestätigen, auch wenn ich seit 1991 nicht mehr sozialversicherungspflichtig gearbeitet habe.

    Worauf es aus unserer Sicht ankommt, breiten mein Mit-Autor Tobias Leisgang (http://companypirate.de) und ich derzeit hier aus: http://leanpub.com/aoc

    1. Hallo Alexander,

      danke für das Teilen Deiner Erfahrungen von früher. Im Lebenslauf empfehle ich Bewerbern allerdings schon, Klarheit über ihre bisherigen Arbeitgeber und Tätigkeiten zu schaffen und halte nichts von einer „Verschleierungstaktik“, die du beschreibst.

      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

      P.S. Ich habe am Ende des Kommentars die weiteren Links und Deinen Aufruf für Euer Projekt entfernt, das war mir an dieser Stelle dann doch zu werblich.

      1. Passt für mich.

        Das mit dem Verschleiern entstammt meinem Mindset.
        Ich möchte lieber die Sache und meinen Anteil daran in den Vordergrund stellen, als durch „Namedropping“ Eindruck zu schinden. Wer bin ich, um mich mit den fremden Federn dieser Unternehmen zu schmücken?

        Die entfernten Passagen tun mir nicht weh, Bernd.
        Es war eher zur Inspiration gedacht.

        Wir bekommen in unseren Projekten immer nur das Ergebnis eines Recruitment-Vorgangs zu Gesicht. Was davor passiert, kann ich nur aus ureigenster Erfahrung sagen und aus dem, was ich privat mitbekomme. Beides ist aus meiner Sicht zu individuell und subjektiv, um es in das Buch einfließen zu lassen.

        Insofern würden wir uns sehr freuen, Inspiration aus Deiner Welt zu erhalten.
        Von Dir persönlich genau so wie von Lesern dieses und anderer Beiträge.

        Das ist es, was wir unter ‚Greatness beyond #EgoBarrier‘ verstehen. ;-)

  2. Hallo Bernd

    Als Jobcoach empfehle ich auch, die Referenzen aus dem CV zu entfernen. In der Schweiz aus rechtlichen Gründen. So könnte jeder, der die Bewerbung in der Hand hält, bei der Referenz anrufen.
    Wir arbeiten mit einem Referenzblatt, das in der Praxis aber selten nachgefragt wird. Bei Spezialisten oder Führungskräften eher als bei Sachbearbeitern.
    Bei der persönlichen Abgabe des Blattes kann ich dann noch mündlich ausführen, warum diese Personen zur Verfügung stehen und so den Wert der Aussage verbessern.
    Freundliche Grüsse
    Jürg Schlienger

  3. Ich unterstütze die Meinung des Artikels und bin grundsätzlich dafür, alles, was zu einer Bittsteller-Haltung führen könnte, bleiben zu lassen. Sicher nicht immer so einfach, wie es klingt. ;)
    Leider musste ich am Anfang meiner beruflichen Laufbahn und damals noch in der Hotellerie auf die harte Tour lernen, dass sich hier sehr wohl die Arbeitgeber untereinander verständigen. Auch in Großstädten. Mich hat Mal einer nach der Ausbildung in einem Gespräch (2. Runde) richtiggehend bedrängt, als ich ziemlich unsicher auf seine Frage „was würde Ihr alter AG über Sie sagen?“ reagierte. Nun sagen Sie schon, ich rufe da sowieso an!
    Das ist nur eine von mehreren Erfahrungen.
    Also gibt es leider sehr wohl Branchen und Hierarchieebenen, in denen das offensichtlich üblich ist, bzw. hoffentlich inzwischen war.
    Für mich zum Glück „war“, ich sehe es als Optimistin einfach als gute Schule. :)

