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Zeitarbeit: Echte Chance Oder Jobs Zweiter Klasse?

Zeitarbeit: Echte Chance oder Jobs zweiter Klasse?

Bewerber fragen mich häufig, was ich von Zeitarbeit halte. Insbesondere dann, wenn sie schon länger arbeitssuchend sind, spielen manche von ihnen mit diesem Gedanken. Zeitarbeit hat in meiner Wahrnehmung immer noch ein schlechtes Image in der Arbeitswelt. Zurecht? Ich habe Stephan Rathgeber von der ManpowerGroup gefragt, einem der größten Personaldienstleister in Deutschland. Er erklärt, was Zeitarbeit ist und ob etwas dran ist an den Vorurteilen. Am Ende dieses Beitrags interessiert mich auch Ihre Meinung. Welche Erfahrungen haben Sie mit Personaldienstleistern und Zeitarbeit? Machen Sie mit bei meiner Umfrage im Anschluss an das Interview.

 

Stephan Rathgeber, ManpowerGroup Deutschland

 Als Director Marketing, Digital & Communications bei der ManpowerGroup Deutschland und leidenschaftlicher Intrapreneur sucht Stephan Rathgeber konstant nach neuen (HR) Trends und setzt diese im Unternehmen um. Er kennt die Arbeitswelt von heute und erlebt, wohin die Reise in Zukunft gehen könnte. Seine Erfahrungen in einem Unternehmen, das jährlich 600.000 Menschen in Arbeit bringt sowie erfolgreich erprobte Tools helfen ihm dabei, sein Wissen anderen Führungskräften und Personalentscheidern weiterzugeben. 

Was genau ist eigentlich Zeitarbeit, Herr Rathgeber?

Stephan Rathgeber: Zeitarbeit beschreibt ein Arbeitsverhältnis, bei dem Mitarbeiter bei einem Personaldienstleister fest angestellt und in wechselnden Einsätzen bei Kundenunternehmen tätig sind. Arbeitgeber ist also das Zeitarbeitsunternehmen, der Mitarbeiter erbringt seine Leistung aber in dem Unternehmen, das ihn und seine Arbeitskraft benötigt. Der Arbeitsvertrag des Arbeitnehmers besteht zwischen ihm und dem Personaldienstleister.

Gibt es typische Jobs oder Branchen, in denen Zeitarbeit eingesetzt wird?

Stephan Rathgeber: Unternehmen aus den vielfältigsten Branchen nutzen Zeitarbeit für kurz- oder langfristige Personallösungen. Besonders stark verbreitet ist das Arbeitsmodell in den Bereichen Industrie, Technik, Dienstleistung, Lager, Logistik und Produktion sowie im kaufmännischen Bereich, wie beispielsweise Einkauf, Vertrieb und Finanzen.

Und für wen ist Zeitarbeit eine Alternative zur Festanstellung?

Stephan Rathgeber: Zeitarbeit bringt Menschen in sozialversicherungspflichtige Jobs. Über 60% der Menschen, die bei der Zeitarbeit anfangen, waren vorher arbeitslos oder sogar langzeitarbeitslos. Für sie ist Zeitarbeit der Sprung zurück ins Arbeitsleben. Wir als Personaldienstleister helfen ihnen dabei. Aber wir vermitteln auch Einsteiger, Umsteiger und Jobwechsler. Wir bieten Jobs, die nirgendwo ausgeschrieben sind, vor allem bei großen und namhaften Unternehmen, mit denen wir eng zusammenarbeiten.

Was ist dran an den Vorurteilen, mit denen Zeitarbeit zu kämpfen hat?

Stephan Rathgeber: Die Zeitarbeit ist teilweise immer noch verpönt, zu Unrecht, denn sie hat viele Vorteile. Zum einen dient sie als Sprungbrett zurück ins Arbeitsleben und dient als Türöffner für Unternehmen, in die man sonst vielleicht nicht reinkommen würde. Zum anderen haben Arbeitnehmer in der Zeitarbeit gleiche Rechte wie andere Arbeitnehmer, die genau wie sie unbefristet und sozialversicherungspflichtig angestellt sind. Der Unterschied besteht in den wechselnden Einsätzen, die es einem ermöglichen, viel Berufserfahrung innerhalb kurzer Zeit zu sammeln. Das kann besonders für Absolventen und Young Professionals reizvoll sein.

Oft fühlen sich Zeitarbeiter als Kollegen zweiter Klasse. Sind sie es wirklich und was empfehlen Sie ihnen?

