Job kündigen? 10 Fragen, die Sie vorher mit „Ja“ beantworten sollten

Kündigen oder bleiben? Diese Frage stellen sich aktuell viele Angestellte, schließlich ist die Wechselbereitschaft nach zwei Jahren Krise hoch. Ausbleibende Weiterentwicklung, als ungerecht empfundene Kurzarbeit- oder Homeoffice-Regeln, kaum Führung auf Distanz oder mehr Change-Projekte als Tagesgeschäft. Ist es ratsam, jetzt zu kündigen, ohne einen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche zu haben? Oder erst eine Auszeit und dann in Ruhe nach dem neuen Job suchen? Lieber bleiben und hoffen, dass es wieder besser wird? Hier sind meine 10 Fragen, die Sie sich vor einer Kündigung stellen sollten, damit aus Frust, Stress oder Unterforderung keine übereilte Flucht, sondern die gut überlegte Wechselentscheidung wird.

Job kündigen? 33 Prozent der Arbeitnehmer sind wechselbereit

Studien zeigen, dass die Wechselbereitschaft im Land trotz Krise hoch ist. In einer Forsa-Studie im Auftrag von XING gaben Anfang 2021 insgesamt 33 Prozent der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, dass sie offen für einen neuen Job sind. Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group unter IT-Fachkräften kommt zu den Ergebnis, dass sogar 79 Prozent der Befragten IT-Experten (in Deutschland) in den kommenden 2-3 Jahren einen Jobwechsel plane.

Auch ich spüre die hohe Wechselbereitschaft an den gestiegenen Anfragen für Karriere- und Bewerbungs-Coachings seit Beginn der Pandemie – hier hatte ich darüber geschrieben. Häufig geht es um mangelnden Sinn aus der Distanz im Homeoffice, den Umgang eines Arbeitgebers mit den Corona-Regeln, fehlende Klarheit und frustrierende Ungerechtigkeit, Veränderungen im Management oder ungenügende Entwicklungsperspektiven. Viele meiner Klientinnen und Klienten sind müde und erschöpft. Umso entscheidender, mit dem Entschluss einer Eigenkündigung nicht fluchtartig geschwächt in den nächsten Job zu rutschen, sondern diesen Schritt mit Bedacht bewusst zu gehen. Hier sind zehn Fragen – und noch viele mehr ;-), die Sie sich vor einer Kündigung zur Sicherheit stellen (und beantworten) sollten:

Gehen oder bleiben? 10 Fragen, die Sie sich vor einer Kündigung stellen sollten

Welche dieser Fragen können Sie mit „Ja“ beantworten und bei welchen Fragen fällt Ihnen eine Antwort schwer? Welche Informationen fehlen Ihnen noch und was können Sie tun, um zu mehr Klarheit zu gelangen? Finden Sie heraus, ob Sie wirklich schon bereit dafür sind, Ihren aktuellen Job zu kündigen und etwas Neues zu beginnen.

1. Sind Sie wirklich bereit, die aktuelle Stelle samt Kollegen aufzugeben?

Jede Veränderung bedeutet, für Neues auch etwas Altes aufzugeben. Den täglichen – wenn auch vielleicht nur virtuellen – Kontakt zu lieb gewonnenen Kollegen, bestimmte Aufgaben, die bisher Spaß machten oder besondere Vorzüge, die der jetzige Beruf oder Ihr Arbeitgeber mit sich bringen. Was werden Sie alles aufgeben, wenn Sie kündigen? Sind Sie wirklich schon bereit hierfür und können Sie Abschied hiervon nehmen?

