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Mal Ehrlich! Diese Bewerbung Würde Jeden Personaler Umhauen

Mal ehrlich! Diese Bewerbung würde jeden Personaler umhauen

Ich bemängele hier regelmäßig langweilige 08/15-Bewerbungen und mache Mut für mehr Pep im Anschreiben. Doch wieviel Ehrlichkeit als Bewerber ist erlaubt und notwendig, um aus der Masse hervorzustechen, jedoch für den neuen Arbeitgeber nicht sofort ein offenes Buch zu sein? Wann ist schwammig zu langweilig und wann wird ehrlich zu gefährlich? Für diesen Beitrag habe ich solche Themen im Coaching mit Bewerbern gesammelt, bei denen es ihnen schwer fällt, ehrlich zu schreiben, was ihnen wichtig ist oder was sie persönlich ausmacht. Entstanden ist ein extrem ehrliches Anschreiben, das Sie in dieser Intensität wohl niemals so verschicken würden – und es auch nicht tun sollten! Denn mal ehrlich: Diese Bewerbung würde viele Personaler umhauen – zumindest heute noch. Wobei … Personaler umhauen, welcher Bewerber möchte das nicht? ;-)

Bewerbung, mal ganz ehrlich …

Als ich Ihre Stellenanzeige las, war ich noch nicht begeistert. Denn schließlich klingt sie wie die vielen anderen, die ich täglich lese und so richtig weiß ich nicht, wen Sie suchen und was genau sich hinter dieser Stelle verbirgt. Doch das, was ich über Ihr soziales Engagement hier in der Region gelesen habe, hat mich sehr beeindruckt und auch die dargestellten Unternehmenswerte passen gut zu dem, was mir im Beruf wichtig ist. Ich liebe Ihre Produkte und die ausgeschriebene Position klingt nach einer tollen Chance für mich. Und ganz nebenbei: Ich möchte meine Lebenszeit nicht länger im Stau verschwenden und suche einen neuen Arbeitgeber um die Ecke. Das sind Sie! Ob es wirklich passt, das werden wir jedoch nur gemeinsam im Gespräch herausfinden können.

Alle Informationen über meine Vergangenheit finden Sie im Lebenslauf sowie in den Zeugnissen meiner Ex-Arbeitgeber. Mein letzter Arbeitgeber und ich haben einen Aufhebungsvertrag geschlossen, denn nach dem Wechsel des Managements und auch meines Chefs passte die Kultur nach zehn Jahren für mich dort nicht mehr. Seit einem Monat bin ich freigestellt und fokussiere mich auf die Suche nach einem neuen, passenden Arbeitgeber für meine berufliche Zukunft, vielleicht sogar bis zum Ruhestand.

Wenn Sie einen roten Faden in meinem Lebenslauf suchen, werden Sie keinen finden. Ich sehe mich als Generalist, bin vielseitig interessiert und brauche die Abwechslung im Beruf. Meine Erfahrungen aus unterschiedlichen Branchen und Funktionen sehe ich ebenso als Stärke wie auch die Erlebnisse aus meinen zwei jeweils 6-monatigen Reisen als Auszeiten während der letzten zehn Jahre. Ich kann kein Instagram, dafür gibt es kaum etwas, das mich mit Anfang 50 als „alten Hasen“ noch aus der Ruhe bringt.

Es motiviert mich und ich werde nur dann in den nächsten Jahren bei Ihnen bleiben, wenn mein Chef mich und sein Team wertschätzend führt, mich entsprechend meiner Stärken und Talente einsetzt und mir den Freiraum gibt, den ich brauche. Ich werde auch Fehler machen, besonders zu Beginn. Daran möchte ich wachsen, nicht bestraft werden. Sehe ich Fehler bei anderen, möchte ich sie darauf aufmerksam machen dürfen, denn Erfolg als Team ist mir wichtig. Als Mitarbeiter werde ich auch kritische Fragen stellen und manchmal unbequem sein. Ich arbeite nicht ab, sondern gestalte mit. Ich möchte Neues lernen und mich persönlich weiterentwickeln. Gerechtigkeit in der Aufgabenverteilung und Vergütung, Freiheit im Denken und Handeln, Freude bei der Arbeit sowie die Identifikation mit meinem Arbeitgeber und seinen Produkten sind mir besonders wichtig.

Mein Feierabend ist mir heilig. Ich arbeite länger, wenn es nötig ist, doch neben dem Beruf habe ich ein Privatleben. Ich werde regelmäßig Urlaub machen und am Wochenende nicht erreichbar sein. Ich brauche meinen eigenen Arbeitsplatz, den ich mir einrichten kann. Maximal zu zweit in einem Büro. Etwas Home-Office ist schön, jedoch weder Vollzeit, noch als regelmäßiger Zwang. Ich mag den Austausch mit Kollegen, aber auch meine Ruhe. Ab und zu eine Reise ist in Ordnung, doch ich bin auch gerne bei meiner Familie zuhause.

Kommunikationsfähig, teamorientiert und durchsetzungsstark bin ich wohl – was auch immer das bedeutet. Ich denke strategisch, schaue über den Tellerrand und gehe analytisch an Themen heran. Ich schaffe gerne Strukturen, finde aber auch das Chaos für Kreativität und Innovation hilfreich. Ich bin kein Schwätzer, sondern beobachte und höre zu, bevor ich meine Meinung sage. Ich bin neugierig und offen gegenüber Neuem, Veränderungen sehe ich als Chance. Das erwarte ich auch von meinem Umfeld. Weiterbildung lässt mich wachsen und hat mir in der Vergangenheit viele Impulse gegeben. Hier weiß ich am besten selbst, was mich weiterbringt.

Ich möchte in den nächsten Jahren mehr Verantwortung übernehmen. Karriere um jeden Preis ist jedoch nicht mehr mein Antrieb. Es ist mir wichtig, meinen Weg zu gehen und nicht nur den, von dem Sie glauben, dass er richtig für mich ist. Den gemeinsamen Weg möchte ich regelmäßig mit meinem Arbeitgeber reflektieren – häufiger als einmal im Jahr im Mitarbeitergespräch.