Stephan Rathgeber: Es gibt keinen Grund, sich als Mitarbeiter zweiter Klasse zu fühlen, denn unsere Mitarbeiter sind unbefristet und sozialversicherungspflichtig bei uns angestellt. Zeitarbeitnehmer haben die gleichen Rechte wie alle Arbeitnehmer, wie z. B. zum Kündigungsschutz, und sie erhalten einen Arbeitsvertrag mit Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung, bezahltem Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Zudem haben sie die Möglichkeit, an Weiterbildungen teilzunehmen. Sowohl Zeitarbeitsfirmen als auch Kundenunternehmen haben gegenüber Zeitarbeitnehmern und Stammbelegschaft die gleiche Fürsorgepflicht.

Der Hauptunterschied besteht darin, dass ihr Einsatzort wechselt. Endet der Einsatz bei einem Kundenunternehmen und es liegt noch kein Anschluss-Einsatz vor, überbrücken wir die Zeit mit Qualifizierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel Schweißer-Kursen oder Schulungsmaßnahmen im Bereich Lager und Logistik. Unternehmen müssen Zeitarbeitnehmer an zugängigen Stellen über freie oder freiwerdende Arbeitsplätze informieren. So haben sie immer eine reelle Chance auf eine direkte „interne Bewerbung“.

Darüber hinaus bietet Manpower allen Zeitarbeitnehmern einen kostenlosen Zugang zu eLearnings an. Es stehen mehrere Hundert unterschiedliche Kurse zur Verfügung (wie zum Beispiel MS Office, SAP-Kurse etc.). Zudem profitieren unsere Mitarbeiter auch von einem umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagement, dazu zählen Check-Up, eine kostenlose Hotline zu einem unabhängigen Werksarztzentrum, Gesundheitstage und Gesundheitsgespräche.

Die Vorteile für Arbeitgeber liegen auf der Hand. Wann ist Zeitarbeit auch für Arbeitnehmer eine gute Entscheidung?

Stephan Rathgeber: Ob mit Ausbildung, abgeschlossenem Studium oder als Spezialist mit langjähriger Erfahrung, Zeitarbeit bietet für alle Ein-, Um-, Quer- oder Wiedereinsteiger vielfältige Perspektiven. Mit nur einer Bewerbung haben Kandidaten die Chance, bei Unternehmen zu arbeiten, bei denen sie sonst vielleicht nicht reinkommen würden.

Zudem bieten wir unseren Mitarbeitern zielgerichtete Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, so dass sie ihre Einsatzmöglichkeiten und Karrierechancen noch weiter steigern können. Nicht zuletzt besteht auch die Option auf Übernahme durch das Kundenunternehmen.

Zeitarbeit ist also keine Einbahnstraße, sondern kann sogar ein Sprungbrett sein. Auch für Hochschulabsolventen lohnt sich der Jobeinstieg über die Zeitarbeit. Sie können auf diese Weise verschiedene Unternehmen kennenlernen und wertvolle Berufserfahrung sammeln.

Viele Zeitarbeiter hoffen, im Anschluss fest übernommen zu werden. Was sind Ihre Erfahrungen?

Stephan Rathgeber: Es gibt immer eine gute Chance auf eine Übernahme im Kundenunternehmen. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass nicht jeder unserer Mitarbeiter Übernahmeangebote annimmt. Denn unsere Mitarbeiter sind in der Regel unbefristet bei uns angestellt und je nach Einsatz verdienen sie ebenso viel oder sogar mehr als Stammmitarbeiter des Kundenunternehmens.

Und was raten Sie ihnen, wann und wie sie das Thema Übernahme ansprechen können?

Stephan Rathgeber: Oftmals wissen die Personalexperten von Manpower in den Niederlassungen schon bei einem Vorstellungsgespräch, ob die zu besetzende Stelle eine Option auf Übernahme hat. Allerdings sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, wenn eine Stelle kurzfristig als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung geplant ist.

Wenn ein Mitarbeiter gut ins Unternehmen passt, werden oftmals Einsatzmöglichkeiten in anderen Abteilungen gefunden oder eine kurzfristig angedachte Stelle verlängert sich, weil die Mitarbeit doch länger benötigt wird. Umso länger man in einem Unternehmen ist, umso mehr bekommt man mögliche Einsatzgebiete mit.

Wie offen gehen Unternehmen heute damit um, dass sie Zeitarbeit einsetzen – Stichwort Employer Branding?

