skip to Main Content
Dankschreiben Nach Job-Absage? Wie Sie Als Bewerber Richtig Größe Zeigen.

Dankschreiben nach Job-Absage? Wie Sie als Bewerber richtig Größe zeigen.

Sie haben als Bewerber viel Zeit in Ihre Bewerbung gesteckt, mindestens zwei aufregende Interviews über sich ergehen lassen und zwischendurch noch ein Assessment-Center überstanden. Und dann flattert nach einigen Wochen voller Hoffen und gespannter Erwartung doch die Absage ins Haus. Ein Schreiben oder eine kurze Mail und Ihnen wird sachlich und gesetzeskonform mitgeteilt, dass die Stelle mit einem anderen, besser geeigneten Kandidaten besetzt wurde. Wer genau jetzt nicht in Selbstmitleid und Frustration versinkt, sondern den aufgebauten Kontakt zum möglichen Wunscharbeitgeber und das Wissen sowie die Erfahrungen aus den Interviews trotz Absage als Chance begreift, kann viel gewinnen. Bedanken Sie sich bei Ihren Interviewpartnern und zeigen Sie trotz Absage Interesse. Ein lohnender Perspektivwechsel für alle Bewerber, mit dem Sie in Deutschland noch nahezu alleine sind.

Kopf hoch und weiter geht´s!

Natürlich ist jeder von uns enttäuscht, wenn eine Bewerbung auf eine attraktive Stelle nicht erfolgreich war und die Position mit einem „Konkurrenten“ besetzt wird. Eine Absage werten wir als Ablehnung, schließlich war ja ein anderer Bewerber geeigneter. Entweder, weil wir die fachlichen Anforderungen nicht erfüllen oder weil wir mit unserer Persönlichkeit im Gespräch nicht überzeugen konnten. Oder warum auch immer.  Eine Defizit-Betrachtung, die in einem solchen Moment ganz normal ist.

keep-calmIch könnte jetzt argumentieren, dass Sie aus jedem Bewerbungsgespräch durch das Sammeln von Erfahrungen lernen und sich stetig verbessern. Oder, dass viele Stellen wegen des Betriebsrats ausgeschrieben werden müssen und eigentlich schon längst die interne Besetzung beschlossene Sache war. Sie hatten also eh von Anfang an keine Chance. Die Frage nach dem „Warum“ ist menschlich, an Sie selbst gerichtet ist sie aber nur bedingt förderlich. Sie bringt viele Menschen noch weiter hinunter in der Frustspirale und kann auch Sie dazu führen, für die nächsten Bewerbungen weiter an Selbstvertrauen zu verlieren und nach einigen Monaten spätestens in Panik auszubrechen. „Mich will ja keiner.“ „Ich werde nie wieder einen Job bekommen.“ „Alle anderen sind besser.“  Das ist keine gute Basis, um mit einem Dankschreiben Größe zu zeigen. Und erst recht nicht, um gestärkt ins nächste Vorstellungsgespräch zu gehen.

Was können Sie nach einer Absage tun?

Stellen Sie sich ruhig die Frage nach dem Warum – aber besser konstruktiv und zukunftsorientiert:

  • Was habe ich in den letzten Gesprächen gut gemacht und was sollte ich im nächsten Gespräch daher noch verstärken?
  • Was hat meinen Interviewpartnern (scheinbar) gut gefallen?
  • Was ist mir schwer gefallen? Bei welchen Themen oder Fragen kam ich ins Straucheln? Was kann ich zukünftig anders machen?
  • Wo fühlte ich mich in die Ecke gedrängt? Wie kann ich zukünftig mit diesen Themen offener und selbstbewusster umgehen?
  • Welche Fragen oder Tests habe ich als unangenehm empfunden? Wie werde ich zukünftig darauf reagieren?