Ich bin sofort verfügbar, möchte mir jedoch vor dem Einstieg drei Wochen Urlaub gönnen. Meine Gehaltsvorstellung? Geld schenkt mir Sicherheit und ich möchte meinen guten Lebensstandard halten. Wenn alles andere erfüllt ist, was mir im Beruf wichtig ist und es zwischen uns menschlich passt, dann bin ich zuversichtlich, dass wir im Gesprächsverlauf auch beim Gehalt zusammenfinden werden.

Treffen wir uns zu einem persönlichen Gespräch, dann gefällt es mir, wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen. Ich stehe weder auf Standardfragen zu meinen Stärken und Schwächen, noch auf Persönlichkeitstests und Rätselaufgaben. Ich werde Ihnen nicht jeden Arbeitgeberwechsel der Vergangenheit erklären oder die kleinste Lücke im Lebenslauf begründen. Sie dürfen mich alles fragen, was für Ihre Entscheidung wichtig ist, das gleiche gilt für mich.

Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, ich passe zu Ihnen sowie ins Team und bin derjenige, dem Sie die Verantwortung für die Aufgaben in dieser Position übertragen möchten, dann rufen Sie mich an und wir suchen nach einen Termin für unser erstes persönliches Kennenlernen.

Mal ehrlich, was denken Sie?

Wenn ich mit Bewerbern über mehr Klartext in ihren Anschreiben spreche, dann fragen mich alle: „Darf ich denn sowas schreiben?“ oder „Mache ich mich damit nicht angreifbar?“ Sie haben Angst, durch zu viel Klarheit aus dem Rennen zu fliegen. Angst erzeugt Unsicherheit und führt zu Vorsicht im Verhalten. Lieber nicht zu viel verraten ist so längst zur bevorzugten Strategie der meisten Bewerber geworden.

Ja, es stimmt: Wer für andere Menschen greifbar ist, ist auch leichter angreifbar. Wer Ecken und Kanten zeigt, der läuft Gefahr, dass sich andere daran stoßen.

Doch in der Konsequenz als Bewerber zum schwammigen Mittelmaß zu werden, möglichst wenig von sich preis zu geben, ja sogar bewusst vermeintlich Kritisches zu vertuschen, das ist aus meiner Erfahrung die absolut falsche Strategie im heutigen War for Talents auf dem Bewerber- und Arbeitsmarkt.

Schließlich wird am Ende nicht die harmloseste Bewerbung mit dem schönsten Design gekürt, sondern der Bewerber eingestellt, bei dem sich ein Arbeitgeber in seiner Entscheidung am sichersten fühlt, dass sie/er zum Chef, dem Team, zum Unternehmen und natürlich zur Position und ihren Anforderungen passt.

Klarheit schafft Sicherheit. Als Bewerber können Sie durch eigene Klarheit aktiv dazu beitragen, Ihrem potenziellen Arbeitgeber mehr Sicherheit bei der Auswahlentscheidung zu geben.

Mal ehrlich, wieviel Kante möchten Sie als Bewerber zeigen?

Klar, dass Sie mein übertriebenes Beispiel für ein ehrliches Anschreiben so nicht für Ihren nächsten Traumjob verschicken. Doch womöglich sind bei den Themen auch Anregungen für Sie dabei, wie Sie mit Ihrer nächsten Bewerbung mehr Kante zeigen und somit für mehr Klarheit beim Empfänger sorgen können.

Vielleicht lesen Sie nachher meinen Text noch einmal durch und überlegen sich parallel, was Ihnen persönlich für Ihren nächsten Job wichtig ist und auch, wie klar Sie dies in Ihrem nächsten, eigenen Anschreiben zum Ausdruck bringen möchten.

Um es ganz klar zu sagen: Es geht mir bei diesem Artikel nicht darum, Ihnen eine Textvorlage zu liefern, sondern vielmehr um den Impuls, Ihre Haltung als Bewerber zu hinterfragen, sich für potenzielle Arbeitgeber so greifbar wie möglich zu machen. Es dem Leser Ihrer Bewerbung leichter zu machen, eine klare Entscheidung zu treffen: Eine Entscheidung zwischen Absage und Einladung zum persönlichen Gespräch, statt nur einem dumpfen Gefühl von Unsicherheit, ob es passen könnte. Denn als weichgespülter Bewerber ohne Profil werden Sie es heute kaum noch über die erste Hürde im Bewerbungsprozess schaffen.

Es ist selbstverständlich Ihre Entscheidung, wieviel Kante Sie bereit sind, zu diesem frühen Zeitpunkt des Kennenlernens zu zeigen.

Meine Erfahrungen aus Coachings mit Bewerbern sind eindeutig: Bereits eine leichte Dosis mehr als gewohnt an ehrlicher Klarheit im Anschreiben und Lebenslauf – gepaart mit der richtigen Haltung, führen regelmäßig dazu, dass sie häufiger und schneller zu Gesprächen eingeladen werden. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es dann auch wirklich passt.

Probieren Sie es aus, denn langweilige Standardbewerbungen haben auch Sie vermutlich in Ihrem Leben schon zu viele verschickt.

Wünschen Sie sich Unterstützung bei der Bewerbung oder Vorbereitung eines anstehenden Vorstellungsgesprächs? Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir und wir besprechen die Möglichkeiten sowie die Kosten für ein Bewerbungs-Coaching.

(Titelbild: 123rf.com, #35395371)

 

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 60 Kommentare
  1. Ich würde diesen Bewerber sofort zu einem Vorstellungsgespräch einladen! Warum? Weil er sich aus dem täglichen Einerlei heraus hebt. Selbst wenn sich dann im Gespräch herausstellt, daß er nicht zur ausgeschriebenen Stelle passt, wäre alleine schon der Mensch hinter dieser Bewerbung interessant.

    1. Hallo Herr Kittel,
      das gleiche dachte ich mir auch, als ich den Text fertig hatte. Und auch erst dann ist mir die Idee mit dem Wortspiel „umhauen“ in den Sinn gekommen ;)
      Danke für Ihr Feedback und viele Grüße,
      Bernd Slaghuis

      1. Hallo Herr Slaghuis, ich würde auf diese Bewerbung auch reagieren, da ich mit Führungskräften arbeite und feststelle, wie stark dies „Rundschleiferei“ diese beeinträchtigt. Es gibt ca.3 Sätze, die ich weglassen würde, den Rest finde ich gut. Ich verlasse mich auf meine Erfahrung und das Wissen um die Strukturen in meinem Team. Ich kenne meine Kollegen und kann damit eine Auswahl treffen. Ich finde es sehr reizvoll, wenn der Einzelne den Mut aufbringt sich zu positionieren. Mal ehrlich: ich will auch nicht jeden Arbeitgeber. Mit Sicherheit nicht. Gratulation zu einem richtig guten Ansatz! Viel Erfolg weiterhin.

