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Gehaltsvorstellung In Der Bewerbung: So Ermitteln Sie Ihren Marktwert

Gehaltsvorstellung in der Bewerbung: So ermitteln Sie Ihren Marktwert

„Bewerben Sie sich unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung und frühestmöglichem Eintrittstermin.“ So oder ähnlich steht es heute unter fast jeder Stellenausschreibung. Als Bewerber wissen Sie: Wenn eine Gehaltsvorstellung gefordert ist, dann sollten Sie im Anschreiben dazu auch Stellung nehmen. Doch was ist ein guter Wert für Ihre Gehaltsvorstellung? Wann verkaufen Sie sich zu billig und wann pokern Sie zu hoch? Die Angabe des Gehaltswunsches bereitet vielen Bewerbern großes Kopfzerbrechen. Befürchten sie doch, nach diesem Kriterium aussortiert zu werden. Hier meine Tipps, wie Sie zu einer eigenen Meinung und guten Antwort auf die Gehaltsfrage in der Bewerbung gelangen können:

1. Datenbanken und Gehaltsvergleiche von Jobbörsen

Viele Jobbörsen bieten zusätzlich zu den Stellenanzeigen auch Informationen zu Gehältern an. Das ist leicht möglich, denn die Seitenbetreiber fragen von ihren registrierten Mitgliedern die aktuelle Position und das zugehörige  Jahreseinkommen ab. So lassen sich auf Basis ausreichend großer Datenmengen Durchschnittswerte nach Beruf, Branche oder Region bestimmen.

Diese Gehaltsangaben sind somit zwar unabhängig von Ihrem persönlichen Profil und Lebenslauf, können jedoch ein gutes Maß für ungefähre Gehaltsniveaus sein. Sie erfahren zum Beispiel, was Vertriebsleiter in Berlin im Durchschnitt verdienen.

www.gehalt.de (Fragebogen)

www.gehaltsvergleich.com (Berufe und Branchen A-Z)

www.nettolohn.de (Berufe und Städte A-Z)

www.stepstone.de (Gehaltsreport 2017, PDF)

www.absolventa.de (Gehaltsvergleich Absolventen)

www.karriere.de

www.experteer.de

www.companize.com

Als erste Orientierung können solche Datenbanken hilfreich sein, doch manchmal liegen zwischen dem Minimum, Durchschnitt und Maximum mehrere Zehntausend Euro, so dass wiederum die Einschätzung bezogen auf den eigenen Werdegang schwerfällt.

2. Bundesagentur für Arbeit

Mit dem Entgeltatlas bietet die Bundesagentur für Arbeit eine Gehaltsdatenbank mit Suchfunktion nach Berufsbezeichnungen und hier Unterteilung nach Bundesländern, Altersgruppen und Geschlecht an.

Die Berufsbezeichnungen muten zum Teil etwas altbacken an, doch wer für die „klassischen“ Berufsfelder und -Ausbildungen einen Richtwert sucht, der wird hier fündig. Es wird das Monatsgehalt genannt, für Ihre Bewerbung ist somit eine Umrechnung auf das Jahr erforderlich.

3. Adzuna ValueMyCV

Die Jobbörse Adzuna bietet ein Tool an, das auf Basis einer Analyse Ihres Lebenslaufs einen Marktwert berechnet. Sie ziehen Ihren Lebenslauf als PDF oder in einem anderen Format per Drag-and-Drop in ein Feld auf der Adzuna-Website und schon beginnt die Analyse. Ich habe es mit meinem Lebenslauf ausprobiert und hätte ich meinen Weg als Angestellter fortgesetzt, kommt mir das Ergebnis des nach der Analyse ermittelten Jahreseinkommens plausibel vor.

Adzuna ValueMyCV

Gut finde ich auch die Zusatzangebote, die die Lebenslauf-Analyse bietet: Eine Schlagwort-Wolke gibt eine Übersicht über die wichtigsten Keywords, die das System aus Ihrem Lebenslauf herausgelesen hat. Auch die wenngleich sehr allgemeinen Tipps zur Optimierung des eigenen Lebenslaufs sind nützlich und weisen Sie darauf hin, wenn Sie etwa Ihre E-Mail-Adresse oder die Telefonnummer vergessen haben.