Sie sehen, dass es nicht darum geht, dass Sie sich über die vergangenen Gespräche ärgern oder das berühmte Konjunktiv-Spiel „was wäre gewesen, wenn ich hätte“ in Gedanken rauf und runter denken. Haken dran! Sie können an der Vergangenheit nichts ändern, sondern aus ihr nur für die Zukunft lernen.

Sagen Sie Danke!

Ja, richtig gelesen. Bedanken Sie sich bei Ihren Interviewpartnern für deren Zeit und ihr Interesse an Ihnen. Das Dankschreiben nach einer Absage auf eine Bewerbung kommt in Deutschland noch sehr selten vor und bietet Ihnen eine hervorragende Chance, sich von Ihrer professionellen Seite zu zeigen. Sie signalisieren dem Unternehmen, dass Sie es mit Ihrer Bewerbung ernst gemeint haben, Ihnen sehr viel an dieser Stelle gelegen hat und Sie sich auch andere Positionen im Unternehmen vorstellen können.

Das macht natürlich nur dann Sinn, wenn Sie wirklich ein echtes Intersse an diesem Unternehmen haben. Und wenn Ihnen die Unternehmensvertreter im Gespräch sympathisch waren und Sie sich gut vorstellen können, in diesem Unternehmen zu arbeiten. Das Dankschreiben muss authentisch und ehrlich sein. Es geht hier nicht um Schleimerei oder das letzte Wort, das Sie als tapferer Verlierer oder Opfer höherer Entscheidungen noch haben möchten.

Ein Dankschreiben hebt Sie aus der Masse der Bewerber hervor. Es führt im besten Fall dazu, dass Ihre Wertschätzung als solche wahrgenommen wird und Sie in positiver Erinnerung bleiben.

Oft sind es Kleinigkeiten, die bei HR-Entscheidern und Führungskräften den Ausschlag geben, sich in der letzten Runde für oder gegen einen Kandidaten zu entscheiden. Eine Absage bedeutet nicht automatisch, dass Sie schlecht sind.

Die „Vermittlung“ der zweit- und drittplatzierten Bewerber hat sich übrigens das neue Portal Cleverheads zum Ziel gemacht. Unternehmen und Bildungsanbieter können gute Kandidaten, die sie selbst nicht eingestellt haben, hier als qualifizierte Fachkräfte empfehlen und profitieren von einer Vermittlung. Eine interessante Idee vor dem Hintergrund der Diskussion um den angeblichen (und meiner Meinung nach nicht pauschal exitistierenden) Fachkräftemangel in Deutschland.

Was gehört in ein Dankschreiben?

Wem schreiben Sie?

Richten Sie Ihr Dankschreiben nicht an alle Interviewpartner, die Sie im Bewerbungsprozess kennengelernt haben. Schreiben Sie entweder an den/die Entscheidungsträger im Unternehmen, von dem/denen Sie wissen, dass sie die Entscheidung in diesem Bewerbungsprozess getroffen haben. Oder schreiben Sie an die Person, von der Sie die letzte Nachricht, also die Absage erhalten haben.

Was schreiben Sie?