    2. Soll das heißen, dass jede Bewerbung erst dann gut ist (und zu einer Einladung zum Bewerbungsgespräch führt), wenn man alles anders macht, als selbst ernannten Bewerbungs-Experten und -Coaches sagen? Die Frage ist doch: Hebt sich diese Bewerbung einfach nur aus dem täglichen Einerlei heraus, oder hebt sie sich positiv aus dem täglichen Einerlei heraus? Das schreiben ist natürlich ein Stück weit originell – keine Frage. Andererseits wirkt der Schreibstil sehr arrogant und dominant. Würde der Personaler daraus nicht direkt schließen, dass dieser Bewerber als späterer Mitarbeiter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Unruhe in die Abteilung mitbringt und dass es zu Problemen in den hierarchischen Strukturen kommen wird (ohne die genaue Position, etc. zu kennen)? Es ist bekannt, dass Personaler im allgemeinen damit überfordert sind Bewerber zielsicher fachlich einschätzen zu können, aber ist diese Vorgehensweise nicht etwas zu flach?
      Mich würde interessieren, (1.) führt ein solches Vorgehen tatsächlich zum Erfolg? Und (2.) welcher Personaler ist noch in der Lage eine Stelle bestmöglich zu besetzten, wenn sämtliche Bewerber ein Schreiben nach diesem Stil einreichen würden?

      1. (1) Ja, es führt heute zum Erfolg. Wie im Artikel geschrieben, mit einer geringeren Dosis. Der Text ist von mir überzeichnet geschrieben und soll keine 1:1 Vorlage sein.
        (2) Wenn wir soweit sein, dass alle Bewerber klar und ehrlich schreiben, was ihnen wichtig ist und wie sie „ticken“, dann sprechen wir uns nochmal:-)
        Und wer weiß, wie dann „Bewerbung“ im Unternehmen aussieht und ob es Anschreiben dann überhaupt noch gibt.

        1. Ich finde das Anschreiben großartig, weil es die alltäglichen Stellenausschreibungen wiederspiegelt und beantwortet. Den Bewerber würde ich sofort einladen.
          Zu dem Kommentar meines Vorredners. Warum ist dominat immer schlecht? Im Vertrieb wird es als positiv wahrgenommen, ebenso in strategischen Positionen. Dominant steht für Entscheidungsfreude und eine klare Haltung sowie effizientes Arbeiten. Positive Eigenschaften, die immer wieder in Ausschreibungen genannt werden. Nur ohne das Wort „dominant“ zu nutzen.

        2. Ich bin kein Headhunter, sondern Unternehmerin. Vom Textfluss fand ich die Bewerbung gut, und natürlich sehr ehrlich. Somit war das schonmal gut. Der Text selber war für mich zu lang, und zu sehr aus der ich-perspektive bedacht. Die Sorge des Bewerbers galt nicht genug dem Arbeitgeber oder dem Unternehmen. Ich als Arbeitgeberin hätte Angst diese ich-Sorge würde sich am Arbeitsplatz fortsetzen. Zweitens wurde die Bewerbug aus einer „high Status Position“ formuliert. Für eine Führungsposition eventuell angebracht, aber für eine solche Position wurde zu wenig Fach-Kompetenz formuliert.

        3. Hallo LisaS4,
          wie im Text selbst und auch meinen Kommentaren hier erläutert, sollte der Text kein Anschreiben als Muster oder 1:1-Vorlage sein, das wäre wirklich sehr lang und ja, auch zu wenig auf eine Zielposition bezogen. Es geht mir um die Haltung, aus der Bewerber Anschreiben formulieren sowie um den Mut, Klarheit zu schaffen, die wichtig ist, um greifbar zu werden und echtes Interesse zu zeigen / zu erzeugen.
          Was den High-Status und die Bewerbung als Führungskraft betrifft, bin ich anderer Meinung: Gerade für Führungspositionen halte ich nicht das Fachwissen für entscheidend, sondern die Persönlichkeit, die Haltung als Führungskraft sowie alles das, was Berufserfahrung ausmacht – auch als Lebenserfahrung.
          Viele Grüße
          Bernd Slaghuis

          P.S. Passend zum „ehrlichen Anschreiben“ hätte ich es toll gefunden, wenn Sie Ihre Meinung als Arbeitgeberin mit Ihrem echten Namen hier vertreten hätten.

  2. Ich bin begeistert über diese Extrem-Vorlage. Als Bewerbung würde ich es abmildern, denke aber über eine Nutzung bei Kommunikationsproblemen im Job ernsthaft nach. Danke!

  3. Nach dem Lesen der Bewerbung habe ich mir gedacht, dass dies eine wirklich offene, selbstbewusste und klare Bewerbung ist, die ich mir als Personaler, der ich nicht bin, wünschen würde.

    Wenn ich mir aber den Einheitsbrei der Personaler und Vorgesetzten mit ihren doch manchmal recht kruden Vorstellungen eines MA´s ansehe, dann glaube ich, dass diese Bewerbung min. 95% aller AG´s in Schrecken versetzen wird.

    Zu meiner Person sei zu sagen, dass mir diese Bewerbung, die Form und die Gestaltung, wie auch der Inhalt sehr gut gefallen hat und ich mir vorgenommen habe, dies mal bei Gelegenheit auszuprobieren.

    Danke für den Ansporn, mal wieder eine Vorlage, die jeden nachdenklich machen sollte, vor allem das HR Getümmel, die immer wissen, was man ist.

    Danke

  4. Ich denke, diese Bewerbung spiegelt in beeindruckender Weise das wieder, was in Zukunft auf die Führungskräfte zukommt. Der MA weiß was er will, oder zumindest was er nicht will und stellt ganz klare Anforderungen an die Unternehmensführung, was wahrscheinlich eingefahrene „Manager“ abschrecken würde, den Bewerber zu einem Gespräch einzuladen.
    Eine FK die „neurologisch“ führt, wird diesen Bewerber sofort einladen!