2. Gibt es nichts mehr, das Sie von der Kündigung abhalten könnte?

Ich erlebe in der Karriereberatung viele Arbeitnehmer – und vor allem junge Berufseinsteiger, die aus meiner Sicht zu voreilig die Flinte ins Korn werfen und die Flucht ergreifen. Hätten Ihr Chef oder die Kolleginnen und Kollegen noch eine Chance, Sie von einer Kündigung abzuhalten und wenn ja, womit? Was müsste geschehen, damit Sie bleiben? – Mehr Geld? Eine Beförderung? Neue Aufgaben? Eine offene Aussprache? Lohnt es sich, solche Themen mit Ihrer Führungskraft oder den Kollegen im Team offen zu besprechen und zu prüfen, ob es vielleicht doch noch eine gemeinsame Zukunft gibt? Und wenn es etwas gibt, wie wahrscheinlich ist es, dass das, was Sie von der Kündigung abhalten würde, tatsächlich in Zukunft eintritt?


XING Talk: „Jobwechsel: Wann ist der richtige Zeitpunkt?“


3. Ist Ihnen selbst klar, was Sie sich von einem Jobwechsel versprechen?

Die meisten Angestellten, die an eine Eigenkündigung denken, sind auf der Flucht. Hauptsache weg ist ihre Devise. Doch weg vom alten Arbeitgeber sagt noch nichts über Ihr gutes Ziel für die Zukunft aus. Haben Sie sich bereits Gedanken gemacht, was nach der Kündigung sein soll und was glauben Sie, warum es Ihnen nach einem Wechsel des Arbeitgebers besser gehen wird? Was ist Ihnen im Beruf wirklich wichtig, welche persönlichen Werte und Ziele sollten erfüllt sein, damit es Ihnen im Job gut geht? Was hiervon ist aktuell nicht gegeben und was sollte bei einem neuen Arbeitgeber anders sein, damit Ihre Werte wieder stärker erfüllt sind? Also, was konkret versprechen Sie sich von einem Wechsel und sind Sie sich sicher, dass diese Möglichkeiten zur Veränderung bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber nicht bestehen? Denn …

4. Haben Sie alle Möglichkeiten bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber geprüft?

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter denken, dass ihre Position bei einem Arbeitgeber in Stein gemeißelt ist. Auf die Idee, sich nach alternativen Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens umzuhören, darauf kommen sie unter der Last der Frustration häufig nicht. Ist die Kündigung einmal ausgesprochen, ist es meist zu spät, um über interne Wechseloptionen nachzudenken. Also, über welche vielleicht aus Ihrer Sicht unrealistischen, jedoch attraktiven Veränderungsideen würde es sich lohnen, mit Ihrer Führunskraft, anderen Managern oder Mitarbeitern aus der Personalabteilung zu sprechen, bevor Sie endgültig Tschüss sagen?

5. Sind Sie in der Verfassung, um über Ihre berufliche Zukunft nachzudenken?

Viele Arbeitnehmer fühlen sich im Tagesgeschäft sehr unter Druck und die Probleme, die zur Kündigungsidee geführt haben, belasten sie. Im Coaching bemerke ich, dass es manchen Wechselwilligen extrem schwer fällt, über ihre berufliche Zukunft nachzudenken und mit mir gemeinsam nach vorne zu schauen. Schon ein kurzer Gedanke an das, worunter sie in den letzten Wochen oder Monaten gelitten haben, treibt ihnen die Tränen in die Augen. Das Heute und Gestern bestimmt so sehr ihr Gedankenkarussel, dass in ihren Köpfen noch kein Platz für das Morgen ist. Auch hier wäre die Kündigung mehr übereilte Flucht als ein guter Beginn von etwas Neuem. Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Ihre momentane mentale Verfassung denken? Fühlen Sie sich noch als Opfer der Umstände oder haben Sie wirklich Lust, Ihre Zukunft aktiv zu gestalten?

6. Wissen Sie, nach welchen Zielpositionen und Arbeitgebern Sie suchen?

Wie soll es nach der Kündigung weiter gehen? Das Gleiche, nur woanders? Eine neue Aufgabe bei einem Arbeitgeber in der gleichen Branche? Oder sogar eine größere berufliche Neuorientierung? Mit Ihrer Kündigung müssen Sie nicht zwingend den neuen Arbeitsvertrag in der Tasche haben, doch Sie sollten eine grobe Idee davon besitzen, wohin Sie der nächste Schritt führen soll. Falls Sie es bisher nicht geschafft haben, diesen Plan zu entwickeln, dann schaffen Sie Freiraum für Ihre Orientierungsphase. Die Frage ist: Warten Sie noch etwas mit der Kündigung und werden Sie sich nebenbei nach neuen Positionen und Arbeitgebern umsehen können oder benötigen Sie für diese Überlegungen die Trennung und eine Auszeit mit Abstand vom alten Job?

