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Sinn bei der Arbeit: Was ist denn sinnvoll?

Wenn ich mit meinen Klienten über Werte und Ziele im Beruf und im Leben spreche, steht häufig auch der Wert „Sinn“ im Mittelpunkt – gerade bei jüngeren Menschen, die der sogenannten Generation Y (1977-1998 Geborene) angehören. Ich hinterfrage im Gespräch, was „Sinn“ für sie bedeutet oder woran sie bemerken würden, dass der Wert Sinn im Beruf erfüllt ist. Meist sind die Antworten und das, was wir allgemein mit Sinn im Beruf verbinden, sehr ähnlich. Neulich überraschte mich jedoch eine Antwort so sehr, weil sie mir selbst eine völlig neue Perspektive eröffnete. Diese Erfahrung möchte ich gerne mit Ihnen hier teilen.

Sinn im Beruf kann an zahlreichen, völlig unterschiedlichen Kriterien festgemacht werden. Die folgenden Aspekte sind typsiche Beispiele dafür, was viele Menschen als sinnvoll erachten.

Produkte oder Branchen mit Sinn

Für viele Menschen ist der Wert Sinn erfüllt, wenn sie sich entweder mit dem Produkt ihres Unternehmens oder mit dem Unternehmen selbst stark identifizieren können. Das kann bedeuten, dass sie selbst Fan eines Produkts oder der Dienstleistung sind und diese selbst auch kaufen würden oder aber das Unternehmen einer bestimmten Branche angehört, die als „Sinn stiftend“ in der Gesellschaft anerkannt ist. Dies können Non-Profit-Organisationen ebenso wie besonders sozial engagierte, Gewinn orientierte Unternehmen sein.

„Etwas mit Menschen“

Sinn sehen viele Menschen auch in der Arbeit mit, für oder an anderen Menschen. Ein Arzt übt eine sinnvolle Tätigkeit aus und auch mein Beruf als Coach wird von vielen Menschen als Sinn stiftend beurteilt. Jede Form von Arbeit mit dem Ziel, das Wohlergehen anderer Menschen oder der ganzen Gesellschaft zu steigern, wird im Allgemeinen als sinnvoll angesehen. Hier kommen oftmals auch die Werte „Berufung“ oder „Passion“ ins Spiel. Wer glaubt, für etwas geboren zu sein oder in einer bestimmten Tätigkeit seine Lebensaufgabe (als Bestimmung) sieht, erkennt darin auch immer einen tieferen Sinn.

Das Hobby zum Beruf machen

Ein Hobby wäre kein Hobby, wenn wir uns für diese Tätigkeit nicht interessieren würden oder sie uns nicht gut tut. Wer also sein Hobby zum Beruf macht, für den sollte der Wert Sinn auch bei der Arbeit grundsätzlich erst einmal erfüllt sein. Dass dies manchmal etwas zu kurz gedacht ist und viele dieser aus dem eigenen Hobby geborenen Geschäftsideen nicht funktionieren, dazu habe ich hier schon geschrieben.

Eigene Ziele als Sinn

Sinn in einem beruflichen Lebensabschnitt kann auch bedeuten, bewusst bestimmte eigene Lebens- oder Karriereziele zu verfolgen. Ein Job kann heute und vielleicht für die nächsten Jahre Sinn ergeben, um ein bestimmtes, weiter in der Zukunft liegendes Ziel zu erreichen – auch wenn der Sinn im engeren Sinne im Moment vielleicht nicht erfüllt ist. Kompliziert, aber ich hoffe, Sie wissen, was ich meine ;-)

Die Generation Y und der Sinn

Jungen Arbeitnehmern ist der Wert „Sinn“ neben einem guten Verhältnis von Arbeit zu Freizeit immens wichtig. Sie möchten verstehen, was sie tun und sie möchten begreifen, warum sie einen Großteil ihrer Lebenszeit in Großraumbüros, Sitzungsräumen oder Produktionshallen verbringen. Nur einen Job zu machen, um Geld zu verdienen, kann zwar in einem bestimmten Lebensabschnitt für sie ebenso sinnvoll sein, dies entspricht aber für die Mehrheit dieser Generation nicht dem eigentlichen Zweck.

