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Bewerbung: 5 Tipps für mehr Pep im Anschreiben

Nein, Sie erhalten jetzt von mir weder Design-Tipps für ein schrilles Bewerbungs-Layout, noch müssen Sie auf Bewerbungs-Videos umsatteln. Die entscheidenden Zutaten für mehr Pep im Anschreiben sind Klartext, der Blick in die Zukunft und Ihre Persönlichkeit. Das reicht völlig aus, um sich heute von der Masse der langweiligen 08/15-Bewerbungen positiv abzuheben. Ich behaupte nicht, dass es leicht ist. Ein richtig gutes Anschreiben wird Sie einige Gedanken und auch Zeit kosten. Doch meine Erfahrung zeigt: Es lohnt sich, sofern Sie ernsthaft und zielgerichtet auf Jobsuche sind. Hier sind fünf Tipps, wie Sie echte Begeisterung für den neuen Job rüberbringen und Ihren Wunsch-Arbeitgeber richtig neugierig auf Sie machen.

Bewerbungsschreiben nach DIN 5008: Formal. Seriös. Langweilig.

Na klar, ein Bewerbungsschreiben ist ein Geschäftsbrief, gerichtet an den vielleicht künftigen Arbeitgeber. Es hängt viel davon ab. Es ist wichtig, einen guten Eindruck zu machen und sich nicht mit dem ersten Kontakt bereits ins Aus zu schießen. Viele Ratgeber warnen vor den No-Gos, vor denen Sie sich unbedingt in Acht nehmen müssen. Nach dem Motto: Vorsicht ist geboten, um zu punkten. Denn schließlich wissen Sie als Bewerber nicht, wer Ihre Unterlagen in die Hände bekommen wird. Also besser nicht zu viel von sich verraten, schließlich wird dieses Dokument für immer Teil Ihrer Personalakte sein. Ich bin heute anderer Meinung, denn:

Bewerbung: Wer langweilige Anschreiben verschickt, wird keinen spannenden Job finden! Click to Tweet

Und so sieht’s dann heute in der Regel aus: Nach dem seichten Einstieg eine halbseiden hingedrechselte Motivation für die neue Herausforderung, und warum genau dies die Stelle Ihres Lebens ist. Dazu dem neuen Arbeitgeber etwas Honig um den Bart schmieren, um ganz sicher zu gefallen. Der Lebenslauf wird in gut klingende Satzungetüme gepackt, die mit wichtigen Fachbegriffen und aus der Stellenausschreibung geklauten Keywords zu den Anforderungen und Stärken unauffällig gespickt sind. Am Ende noch der Gehaltswunsch und die Vorfreude aufs Vorstellungsgespräch, beides schön vorsichtig im Konjunktiv. Freundliche Grüße und ab die Post!

Die über Jahrzehnte eingetrichterten Bewerbungs-Regeln à la Man macht das so! haben zu vollkommener Angepasstheit und langweilig gleich klingenden Anschreiben geführt. Mancher Personaler wirft schon heute keinen Blick mehr hinein. Zeitverschwendung, sagen sie mir, vergessen dabei jedoch, dass auch Unternehmen mit ihrem Formalismus und automatisierten Prozessen im Recruiting einen Teil dazu beigetragen haben. Manche HR-Experten sehen das Ende des Anschreibens nahen.

Wie schade! Ist es doch die einzige Möglichkeit für einen Bewerber, wichtige Informationen im Vorfeld eines Bewerbungsgespräches mitzuteilen und für Arbeitgeber, etwas mehr als einen nüchtern tabellarischen Lebenslauf zu studieren. Nämlich alles das, worüber ein neuer Arbeitgeber für den Start in eine gemeinsame Zukunft so früh wie möglich informiert sein sollte: Wo ein neuer Mitarbeiter in Sachen Karriere hin möchte, was ihm besonders wichtig ist und motiviert, worauf er in seinem Leben stolz ist, wie er persönlich tickt usw. Alles das geht aus keinem noch so perfekten Lebenslauf hervor, der ausschließlich die Vergangenheit eines Menschen abbilden kann.