7. Kommen Sie damit klar, wie andere Menschen Ihre Entscheidung bewerten?

„Man kündigt doch nicht einfach so seinen Job!“ Dieses Denken ist immer noch in weiten Teilen unserer Gesellschaft präsent. Besonders dann, wenn diese Entscheidung von anderen Menschen in Ihrem Umfeld als Luxusproblem bewertet wird. Sie werden Ihnen einreden, dass Sie es doch gut haben und es vielen anderen Angestellten so viel schlechter geht. Und Sie werden das beliebte Argument zu hören bekommen, dass Ihre Verhandlungsposition bei einem neuen Arbeitgeber viel schlechter ist, wenn Sie bereits gekündigt haben. Also, wie stark stehen Sie aktuell selbst zu Ihrer Entscheidung und was werden Sie solchen Bedenkenträgern antworten?

8. Haben Sie schon wieder Lust auf Vorstellungsgespräche?

Naja, von Lust werden Sie vermutlich nicht sprechen wollen. Ich habe jedenfalls noch keinen Jobwechsler kennengelernt, der sich auf ein Vorstellungsgespräch freut. Doch klar ist: Wenn Sie nicht gerade IT-Expertin, Pfleger oder Handwerker sind, werden Sie wahrscheinlich einige Bewerbungen schreiben und so manches Vorstellungsgespräch bis zur Unterschrift des nächsten Arbeitsvertrages führen müssen. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Sind Sie bereit hierfür und neugierig, was Ihnen der Arbeitsmarkt zu bieten hat?

9. Werden Sie drei Monate ohne Einkommen überbrücken können?

Kündigen Sie selbst den Arbeitsvertrag, droht Ihnen im Normalfall eine 3-monatige Sperre des Arbeitslosengeldes. Reichen Ihre Reserven, um die Kosten und den Lebensunterhalt in dieser Zeit zu decken? Sollten Sie zum Zeitpunkt der Kündigung noch keinen neuen Job in Aussicht haben, können sich Bewerbungsprozesse schnell über ein halbes Jahr und länger hinziehen. Werden Sie auch in dieser Zeit ausreichend finanziell versorgt sein?

Wenn Sie wissen möchten, welches Gehalt Sie in anderen Positionen/Branchen erzielen können, dann bietet Ihnen der kostenlose Gehalts-Check von Gehalt.de eine gute Orientierung.

10. Passt der Jobwechsel zu Ihrer privaten Lebensplanung?

Arbeit ist längst zum integralen Bestandteil des Lebens geworden – innerhalb der vergangenen Monate mit vielen Mitarbeitern im Homeoffice umso mehr. Was sind Ihre privaten Pläne für die nächsten Jahre und hätten Ihre Kündigung und der Wechsel des Arbeitgebers Auswirkungen hierauf? Auf was müssten Sie dann vielleicht auch im privaten Lebensbereich verzichten und wie wichtig ist Ihnen das alles? Oder gibt es etwas, das sich privat durch die Kündigung verbessern soll und was bedeutet dies für Ihre Suche nach einem neuen Arbeitgeber?


XING Talk: „Kündigen ohne neuen Job?“


Sie werden kündigen?
Planen Sie Ihren Ausstieg und den Wechsel

Steht Ihre Entscheidung fest, dass Sie den aktuellen Arbeitgeber verlassen möchten, dann klären Sie den Trennungsprozess. Welche Kündigungsfristen sind zu beachten und was ist für Sie ein guter Kündigungstermin? Gibt es Aufgaben oder Projekte, die Sie erst zum erfolgreichen Abschluss bringen möchten, bevor Sie gehen? Vielleicht ist es Ihnen auch wichtig, die offenen Themen an einen Nachfolger zu übergeben. Viele Angestellte möchten ihren Arbeitgeber im Guten verlassen und kein Schlachtfeld hinterlassen. Wenn auch Ihnen dies wichtig ist, dann klären Sie, was Sie in der verbleibenden Zeit dazu beitragen können.