  4. Wieder mal ein sensibles Thema spürnasenfein aufgegriffen, lieber Herr Slaghuis: Referenzen sind m. E. auch ein Thema für Freiberufler (ich selbst seit jetzt fast einem Vierteljahrhundert). Auch in diesem Kontext (Referenzen auf der Website oder nicht?) ist das ein durchaus zweischneidiges Schwert. Pro: Potentielle Mandanten können sch ein Bild machen. Contra: Es hat schnell was von sich aufplustern, Wichtigtuerei und Eitelkeit an sich. Ganz schlimm finde ich es, wenn Lobhudeleien auf der Website zitiert werden (wie „hoch inspirierend“ etc.) ohne Namensnennung dabei. Da ist für mich die Grenze zur Peinlichkeit überschritten. Ich meine: Wer wirklich wissen will, was andere über meine Arbeit denken, kann mich fragen. Und da schließt sich dann eigentlich der Bogen zum weiter oben schon Gesagten: Die Bewerbung und der Bewerber sollten idealerweise für sich sprechen. Apropos: Habe mir Alexander Gerbers Blog angeschaut, Klasse, der Companypirate, besonders schön : der Blogbeitrag mit dem Elefanten Komplexität, fein verwoben mit dem Cynefin-Modell.

  5. Hallo Bernd,

    tendenziell stimme ich zu. Selbst klassische Führungskräfte, sog. leitende Angestellte sollten die Referenz weglassen.
    Neben der von Dir beschriebenen Spezies der Selbständigen können aber auch Wissenschaftler/innen von Referenzen in vielen Fällen profitieren, weil die scientific community halt anders tickt.
    Wie immer also: Es kommt darauf an.

    Liebe Grüße!
    Lars

    (der hier ganz ohne Links kommentiert.;-) )

  6. Lieber Bernd,
    da bin ich ausnahmsweise mal nicht genau der gleichen Meinung ;) .
    Grundsätzlich Referenzen anzugeben teile ich, würde ich auch nicht empfehlen, aber es gibt durchaus Situationen in denen ich es angebracht finde.
    Gerade, wenn es um eine betriebsbedingte („offizielle Bezeichnung“, da steckt ja ab und an was anderes dahinter) Kündigung geht. Manchmal lesen sich Zeugnisse da schon etwas merkwürdig und das ist den Bewerbern nicht klar. Da finde ich es durchaus in Ordnung und sehe es nicht als Anklagebank. Ich würde es aber jetzt auch nicht für alle Arbeitgeber empfehlen…!
    Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass über Headhunter sehr wohl Referenzen eingeholt werden und das tatsächlich nicht nur von einem ehemaligen Arbeitgeber. Aber das ist ja vielleicht dann auch die Ausnahme, da das explizit angefordert wird.
    Schließe mich Lars an, kommt drauf an ;)
    liebe Grüße Tanja

  7. Hallo Bernd,

    ich kann Deinen Artikel nur bestätigen. Ich habe lediglich eine Referenzliste über wichtige Projekt, die zeigt, in welchen Bereichen ich Erfahrungen gesammelt habe.

    Das Thema Referenzen und die Frage nach einem Prädikatsexamen war bisher nur in Konzernen ein Thema und das hat dann nie funktioniert. Das ist auch nicht meine Welt. Ich bin im Mittelstand zuhause.

    Und da zählt statt einer Referenz eher mal das Thema Probearbeiten.
    Liebe Grüße
    Jörg