4. Gehaltstabellen von Verbänden

Verbände, wie beispielsweise der Verband Deutscher Ingenieure (VDI), führen regelmäßig Befragungen zu Gehältern und Gehaltsniveaus sowohl unter ihren Mitgliedern als auch unter Mitgliedsunternehmen durch. So bietet der VDI einen Gehaltstest sowie auch eine regelmäßig aktualisierte Gehaltsstudie an. Gehören Sie einem solchen Berufsverband an, dann erkundigen Sie sich dort, ob nicht sogar eine individuelle Beratung für Jobwechsler zum Service für Mitglieder zählt.

Eine gute Übersicht mit Verlinkung der meisten Berufsverbände in Deutschland habe ich hier im Gründerlexikon gefunden. Viele von ihnen veröffentlichen Gehaltstabellen oder stehen für Auskünfte zur Verfügung.

5. Öffentliche Tarif-Tabellen

Wird Ihre Stelle nach Tarif bezahlt, dann können Sie Ihr Monatsgehalt auf den Cent genau nachlesen. Die meisten öffentlichen Tariftabellen geben das Gehalt nach Tarifgruppe und Jahren Berufserfahrung an. Bei Ausschreibungen im öffentlichen Dienst ist in der Regel die Tarif-/Entgeltgruppe in der Stellenausschreibung aufgeführt. Fast alle Gewerkschaften (Liste Gewerkschaften) veröffentlichen die aktuell gültigen Tariftabellen auf ihren Seiten, etwa hier:

IG Metall Tarif-Info

ver.di Geld & Tarif

GEW Erziehung und Wissenschaft

Hierbei sind manchmal ein wenig Geduld und Kreativität bei der Recherche gefragt, denn viele Tarif-Informationen verstecken sich erst hinter einzelnen Berufsfeldern oder regionalen Unterseiten der großen Gewerkschaften.

6. Kollegen und Freunde

Über Geld spricht man ja bekanntlich im Privaten nicht. Diese Haltung ist immer noch typisch für uns, schließlich wissen 41% der Deutschen nicht, wieviel ihr Partner verdient. Aber das bedeutet ja nicht, dass Sie es nicht trotzdem versuchen können.

Was spricht dagegen, als Jobwechsler Kontakt mit Ex-Kollegen, Freunden oder auch bisher gänzlich unbekannten Menschen etwa über XING aufzunehmen, die sich in Sachen Gehalt in Ihrem künftigen Beruf oder Ihrer neuen Branche auskennen? Gehen Sie Ihre sozialen Netzwerke durch und suchen Sie nach Kontakten, die Sie fragen können, was in bestimmten Positionen und Branchen üblich ist.

Vielleicht haben Sie ja auch Personaler, Headhunter oder Recruiter unter ihnen, die Ihnen auf Basis Ihres Lebenslaufs in Kombination mit einer Zielposition eine Einschätzung zu Ihrem persönlichen Marktwert geben können?

Ihre Gehaltsvorstellung?

Das war der Blick von außen, was Ihr künftiges Gehalt angeht. Wichtig für Ihren Gehaltswunsch in der Bewerbung ist natürlich auch Ihre eigene Meinung als Bewerber. Was verbinden Sie mit dem Jobwechsel? Machen Sie ähnliche Aufgaben wie bisher, nur woanders? Gehen Sie einen Schritt höher auf der Karriereleiter oder wechseln Sie die Branche und machen vielleicht etwas ganz anderes? Oder entscheiden Sie sich gar, einen Schritt zurück zu gehen (Downshifting), etwa durch weniger Verantwortung in der neuen Position?

Während bei einem Wechsel des Arbeitgebers in derselben Position eine Gehaltssteigerung von fünf bis zehn Prozent drin ist, kann ein Schritt auf der Karrierestufe nach oben auch deutlich mehr Gehalt bedeuten. Machen Sie sich bewusst, was aus Ihrer Sicht ein gutes Gehalt ist, das Sie mit dem Wechsel realisieren möchten. Viele Arbeitnehmer verbinden mit dem Thema Gehalt weniger das Geld auf ihrem Konto, sondern Werte wie Gerechtigkeit oder Anerkennung. Was ist aus Ihrer Sicht eine gerechte Vergütung für die Zielposition bzw. welches Gehalt steht für die motivierende Anerkennung Ihres Fachwissen und Ihrer Berufserfahrung?

Vergleichen Sie Ihre persönliche Gehaltsvorstellung mit den Informationen, die Sie in externen Quellen (s.o.) gefunden haben und bestimmen Sie daraus einen Wert, von dem Sie glauben, dass er bezogen auf die Position und das Unternehmen realistisch ist. Machen Sie sich auch Ihre persönliche „Schmerzgrenze“ bewusst, also welches Gehalt Sie auf keinen Fall unterschreiten möchten bzw. aufgrund Ihrer finanziellen Verpflichtungen unterschreiten können.