  • Bedanken Sie sich dafür, dass sich Ihre Gesprächspartner Zeit für Sie genommen haben und Sie sie kennenlernen konnten.
  • Drücken Sie Ihre Freude darüber aus, dass Sie die Chance auf die Stelle bekommen haben.
  • Etwas Eigenlob ist erlaubt. Sagen Sie ruhig auch, dass Sie stolz darauf sind, es bis in die letzte Runde geschafft zu haben.
  • Machen Sie deutlich (wenn es für Sie passt), dass Sie enttäuscht über die Absage sind, sich aber für das Unternehmen freuen, einen geeigneten Kandidaten gefunden zu haben (auch das nur, wenn Sie dies tatsächlich so unterschreiben können).
  • Gibt es Erfahrungen oder Themen, die Sie in den Gesprächen besonders beeindruckt oder als positiv erfahren haben? Beschreiben Sie sie kurz und machen Sie deutlich, warum Ihnen diese Themen besonders gefallen haben. Wichtig: Bleiben Sie sachlich und schreiben Sie aus Ihrer Perspektive. Denken Sie nicht daran, was dem Unternehmen gefallen könnte. Es ist Ihre (!) Sichtweise, es geht nicht um Honig um den Bart schmieren, sonst wirkt Ihr Dankschreiben schnell anbiedernd oder wie Bettelei und das haben Sie ja nicht nötig!
  • Schreiben Sie, dass Sie mit dem Unternehmen gerne weiterhin in Kontakt bleiben möchten und offen sind für weitere Job-Angebote (natürlich nur, wenn Sie das auch wirklich möchten).
  • Das Dankschreiben sollte nicht länger als eine dreiviertel Seite sein. Je knapper und besser auf den Punkt, desto besser. Vermeiden Sie auf jeden Fall, in zu lange Erklärungs-Schleifen oder gar in eine Rechtfertigungshaltung zu verfallen. Und auch für das Dankschreiben gilt wie für das Bewerbungsschreiben: Vermeiden Sie nichtssagende Worthülsen. Das langweilt den Empfänger und lässt ihn vielleicht gar nicht bis zum Ende lesen.

Ich habe im Netz einige Vorlagen aus den USA für diese Dankschreiben gefunden. Für meinen Geschmack klingen sie sehr anbiedernd und ein wenig oberflächlich, was mich kulturell aber nicht wundert. Als wichtig für Deutschland halte ich, dass das, was Sie schreiben, tatsächlich Ihren Gefühlen und Gedanken entspricht. Wenn Sie ein Dankschreiben nur aus Frust oder als letzte Hoffnung schreiben, dann lassen Sie es lieber bleiben. Liegt Ihnen tatsächlich etwas an einem Job in diesem Unternehmen und sind Sie aus Ihrer inneren Haltung davon überzeugt, dass es gut ist, diesen Kontakt zu halten, dann erklären Sie dies dem Unternehmen.

Schreiben oder lieber anrufen?

Ist es vielleicht gar kein Dankschreiben, sondern ein Anruf? Das hängt aus meiner Sicht von zwei Faktoren ab: Teilt Ihnen der Entscheider oder Ihr letzter Interviewpartner telefonisch mit, dass Sie die Stelle nicht bekommen, dann können Sie sich überlegen, ob Sie vielleicht ein oder zwei Tage später ebenfalls zum Telefonhörer greifen und Sie sie oder ihn anrufen, um die oben geannten Dinge zu sagen. Bekommen Sie die Absage per Post oder Mail, bietet es sich an, auch schriftlich darauf zu reagieren.

Zweitens würde ich es auch davon abhängig machen, ob Sie a) ein Telefonat als angenehm empfinden und das Gefühl haben, dabei das zum Ausdruck bringen zu können, was Ihnen wichtig ist und b) wie gut Sie sich mit der anderen Seite verstehen. Haben Sie Ihre Interviewpartner als sehr locker und nah kennengerlent, kann ein Anruf gegenüber einem Dankschreiben sogar auch weitere Vorteile mit sich bringen:

Am Telefon können beide Seiten sofort auf Gesagtes reagieren und es kann sich ein konstruktives Gespräch entwickeln. Sie können nachfragen, was ausschlaggebend für die Entscheidung gegen Sie gewesen ist und ob Sie Tipps bekommen können, was Sie bei einem nächsten Gespräch verändern können. Unternehmen sind hier gesetzlich zwar ziemlich die Hände gebunden, aber vielleicht haben Sie so einen guten Draht zu Ihrem Gesprächspartner, dass er Ihnen einige Beweggründe nennt und Tipps für das nächste Vorstellungsgespräch geben kann.

Der Realitäts-Check

Funktioniert das auch in Deutschland? Ist es sinnvoll? Oder beschweren sich Personaler, wenn Sie zum großen Berg an Bewerbungen auch noch Dankschreiben erhalten?