  8. Herr Slaghuis,

    ich hatte die Chance für Konzerne wie Hewlett Packard, Merck, Coca Cola u. a. den Hintergrund von Bewerbern zu überprüfen. Von der Schule bis zum letzten Job. Ich habe Bewerber aus den USA Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Hongkong , Australien etc. geprüft und immer wieder kann der unauffindbare ehemalige Projektleiter bzw. Manager (der bei fehlenden Ubterlagen im Archiv des Unternehmens bestimmte für den AG wichtige Infos bestätigen kann) die Bewerbung negativ beeinflussen. Aber auch wenn nicht, ich finde es nicht relevant, Bewerber so abwertend zu beschreiben, wie Sie in Ihrem Artikel gemacht haben, weil Sie Kontaktdaten von ehemaligen Leitern/Mitarbeitern angegeben haben. Das, was mich stört ist wie Sie von Ihrer Position eines Experten in diesem Fall eher nicht informiert genug sind, aber selbstbewusst und überzeugt die Bewerber abwertend bezeichnen und unprofessionel verallgemeinern, dass sie anscheinend unsicher sind oder SOGAR nicht so gute Spezialisten sind. Jetzt haben das Tausende Menschen gelesen und sie denken zwar wegen Ihres Jobs und Titels, dass Sie keinesfalls referierende Kontaktdaten geben müssen, weil das negativ empfunden wird. Und wahrscheinlich zurecht, wenn auch andere ihrer Kollegen hierzulande so konservativ negativ eingestellt sind. Ich hoffe, dass es nicht die Tatsache ist. Zu behaupten, dass die Referenzen hauptsächlich “Resultat von Unsicherheit” sind und verwendet werden “wenn die Bewerbung allein gefühlt nicht überzeugen kann” ist von mir aus nicht passend und entspricht der Wahrheit nicht. Je schneller und qualitativer die Hintergrundsüberprüfung erfolgt, desto besser für die Bewerber und für das Unternehmen, das seine neuen Manager und neuen guten Mitarbeiter im Bewerbungsverfahren wegen Verzögerungen nicht verlieren will.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Elina Ilkova

    1. Hallo Frau Ilkova,
      woran machen Sie im Artikel konkret fest, dass ich Bewerber abwertend beschreibe und konservativ eingestellt bin? Als konservativ und nicht mehr zeitgemäße Recruiting-Praxis sehe ich es vielmehr an, wie Sie es beschreiben als Arbeitgeber „Hintergrundinformationen“ über Bewerber von der Schule bis heute zu beschaffen. Das ist Misstrauen statt Vertrauen und Detektiv-Spiel statt echtes Interesse am Bewerber als Menschen. Scheinbar haben wir zwei unterschiedliche Sichtweisen darauf, wie sich Arbeitgeber und potenzielle Mitarbeiter gut kennenlernen.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  9. Die immer häufig werdende Verwendung von Referenzen hat zwei ganz einfache Gründe:
    1.: die steigende Internationalisierung, da die Unterlagen oft an „Mutterkonzerne“ im Ausland weitergeleitet werden und es die bei uns verwendeten Arbeitszeugnisse dort so nicht gibt – es werden Referenzen verlangt!.
    2.: 95% der Arbeitzeugnisse inzwischen nach dem „Copy & Paste“-Baukastenprinzip mit den Noten 2 und besser aufgesetzt sind, um evetuelle Rechtsstreitigkeiten im Voraus zu vermeiden – und damit immer mehr an Aussagekraft verlieren!
    Allein schon die Angabe einer Referenz sagt inzwischen aus, dass man/frau auch wirklich dem Zeugnis entsprechend Leistung gebracht hat – und das Zeugnis nicht vom Anwalt / Gericht geschrieben wurde!
    Die steigende Angabe von Referenzen hat als nichts mit Unsicherheit zu tun, sondern ist eine Reaktion der Bewerber auf die aktuellen Gegebenheiten – dass Ihnen allen diese Entwicklung entgangen ist, wundert mich doch jetzt sehr…!

  10. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel! Auch ich habe die Erfahrung gemacht, daß bei einem Bewerbungsverfahren, insbesondere im Erstgespräch, entweder Vertrauen vorhanden ist – oder nicht! Dies ist bereits in den ersten Minuten des Gespräches deutlich zu bemerken….