Wer das Anschreiben abschaffen möchte, wird mehr Zeit in Bewerbungsgespräche investieren müssen und noch häufiger als heute Kandidaten einladen, bei denen schon nach den ersten Minuten des persönlichen Kennenlernens feststeht, dass es nicht passt. Wer als Bewerber nur nichtssagende 08/15-Massenware verschickt, darf sich nicht wundern, später im unpassenden Job zu landen. Aus meiner Sicht eine gefährliche Fehlentwicklung, die beide Seiten korrigieren sollten.

Hier sind meine fünf Tipps für Sie als Bewerber für mehr Begeisterung und Klarheit im Anschreiben:

1. Echte Motivation statt sanfter Einstieg mit Null-Informationen

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit bewerbe ich mich auf die am … im … ausgeschriebene Stelle als … (Kennziffer …), da die Position mein großes Interesse geweckt hat.

Null-Info! Werfen Sie einen Blick in Ihre Betreff-Zeile. Ich sehe keine Bewerbung, in der der exakte Stellentitel nicht schon im Betreff steht. Glauben Sie, dass sich ein Personaler dafür interessiert, wo Sie über diese Stelle gestolpert sind, geschweige denn, wann Sie sie gelesen haben?

Kann ich denn gleich mit der Tür ins Haus fallen?, fragen mich Bewerber. Ich finde: Ja. Denn Sie haben nur diese eine Seite und gerade der erste Satz ist Ihre beste Chance, Neugierde beim Leser zu erzeugen und ein klares Statement als Bewerber zu setzen.

So geht’s: Verraten Sie, was Sie wirklich an der Position/dem Unternehmen reizt

Was hat Sie bei dieser Stellenausschreibung besonders angesprochen? Was ging Ihnen wirklich durch den Kopf, als Sie mit dem Gedanken gespielt haben, eine Bewerbung auf diese Stelle zu verschicken? Schreiben Sie’s! Ohne Umschweife, geradeaus raus. Vielleicht war es die Aufmachung oder Sprache der Anzeige, die persönliche Identifikation mit einem Produkt, die Bilder auf der Homepage, die Gesichter im Team, die unbändige Lust, Teil einer bekannten Marke zu werden. Es gibt kein richtig oder falsch, es geht um Ihre echte Motivation. Persönlich, emotional und ehrlich. Haben Sie ein Problem damit, sich über Ihre echte Motivation klar zu werden, sollten Sie die Bewerbung auf diese Stelle grundsätzlich überdenken.

2. Ich-Botschaften statt Honig um den Bart schmieren

Ich wollte immer schon bei einem so erfolgreichen und international agierenden Marktführer arbeiten. / Sie gehören zu den Größten der Branche, das reizt mich besonders. / Ihre Innovationsstärke prägt den Markt und dazu möchte auch ich in Zukunft beitragen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind der Personaler im Unternehmen. Sie werden wahrscheinlich wissen, wie toll Ihr Arbeitgeber ist – oder auch nicht ;-) McKinsey ist sich darüber bewusst, dass die Marke für die Karriere im Lebenslauf attraktiv ist. Der HR-Mitarbeiter bei Volkswagen weiß, dass sie internationale Standorte haben und Mitarbeitern damit gute Entwicklungsmöglichkeiten im Ausland bieten können.

Was viele Bewerber hier versuchen ist, die positive Stellung eines Arbeitgebers im Wettbewerb mit der eigenen Motivation zu verknüpfen. Doch heraus kommt häufig auch hier nur eine Null-Information, oder noch schlimmer: Überheblichkeit.

So geht’s: Schreiben Sie über sich und Ihre persönlichsten Werte und Ziele

Verzichten Sie in Ihrer Bewerbung auf Selbstverständliches und auf alles, was der Leser über sein Unternehmen bereits weiß. Bilden Sie keine Ableitungen zu Ihrer Motivation, die auf der Hand liegen. Es ist klar, dass Sie als Angestellter zum Erfolg des Unternehmens beitragen werden.

Was ist Ihnen wirklich wichtig? Was benötigen Sie bei Ihrem neuen Arbeitgeber, vom Chef oder den Kollegen, um in Zukunft gute Leistungen zu erbringen, motiviert zu sein und gesund zu bleiben? Warum ist es Ihnen tatsächlich wichtig, den Arbeitgeber zu wechseln oder Neues zu lernen?