Stephan Rathgeber: Die Reputation der Zeitarbeit und von Zeitarbeitsfirmen im Allgemeinen hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Die mit den Gewerkschaften vereinbarten Tarifverträge, das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz und die Branchentarifzuschläge haben dafür gesorgt, dass auch Kundenunternehmen offener mit der Zeitarbeit umgehen.

Welche Trends beobachten Sie im Arbeitsmarkt in Sachen Zeitarbeit?

Stephan Rathgeber: Die Anzahl der Menschen, die in Deutschland als Zeitarbeitnehmer arbeiten, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Waren es 2003 noch 282.000 Menschen, so sind es heute 993.000, was etwa 3 Prozent der Gesamtbeschäftigung ausmacht (Bundesagentur für Arbeit, „Aktuelle Entwicklung in der Zeitarbeit“).

Mit dem Inkrafttreten der neuen Reform des Arbeitsüberlassungsgesetzes (AÜG) am 1. April 2017, die eine Höchstüberlassungsdauer der Zeitarbeitnehmer bei einem Kundenunternehmen von 18 Monaten sowie “Equal-Pay” nach 9 Monaten vorsieht, wird die Branche durch höhere Verdienstmöglichkeiten an Image gewinnen und das wird auch die Rekrutierung erleichtern.

Vielen Dank, Herr Rathgeber, für dieses Interview!


Mich interessieren Ihre Erfahrungen, liebe Leser, mit Zeitarbeit. Weil Sie schon einmal als Zeitarbeiter eingesetzt waren oder weil Sie mit Zeitarbeitskräften als Kollegen zusammengearbeitet haben. 

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Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Themen rund um die Karriereplanung und berufliche Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 15 Kommentare
  1. Meine Erfahrungen sind gemischt.

    Einmal habe ich für einen großen Ingenieurdienstleister bei einem internationalen Konzern gearbeitet. Nach Ende des Einsatzes hat man 3Monate nach einem neuen Einsatz gesucht und mich danach mit 3 Monaten Kündigungsfrist entlassen. Da fühlte ich mich wohl und wurde auch fair bezahlt.

    Bei einem anderen, kleineren Dienstleister und einem anderen Konzern wurde ich vom Arbeitgeber schlechter bezahlt. Dafür musste ich bei einer geringen Pauschale sämtliche Fahrt- und Übernachtungskosten selbst tragen. Am Ende hatte ich gerade mal das ALG 1. Entlassen wurde ich mit Ende des Projekts.

    Würde ich mich wieder darauf einlassen? Nur wenn die Not am größten ist. Man ist eben doch Arbeitnehmer zweiter Klasse.

    1. Lieber Herr Zankl,
      Vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht. Ich finde es sehr schade, dass Sie nicht mit allen Personaldienstleistern in der Branche positive Erfahrungen gemacht haben. Es gibt in Deutschland allein über 50.000 Firmen die Zeitarbeitnehmer/innen vermitteln. Drei Viertel davon beschäftigen gerade einmal 1-10 Arbeitnehmer. Oft fehlt es gerade den kleinen Dienstleistern an Möglichkeiten weitere Services anzubieten, wie umfangreiche Weiterbildungen während der Zeit, in der die Zeitarbeitnehmer nicht bei einem Kunden eingesetzt sind. Größere Personaldienstleister haben zudem wegen des großen Netzwerks an Kundenunternehmen auch ein größeres Spektrum an Einsatzmöglichkeiten.

      1. Lieber Herr Rathgeber, eigentlich sehe ich es als selbstverständlich an, dass der Arbeitgeber Fahrt- und Übernachtungskosten übernimmt, wenn er den Arbeitnehmer befristet wohnortfern einsetzt. Das hat nichts mit zusätzlichem Service zu tun. So habe ich von einem sowieso schon nicht üppigen Gehalt mehrere Tausend Euro vorgestreckt um überhaupt arbeiten zu „dürfen“. Ein Verweis auf eine spätere Steuerrückzahlung bringt da auch nix, wenn das Konto das Jahr über im Minus ist.

  2. Nun, ich habe öfters für Zeitarbeitsunternehmen gearbeitet. Ursprünglich war Zeitarbeit deutlich stärker begrenzt. -Wenn ich mich richtig erinnere max. 6 Monat bei einem Auftraggeber.- Das fand ich in Ordnung, da Zeitarbeit ursprünglich mal für Arbeitsspitzen gedacht war.
    Inzwischen ist das aber nicht mehr der Fall. Wenn Zeitarbeitsverträge und auch Einsätze auf bis zu zwei Jahre ausgestellt/ausgedehnt werden, dann werden damit keine Arbeitsspitzen, die man nicht vorhersehen konnte, mehr abgefangen. Sondern heute sind das Arbeitsplätze von denen man sich kurzfristig wieder trennen kann. Ganz ohne Sozialplan, Mitsprache des Betriebsrates oder Abfindungen. Ganz nach US-Muster „Hire and Fire“.