Ich habe es getestet – besser gesagt testen lassen: Zwei meiner Klienten, die sich momentan in einer Bewerbungsphase befinden, haben kurz nach einer Absage ein Dankschreiben abgeschickt. Auch wenn die Ergebnisse sicher nicht repräsentativ sind, sie haben mich beeindruckt und darin bestärkt, dass Dankschreiben in bestimmten Situationen sinnvoll sind.

In beiden Fällen – und zuvor waren die Bewerber beide jeweils nach drei Interviews in der letzten Runde und hatten damit schon eine engere Beziehung zum Unternehmen aufgebaut – war das Feedback äußerst positiv.

Im Fall A hat sich der Personalentscheider nach Erhalt des Schreibens telefonisch gemeldet, sich für das Schreiben bedankt und weiterhin sehr großes Interesse am Bewerber bekundet. Sie würden die Unterlagen gerne behalten und in den Bewerberpool aufnehmen und sich melden, wenn eine weitere in Frage kommende Stelle zu besetzen sei.

Im zweiten Fall hat sich der potenzielle Vorgesetzte – ebenfalls telefonisch – gemeldet und erklärt, dass er aus fachlicher Sicht sein Votum für den Kandidaten abgegeben habe, aber von HR und seinem eigenen Vorgesetztem überstimmt worden sei. Nun gut, das wollte mein Klient jetzt eigentlich nicht hören, aber das inhaltliche Feedback war auch hier sehr positiv für ihn. Auch er bleibt in den Hinterköpfen sowohl in der Fachabteilung als auch in HR für die nächsten vakanten Positionen.

Mein Fazit

Ein Dankschreiben ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie es innerhalb des Auswahlprozesses weit gebracht haben. Die Vorstellung, dass jeder Bewerber nach der ersten Runde ein Dankschreiben schickt, stelle ich mir aus der HR-Perspektive ziemlich nervig vor.

Bewerber, die hingegen knapp am neuen Job im Unternehmen vorbeigeschrammt sind und die weiterhin ein echtes, eigenes Interesse an einer Position in diesem Unternehmen haben, können sich mit einem Dankschreiben noch einmal positiv in Erinnerung rufen und durch ein konstruktives und persönliches Feedback vielleicht etwas für weitere Vorstellungsgespräche lernen. Wichtig: Lassen Sie nicht zu viel Zeit verstreichen, sondern schreiben Sie oder rufen Sie innerhalb einer Woche an.

Ein Dankschreiben sollte keine Schleimspur hinterlassen, denn das haben Sie als Bewerber auf Augenhöhe nicht nötig. Schreiben Sie, was Ihnen wichtig ist und bringen Sie zum Ausdruck, was Sie „zum guten Schluss“ gerne loswerden möchten. Und vielleicht hilft auch hier bei Ihrer Entscheidung für oder gegen ein Dankschreiben die Frage „Warum eigentlich nicht?“ weiter.

Mich interessieren Ihre Erfahrungen. Haben Sie als Bewerber schon einmal ein Dankschreiben nach einer Absage verschickt? Und wenn Sie im Bereich Personal tätig sind – was halten Sie von Dankschreiben und wie gehen Sie damit um? Ich freue mich über Ihre Kommentare oder persönlichen Nachrichten.

 

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag in Ihren Netzwerken teilen.

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Themen rund um die Karriereplanung und berufliche Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 18 Kommentare
  1. Neoliberale Geisteshaltung in Reinform. Unternehmen können in nahezu allen Bereichen (Fachkräftemangel ist ein Märchen des Kapitals) aus einem Überangebot an Arbeitskräften wählen und picken sich die Rosinen. Oft ist es auch reine Glückssache: Welcher Personaler liest sich schon 300 Bewerbungsschreiben auf eine durchschnittlich entlohnte Stelle durch? Oder die Kontakte waren einfach bessere. Die Auswahl von BewerberInnen hat heute relativ wenig mit wirklichem Wissen oder Kompetenz zu tun, weil das ein formaler Lebenslauf kaum spiegeln kann. Sich unter diesen Umständen dann auch noch den Unternehmen anbiedern und sich für eine Absage bedanken, kann dann eigentlich nur ein neoliberaler Fetisch sein.