  5. Als Frischling frisch von der FH hatte ich so was zwar nicht geschrieben, aber es war meine Grundeinstellung. Und meine Chefs haben das auch Jahrzehntelang akzeptiert bis hingenommen, weil die Leistung dazu passte. Nur meine letzten Chefs (d.h. Gruppenleiter und Abteilungsleiter) mit einem Führungsstil á la Wehrmacht haben versucht, mich zurechtzustutzen, und als das nicht ging, mich loszuwerden.

  6. Wow!
    Nachdem ich mich als kantig bezeichne, dies auch in Bewerbungsgesprächen neben einigen der oben genannten Punkte klar zeige – mein nächstes Anschreiben wird noch klarer als die bisherigen. No risk no fun – oder besser No risk no success.
    Herzliche Grüße
    K. Arndt

  7. Worum geht es denn bei der Bewerbersuche eigentlich? Ich möchte den Menschen finden, der einerseits fachlich passt, sich aber auch als Individuum mit allen seinen persönlichen Stärken in das Unternehmen einbringt. Am besten geht das, wenn dieser Mensch im Gleichgewicht ist und sich und sein Leben genau so wertschätzt wie auch die Arbeit und die Aufgaben die es zu bewältigen gibt. Über Kommunikation wird so viel gesprochen und jedes Unternehmen sucht Gestalter, die nötige Prozessveränderungen auch offen ansprechen sollen. In der Konsequenz kann das nur heißen, solche Bewerber muss man einladen und dann von Angesicht zu Angesicht sehen, ob es passen könnte. Einzige Gefahr ist die Länge des Anschreibens, die persönlichen Bedürfnisse sollten nicht zu viel Anteil haben, das ermüdet sicherlich den ein oder anderen Entscheider. Das kann man auch charmant am Telefon oder vor Ort einbringen.

  8. Wir sind im Wandel der Zeit, die „alten“ Chefprinzipien sind nicht mehr zeitgemäß und die „neuen“ sind noch in der Findungsphase. Als Arbeitnehmer steht man dazwischen und kann entweder mit der Masse mit schwimmen oder aber man hebt sich daraus, Für mich wäre der Bewerber auf jeden Fall interessant, da gerade die Perspektiven die aufgeführt wurden immer ein Gespräch wert sind. Darüber hinaus wäre alleine die Neugier schon da, ob die Person dahinter auch im mündlichen redegewandt ist oder aber sich hauptsächlich nur schriftlich klar darstellen kann.

  9. Gratulation, diese Bewerbungsvorlage trifft zielgenau das was viele in dieser Altersgruppe denken.
    Es beschreibt die Anforderungen und Vorteile eines selbstbewussten Mitarbeiters der ein großer Gewinn für den Arbeitgeber ist.

  10. Hallo,
    unter Garantie würde ich einen solchen Bewerber einladen. Während m.E. sehr häufig nur die Sicht vom „benachteiligten“ oder „über den Tisch gezogenen“ Bewerber beschrieben werden gibt es in der realen Welt auch die andere Seite. Bewerber die sich vorsichtig gesagt „sehr gut darstellen“ und versuchen jede Schwäche zu verstecken. Dabei geht es in Bewerbungsgesprächen aber eigentlich nicht (zumindest in normalen Firmen). Vielmehr ist es wichtig in der kurzen Zeit eine halbwegs verlässliche Einschätzung zu seinem Gegenüber treffen zu können. Am Ende gewinnt nämlich keiner der beiden wenn es nicht passt. Mag es kurzfristig ein Gehalt sein, erzeugt ein Fehlausflug im Lebenslauf (Probezeit) – vor allem wenn es mehr als einmal vorkommt – einen erheblichen Eindruck. Persönlich versuche ich deshalb die „Drucksituation“ im Termin (der abhängig von der Organisation in der Firma einfach zwingend sein kann) durch ein lockeres Gespräch oder Treffen im Vorfeld aufzuheben. Bei einem Essen und mit normalen Themen lernt man sein Gegenüber auch gut kennen – ohne Rätsel. Oftmals geht es um die Einstellung und das Verhalten – vieles kann damit nämlich schlicht erlernt werden. Ohne – nicht.
    Deshalb: Ein Gespräch mit so einem Bewerber wäre wesentlich entspannter weil er keinen Hehl aus vielen macht. Ehrlich, authentisch -> sehr gut. Aber: ich glaube um so ein Schreiben erstellen zu können, muss man eine sehr gute Selbsteinschätzung haben und seine Mitte gefunden haben. Ich würde behaupten das dies mit 20 sicher nicht der Fall ist. Da würde es ggf. Wieder sehr aufgesetzt wirken.

    Aber: Gratulation, Sie haben mich dazu gebracht mich hier während meiner S-Bahn Fahrt zu verewigen.

  11. Guten Morgen Herr Slaghuis,

    das ist sehr inspirierend und unheimlich amüsant zu lesen, danke!
    In Wirklichkeit sagt diese Bewerbung das aus was min. 90% aller Bewerber denken, es aber niemals wagen würden zu schreiben.
    Ein Versuch wäre es wert.
    Zwar nicht ganz so extrem und mit etwas weniger Text, denn das Anschreiben sollte ja kurz und knackig auf eine Seite passen.

    1. Guten Morgen Frau Flores Castaño,
      ich habe hier alles hinein gepackt, was mir in Gesprächen an Gedanken von Bewerbern begegnet. Dadurch bekommt das Anschreiben sicherlich einen zu starken Fokus auf die Persönlichkeit und ist natürlich auch zu lang so. Es sollte ja auch keine 1:1 Textvorlage sein :-) Wobei – ich habe auch schon Anschreiben auf mehr als einer Seite gesehen, mit denen berufserfahrene Bewerber sehr erfolgreich waren.Meine Erfahrung: Wenn es wirklich gut geschrieben ist, dann wird auch mehr als eine Seite gelesen. Aber Sie haben Recht, kurz und knackig ist besser und alles Wichtige passt dann auch auf eine Seite drauf.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  12. Ich glaube nicht, dass so ein Anschreiben durch die Personalabteilung durchkommen kann. Sollte sie es aber dennoch zu mir schaffen, hat der Mensch zu diesem Anschreiben sicher ein Gespräch mit mir. Ich habe alle meine Einstellungen auf der Basis der Gespräche und nicht irgendwelcher Zeugnisstapel gemacht. Da dieser Stelleninteressent durch seine Mindset einen guten Start hat, würde ich ihn sicher einstellen. Ich glaube nur nicht, dass mir irgend eine Personalabteilung dieses Schreiben vorlegen würde.