    Was nun Schulungen angeht, so habe ich nie an einer teilnehmen können. Dafür war nie Zeit. Ich habe auch nie welche angeboten bekommen. Auf Nachfrage zum Besuch auf Fachkongressen habe ich nie eine Antwort erhalten. Soviel zur Weiterbildung durch Zeitarbeitsunternehmen.

    Nach meiner Erfahrung ist Zeitarbeit eine gute Möglichkeit interessante Einblicke in Unternehmen zu bekommen. Auch kann man dadurch gute Kontakte bekommen. Egal, ob man alleine eine Aufgabe bearbeitet oder ob man mit anderen zusammenarbeitet, die Erfahrung macht es.
    Ich habe immer Aufgaben gehabt, die ausgesprochen interessant waren.

    Die Bezahlung kommt ganz auf einen selber an und wie dringend das, was man anbietet, benötigt wird. Ich konnte mich nie beklagen.

    Traifverträge gibt es in der Zeitarbeit insgesamt von drei Organisationen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass nach meiner Recherche zwei davon nicht in Aushandlung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber entstanden sind. Das sind reine „Tarifverträge“ die sich die beiden Zeitarbeitsverbände selber gegeben haben. Somit nach meinem Verständnis kein Tarifvertrag, sondern eine Gehaltsstaffel. Da heist es dann Verhandeln und gar nicht erst auf die Gehaltsstaffel einlassen.

    Trotz alle der negativen Teile finde ich Zeitarbeit als wirkliche Zeitarbeit (also zeitlich begrenzt und überschaubar) als eine sehr gute Möglichkeit Erfahrung zu sammeln.

    Also immer gerne wieder.

  3. Zeitarbeit ist ein zweischneidiges Schwert. Mir persönlich hat sie letztlich zu meinem Beruf verholfen – war aber mehr Zufall als planbar.
    In meiner Wahrnehmung spielen drei Faktoren eine extrem wichtige Rolle, wenn es um Zeitarbeit geht (wenig überraschend): Den Zeitarbeitnehmer, das verleihende Unternehmen und das entleihende Unternehmen.
    Auf Seiten der Zeitarbeitnehmer sind die meisten nicht von „normalen“ Arbeitnehmern zu unterscheiden.
    Auf Seiten der Zeitarbeitsfirmen gibt es meiner Erfahrung nach wenige positive Beispiele (Manpower gehört da tatsächlich dazu) und viele negative Beispiele.
    Auf Seiten der entleihenden Unternehmen sind meine eigenen Erfahrungen eher positiv (mit einer krassen Ausnahme).
    Diese drei Faktoren sind für das Gesamtergebnis „Zeitarbeit“ alle positiv zu besetzen, was anhand der vielen Negativbeispiele seitens der Zeitarbeitsfirmen schwerfällt.

  4. Ich habe Lieharbeitsfirmen im letzten Jahrtausend als moderne Sklavenhalter kennengelernt. Ich war (in Niedersachsen) arbeitslos und wurde vom Arbeitsamt in eine solche Stelle „vermittelt“. Nach acht Wochen war die Arbeit im leihenden Unternehmen getan, und ich wurde wieder entlassen. Nach fünf Wochen – das Amt, das Unternehmen hatten sich nicht geändert, aber der Entleiher und die Laufzeit der Ausleihe. Jedoch wurde ich nach Ende des Projektes erneut entlassen.

    Nach 14 Tagen rief dann der Sklavenhalter bei mir an und hatte die Frechheit, mich zu fragen ob ich bereit sei, als „Springer“ in Süddeutschland einzu“springen“.

    Ich bin dann abgesprungen.

    Ach ja, sowas wie Fahrgeld, Spesen oder ähnliches habe ich nie bekommen.

    Danke, ich bin raus, so ein Umgang mit der „Ware Mensch“ prägt fürs Leben.

    Und jetzt bitte nicht antworten á la „… Süddeutschland hätte aber eine Chance sein können!“ Hätte, hätte, Fahrradkette.