Vielleicht existieren bei Ihrem Arbeitgeber auch Programme zum Personalabbau und Sie kommen in den Genuss einer Abfindungsregelung oder einer Outplacement-Beratung, die Sie bei der Orientierung und Suche nach neuen Positionen unterstützt. Vielleicht kann es auch sinnvoll sein, mit Ihrem Arbeitgeber offen darüber zu sprechen, welche Seite die rechtlich wirksame Kündigung ausspricht – mit allen Konsequenzen, die hiermit verbunden sind – von der Berechnung des Arbeitslosengeldes bis hin zur Formulierung in Ihrem Arbeitszeugnis.

Sie werden bleiben?
Gestalten Sie Ihre alte Arbeit neu

Falls Sie sich gegen eine Kündigung entschieden haben, wird Sie ein „Weiter so!“ auf Dauer nicht zufrieden stellen. Selbst wenn für Sie die Vorteile der Position beim heutigen Arbeitgeber wieder bewusster sind und diese gegenüber einem Jobwechsel überwiegen, gibt es wahrscheinlich immer noch etwas, das Sie stört und in Zukunft weiter belasten wird.

Verfallen Sie nicht auf Dauer in eine Dienst-nach-Vorschrift-Haltung oder halten Sie dies alles als Opfer der Umstände vor lauter Verzweiflung aus, sondern arbeiten Sie als Chef/in Ihres Lebens an den wichtigen Themen, die Sie in Ihren Antworten auf meine zehn Fragen identifiziert haben. Denn auch als Angestellte/r besitzen Sie weit mehr Gestaltungsspielräume, als Ihnen womöglich heute bewusst ist.

(Bild: 123rf.com, #72680873, georgerudy)

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Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Themen rund um die Karriereplanung und berufliche Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich bin SPIEGEL-Kolumnist, XING Insider (Auszeichnung als "XING Top-Mind") sowie Co-Autor des Buchs "Besser arbeiten".

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Dieser Beitrag hat 13 Kommentare
  1. Die Fragen sind berechtigt und gut. Bloß, ich glaube nicht, dass jemand Morgens aufwacht und sich sagt, „Heute kündige ich.“
    Es gibt immer erst eine innerliche Kündigung. Und die ist deutlich vor der äußerlichen Kündigung (manchmal schon Jahre vorher!). Wenn ich also bereits innerlich gekündigt habe, dann hält mich weder mehr Geld noch Versprechungen noch Änderungen. Und das mehr Geld mehr Zufriedenheit bringt, ist schon lange widerlegt.

    Ach ja, noch was. Ich wechsel den Arbeitsplatz und nicht den Beruf. Beruf ist für mich eine Berufung. Die wechselt man nicht wie einen Arbeitsplatz. Wenn ich meine „Berufung“ wechsel, dann war es keine und ich sollte mir Gedanken machen, ob das Fehlen meiner Berufung nicht der Grund für den Arbeitsplatzwechsel ist.

    Ansonsten ist das mit dem Plan eine ganz gute Idee. Allerdings würde ich schon lange vor meiner äußeren Kündigung anfangen nach neuen Arbeitsplätzen zu suchen. Und sei es nur um zu sehen, ob ich was zu bieten habe, was andere benötigen.