    1. Hallo Herr Saubert,
      genau das ist der springende Punkt. Ich befürchte auch, dass besonders in großen Unternehmen, die ggf. sogar die erste Auswahl einem „Roboter“ = Algorithmus mit Keywords überlassen, dieser Bewerber hier gnadenlos aussortiert würde. Bei einem mittelständischen Familienbetrieb hingegen wäre die Chance zur Einladung hoch. Es ist also (zumindest heute) auch eine Frage der Zielgruppe, ob es doch zu riskant ist, allzu sehr von der „Norm“ abzuweichen. Ich vermute allerdings, dass dieser (imaginäre) Bewerber von oben nicht in einem Konzern arbeiten möchte, der Bewerbungen automatisiert aussiebt ;)
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

      1. Hallo Herr Slaghuis,

        ich finde die Bewerbung auch erfrischend ehrlich und klar geschrieben. Werde den Stil mal bei einer meiner nächsten Bewerbungen antesten ;-) Bzgl. Keywords: um „Robbi“ auszutricksen, könnte man doch unten in der Fußzeile in der Bewerbung eine Tag Cloud mit all den schönen Keywords „gähn“erieren ;-)

  13. Danke Herr Slaghuis,
    dass Sie mir meine Bewerbung geschrieben haben, obwohl wir uns ja überhaupt nicht kennen. Wie machen Sie das nur? Jetzt ist es schon fast schade dass ich mich gar nicht bewerben muss.

  14. Danke für diese Bewerbung – Sie hat mich zum einen zum Schmunzeln gebracht und zum anderen dann doch ein wenig nachdenklich gestimmt.

    Ich glaube, dass eine derartige Bewerbung bei einem größeren Unternehmen leider (!) auf der Strecke bleiben würde und bin trotzdem davon überzeugt, dass es genau diese Art von Ehrlichkeit und „Mut zum Anderssein“ ist, die einen tollen neuen Mitarbeiter ausmachen können.

    Insofern hoffe ich einfach mal, dass dieses Beispiel ein wenig Schule macht und sich immer mehr Bewerber trauen, die Floskelpfade der Standardbewerbung zu verlassen.

  15. Diese Bewerbung ist wirklich einzigartig. Sie zeigt, dass der Bewerber sich Mühe gemacht hat bei der Bewerbung und dass er wirklich dahinter steht.
    Diese Bewerbung würde wohl bei uns in der Firma die Tür zum Vorstellungsgespräch öffnen.

  16. Das ist eine tolle Arbeitsgrundlage für jeden Karrierecoach bzw. Bewerberberater. Auch ich versuche immer wieder zu überzeugen, dass das Anschreiben sich abheben muss von der Masse und ein bisschen mehr Ehrlichkeit (gerne auch mal über unpopuläre Themen) und Persönlichkeit (inklusive einer kleinen Schwäche???) im Anschreiben durchaus positiv ankommt.

    Auf der anderen Seite sehe ich dieses Anschreiben – als ehemaliger Personaler sowohl im Mittelstand als auch im Konzern – nicht so begeisternd, wie es andere hier tun. Ja, der Mensch hinter diesem Anschreiben würde mich vielleicht persönlich interessieren. Aber nein, ich würde ihn nicht einladen zu einem Vorstellungsgespräch. Dafür wäre mir meine eh schon knappe Zeit als Personaler zu schade. Denn trotzt Wandel im Bewerbermarkt freue ich mich auch als Personaler über ein etwas „klassischeres“ Anschreiben, mit z. B. Bezug auf die ausgeschriebene Stelle und Eigenmarketing, das nicht ausschließlich die Lebenseinstellung des Bewerbers wiederspiegelt. Mir dünkt, der Bewerber ist ein sehr von sich überzeugter Alpha-Wolf und da kommt es dann auch sehr auf die Stelle (und auf den Vorgesetzten der Stelle) an, ob das passen könnte.

    Ein anderer Aspekt ist, dass es viel zu lang ist. Welcher Personaler hat so viel Zeit, das zu lesen? Am Anfang liest man es noch mit Begeisterung – „endlich mal was anderes“ – aber ab der Mitte fühlte ich nur „jetzt langt’s aber mal, komm zum Schluss, Du Mega-Held“. Hier bin ich, rein auf der Gefühlsebene, ins Negative abgedriftet.

    Ich danke vielmals für dieses etwas andere Anschreiben, weil es wirklich zum Nachdenken anregt und mir (und bestimmt auch vielen anderen) viel Inspiration gibt, wie man es anders machen könnte. Und so ist es wohl auch gemeint!?

  17. Mal ehrlich!
    Dieses Anschreiben ist laut geltender Meinung zu lang, aber ich würde es nicht weglegen, ohne es zu Ende gelesen zu haben.
    Zu ehrlich?
    Ich zöge es, wenn ich mich ohne Druck bewerben würde, durchaus in Erwägung, es so – angepasst auf mich – zu verwenden.

    1. Mal ehrlich, was ist schon „geltende Meinung“? Lach. Nein, ernsthaft: Ja, es ist sehr lang, sollte aber auch keine komplette Vorlage sein, sondern eine einigermaßen logische „Aneinanderreihung“ von Impulsen und Ideen für mehr Klarheit. Und Sie hätten es bis zum Ende gelesen – also ruhig ein wenig weniger geltende Meinung und Hang zur Standard-Erfüllung, sondern mehr Mut zur eigenen Meinung.

  18. Ja, da ist alles drin, was ein Bewerber so eigentlich denkt. Nur, wie bereits geschrieben, nie sagen würde.
    Genau wie die Unternehmen in ihrenen Ausschreibungen würde ich als Bewerber nur Teilaspekte zwischen den Zeilen schreiben. Wenn überhaupt, würde ich das erst bei einem persönlichen Gespräch anbringen.