  5. Guten Tag,
    Zu Beginn des Interviews habe ich noch gedacht, es könnte ja inhaltlich mal anderes heraus kommen.
    Falsch gedacht, die üblichen Marketing Floskeln.
    Meine Erfahrungen mit Vermittlern von temporären Mitarbeitern sind ganz andere.
    Keine Fortbildung oder wenn nur online, keine Anschlusstätigkeit sonden Arbeitsamt nach Auftragsende. Urlaub, ja aber bitte nur in Nachfrage schwachen Zeiten.
    Als Zeitarbeiter sind sie umsatzrelevant und die Kosten bringen sie rein. Ohne Umsatz = Projekt sind sie wieder raus. Nix mit unbefristetem Vertrag o.ä.
    Auf Seiten der Kunden spiegelt sich die gesamte Breite des Umgangs wieder, Unternehmen die keine Unterschiede zulassen zwischen Stammbelegschaft und Temps sowie denen die eine klare Trennung wollen.
    Für manche Personalvermittler und Unternehme gelten sie als nicht mehr vermittelbar in feste Verträge, wenn sie mehr als 2 Jahre in der Zeitarbeit tätig waren. Teilweise werden persönliche Störungen unterstellt (nicht teamfähig, kann sich nicht ein- oder/und unterordnen usw) , sonst wären sie schon längst fest angestellt.
    Es sind allerdings auch Menschen in der Zeitarbeit tätig, die wirklich fest angestellt sind und die Abwechslung lieben. Zum Teil werden diese regelmäßig von den gleichen Unternehmen gebucht, z.B. in Urlaubszeiten oder Auftragsspitzen, Projekten..
    In einer Reihe von Unternehmen sind oder werden Aufgaben verlagert (worden), ohne temporäre Mitarbeiter könnten lokale Tätigkeiten gar nicht mehr abgedeckt werden weil die Personaldecke so ausgedünnt ist.
    Insgesamt ist die Zeitarbeit als Themenkomplex sehr vielschichtig und für Menschen sehr davon abhängig welche nachgefragte Qualifikation sie besitzen (in Punkto Gehalt, Arbeitsbedingungen )
    Als Fazit gilt nach wie vor der unbefristete Vertrag bei einem Unternehmen als Non plus Ultra. Zeitarbeit ja aber nur temporär zur Überbrückung.

  6. Ich finde Zeitarbeit eine gute Alternative zu einer Festanstellung so bin ich seinerzeit, vor etwa 1 1/2 Jahren endlich aus der Spirale der Arbeitslosigkeit rausgekommen und der Einsatz wurde schon mehrfach verlängert. Einzig dass sämtliche DInge wie Ferien, 13 . Monatslohn etc. im Stundenlohn drin sind und ich so Geld verliere wenn ich z.B. krank bin aber es macht sich besser als Arbeitsuchend soviel steht fest

  7. Mein Fazit: Zeitarbeit – nein danke.
    Während meiner achtmonatigen Beschäftigung wurde mehreren Kolleginnen sofort (!) gekündigt, trotz unbefristeter Arbeitsverträge, nachdem nicht mehr genug Arbeit für alle Zeitarbeiter vorhanden war. Um die ganze Aktion nach außen schön zu tünchen, erzählte man den Kolleginnen, dass man sich nach anderen Anstellungen umsehen will. Soweit mir bekannt, blieben alle ohne Arbeit.
    Der entleihende öffentliche Arbeitgeber (!) hat uns nicht wie Arbeitnehmer zweiter Klasse, sondern mindestens wie Arbeitnehmer dritter Klasse behandelt. Arbeitseinsätze und -orte wurden innerhalb Berlins sofort, ohne Ankündigung, geändert. An Teamarbeitssitzungen durften wir nicht teilnehmen und den festangestellten Mitarbeitern wurde nahe gelegt, mit uns keine Kontakte, außerhalb der Arbeitsthemen, zu unterhalten. Die letzten Monate hatten wir dann nur noch mehrfach ein- bis zweimonatige Vertragsverlängerungen, von welchen wir kurzfristig ein bis zwei Tage vor Ablauf der Vertragsfrist erfuhren!
    Und nun noch als Sahnehäubchen das Thema Bezahlung – sie betrug die Hälfte der Entlohnung der festen Mitarbeiter (!) und lag zum Ende meiner Tätigkeitsausübung dann doch geringfügig über dem Mindestlohn.
    Aus dieser äußerst unattraktiven Anstellung kam ich durch sehr viele Bewerbungen, natürlich in meiner Freizeit und auf meine Kosten, heraus. Übrigens hatte ich vor Jahren einen Artikel gelesen, in dem über Haussklaven im alten Rom berichtet wurde – diese behandelte man laut Verfasser bedeutend besser, da man sie auf dem Sklavenmarkt erworben hatte, sie nun Eigentum des Besitzers waren und er diese Ausgabe natürlich lange nutzen wollte….