    Sofern von Seiten des Unternehmens (beziehungsweise der Gesprächspartner) Misstrauen zum Ausdruck gebracht wird – ganz gleich, ob dies dem fachlichen Werdegang, der jeweiligen Wechselmotivation oder den „Lücken“ im Lebenslauf gilt – stelle ich mir die Frage, ob von Seiten des Unternehmens wirklich Interesse an einer Zusammenarbeit besteht – oder ob die Einladung zum Vorstellungsgespräch nur eine Folge des gefühlten „Mangels an geeigneten Bewerbern“ ist, wie es mir hin und wieder auch schon unverblümt mitgeteilt wurde. Daß eine Einladung aus diesem Grunde für keinen Bewerber ein Kompliment ist, muss ich sicher nicht betonen ;-)

    Oftmals sind derartige Verhaltensweisen nur ein Spiegel der Kommunikationskultur im Unternehmen. Als Bewerber aus dem Finanzbereich stelle ich selbst zum Beispiel auch Fragen zur Finanz- und Ertragslage des Unternehmens, sofern mir in den (veröffentlichten) Jahresabschlüssen etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist. Diese Fragen stelle ich immer sehr vorsichtig und so offen wie möglich. Oft habe ich auf diese Art sehr ehrliche Antworten erhalten! Genau diese „Strategie“ habe ich jedoch häufig bei Fragen von Seiten der Unternehmen vermisst. Bei Gesprächen, welche vom Misstrauen der Gesprächspartner geprägt waren, wurden die Fragen bezüglich des Werdeganges derart gestellt, daß die Antwort, welche sich andere Seite bereits zurechtgelegt hatte, gleich in der Frage enthalten war.

    Bei den meisten Unternehmen spielen jedoch meiner Erfahrung nach Referenzen – auch im höher qualifizierten Bewerbersegment – nur eine untergeordnete Rolle. Jeder sollte sich bei dieser Gelegenheit selbst die Frage stellen, wie viel „Kontrolle“ er später in seinem neuen Arbeitsverhältnis vertragen kann. Der qualifizierte Bewerber ist kein Bittsteller – leider ist dies bei so manchem Unternehmen immer noch nicht angekommen :-/

  11. Fazit: Sei Authentisch und steh zu deinem bisherigen beruflichen Lebenslauf und was erreicht worden ist. Setze klare Ziele und verlass dich nicht auf Vitamin-R.

  12. Dear Bernd

    Excellent article.

    As a freelancer I often get requests now when contacting agencies (who freelancers ineviatably have to work through) to give references from my previous freelance projects. In this case they only serve them as a lead generator. I am happy to give my references from my earlier work as an employee if it is in both of our interests and agreed with a referee once a potential project is in sight and not before.

    Regards
    Gordon

  13. Wow meines Erachtens ein Ultra-Oldschool-Beitrag der überhaupt nicht zeitgemäß ist. Direkt die Telefonnummer anzugeben halte ich auch für etwas zu viel, in diesem Anfangsstadium. Aber ein Hinweis dass ein Referenzgeber gern zur Verfügung steht zeigt für mich nicht Unsicherheit sondern pures Selbstbewusstsein. Schließlich wissen wir alle, dass Zeugnisse in Deutschland, naja, bedingt hilfreich sind. Sollte es dann zu weiteren Schritten kommen halte ich einen solchen Referenz-Anruf für beide Seiten sogar sehr hilfreich.

  14. Hallo Bernd,

    Dein Blogartikel eröffnet für mich eine neue Sichtweise, die ich bisher gar nicht so genau betrachtet habe.

    In meinen Bewerbungen nenne ich grundsätzlich keine Referenzen, da es noch nie notwendig war und ich auch niemals danach gefragt wurde.

    Deine Sichtweise kann ich nachvollziehen, ich denke jedoch, dass es nicht so schlimm ist, die eine oder andere gute Referenz anzugeben.

    Als ich vor einigen Jahren in Norwegen war, habe ich es dort komplett anders erlebt. Dort werden grundsätzlich Referenzen angegeben und selten schriftliche Arbeitszeugnisse. Der potenzielle neue Arbeitgeber ruft beim alten Arbeitgeber an und erkundigt sich über den Bewerber.

    Viele Grüße
    Sladjan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top