    Ja, der Bewerbungsprozess ändert sich. Aber noch sind die Mehrzahl in den alten Zeiten ausgebildet worden. Da steht nicht im Vordrgrung was der Bewerber will, sondern was das Unternehmen glaubt zu brauchen.

    Um alles an Gegenpositionen unterzubringen ist der Text deutlich zu lang geworden. Als Bewerbungsschreiben ist der Text einfach zu ermüdend. Nach dem ersten Drittel wusste ich dann schon, wie der Rest aussehen würde. Das fesselt dann nicht gerade und regt auch nicht zum Weiterlesen an.
    Als „Vorlage“ für ein Anschreiben kann ich das nicht nehmen. Als Sammlung von Textbausteinen schon.

    Leider sind wir noch nicht so weit, dass die Mehrzahl der Unternehmen sich für die Einstellungen und Vorstellungen der Arbeitnehmer interessiert und diese berücksichtigt. Wir sind doch gerade noch dabei uns von der Vorstellung zu trennen, dass Menschen mit Maschinen gleichzusetzten sind (Produktionsfaktor). Diese Erkenntniss hat in Deutschland doch erst 30 Jahre gebraucht um überhaupt mal einen Umdenkprozess in Gang zu bringen.
    Und ich befürchte, dass das nur gekommen ist, weil die Unternehmen festgestellt haben, dass es doch nicht ohne Mitarbeiter geht.

  19. Guten Tag Herr Dr. Bernd Slaghuis,

    vielen Dank für diese erheiternde Vorlage.

    Sie spiegelt jenen Sachverhalt wider, den Menschen/(potenzielle) Arbeitnehmer meiner Generation schon lange zur Kenntnis genommen haben; viele „Personaler“ allerdings noch nicht. Es wird immer davon gesprochen, sich nicht standardisiert zu bewerben. Aber letztendlich ist die Realität doch eher diese, dass die Personalabteilungen, sprich die dort beschäftigten Personalverantwortlichen, mit Individualität nicht gut zurecht kommen ;)

    Ich variiere meine Anschreiben gerne; bewerbe mich auch gern mal aus einer Laune heraus, auch aus einer Festanstellung. Und ich gestehe hier offen, ich werde Ihre Vorlage gerne mal in abgewandelter/angepasster Form verwenden; Ihre Genehmigung vorausgesetzt. Ich bin in der glücklichen Lage, durch eine 12-jährige Selbstständigkeit in der IT finanziell relativ unabhängig zu sein und kann mir hin und wieder solch ein schriftliches „Spielchen“ gönnen. Muss aber gestehen, dass es dann bisher zu wenig erfolgt geführt hat, da die personalverantwortlichen Mitarbeiter und deren Vorgesetzte eben doch den allgemein gültigen Standard „bevorzugen“, wenn auch gerne selber bemängeln.

    Hier fehlt offenkundig ein wenig Mut für Veränderungen.

    Ich danke Ihnen.

  20. Bei meinen letzten Bewerbungen habe ich ein „ähnliches“ Anschreiben verwendet. Die Resonanz
    war ziemlich ernüchternd. Es zählen wohl mehr die Qualifikationen auf dem Papier als Erfahrung
    und ein offener, ehrlicher Umgang mit den Kollegen / Vorgesetzten.
    Obwohl die Stellenausschreibungen aus meiner Sicht zu min 95% passten, habe ich nicht einmal die Chance auf ein Gespräch bekommen. Vielleicht liegt es ja mit 51 am Alter….
    Wie die Reaktionen auf meine Nachfragen waren, warum ich nicht wenigstens zum Gespräch eingeladen
    worden bin, kann sich wohl jeder vorstellen…

  21. Eine Bewerbung, die mir aus der Seele spricht. Warum verstecken sich Bewerber immer wieder hinter Standardfloskeln? Beim Durchlesen musste ich schmunzeln, aber eigentlich hat er recht. Warum eigentlich nicht klipp und klar schreiben, was einen bewegt, wie man tickt? Ich werde es ausprobieren, aber in abgemilderter Version. Aber ein prima Denkanstoß.

  22. Ich habe persönlich seit sehr langer Zeit kein Einstellungsgespräch als Bewerber geführt (und bei denen die ich geführt habe, ging meistens die Initiative vom Arbeitgeber aus), und auch schon länger keines mehr als Arbeitgeber. Der Text ist großartig und würde reflexartig meine Hand zum Hörer schnellen lassen…

    Alle Arbeitgeber, die Software benutzen, um Menschen auszusortieren, tun mir leid… Ebenso diejenigen, die noch nicht begriffen haben, dass ein Mitarbeiter zuallererst Mensch ist (mit Begabungen und Talenten, Wünschen, Zielen und Abneigungen) und dann erst Mitarbeiter.

    Leider wurden die sogenannten „abhängig Beschäftigten“ die vergangenen 1.5 Mio. Jahre darauf trainiert, den Mund zu halten und im Zweifelsfall zu tricksen, Kollegen zu denunzieren, zu mobben und Arbeit vorzutäuschen um den eigenen Arbeitsplatz zu sichern.

    Deshalb habe ich keine Mitarbeiter mehr – KEINER war, obwohl im Einstellungsgespräch ausführlich besprochen, in der Lage, die von mir gebotenen Freiräume zu nutzen ohne sie auszunutzen.

    Tatsächlich nutze ich seit Jahren sehr ähnliche Sätze im Akquisitionsgespräch mit möglichen Kunden um die Rahmenbedingungen festzustecken, und um mich und meine Arbeitsweise zu erklären. Was zur Folge hat, dass diejenigen, die damit nicht klarkommen von mir als Auftraggeber aussortiert werden.