Neue Herausforderungen sucht jeder Bewerber. Sie möchten sich weiterentwickeln? Ach was! Also, was reizt Sie wirklich an der Herausforderung und was genau macht sie aus? In welchen Gebieten möchten Sie sich weiterentwickeln, warum und wohin? Was fehlt Ihnen heute noch und was möchten Sie gerne lernen?

Schreiben Sie von und über sich statt darüber, wie toll Sie das Unternehmen finden.

3. Relevante Top-Kompetenzen statt Lebenslauf in Textform

Nach meinem Abitur am … Gymnasium habe ich … an der Universität … studiert, danach war ich als … bei … angestellt. Dort zählten zu meinen Aufgaben … sowie …. Zuvor war ich als … bei … beschäftigt. … rundet mein Profil ab.

Die meisten Anschreiben, die ich lese, bestehen zu 75 Prozent aus Text über die Vergangenheit eines Bewerbers. Glauben Sie, Personaler sind so dämlich, dass der ausführliche Lebenslauf mit Positionen, Tätigkeiten und  Erfolgen nicht ausreicht, um sich ein Bild über Ihren bisherigen Werdegang sowie Ihre Ausbildungen zu machen? Warum das alles doppelt schreiben?

So geht’s: Kurzinfo zur letzten Position + wenige Top-Kompetenzen

Schaffen Sie Klarheit, wo und in welcher Position Sie aktuell oder zuletzt beschäftigt sind bzw. waren. Ohne Geheimniskrämerei, wie etwa „bei einem großen Automobilkonzern“, wenn die Firma eh im Lebenslauf steht. Ohne Erklärung oder Rechtfertigung, warum Sie gegangen sind/wurden, was Sie dort erlebt und warum die Kollegen Sie gemobbt oder der Chef Sie in den Wahnsinn getrieben haben.

Überlegen Sie sich, welche Kompetenzen sowie welche Teile Ihrer Berufserfahrung für die Zielposition wahrscheinlich nützlich sind. Gehen Sie alle Stationen Ihres Lebenslaufs durch, denken Sie also nicht nur an die letzte Position. Was bringen Sie für die Position konkret mit? Zählen Sie drei bis fünf Top-Kompetenzen auf und verknüpfen Sie diese im Idealfall mit Erfolgen, erreichten Zielen oder persönlichen Erlebnissen. Ein Absatz, der Ihre Kompetenz und Erfahrung klar und ohne Umschweife auf den Punkt bringt.

4. Individuelle Persönlichkeit statt Worthülsen-Bla-Bla

Ich zeichne mich aus durch hohe Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit und Durchsetzungskraft. Ich bin überzeugt, die Anforderungen an die Stelle voll zu erfüllen.

Bla bla! Die meisten Bewerber werfen – ebenso wie viele Arbeitgeber in Stellenausschreibungen – mit leeren Worthülsen um sich herum. Was erfährt der Leser Ihrer Bewerbung, wenn Sie kommunikationsstark sind? Können Sie gut präsentieren, tolle Texte schreiben, ansprechende Präsentationen gestalten oder halten, mitreißende Reden schwingen oder verständliche Konzepte schreiben? Was bedeutet teamfähig? Dass Sie mit anderen Menschen zusammen arbeiten können, dürfte keine Erwähnung wert sein. Sind Sie jemand, der im Team voran geht und die Richtung weist, das Team zusammenhält, Konflikte im Team klärt oder neue Impulse und Ideen in ein Team einbringt?

So geht’s: Schreiben Sie über Ihr beobachtbares Verhalten im Job-Alltag

Woran kann Ihr neuer Chef und woran werden die Kollegen bemerken, dass Sie teamfähig oder kommunikationsstark sind? Wie genau zeigt sich das im Alltag und der Zusammenarbeit? Was zeichnet Sie als Menschen wirklich aus? Wie ticken Sie so? Sie sind die Rampensau oder lieber der Zweite-Reihe-Stratege? Sind Sie kreativ, konzeptionell stark, analytisch denkend, oder was? Fragen Sie Freunde oder Verwandte, was sie an Ihnen besonders schätzen und worin sie Ihre Stärken sehen.