  8. Ich bin über 50 Jahre alt und zu 50% leicht körperbehindert, daher Mensch zweiter Klasse,
    obwohl ich Facharbeiter bin und später noch Techniker gelernt habe.
    Ich war jetzt zweimal zwangsweise bei einer Zeitarbeitsfirma, zufälligerweise sogar derselben.
    Nach Ablauf des ersten Arbeitseinsatzes wurde ich fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.
    Nie anderweitig eingesetzt, trotz guter Bewertung des Auftraggebers.
    Beim zweiten konnte ich volle 18 Monate arbeiten, eine Ersatzarbeit gab es danach nicht, arbeitslos!
    Nach drei Monaten Zwangspause könnte ich zwar dort wieder anfangen,
    möchte es trotz relativ guter Bezahlung aber nicht, da die Arbeit sehr monoton ist
    und nur bedingt meiner Qualifikation entspricht.
    Der (große) Auftraggeber hat Einstellungsstop, daher geht direkt auch nichts.
    Zeitarbeit ist immer die zweite Wahl, leider habe ich fast keine andere mehr.
    Sie müsste gesetzlich noch erheblich mehr, ganz rigoros mehr eingeschränkt werden als bisher, damit die Firmen sie nicht für den Dauereinsatz nutzen dürfen um so die Festangestellten zu (unter)drücken.
    Die Firmen müssten gezwungen werden für Einsätze ab einem Jahr die Mitarbeiter direkt zu übernehmen. Es macht keinen Sinn Zeitarbeit für 18 Monaten zu erlauben, 3 Monate Pause zu machen um dann wieder dort anzufangen, das ist doch Betrug!
    Es kostet die Firmen zumal mehr Geld zwei Leute zu bezahlen (Zeitarbeitsfirma und Mitarbeiter!), das ist doch pervers, oder? Als Sprungbrett für Berufsneulinge, die noch nicht genau wissen, was sie machen wollen, mag Zeitarbeit in Ordnung sein, für Erfahrene eher nicht.
    Der eigentliche Sinn der Zeitarbeit um Spitzen des Arbeitgebers abzufangen, ist schon lange nicht mehr gegeben. Es ist der eigentlich zweite Arbeitsmarkt um Leute auszunutzen und klein zu halten.

  9. Hallo Herr Penz,

    zu allererst einmal danke ich Ihnen für den Kommentar. Nur über offene und ehrliche Rückmeldungen können wir alle miteinander besser werden.
    Ich glaube persönlich nicht, dass Sie ein Mensch zweiter Klasse sind. Aber das muss jeder für sich selber entscheiden.
    Ihre Beschreibung der konkreten Situation interessiert mich, wenn Sie dazu in den Austausch gehen möchten, sehr gerne. Schreiben Sie mir an stephan.rathgeber@manpowergroup.de.

    Ich wünsche Ihnen bei der weiteren Jobsuche und allem was Sie anpacken viel Erfolg !!
    Stephan Rathgeber

  10. Hallo Dr. Slaghuis,

    Ihre Artikel lese ich sehr gerne und schätze Ihre Arbeit mit dem Blog überaus.

    Doch diesen Artikel kann ich einfach nicht empfehlen. Zum Thema Zeitarbeit einen Vertreter eines Zeitarbeitsunternehmens zu interviewen finde ich nicht gerade objektiv.

    „Man muss sich als Leiharbeitnehmer nicht als Arbeiter zweiter Klasse fühlen.“ Nein, muss man nicht, man ist es. „Wenn wir keinen Einsatz haben, dann überbrücken wir die Zeit mit internen Schulungen.“ Aha, oder mit den Zeitarbeitskonten der Arbeitnehmer.

    Ne ne, eine objektive Berichterstattung sieht anders aus.