    1. Hallo Herr Ende,
      es gibt auch Arbeitnehmer, die den Beruf wechseln, etwa bei einer Neuorientierung. Vielleicht war es sogar lange Jahre die Berufung, aber ich bin der Meinung, analog unserer Werte und Ziele, die sich im Laufe eines Lebens verändern können, darf sich auch die berufliche Orientierung verändern. Außerdem finde ich, muss es auch nicht immer die Berufung sein. Viele Menschen sind sehr glücklich in ihren Berufen, würden aber niemals sagen, dass sie ihre Berufung gefunden haben – und suchen auch nicht danach.
      Bei der inneren und äußeren Kündigung bin ich bei Ihnen, was den Zeitunterschied betrifft. Ich erlebe jedoch auch im Coaching, dass es trotz innerer Kündigung manchmal immer noch Optionen im Unternehmen gibt, die eine innerliche Kündigung vergessen machen. Mir war es mit diesem Beitrag wichtig, zumindest über solche Handlungsmöglichkeiten bewusst nachzudenken und diese ggf. auch anzusprechen, denn dies tun viele Angestellte (vor lauter Frust) nicht.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  2. Bevor man überlegt ob man die Arbeitslosigkeit kündigt hat man meist bereits vor langer Zeit gemerkt, dass der Arbeitsplatz / Arbeitgeber nicht oder nicht mehr passt und sucht meist auch bereits seit einiger Zeit mehr oder weniger aktiv nach Möglichkeiten dies zu ändern bzw. eine andere Stelle. Als erstes natürlich bei dem Arbeitgeber, aber schaltet dieser auf Durchzug bzw. bedienst sich dieser bewusst Hinhaltetaktiken oder Täuschungs- und Ablenkungsmanövern, ist es wenig zielführend seine volle Energie für die Suche nach einer anderen Stelle in diesem Unternehmen zu verwenden. Bei so wenig Wertschätzung ist es besser man investiert seine Energie um seine Fühler nach anderen Arbeitgebern auszustrecken. Es gibt genügend Arbeitgeber, die gute, engagierte und loyale Mitarbeiter und tatsächliche Leistungsträger zutreffend einzuschätzen wissen, statt Blender zu fördern. Und wenn der Arbeitgeber selbst nicht loyal ist, scheint ihm nicht viel daran zu liegen loyale Arbeitnehmer zu haben bzw. zu halten.

    Es ist gut und wichtig, dass Sie darauf hinweisen, dass wenn man selbst kündigt, einem eine 3-monatige Sperre vom Arbeitslosengeld droht, dass man sich dessen bewusst sein muss und überlegen muss, ob man gewillt ist das Risiko einzugehen und wie man die Zeit dann finanziert. Eines was ich in diesem Artikel leider vermisse ist der Hinweis auf die Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge während dieser drei Monate. Werden diese während dieser Zeit über die Agentur für Arbeit gezahlt, durch die im Voraus einbezahlten Arbeitslosenversicherungsbeiträge? Oder muss man in dieser Zeit auch diese Beträge selbst einzahlen?

    1. Hallo Frau Bauer,
      danke für Ihren Kommentar. Ihre Fragen zur Renten- und Arbeitslosenversicherung während einer (bis zu) 3-monatigen Sperrzeit sind berechtigt, ich kann und möchte sie jedoch nicht pauschal beantworten. Hier sollte sich jeder vor einer Eigenkündigung individuell bei seiner zuständigen Arbeitsagentur bzw. dem Rentenversicherungsträger erkundigen.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

    2. Hallo Frau Baur,
      Sie sprechen mir aus dem Herzen, denn genau so ist es mir kürzlich ergangen. Keinerlei Wertschätzung seitens des AG und bei Vorlage der Kündigung eine eiserne Gleichgültigkeit. Im Nachhinein bin ich jedoch sehr froh über die Eigenkündigung, denn eine Arbeitskraft wie mich haben diese Leute nicht verdient – seinen Stolz sollte man sich bewahren!