Schreiben Sie’s! Lassen Sie die Hose runter und geben Sie dem Leser Ihrer Bewerbung ein erstes Gefühl dafür, was für ein Typ Sie sind. Nur so kann er oder sie beurteilen, ob Sie zum künftigen Chef, ins Team oder zur Unternehmenskultur passen werden. Und zwar, bevor Sie von München nach Hamburg gereist sind, um genau das erst im Gespräch zu überprüfen.

5. Klarheit auf den Punkt statt Verschleierungs-Taktik

Viele Bewerber frage ich im Coaching: Was möchten Sie eigentlich mit diesem Satz zum Ausdruck bringen? Fast alle haben eine Antwort darauf. Doch für mich als Leser würde es entweder hellseherische Fähigkeiten oder eine intensive Analyse des Geschriebenen erfordern.

Durch aufgesetzt komplizierte Bewerbungssprache, gepaart mit Angst vor zu viel Klarheit und Fehlern, rutscht die eigentliche Botschaft an den Leser zwischen die Zeilen. Das ist fatal, wenn sich Recruiter und Chefs nur wenige Minuten für eine Bewerbung Zeit nehmen, um über Einladung oder Absage zu entscheiden.

So geht’s: Schaffen Sie eigene Klarheit und bringen es dann auf den Punkt

Schreiben Sie sich die wichtigsten Botschaften, die Sie in Ihrer Bewerbung auf eine bestimmte Stelle vermitteln möchten, stichpunktartig auf:

  1. Ihre echte Motivation für die Stelle / das Unternehmen
  2. Ihre aktuelle / letzte Position
  3. Ihre Top-Kompetenzen für die Zielposition
  4. Ihre wichtigsten Werte und Ziele für die nahe Zukunft
  5. Ihre Persönlichkeit und besonderen Talente für diese Position
  6. Ihre Gehaltsvorstellung und der Eintrittstermin

Formulieren Sie daraus einen Text. Mit kurzen, leicht verständlichen Sätzen. Ohne unnötige Füllwörter, Verallgemeinerungen oder leere Worthülsen. Sagen Sie es geradeaus, auf den Punkt. Personaler halten das aus :-)

Ihre Bewerbung ist weder eine wissenschaftliche Arbeit noch eine vor Emotionen triefende Liebeserklärung. Sie ist ein guter Brief an einen potenziellen Arbeitgeber, mit dem Sie in Kombination mit Ihrem Lebenslauf echtes Interesse an einer zukünftigen Zusammenarbeit bekunden.

Persönlich, individuell, emotional und klar genug, damit ein Arbeitgeber leicht die Entscheidung für oder gegen ein persönliches Kennenlernen treffen kann.

Schaffen Sie mit Ihrem Lebenslauf Klarheit über Ihre Vergangenheit und nutzen Sie das Anschreiben, um Ihrem nächsten Arbeitgeber Lust auf eine gemeinsame Zukunft zu machen.

(Bild: gratisography.com)

 

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 22 Kommentare

  1. Ja, wäre schön, wenn die Personaler das auch so sehen würden. Nur habe ich jemanden in meiner Verwandschaft, der gerade Wirtschaftspsychologie BA studiert hat. Da gehört auch HR zu. Wenn ich so sehe und höre, was da so beigebracht wird, sieht das nicht gerade nach anders als eben Standard aus.
    Wenn man nun da anders herangeht, will man die HR-Beauftragten ja nicht überfordern, oder?

    Mal Spaß bei Seite.
    Ja, ehrliche Bewerbungsschreiben wären mal was Neues und auch deutlich interessanter zu verfassen. Bleibt nur die Frage, wie viele Unternehmen schon bereit sind, sich darauf einzulassen? Das zu bearbeiten erfordert schließlich mehr Einsatz als so ein Normanschreiben.