    BTW, habe an der Umfrage teilgenommen, 56 negative Erfahrungen mit Zeitarbeit bei 128 Stimmen. ;-)

    Viele Grüße
    Sladjan Lazic

    1. Hallo Herr Lazic,
      Danke, dass Sie meine Beiträge regelmäßig lesen und ich verstehe, dass dieser sich für Sie hiervon absetzt. Mir war das Thema wichtig und klar, das Interview ist subjektiv und (schön)gefärbt. Daher die Umfrage am Ende und auch der Aufruf an meine Leser, ihre Erfahrungen zu teilen. Und hier war ich persönlich wirklich positiv über die Bandbreite der Meinungen überrascht.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  11. Hallo Bernd Slaghuis,

    aus meinem reichlichen Erfahrungsschatz kann ich Ihnen ganz genau sagen, was ich von Zeitarbeit halte:

    1. Zeitarbeit ist für mich eindeutig moderner Menschenhandel!! In dieses „schwarze Loch“ unseres Arbeitsmarktes werden absolut fachkompetente Menschen meines Schlages= (+55, langjährigen Job völlig schuldlos verloren= Gerichtsverfahren habe ich „überdimensional“ gewonnen)- hinein gestopft, weil wir – (egal was auch immer in der Öffentlichkeit behauptet, verkündet und geschrieben wird) – in der realen Welt, mit + 50, immer noch, als überwiegend nicht mehr vermittelbar gelten.

    2. Die Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma sind zum Teil so haarsträubend inkompetent und dreist frech, dass mir sogar mein Sachbearbeiter vom Arbeitsamt, in mehreren Fällen, abgeraten hat. Ich bin ihm noch zu schade für eine Zeitarbeitsfirma, da ich für eine Weile noch Arbeitslosengeld I beziehe.

    3. Die Stellenausschreibungen und E-Mails mancher Mitarbeiter in Zeitarbeitsfirmen sind so voller peinlicher Rechtschreibfehler, dass ich eine Beurteilung über meine Person, von solch inkompetenten Personen, ganz einfach nicht zulasse.

    4. Die Arbeit einer Finanzbuchhalterin ist geistig sehr anstrengend, und sie steht ständig zeitlich unter Druck. Vor allen Dingen in der heutigen Zeit, wo ein Mitarbeiter – (damit das Unternehmen an Personalkosten sparen kann)- oft noch andere Aufgabenbereiche mitmachen muss. Als ich nun den vorgeschlagenen Stundenlohn mitgeteilt bekam, da habe ich denen die Frage gestellt, warum ich mein umfangreiches Fachwissen als Finanzbuchhalterin für den Stundenlohn einer Putzfrau zur Verfügung stellen sollte! Jegliche Antworten blieben den Mitarbeitern der Zeitarbeitsfirmen im Halse stecken. Natürlich! Noch, bin ich nicht so weit am Boden liegend, dass ich mich für den Stundenlohn einer Putzfrau verschleudere.

    5. Viele Mitarbeiterinnen zeigen sich gleich bei Kontaktaufnahme so unfreundlich und dreist respektlos, so dass ich mich dann auch schnellstens wieder von denen abwende.

    6. Finden Sie folgende Arbeitsbedingung für Ihr Leben erstrebenswert? Eine 40-Stunden-Woche + 0,45 Minuten Pause + 3 Stunden Fahrzeit am Tag. Halten Sie das für gesund, wenn Sie fast 12 Stunden ausser Haus sind, nur weil Sie von den Zeitarbeitsfirmen skrupellos in die Pampa geschickt werden?
    Ich brauche zu einem gesunden Leben Sport. Wenn wir älter werden, und das werden viele von uns, wenn sie nicht vorher sterben, dann bauen wir naturgegeben nun mal ab. Also, müssen wir mehr tun, damit wir uns fit halten, für die zum Teil völlig überzogenen Anforderungen der Unternehmer an uns. Wie wollen Sie das schaffen, wenn Sie morgens um 7 Uhr aus dem Haus gehen und nicht vor 19 Uhr wieder zu Hause sind?

    7. Mein letzter Punkt handelt davon, dass ich 2 weibliche Steuerfachangestellte, angestellt bei Zeitarbeitsfirmen, im Alter von +55, selbst erlebt habe, als ich noch für die bewusste Firma gearbeitet habe. Diese beiden Frauen waren vollkommen desillusioniert. Sie hatten einmal ein sehr erfolgreiches Arbeitsleben gelebt, genau wie ich und haben auch, ein paar Jahre nur vor der Rente, völlig schuldlos, ihre Jobs verloren. Nach hunderten von erfolglosen Bewerbungen sind sie schliesslich verzweifelt in Zeitarbeitsfirmen geendet. Beide arbeitend für 40 Stunden die Woche, und eine davon hatte eine tägliche Fahrzeit von 3 Stunden. Beide retteten sich ab und zu von Krankheit zu Krankheit. Kann ich total gut verstehen!