    Klingt arrogant, sorgt aber dafür, daß ich von Anfang an für klare Verhältnisse sorge und mit den Kunden hinterher sehr selten rumstreiten muss …

  23. Vielen Dank für die Inspiration. Als FK in einem sehr großen Unternehmen
    kann ich übrigens entscheiden, in alle Bewerbungen ungefiltert zu mir vordringen oder ob Personalmanagement eine Vorauswahl macht, per Telefoninterview, niemals Schlagwortsuche. Lesen würde i h eine solche Bewerbung und wenn die Persönlichkeit, die hier authentisch durchscheint passt, dann wohl auch zum persönlichen Gespräch einladen. Was mir hier jedoch fehlt ist etwas ganz anderes: die Fähigkeit des Bewerbers, meine Perspektive einzunehmen. D. h. was kann sie oder er in meinem Team beitragen um unser Ziel zu erreichen? Wer mir das überzeugend deutlich macht, haut mich um. Ultra ehrlich, etwas zurückhaltender formaler, das ist dann zweitrangig. Wenn jemand ein Problem lösen kann, dass ich als FK habe, dann erfülle ich auch gerne Ansprüche, die ich ja genau stelle. In diesem Beispiel spricht der Bewerber zu viel von sich und zu wenig von seinem potentiellen Beitrag zum Team, das fällt bei mir eher durch. Und das TROTZ der Ehrlichkeit, die ich sehr zu schätzen weiß.

    BG S. J.

  24. Ich finde Ihren Beitrag sehr interessant und halte es für einen guten Ansatz. Mich würde interessieren, wie der „passende“ Lebenslauf hierzu aussehen soll?
    Ein konventioneller Lebenslauf würde dem Anschreiben sicherlich entgegensprechen, oder?
    Grüße
    Tom Stach

    1. Hallo Herr Stach,
      die Frage ist, was Sie unter einem konventionellen Lebenslauf verstehen. Aus meiner Sicht gilt auch hier: So viel Klarheit wie möglich, damit ihn der Leser schnell erfassen kann und ein gutes Bild vom Bewerber bekommt. Ein klarer Lebenslauf für die Vergangenheit, ein ehrliches Anschreiben für die Zukunft.
      Oder woran dachten Sie, warum zu solch einem Anschreiben ein „normaler“ Lebenslauf nicht passt?
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  25. Leider kommt man ja an diesen Personalern bei größeren Arbeitgebern garnicht vorbei und das sind oft selbst nur Leute, die aus Ihrem Psychologiestudium (oft nur zwecks Eigemnanalyse gewählt) gar keinen lukrativeren Broterwerb hätten finden können – zumindest nicht in einem gesicherten Angestelltenjob.. Und nach deren Kriterien werden diese Unternehmen mit lauter stromlinienförmigen Bewerbern infiltriert, so dass das ganze Personal letztendlich von unten angepasst wird und echte Machertypen mit Rückrat auf der Strecke bleiben – ebenso wie eine authentische soziale Kompetenz. Denn das fachliche und kreative Potenzial wird letztlich nur noch nach Abschlussnoten bzw. nach Schulbuchkriterien beurteilt. Da werden noch einige Industriegiganten staucheln – auch nach Dieselgate.

  26. Finde ich super – die Mehrheit der Personaler wird davon überfordert sein und so wird es leider kaum ein Vorgesetzter lesen, der genau diese Person in seinem Team haben möchte.

    Ich bin im Autismus-Spektrum (diagnostiziert mit 42 während IV-Wiedereingliederung) und das wird auch in meinen nächsten Bewerbungen stehen, sollte ich mich wieder bewerben müssen. Ebenfalls wird dort stehen, dass ich morgens nicht in der Lage bin zu arbeiten, nur nachmittags und abends.

    Wer damit nicht klar kommt, kann auch nicht mein Arbeitgeber sein. Wenn ich da bin, bin ich gut. Ich muss einfach in meinem Rhythmus arbeiten können – und ich habe mir das nicht ausgesucht, doch alles andere zuvor hat ja erst dazu geführt, dass ich heute nur noch 60% (ca. 25 h/Woche) arbeiten kann und ein Teil-IV-Rente beziehe.

    Ich war nie ein Konformist und je älter ich werde, desto unkonventioneller werde ich und desto besser fühle ich mich.

  27. ja, tut sich doch endlich was. Ich versuche seit über 10 Jahren den Bewerbungsstil „offener“ und persönlicher zu gestalten und wurde dafür nur „geprügelt“. Dieser Stil verlangt halt, dass man (Recruiter) sich damit auseinander setzen muss. Das kostet halt mehr Zeit. Der „alte“ Stil ist leichter nach Punkten vergleichbar, lässt sich leichter schubladisieren und ist daher leichter ablehnbar. Nur Punkte bringen ein 2-dimensionales Bild, offene Bewerbungen ein 3-dimensionales. 3-dimensionale Bilder zeigen aber besser, ob der Bewerber in mein Unternehmen passt.Sie sind ehrlicher weil viel persönlicher. Darüber könnte man jetzt lange diskutieren.

  28. Der Text ist klasse.
    Endlich mal jemand der sich traut sich aus der Bittstellerposition zu bewegen.Klar,sucht/braucht der Bewerber einen Job,aber die Unternehmen suchen/brauchen gute Mitarbeiter!
    Warum also nicht auf Augenhöhe agieren?

  29. Ihre Anregung – anders sein als Andere – kommt mit Sicherheit bei Personalern an.
    Beispiel:
    zu meinem Portfolio gehören auch Outplacement-Beratungen mit Führungskräften.
    Einer meiner Führungskräfte zeigte mir eine Ausschreibung mit der Headline:
    wir suchen die Stecknadel im Heuhaufen.

    Reaktion:
    Er packt ein Paket mit Heu, legt eine Stecknadel mit Fähnchen ein und fügt folgende Info bei:
    Sie brauchen nicht länger zu suchen – Sie haben die Stecknadel gefunden.
    Reaktion der Firma: kurzfristiges Gespräch mit Vertrag

  30. Guter Bewerbungstext: offen, ehrlich und selbstbewusst.

    Persönlich würde ich noch hervorheben, welchen Nutzen der Arbeitgeber von den beschriebenen Fähigkeiten und Kompetenzen des Bewerbers hat. Ein Berbungsanschreiben ist ja quasi ein „Verkaufsgespräch“ in dem man den eigenen Nutzen für den potentiellen Arbeitgeber darstellt. Wenn klarer wird, welchen Vorteil diese Eigenschaften bringen, steht einer Einstellung nichts mehr im Wege.

    Erfolgreiche Teams sind heterogene Teams …. es lebe die Diversität!