    Dann bleibt noch die Frage, wollen die Betriebe überhaupt ehrliche Aussagen lesen? Wo doch in vielen Betrieben die „heile Welt der Betriebsfamilie“ vorgespielt wird. „Wir sind alle so freundlich zueinander und machen alles im Team.“ Zumindest wollen einem die Image-Aussagen und die Verbandsleiter das immer erzählen.
    Leider sieht das in den Betrieben meist anders aus.

    Ein weiteres Problem der Bewerber ist dann auch noch, dass die Bewerbung nicht immer an das Unternehmen, sondern an eine externen Berater oder Vermittler geht. Wie soll da denn das Schreiben aussehen? Die Ausschreibungen sind meist so allgemein gehalten, dass man kaum was entnehmen kann. Da reicht es gerade mal dafür, dass da eine Stelle ausgeschrieben ist. Anrufen bringt auch nicht, da die Leute teilweise nicht wissen was in dem Unternehmen überhaupt gemacht wird.
    -Ich warte immer noch auf einen Lösungsvorschlag für Bewerbungsschreiben auf solche Stellenausschreibungen.-

    Aber, wenn ich mal Bewerbungen an ein tatsächlich ausschreibenden Arbeitgeber senden würde, dann würde ich es wirklich mal versuchen.
    Hoffen wir also, dass die HR-Beauftragten (welche Ausbildung sie auch immer haben) das dann auch (an)erkennen.

    1. Hallo Herr Ende,
      im HR und der Ausbildung von „Personalern“ an Universitäten muss sich sicherlich auch etwas tun, aber das ist ein anderes Thema. Ob Arbeitgeber für solche Anschreiben schon bereit sind, frage ich mich manchmal auch, aber was ist die Konsequenz für Bewerber? Weiter machen wie bisher und abwarten? Finde ich keine gute Lösung, denn es führt heute schon zu Fehlallokationen am Markt. Dass ein ehrliches Anschreiben mehr Arbeit für HR als ein Normanschreiben ist, sehe ich nicht so. Ganz im Gegenteil, es würde die Folgekosten (Gespräche, Absagen) aus meiner Einschätzung deutlich reduzieren.
      Schöne Grüße
      Bernd Slaghuis

  2. Schön wäre doch, wenn der Arbeitgeber sich bei der Stellenausschreibungen bzw. Beschreibung auch mal von dem Standard üblichem Blabla befreit. Liest man heute Anzeigen, ist es lediglich der Jobtitel, der modern, innovativ, aber leider nichtssagend ist.
    Die meisten Unternehmen geben das ganze Personalmanagement doch sowieso an externe Stellen weiter. Diese wiederum haben keine Ahnung über die tatsächlichen Anfordernungen und Aufgaben.
    Für mich ist ein gutes Gespräch viel wertvoller als ein manipuliertes am Ende vielleicht sogar durch Copy&Paste erstelltes Anschreiben…

  3. Nach 20 Jahren im Personalmanagement und zig 1000 Bewerbungen, die ich gelesen habe, kann ich nur sagen 100 Punkte, genau so!!! Danke!
    Bei „menschlicher“ Vorselektion (nicht durch Eingabe von Qualifikationen online) wird sicherlich auch vom „Personaler-Typ“ abhängen, wie er oder sie eine Bewerbung findet. Um aber möglichst schon die richtigen Kandidaten (m/w) zum Vorstellungsgespräch einzuladen, ist mir persönlich eine ehrliche und auf den Punkt gebrachte Bewerbung viel lieber, als die vielen 08/15 Schreiben. Bei diesen könnte ich auch würfeln, weil überall so gut wie der gleiche Inhalt drin steht. Das hört sich vielleicht hart an. Stellen Sie sich als Bewerber einfach mal vor, Sie haben 100 Schreiben für die gleiche Stelle auf dem Schreibtisch. Was möchten Sie lesen? Viel Erfolg beim Bewerben!