    Gerechterweise bin ich gerne bereit zuzugeben, dass es nur wenige Firmen gibt, egal ob Zeitarbeitsfirma oder nicht, die nicht versuchen, uns gnadenlos auszunutzen. Der Sozialstaat Deutschland, an den ich früher einmal geglaubt habe, den gibt es für mich nicht mehr. Ob das jetzt nun viele wahrhaben wollen oder es ihnen so gut geht, dass sie meine Worte für Blödsinn halten, ist mir völlig egal. In jungen Jahren habe ich mich viel mit meinem Grossvater (Industriekaufmann) unterhalten. Von ihm weiss ich, wie schwer damals die Zeiten für viele Arbeitnehmer waren. Es herrschte zum Teil grosse Arbeitslosigkeit und dadurch wurde die Basis für eine völlig skrupellose Personalpolitik geschaffen. Und genau in diesen Zeiten befinden wir uns bereits wieder. Das Angebot an Arbeitnehmern überwiegt massiv die Nachfrage an Jobs.

    Am Schluss meiner Ausführungen möchte ich mich gerne wieder bei Ihnen, Herr Slaghuis, für die vielen tollen Blogs, die Sie uns zum Lesen auf Ihrer Homepage zur Verfügung stellen, sehr herzlich bedanken. Ich find´s total tröstend und ausserdem sehr informativ und sehr interessant.

    Bis zum nächsten Kommentar, herzlichst,
    Renee Preuss

  12. Hallo,
    ich habe mehrfach bei Zeitarbeitsfirmen gearbeitet.

    Ja, es gibt einen unbefristeten Vertrag. Das hört sich erstmal gut an. Sowie das Projekt vorbei ist, folgt regelmässig die betriebsbedingte Kündigung, sofern nicht zufällig ein Anschlussprojekt da ist.

    Übernahme erfolgt nur in 10% der Fälle, die meisten bleiben in der Zeitarbeit hängen.

    Ich will nicht auf die Zeitarbeitsfirmen schimpfen, die bedienen nur einen Markt. Den Markt der Firmen, -die die Stammbelegschaft auf 30 -40 % setzen und der Rest wird dynamisch hoch und runtergefahren.
    -die auch heute noch auf hire-and-fire setzten
    -die nach max. einem Tag Einarbeitung ernsthaft Höchstleistung erwarten.

    Ich bin Dipl.Kfm.(FH), viele Jahre Abteilungsleiter Logistik, jetzt arbeitssuchend. Habe auch mit einer Zeitarbeitsfirma in Düsseldorf gesprochen. „Wir zahlen All-in. Der Stundenlohn ist incl. Spesen, Übernachtung usw. Wenn Sie also z.B. ein Projekt in München haben, erhöhen wir den Stundenlohn um ein paar Euro.“
    Damit waren nicht Dutzende Euro gemeint, sondern „ein paar Euro“. 8h* 6€ macht 48 Euro/ Tag. Dafür soll ich von Düsseldorf nach München und zurück fahren, dort eine Unterkunft finden, ggf. Fahrkarten vor Ort usw. bezahlen. Wie soll das gehen?

    Mir wurden als Abteilungsleiter auch Zeitarbeiter für die Logistik angeboten. „Wir zahlen selbstverständlich Mindestlohn!“ Na super, soll ich eine Firma dafür loben, dass sie ein Gesetz beachtet? Nein, das sollte besonders attraktiv sein.
    Was ist denn daran attraktiv? Da sitzt nun einer für die (seinerzeit) 8,50 brutto auf dem Stapler. Der denkt doch an seine finanziellen Sorgen, die er zwangsläufig haben muss bei dem Lohn, und ist im Geiste eben gerade nicht bei seiner Arbeit.
    Da zahl ich dem doch lieber in Stufen 10-11-12 Euro, habe keine Ärger mit Stundenzetteln usw. Dafür habe ich aber einen Mitarbeiter, der ein echte unbefristete Perspektive hat, von seinem Stresslevel runterkommt, und dann ganz fix ein sehr guter, engagierter, loyaler Mitarbeiter wird.
    Und mit den 12 Euro plus AG-Anteil bin ich noch billiger, als über die Zeitarbeit, sofern der Mitarbeiter nicht laufend krank feiert. Aber dann ist er auch in der normalen Wirtschaft nicht mehr lange Mitarbeiter.

    Vielleicht ist manpower ja die rühmliche Ausnahme, aber in Summe hat sich die Branche Zeitarbeit den schlechten Ruf über lange Jahre selbst erarbeitet.

    mfg
    Karsten H.

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