  3. Hallo Herr Slaghuis!

    Vielen Dank für Ihren Artikel. Sehr frisch formuliert und umfassend ausgeführt.
    Da ich vor ca. 5 Jahren nach langer Überlegung kündigte, hier meine Erfahrung: Ist eine interne Schmerzgrenze überschritten, kündigt man. Erreicht man diese Schmerzgrenze nicht, kündigt man nicht. Ist die Entscheidung fürs Kündigen mal für sich selbst getroffen, kann kein „Zuckerl“ des ehemaligen Arbeitgebers die Kündigung verhindern.
    Und das Gefühl der Befreiung, dass ich nach der Kündigung eines innerlich gehassten Jobs hatte, ist unbezahlbar und unvergesslich. Ich setzte damals Firmenauto und Bonusse in den Sand und bereue gar nichts, ganz im Gegenteil :)
    Es gibt heute so viele Möglichkeiten, dass es nicht notwendig ist in einem Job zu verharren, der einem nicht zusagt.

  4. Hallo Herr Slaghuis,
    wie verhält es sich denn wenn man seinen Job und seine Kollegen mag, aber zum einen völlig überlastet ist und zum anderen die Firma einen sehr fragwürdigen Kurs fährt? Wenn man aber 20 Jahre im Unternehmen ist? Sollte man dann noch wechseln? Wie kommt man zu einer vernünftigen Entscheidung?

    Danke

    1. Hallo Frau Allen,
      die Überlastung ist das eine, was sich ggf. durch Gespräche lösen lässt, doch den Kurs des Unternehmens werden Sie vermutlich nicht mal eben verändern können. Ich würde Sie im Coaching fragen, was genau es ist, das Sie am Kurs stört. Vielleicht hilft eine Veränderung Ihrer eigenen Haltung weiter, vielleicht passt das Umfeld aber auch tatsächlich nicht mehr. Aushalten – egal wie lange Sie schon im Unternehmen sind – ist aus meiner Sicht zumindest auf Dauer keine gute Lösung.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  5. Hallo, danke für die hilfreichen Infos! Ich überlege auch nach 20 Jahren den Job zu wechseln. Allerdings bin ich fast 56 Jahre. Ein neues spannendes Angebot hab ich. Dabei habe ich das Luxusproblem. Ich werde wesentlich weniger verdienen. Mein alter Job hat sich im Laufe der Jahre negativ entwickelt, aber ich verdiene viel Geld und die Altersvorsorge ist prima Der neue Job kommt meinem Traumjob relativ nah. Mein Bauch sagt ja, der Kopf aus Vernunft nein. Gibt es einen Rat aus der Ferne?
    Freundlichen Gruß
    Britta Mohr

    1. Mir geht es so ähnlich wie Britta, ich bin über 20 Jahre in einer Firma. Es hat sich so viel verändert und ich bin mit meiner Kraft am Ende. Bekomme Panikattacken. Innerlich habe ich gekündigt. Aber ich bin fast 50 Jahre alt und habe auch nicht wirklich einen Plan, was ich danach machen soll. Mein Kopf ist nicht frei um darüber nachzudenken. Psychosomatisch gesehen, müsste ich jetzt kündigen. Aber die Angst, in eine dunkle Depression zu fallen, lässt es nicht zu zu kündigen. Ich drehe mich gerade im Kreis. Ihre Fragen kann ich nicht alle mit Ja beantworten. Heisst das, ich muss bleiben ?

      1. Hallo Tanja,
        eine Antwort kann ich Ihnen aus der Ferne so nicht geben, die Entscheidung für eine Kündigung ohne neuen Job in der Tasche ist sehr individuell von der belastenden Situation bei einem Arbeitgeber, aber natürlich auch von Mensch zu Mensch von seiner Verfassung und Persönlichkeit abhängig. Ich bin jedoch grundsätzlich der Meinung, dass es immer Möglichkeiten gibt, etwas zu verändern. Vielleicht muss es auch nicht gleich die Entscheidung kündigen ja/nein sein, sondern erst einmal der Blick nach draußen und die Fühler ausstrecken im Arbeitsmarkt.
        Viele Grüße
        Bernd Slaghuis