    1. Hallo frau Herrmann-Hurtzig,
      danke für Ihre Zustimmung von „der anderen Seite“ und ja, die Brille der (armen) HR-Mitarbeiter, die diese Massen-Post täglich lesen müssen, setze ich im Coaching mit Bewerbern auch immer auf und das hilft enorm.
      Viele Grüße, Bernd Slaghuis

  4. Der Dritte Absatz zur Beschreibung des IST-Zustandes bei Anschreiben, einfach klasse.

    Die 5 Tipps sind gut, und ich kann mir vorstellen, dass aus Bewerbersicht die Chancen steigen. Die Umsetzung der 5 Tipps erfordert natürlich nicht nur eine Beschäftigung mit sich selbst sondern auch noch intensiver mit der hoffentlich zukünftigen Unternehmung. Hier werden gerade Berufsanfänger/Um- und Quereinsteiger noch mehr Mühe haben, da sie ja die Arbeitswelt und oder neue Branche noch nicht kennen. Macht man sich aber die Mühe, denke ich steigen die Chancen doch erheblich. Denn hier ist wie im Beitrag erwähnt die Ehrlichkeit mit den Motiven gefragt, was gute Personaler hoffentlich zunehmend zu schätzen wissen.

    1. Hallo Herr Kehling,
      danke, ich hatte beim Schreiben dieses Absatzes auch etliche Anschreiben vor meinem geistigen Auge ;) Ja, viele Bewerber unterschätzen die Zeit und auch die intensive Beschäftigung mit einer guten Bewerbung, die es braucht. Ich finde, einen Tag Arbeit darf eine gute Bewerbung schonmal machen. Da wird noch zu viel Copy/Paste betrieben aus meiner Erfahrung und sicherlich verleiten auch die Online-Portale oder Apps dazu, mal eben schnell einen Lebenslauf hochzuladen und auf „Bewerbung senden“ zu klicken – und ab geht die Post … leider dann jedoch meist nicht.
      LG, Bernd Slaghuis

  5. Die Ausführungen finde ich super!
    Letztendlich sollte man bei einem Unternehmen landen, das eben genau diese Art, sich zu präsentieren, schätzt.

  6. Sehr interessanter Beitrag leider fehlen mir Beispielsätze. Ich bin nicht an fertigen Lösungen interessiert, sondern hätte gerne einen Anstoß, wie solch eine „ehrliche“ Bewerbung aussehen könnte. Vielen Dank =)

    1. Hallo Sebastian, vielen Dank und schön, dass Ihnen der Beitrag gefällt. Beispielsätze würden wieder nur zu Schema-F führen und ich möchte ja nicht, dass sich halb Deutschland ab Montag damit bewirbt ;)
      Finden Sie für sich heraus, wie Ihre „ehrliche“ Bewerbung aussehen würde und probieren Sie es aus, wie sie ankommt.
      LG, Bernd Slaghuis

  7. Als Personalberaterin freue ich mich besonders über unkonventionelle, gute Bewerbungsanschreiben. Meine Kunden kriegen die Anschreiben ja nicht zu sehen, also dürfen Bewerber bei mir gerne was riskieren.

    Andererseits habe ich auch schon mit anderen Personalern diskutiert ob man sich das Anschreiben nicht einfach sparen sollte, weil sowieso nichts Brauchbares darin steht.

    Bewerber sind, vielleicht auch wegen soooo vieler unterschiedlicher Hinweise in der Literatur wie im Internet so irritiert darüber, was sie denn „wirklich“ schreiben sollen, dass sie letztlich zum einfachsten Mittel greifen: dem üblichen „blabla“. Das könnte man sich wirklich schenken

    1. Hallo Frau Gregor,
      danke für Ihre Sicht als Personalberaterin. Ich bin nicht der Meinung, dass das Anschreiben ausgedient hat, wenn es denn gut und damit mehr als 08/15 und Schema-F ist. Aber die Folge von langweiligem 08/15 ist heute sicherlich in vielen HR-Abteilungen, dass zunächst der Blick in den Lebenslauf erfolgt und dann erst (wenn überhaupt noch) das Anschreiben gelesen wird. Ich würde mich freuen, wenn sich dies wieder ändert und irgendwann umkehrt. Denn der „Brief“ ist doch eigentlich wichtiger als die Anlage, wozu zumindest formal der Lebenslauf heute zählt.
      Viele Grüße, Bernd Slaghuis