    1. Im Artikel geht es nicht um anbiedern, ganz im Gegenteil. Die vielen positiven Beispiele seit Veröffentlichung des Beitrags zeigen, dass es ein guter Weg sein kann, eine Stelle doch noch zu bekommen. Entscheidend ist die eigene Haltung dabei. Mit Ihrer Sicht auf Unternehmen und Recruiter wäre es wahrscheinlich nicht authentisch.

  2. Nach meiner persönlichen Erfahrung, die sich auf deutlich mehr als 2 Dankesschreiben bezieht, empfinde ich ihren Hinweis auf die eigene Haltung in obiger Antwort als interelektuelle Ohrfeige!

    Konkret habe ich eine Rücklaufquote von 3%, die dann auch nur aus wertlosen Floskeln und gesetzeskonformer Antwortprosa bestand. Telefonische Kontaktaufnahme bzw. unmittelbares Danken und Nachfragen im Sinne o.g. Ansätze führten auch schon dazu, dass das Gespräch sehr höflich von Gegenseite beendet wurde, da derjenige mit einer freundlichen Nachfrage nicht gerechnet hatte bzw. in der Lage war, damit spontan klarzukommen.

    Die Angst vor juristischen Konsequenzen ist definitiv auf der Arbeitgeberseite existent und entsprechende mir juritisch konforme Verhaltenskodexe sind von der HR MAs umzusetzen.

    Macht aber nichts, denn ich nehme es sportlich und ich habe auch schon Unternehmen, das mich zur zweiten oder dritten Sparing eingeladen hatte, abgesagt. Freundlich, sachlich und aufklärend habe ich schriflich meine Gründe mitgeteilt – interessanterweise (oder doch bedenklicherweise) ohne jemals eine Gegenantwort zu erhalten!
    Warum wohl?

    1. Hallo Ralph,

      natürlich muss man sich von Unternehmen nicht alles gefallen lassen. Ich warne aber davor, eine Einladung abzusagen. Sowas kann negative Eintragungen geben. Denken Sie immer an Edward Snowden. Stellen Sie sich das Schlimmste vor, und packen Sie das zehnfache oben drauf, denn sind Sie bei der Wahrheit. Eine Absage wird Ihnen also min. 10 neg. Eintragungen (auch in anderen Unternehmen) einbringen.

  3. Leider ist dies, wenn überhaupt, nur für eine ganz kleine Klientel relevant. Wer es noch nicht einmal mehr in die Gesprächsrunde schafft, weil über fünfzig (trotz mehrerer akademischer Abschlüsse), der muß sich dafür sicher nicht bedanken. Sind Arbeitgeber, die gegen AGG §10 verstoßen, es wert, daß man bei ihnen arbeitet? Sind Arbeitnehmer, die sich nicht gesetzeskonform verhalten, attraktiv?

    Seit ich über fünfzig bin, weiß ich, daß ich alle Anforderungen erfüllen kann. Locker. Bewarb ich mich mit Ende zwanzig um diese Positionen, behauptete ich, es zu können – und wurde eingeladen.

    Die Neusprech-Formulierung lautet heute bei Eingang des Bewerbungsschreiben. „… intensive Prüfung aller eingegangenen Bewerbungen, weshalb wir Sie ein wenig um Geduld bitten, bis wir uns wieder bei Ihnen melden“. Die „intensive“ Prüfung heißt: Wir legen Sie aus Altersgründen beiseite, bis die Vorstellungsgespräche gelaufen sind und dann erhalten Sie eine vorformulierte bedauernde Absage.
    Wie gut, daß wir alle gleich sind.