Gehaltswunsch in der Bewerbung: Wie formulieren?

Vielen Bewerbern ist nicht bewusst, warum sie ihren Gehaltswunsch angeben sollen. Was steckt dahinter? Unternehmen möchten mit der Frage nach Ihrem Gehaltswunsch erkennen, ob Sie Ihren Marktwert einigermaßen einschätzen können. Es ist noch keine Gehaltsverhandlung!

Werfen Sie also einen Wert ins Rennen, von dem Sie vermuten, dass er in etwa der Position, der Unternehmensgröße, der Region und der Branche entspricht sowie auch Ihre Ausbildung und Berufserfahrung abbildet. Wer sich als Berufseinsteiger auf einen Junior-Consultant bei einer mittelständischen Unternehmensberatung mit 150 Tsd. Euro bewirbt, dürfte raus sein. Wer sich für den Job mit 30 Tsd. Euro bewirbt, ebenso. Es kommt nicht auf den exakten Treffer des späteren tatsächlichen Gehalts an, sondern es geht um Ihre eigene ungefähre Einschätzung.

Geben Sie am Ende Ihres Anschreibens keine Gehaltsspanne und auch nicht Ihr heutiges Gehalt an, sondern einen Richtwert als zukünftige Gehaltsvorstellung, am besten das Bruttogehalt pro Jahr.

Ist Geld für Sie nicht alles, können Sie etwa mit „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei etwa … Tsd. Euro“ signalisieren, dass Ihre Forderung kein hartes Ausschlusskriterium sein sollte. Bei einem Bewerber las ich neulich „Das Gehalt sollte kein Show-Stopper sein“. Das fand ich sehr ehrlich und es schafft Klarheit gegenüber dem potenziellen Arbeitgeber, was wirklich wichtig ist, wenngleich dies sicherlich auch die spätere Verhandlungsposition schwächen dürfte.

Sind Sie in einem Beruf mit hohem variablem Gehaltsanteil tätig, können Sie entweder Ihr Zielgehalt inklusive Bonus angeben oder als Wert nur das gewünschte Fixgehalt pro Jahr beziffern und mit dem Zusatz „zzgl. variabler Anteile“ ergänzen. Auch so signalisieren Sie Flexibilität und spätere Verhandlungsbereitschaft im Gespräch.

Arbeitgeber, Schluss mit dem Ratespielchen

Ich persönlich bin der Meinung, diese Ratespielchen haben in der ersten Phase einer Bewerbung heute nichts mehr zu suchen. Augenhöhe ist es jedenfalls nicht. Wer als Arbeitgeber die Gehaltsfrage ernsthaft als entscheidendes, frühes Auswahlkriterium benötigt, der sollte das Gehalt in der Stellenausschreibung offenlegen und somit nur solche Bewerber ansprechen, die sich zu diesen Konditionen bewerben möchten.

Hinzu kommt, dass das Gehalt für viele Arbeitnehmer heute nicht mehr am stärksten ausschlaggebend ist bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers. Es sind andere Werte, die Arbeitnehmer motivieren. Die Gehaltsfrage ist für den Erstkontakt damit nachrangig, schließlich findet die „echte“ Gehaltsverhandlung erst im zweiten oder sogar dritten Gespräch zwischen Bewerber und potenziellem Arbeitgeber statt.

Doch solange Arbeitgeber die Angabe der Gehaltsvorstellung von Bewerbern verlangen und sie aussortieren, falls sie dem nicht folgen, sollten Sie als Jobwechsler und Bewerber eine klare Meinung und eine Antwort auf die Frage nach Ihrem aktuellen Marktwert haben.

(Titelbild: 123rf.com, #54885215, Andriy Popov)

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Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Gutes Schreiben, Herr Slaghuis aber solange die HR Kollegen das als hartes Kriterium nehmen ist es ein ziemlicher Stress bei Bewerbern. Ich finde das schade weil ein Mitarbeiter der zB 40.000 verlangt aber kapitale Fehler macht die dem Unternehmen viel kosten, und einer der 65000 fragt aber auch Wert schafft, habe ich kein Zweifel dass der Zweite von meinem HR Kollegen aussortiert wird…. Soviel über die konstante Klage der Branchen über Talent Mängel, viele Talente arbeiten in unaufgemerkte, nicht passende Positionen, teils wegen diese Gehaltsvorstellungs Mania.

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