  8. Interessante Tipps. Vielen Dank für die Aufforderung noch besser über den Inhalt des Anschreibens nachzudenken.
    Doch so einfach ist das nicht: In Punkt 1 soll man die unbändige Lust ausdrücken, Teil einer Marke werden zu wollen. In Punkt 2 wird davon abgeraten, dass man „schon immer bei so einem erfolgreichen Marktführer arbeiten möchte“. Schwieriger Spagat.
    In Punkt 3 soll man nicht von seinen Stärken sprechen, die man ja vielleicht wirklich hat und die der Arbeitgeber in die Stellenbeschreibung genau so hinein formuliert. Alles nicht so einfach.
    Herr Stanke spricht mir aus der Seele: Würden denn die Arbeitgeber in ihren Stellenangeboten genauer formulieren welcher Typ gesucht ist, dann würde man sich die eine oder andere Bewerbung sogar sparen können. Oft wird mit den immer gleichen Standardformulierungen eine Idealvorstellung gesucht, die verhandlungssicheres Englisch und noch weitere Fremdsprachen spricht, die hohe Reisebereitschaft und überhaupt besondere Belastbarkeit und hohe Flexibilität mitbringt und die – natürlich – eine langjährige Berufserfahrung aufweisen kann. Manch vakante Stelle wird überdimensioniert tituliert, so dass jeder gleich ein Manager, ein Business Developer, oder ein Leiter xy ist…
    Doch zurück zu den Tipps. Nochmals Danke für die guten Anregungen.

    1. Hallo Udo,
      danke für Ihren Kommentar. Ja, der Spagat wir mir beim Schreiben auch aufgefallen, ich habe ihn aber gemacht. Denn es macht für mich einen Unterschied, ob Sie als Bewerber platt schreiben, dass es Sie reizt, in so einem tollen Markenkonzern zu arbeiten oder ob Sie konkret schreiben, was Sie mit der Marke verbinden bzw. warum es für Ihren nächsten beruflichen Schritt für Sie wichtig ist, bei einer großen Marke zu arbeiten – um bei diesem Beispiel zu bleiben. Das eine ist langweiliger Honig um den Bart, das andere hat es mit Ihnen persönlich zu tun.
      Thema Stellenanzeigen: Sehe ich wie Sie, ist aber eine andere Baustelle und kommt in meiner Wahrnehmung auch bei immer mehr Unternehmen / HR-Abteilungen an, aber das dauert.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  9. Wenn ich mich bewerbe, dann nur auf Jobs, in denen ich mich wieder finde. Arbeitstechnisch habe ich das drauf, keine Frage! Aber wie mache ich mich für eine Vorstellung interessant genug?
    Mein Alter ist leider groß. Meine Motivation aber auch! Wie überzeuge ich den Personaler davon, mich zu einem Gespräch einzuladen? Ich will noch etwas reißen im Leben!!!
    Danke für Eure Tipps …
    Mike

    1. Hallo Frau Buch,
      vielen Dank. Ich finde die Veröffentlichung von Beispielen oder sogar ganzer Vorlagen schwierig, weil daraus dann in der Masse wieder 08/15 wird. Es sollte Ihre Sprache sein, mit der Sie sich bewerben. Einige Hinweise sind im Text enthalten, mir kommt es aber vor allem auf Ihre Haltung als Bewerberin an und die konkrete Ausgestaltung liegt dann bei Ihnen. Ansonsten biete ich ja auch noch Bewerbungs-Coaching an ;-)
      Viele Grüße, Bernd Slaghuis

  10. Ich bin schon länger dazu übergegangen, das zu schreiben, was ich sagen möchte. Dieses Geschwurbel und die immer gleichen Worthülsen gingen mir auf den Keks und schienen mir nicht zielführend. Sicher habe ich sie trotzdem verwendet, man ändert sein Verhalten ja nicht immer um 180 Grad sondern Schritt für Schritt. ;-)
    Meine Frage ist immer: Möchte ich für ein Unternehmen arbeiten, das auf Normanschreiben steht und meint, so die „besten“ Mitarbeiter zu finden? Nein danke. Man kann sich das HR auch ein wenig „erziehen“, meine ich, also ist es nur eine Ausrede, wenn man meint, die meisten wollen das doch gar nicht oder dass es einem so beigebracht wird.

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