  6. hallo.
    ich habe hier einige interessante beiträge gelesen…meine innerliche Zerstrittenheit in Anbetracht eines jobwechsels liegen bei mir ganz woanders.
    eigentlich habe ich einen sehr guten Job,der mir auch spass macht und relativ gut bezahlt wird inklusive urlaubs-u.weihnachtsgeld mit einer 37 stunden Woche und 30 tagen Urlaub.
    klingt für einige wahrscheinlich bis hierher recht gut.
    die Kehrseite in unserem betrieb sind Intrigen,lästereien,unehrlichkeit,heimliche urlaubsplanveränderungen von ein paar kollegen usw…also die ganze Palette von negativen Charakteren im betriebsumfeld.
    diese sachen stören und ärgern mich schon seit jahren und ich merke ,das man menschen halt nicht ändern kann.
    deshalb hab ich schon seit längerem die innere Kündigung vor augen.
    da ich Alleinverdiener bin,hänge ich natürlich an den positiven Rahmenbedingungen in unserer Firma und tue mich halt sehr schwer,eine entgültige Entscheidung zu setzen.

    mich quält jeden tag die fahrt zur arbeit,aber irgendwie fühle ich mich unfähig,den schritt zur Veränderung zu machen…

  7. Hallo, ich bin auch fast zwanzig Jahre in derselben Firma und 51 Jahre. Seit gut zwei Jahren ist die Arbeitsbelastung für mich und viele andere aber so schlimm geworden, dass ich meine Sachen nur durch massive Überstunden und ganz wenig Urlaub halbwegs geschafft habe. Des Weiteren lässt die Wertschätzung bei uns sehr zu wünschen übrig. Noch vor einem Jahr war für mich aber trotz dieser unhaltbaren Zustände der Gedanke an einen Stellenwechsel Science Fiction. Du bekommst doch regelmäßig dein Gehalt, der Weg zur Arbeit ist so nah, woanders ist es auch nicht besser, mit 51 bekommst du sowieso nicht mehr, das waren meine blockierenden Gedanken. Irgendwann wurde der Leidensdruck Anfang dieses Jahres aber doch so groß, dass ich tatsächlich angefangen habe, mir selbst zu widersprechen und regelmäßig Angebote zukommen zu lassen. Dann habe ich mich tatsächlich auf eine Anzeige beworben, jedoch eine Absage erhalten. Zusätzlich hatte ich selbst eine Anzeige geschaltet und immerhin eine Antwort erhalten. Ich habe mich dort beworben und einen Vorstellungstermin bekommen. Allerdings war relativ schnell klar, dass ich bei diesem Arbeitgeber wohl vom Regen in die Traufe gekommen wäre und habe abgesagt. Dann habe ich einige Zeit nur die Angebote gelesen und nichts unternommen, bis mich vor wenigen Wochen eine Anzeige sehr angesprochen hatte. Wieder habe ich mich beworben und kurze Zeit später kam die Einladung zu einen Vorstellungstermin. Der lief recht gut, allerdings sind dort immer zwei Vorstellungstermine üblich, dann mit anderen Personen. Auch dieser Termin war vielversprechend und hat meinen positiven Eindruck gefestigt. Es wurde vereinbart, dass beide Parteien nochmal darüber schlafen und bis zum Wochenende eine Entscheidung gefällt wird. Dann kam tatsächlich die positive Nachricht für mich und mein neuer Arbeitgeber war auch froh, dass ich mich für ihn entschieden habe. Von den Gesprächen war ich positiv überrascht. Sie waren ganz locker ohne fiese Fragen oder verstecke Fouls. Mein Bauchgefühl war jedenfalls von Anfang an sehr gut. Ich bin aktuell richtig glücklich und freue mich darauf, meinem jetzigen Arbeitgeber die Kündigung auf den Tisch knallen zu können. Natürlich habe ich dabei auch Glück gehabt, aber nur, weil ich es versucht habe! Zu verlieren hatte ich ja nichts, daher bin ich da relativ locker ran gegangen. Dennoch bin ich heilfroh, dass es geklappt hat. Nebenbei bemerkt ist meine Kündigung die dritte in kurzer Zeit und es werden weitere folgen, das weiß ich……

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