    1. Hallo Clara,
      ich kann den Frust verstehen, der in Ihrem Kommentar zum Ausdruck kommt. Das Dankschreiben macht natürlich nur dann Sinn, wenn Sie a) im Gespräch waren und so einen persönlichen Kontakt haben und b) wirklich Danke! sagen möchten für ein gutes Gespräch, auch wenn es am Ende nicht geklappt hat. Und solche Fälle gibt es durchaus auch, die Arbeitgeber-Welt da draußen ist nicht nur böse. Ich wünsche Ihnen, dass Sie den passenden Arbeitgeber finden, der Ihre Berufserfahrung zu schätzen weiß. Das erfordert eine gezielte Suche und dauert manchmal etwas länger, aber es gibt sie.
      Viele Grüße,
      Bernd Slaghuis

      1. Guten Tag,

        ich kann den Kommentar von Clara schon verstehen. Wir wissen doch alle, das fast jedes Unternehmen keine Mitarbeiter über 50, oder gar 55 Jahre einstellt. Es sagt nur kein Unternehmen. Das sind die Fakten.

        Es gibt nur ganz wenige Unternehmen bzw. Berufsgruppen, in denen auch sehr viele ältere Menschen (über 50, oder deutlich über 50 Jahre) arbeiten, und wo das keine Rolle spielt, oder wo man das eben akzeptiert, weil man keine anderen Leute bekommt…

  4. Ich habe mit „aktiver Reaktion“ nach einer Absage eher gute Erfahrungen gemacht.
    Bei einer Traumstelle, wo mich die Absage ins Herz getroffen hatte, habe ich postwendend zum Telefon gegriffen. Es folgte ein wunderbares Gespräch. Eine Woche später war deren Nr. 1 abgesprungen, und ich erhielt – aufgrund meines Anrufs – nun eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Daraus wurde dann zwar doch nichts, aber immerhin. Auch jetzt habe ich eine Absage bekommen, nach mehreren Interviews, die sich über 3 Monate hinzogen. Auch hier rief ich an, es folgte ein weiteres sehr gutes Gespräch, aus dem folgte, dass 2 mich unbedingt haben wollten, nur der dritte nicht, und nun wird in einer anderen Division geschaut, ob da eine Stelle frei wird. Mir wurde geraten, ein Dankschreiben an den anderen (positiven) Interviewer (Leiter der besagten Division) zu schreiben. Der reagierte sofort erfreut, und ein weiteres Gespräch ist auch schon vereinbart. Ich weiß nicht, ob es klappen wird – aber zumindest habe ich jetzt einen nachhaltigen Kontakt zu 2 Top Entscheidern mit internationalem Netzwerk, die sich zudem bei HR für mich stark machen wollen, um mich auf prio zu legen. Sicher, können alles nur schöne Worte sein und nichts bei rauskommen. Aber zumindest habe ich es probiert. Ist vielleicht aber auch eine Typsache.

  5. Wenn ich denn mal eine Absage von einem suchenden und nicht nur einem vermittelnden Unternehmen bekomme, dann frage ich gelegentlich per E-Mail auch mal nach, wenn es mir wichtig erscheint. Klar, auf Grund der EU-Rechtslage bekomme ich keine schriftliche Antwort, aber zumindest einen Anruf.
    Diese Gespräche führen zumindest bei mir zu einem besseren Verständnis. Aber eine Stelle habe diese noch nie gebracht.

    Das Problem, das zumindest ich habe ist, dass meine Stellen heute kaum noch von den suchenden Unternehmen selber ausgeschrieben werden. Und sind wir mal ehrlich, was interessiert einem den der Vermittler? Die wissen ja teilweise nicht mal, was ich für ihren Kunden machen soll. Warum sollte ich also da nachfragen?

    Vermittler wie Hays oder Brunel antworten nicht mal auf Bewerbungen, da diese nur über deren Online-Portal möglich und gewünscht sind. Absagen habe ich da noch nie erhalten (genauso wenig wie Zusagen). Daher habe ich diese Unternehmen auch aus meiner Bewerbungsliste gestrichen.