  31. Ob dieser Text bei Personalern oder Arbeitgebern ankommt, kann ich nicht beurteilen. Aber ich finde ihn nicht so krass, wie viele andere, denn er geht auf die meisten Probleme ein, die sich im Berufsleben wiederfinden. Die persönlichen Belange der Mitarbeiter werden viel zu oft ignoriert, die Arbeitsplätze immer anonymer, Gehaltsstrukturen und Zeitorganisation (Überstunden, Urlaub…) passen weder zu den Lebensumständen noch zu den Aufgaben. Man spricht nicht mit den Untergebenen und begegnet sich nicht auf Augenhöhe sondern wird als Mitarbeiter ignoriert. Das tut weh und wird hier sehr schön auf den Punkt gebracht.

  32. Hallo Dr. Slaghuis,

    ein sehr guter Artikel und btw bin ich positiv überrascht, heute Ihren Blog entdeckt zu haben.

    Hier habe ich in den nächsten Wochen einiges an gutem Material zu lesen. ;-)

    „Karriere um jeden Preis ist jedoch nicht mehr mein Antrieb“, … puh ja, was soll ich sagen, ehrlich ist es, ja, aber IMHO in über 60 % der Unternehmen in Deutschland ein Ausschlusskriterium.

    Eine solche Bewerbung käme sicherlich in kreativen Berufen, z. B. der IT-Branche oder in der Modebranche gut an, aber wenn ich mir vorstelle, eine solche Bewerbung landet auf dem Tisch eines Speditionsunternehmers, eines Reinigungsbetriebes oder einer Sicherheitsfirma – no way.

    Dennoch, der Artikel inspiriert ungemein und bietet eine ganz andere Sichtweise.

    Viele Grüße
    Sladjan Lazic

  33. Großartiges Anschreiben und tolle „Schreibe“!
    Habe mich fast zu 100% wiedererkannt, nur dass ich etwas jünger bin. Folge Ihnen jetzt bei XING und werde gleich noch den Blog abonnieren. Bin gespannt, was kommt.
    Liebe Grüße aus Hamburg,

    Nela Quandt

    PS. Eine kleine konstruktive Kritik noch: Die Schrift ist nicht ganz „Usability-freundlich“, ich würde sie etwas dunkler machen. Es hat mich angestrengt, den Text zu lesen, die Buchstaben verschwimmen etwas.

    1. Hallo Frau Quandt,
      vielen Dank und ich freue mich, dass Sie mir jetzt folgen. Ihr „P.S.“ werde ich überdenken, ob ich an der Schrift etwas verändern kann, damit Ihnen und den anderen Lesern hier nicht mehr schwindelig wird ;)
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  34. Ein interessanter Anastz. Warum nicht mal einfach die Wahrheit sagen/schreiben. Anstatt wild um den heißen Brei herumzureden. Gefällt uns im Texterclub gut. Für Personaler muss man aber auf jeden Fall einen Gang rausnehmen – schreiben Sie ja auch in den Kommentaren immer wieder. Denn hier sitzen viele, denen die direkte Art gegen den Strich gehen wird.

  35. Ich würde den Typ sofort nehmen.
    Bin begeistert !!!

    In einer Welt in der wir uns unter Wert verkaufen und Ausbeutern die Macht geben ist es geradezu ein Muss sich so zu bewerben.

    Schleimer haben bei mir keine Chance.

  36. Ich habe mittlererweile erfahren, dass Personaler sich erst einmal den Lebenslauf anschauen und wenn der nicht passt, man sofort aussortiert wird. Da bringt dann ein Satz wie „Einen roten Faden in meinem Lebenslauf werden sie nicht finden…“ mit einer beeindruckenden Begründung nichts mehr. Wenn man es jedoch erst einmal über diese erste Hürde geschafft hat, kann ein etwas provokant direktes Anschreiben, wie dieses durchaus ein Sprungbrett sein.

  37. Mit Sicherheit ist das Anschreiben gut formuliert aber ich habe große Zweifel, dass ein solches Anschreiben bzw. diese Art Erfolg verspricht. Schauen Sie sich doch einmal die Profile von Personaler an und Sie werden sehen, dass die meisten BWL in Köln oder Münster studiert haben und danach anfangen zu Arbeiten. Standard Menschen suchen Standard Menschen…so sieht doch die Wirklichkeit aus. In Deutschland leben nun einmal zu einem Großteil Deutsche und Bewerbungstests haben doch gezeigt, dass eine Bewerbung mit ausländischem Namen bei gleichem Profil und Anschreiben nicht so viel Erfolg hat wie mit einem deutschen Nachnamen. In Konzernen ist es doch so, dass meistens die Praktikanten oder Junior Personaler die Vorauswahl treffen und anhand einer Checkliste abarbeiten und ein solch provokantes Anschreiben wird da bestimmt nicht dem internen Vorgesetzten vorgelegt als Empfehlung. Sobald man in Deutschland etwas aus dem Rahmen fällt wird man nämlich nicht berücksichtigt. Umfragen im HR Bereich haben doch ergeben, dass z.B. Auslandserfahrung mittlerweile fast keine Rolle spielen..um hier nur ein Beispiel zu nennen. Die HR Abteilung bzw. deren Mitarbeiter sind doch heute schon total überfordert, was schon bei der Stellenausschreibung anfängt (Beispiel – wie oft wird geschrieben, dass ein Unternehmen einen Teamleiter sucht aber nie wird die Mitarbeiterzahl des Teams genannten)…über den Auswahlprozess der Monate dauert aber in der Anzeige wird geschrieben, dass das Unternehmen ab sofort sucht (Time Management) und zu guter Letzt das fehlende Wissen, Zeit und Motivation sich in Profile von potenziellen Kandidaten reinzudenken, welche nicht zu 120% auf die ausgeschriebene Stelle passen. In diesen Blog würde doch auch kein Personaler schreiben, dass er/sie das Anschreiben zu provokativ findet. Unternehmen schreiben, dass innovative, motivierte Mitarbeiter gesucht werden aber in der Realität sieht das anderes aus (nehmen wir hier einmal das Segment Start Ups aussen vor bitte)….

  38. Ich finde das Schreiben genial. Es sagt alles über Stellenanzeigen und Privatleben aus. Genauso ist es.
    Ich bezweifele jedoch, dass eine Einladung erfolgt. Das Unternehmen fühlt sich bei soviel Authentizität wohl eher auf den Schlips getreten. Vielleicht passt so ein Schreiben in eine Werbeagentur oder den Marketingbereich.

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