  6. wie realitätsfremd und peinlich

    wer auf Absagen reagiert und Danke sagt, der wird als irrer abgestempelt. Ich kenne aus eigener Erfahrung den umstand, dass nach der Absage alles vorbei ist.

    Wer da noch eine Mail schreibt an die Firma, die einen nicht wollte der macht den HR Leuten nur unnötig viel Arbeit

    1. Hallo Thomas,
      manche andere Bewerber machen andere Erfahrungen, insofern ist „realitätsfremd“ Ansichtssache. Peinlich … für wen? Ich schreibe hier über meine Erfahrungen aus der Arbeit mit Bewerbern, warum sollte das peinlich sein? Und wenn sich ein Dankschreiben für Sie nicht richtig anfühlt (das hat ja auch etwas mit der eigenen Haltung zu tun), dann sollten Sie es besser bleiben lassen.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  7. Ich arbeite seit 10 Jahren in einem großen Unternehmen und möchte mich beruflich verändern. Als intern eine Stelle angeboten wurde die genau meinen Wünschen und auch meinem Profil entsprach habe ich mich direkt beworben und auch sofort ein Vorstellungsgespräch erhalten. Dieses verlief sehr gut und ich konnte kurz darauf Probearbeiten. Nach dem Probearbeiten wurde mir mündlich eine Zusage gegeben und bis auf das Eintrittsdatum alles besprochen. Leider wurde mir 2 Tage später telefonisch abgesagt, ohne mir einen konkreten Grund zu nennen. Die Absage erteilte mir die HR. Ich finde das Verhalten unmöglich, möchte aber trotzdem nicht die Option verlieren vielleicht irgendwann in dieser Abteilung zu arbeiten und überlege mir deshalb die Führungskraft nochmal zu kontaktieren? Ein Dankschreiben kommt für mich auf Grund der Umstände nicht in Frage aber mein Interesse an dem Job ist nach wie vor groß. Was empfehlen sie in solch einer Situation?

    1. Hallo Sandra,
      ich würde mit der Führungskraft Kontakt aufnehmen und ihm/ihr ein Feedback geben. Wie Sie das Probearbeiten empfunden haben, dass Sie sich auf die Stelle (die schon zugesagt war) gefreut hatten und es schade finden, dass HR abgesagt hat. Sie können nachfragen, was der Grund für die Absage war und zum Ausdruck bringen, dass Sie weiterhin großes Interesse haben.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  8. Hallo,
    ich suche auch gerade nach ein paar Aufhängern für mein „Dankesschreiben“… Ich habe mich in einer Firma beworben bei der eine Stelle – passend für mich – ausgeschrieben war. Dann habe ich natürlich meine Unterlagen hingeschickt. Kurz danach gab es ein erstes Telefongespräch. Daraufhin bekam ich eine Absage…
    Wiederum kurz danach rief mich wieder eine Dame an, dass ich zum Gespräch eingeladen werde… In meinem Kopf herrschte Verwirrung.
    Dann hatte ich das Vorstellungsgespräch und knapp 2 Wochen habe ich erst auf Nachfrage telefonisch eine Absage erhalten. Zusammengefasst ungefähr so: Für mich gibt es keine passende Stelle im Unternehmen, die wird in naher Zukunft auch nicht geschaffen, aber ich bin auf jeden die Erste, an die gedacht wird, wenn es die Stelle mal geben sollte….
    Ich will eigentlich schon ziemlich lange in dieser Firma arbeiten. Durch diese Nummer fühle ich mich allerdings ziemlich verarscht, möchte mir aber dennoch keine Chance verbauen.
    Hat jemand einen Tipp, was ich in dieses Dankesschreiben schreiben kann?

    1. Hallo Susi,
      das klingt ja nach mächtiger Verwirrung und einem heftigen Gefühls-auf-und-ab. Wenn Ihnen noch so viel an diesem Arbeitgeber liegt, dann würde ich Ihren Ansprechpartnern dort mehr ein ehrliches Feedback als ein „Danke“ schicken. Wie Sie den Bewerbungsprozess erlebt haben, wie Sie sich dabei gefühlt haben, was Sie sich nun fragen und warum Sie (trotzdem) in Zukunft gerne Teil des Teams wären. Wichtig finde ich hierbei zweierlei: Sie haben echte Lust, den Kontakt noch einmal zu suchen und Ihr Feedback bleibt trotz Ihrer Verärgerung sachlich und wertschätzend. Wenn nicht, sollten Sie auch Ihre Motivation hinterfragen, dort in Zukunft wirklich arbeiten zu wollen.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  9. Ich habe heute ebenfalls wieder eine Absage erhalten wobei ich so gern diesen Job als EDV-Sachbearbeiter gemacht hätte… Das Vorstellungsgespräch verlief sehr gut und mir wurde auch gleich der Arbeitsplatz gezeigt und ich durfte für 30 Minuten die Arbeitsschritte kennenlernen die auf mich zu kommen würden, eine nette, sehr junge Kollegin erklärte mir das alles und dieser Job ist mein Traumjob.. Was mir an dem Tag aber schon auffiel, da waren nur sehr junge Mitarbeiterinnen um die 20 mit sehr langen Fingernägeln und schon fast Magersüchtige… Aber alle sehr nett und freundlich. Die Firma, also das Unternehmen, baut noch kräftig aus und ebenfalls die Räumlichkeiten. Sie expandiert noch. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl weil ich alle Voraussetzungen mitbringe und bereit bin zur 40 Stunden Woche und sehr flexibel bin. Das hatte sich der Chef der die Leute einstellt, auch alles mit einem Lächeln und Kopfnicken beim Gespräch notiert. Dann kam heute doch die Absage nachdem ich vor dem Wochenende jetzt eine Erinnerungsmail geschickt hatte in der ich geschrieben hatte, das ich immer noch grosses Interesse an der Stelle habe und wie weit die Vorauswahl der Bewerber ist… Ich denke mir, an fehlender Qualifikation liegt es nicht, – sondern das ich nicht ins Bild passe, zwischen den vielen jungen Mädels eine über 50 jährige mit Übergewicht.. Ich habe auch keine Lust, bei einem Vorstellungsgespräch zu erwähnen das mein Übergewicht krankheitsbedingt durch eine Schilddrüsenerkrankung besteht.. Das habe ich immer nur dann erklärt wenn danach gefragt wurde und ob ich die Arbeit körperlich schaffe.. Ich hätte sehr gern dort gearbeitet und macht es überhaupt einen Sinn einen Dankesbrief zu schicken? Die Firma sucht ja noch immer, weil sie ja noch am expertieren ist und Mitarbeiter sucht. Aber wenn der Unternehmer nur junge Models haben will dann hab ich doch eh keine Chancen…

    1. Hallo Evelin,
      dass es nicht passt, kann ja an sehr unterschiedlichen Dingen liegen, ich würde nicht sofort den Grund in Ihrem Übergewicht suchen. Ein Dankschreiben wird Ihnen in diesem Fall vermutlich nicht helfen für den immer noch ausgeschriebenen Job, für den Sie auch im Gespräch waren – denn diese Entscheidung scheint ja gefallen zu sein und Sie haben ja letzte Woche schon geschrieben, dass Sie die Stelle gerne gehabt hätten. Vielleicht macht auch ein Anruf Sinn, dass Sie es sehr schade finden, die Stelle nicht bekommen zu haben und ob sie Ihnen vielleicht zu den Gründen etwas sagen können. Sie müssen es nicht und vermutlich werden Sie auch nicht viel erfahren. Bei dieser Gelegenheit könnten Sie auch noch einmal sagen (oder schreiben), dass Sie weiterhin interessiert sind, dort zu arbeiten und ob Sie sich wieder bewerben sollen, falls neue/andere Stellen ausgeschrieben sind, die für Sie infrage kommen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und hoffe, dass Sie schnell eine Stelle und einen Arbeitgeber finden, wo es richtig passt.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top