Sinn bedeutet für junge Menschen Motivation. Der Sinn gibt ihnen die Energie, ihre Arbeit gewissenhaft und gut zu machen. Sie möchten etwas bewegen oder dazu beitragen, dass es anderen Menschen besser geht. Vielleicht denken Sie jetzt an Greenpeace, Entwicklungshilfe oder andere soziale Organisationen.

Nein, auch das ökologisch neutrale Schampoo oder ein gesundes Nahrungsmittel kann Sinn stiften. So wird auch die Arbeit in bestimmten Bereichen für Konzerne wie Bayer, Henkel oder Nestlé von vielen meiner Klienten als sinnvoll angesehen. Arbeitgeber oder Berufe „mit Sinn“ bedeutet sehr viel mehr als nur Gemeinnützigkeit oder „etwas mit Menschen“.

Sinn kommt von unseren Sinnen.
Ach – spannend!

Neulich saß mir eine ich würde sagen typische Angehörige der Generation Y gegenüber. Ich habe etwas gegen Schubladendenken, aber hier passte es einfach genau zu dem, was in den letzten Monaten zur Generation „Why“ in den Medien vermittelt wird: Geld ist nachrangig, neben dem Job muss viel Zeit für Freunde, Familie und sich selbst bleiben und die Aufgabe muss sinnvoll sein. Dazu noch Erfolg, möglichst selbstbestimmtes Arbeiten, neue Herausforderungen und Anerkennung der Leistungen.

Spannend und gleichsam beeindruckend war für mich ihre Interpretation des Wertes Sinn und ihre Vorstellung von sinnvoller Arbeit:
[Tweet „Sinn ist, wenn ich im Beruf etwas mit meinen Sinnen erfahren kann.“] Eigentlich ganz logisch, denn Sinn und die Sinne gehören ja zumindest vom Wortstamm eng zusammen. Mit unseren fünf Sinnen nehmen wir unsere Umwelt wahr. Unsere Wahrnehmung beeinflust unser Denken und Handeln. Wir beurteilen Dinge oder Menschen anhand dessen, was wir sehen, hören, schmecken, riechen oder tasten.

Die folgenden Beispiele zeigen – wenn auch im übetragenen Sinne – wie ein „Beruf mit Sinnen“ aussehen könnte:

  • Ein Produkt fühlt sich für mich gut an. Ich identifiziere mich mit dem Produkt.
  • Ich kann die Kollegen oder den Chef gut riechen. Wir verstehen uns gut und sind auf einer Wellenlänge.
  • Ich sehe den Fortschritt meiner Arbeit. Ich erkenne meinen persönlichen Beitrag an einem Produkt oder einer Leistung.
  • Ich höre Anerkennung, Lob oder konstruktive Kritik. Ich erfahre Motivation und entwickele mich weiter.

Konkret gibt es natürlich auch Berufe, bei denen unsere Sinne unmittelbar eine Rolle spielen:

  • Köche oder Bäcker, die schmackhafte Produkte herstellen.
  • Film- oder TV-Produzenten, die schön anzusehende Filme oder Sendungen herstellen.
  • Möbelhersteller, die uns eine funktionale oder bequeme Umgebung schaffen.
  • Parfüm-Hersteller, die angenehme Gerüche produzieren.
  • Designer und Modehersteller, die Kleidungsstücke oder Schuhe produzieren, in denen wir uns wohlfühlen.

Vielleicht denken Sie jetzt „Dann kann ich ja in allem einen Sinn sehen!“ Ja, vielleicht. Sinn ist alles das, was Sie in Ihrem Job als sinnvoll ansehen. Hier gibt es kein schwarz-weiß oder ein „muss“. Jeder definiert Sinn auf seine Art und Weise. Für die einen kann sich Sinn nur aus einer sozialen oder gemeinnützigen Tätigkeit ableiten, für andere Menschen ist der Sinnbegriff sehr viel weiter gefasst.

Die Beispiele ließen sich sicher noch weiter auf andere Aspekte im Beruf ausdehnen. Überlegen Sie doch einmal, welche Ihrer Sinne oder welche Sinne der Käufer und Nutzer Ihrer Produkte oder Leistungen in Ihrem Beruf dazu beitragen, diesem einen Sinn zu geben. Wenn Sie möchten, schreiben Sie mir. Ich bin gespannt auf Ihre Perspektiven zum Sinn Ihrer Arbeit.

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Der Ansatz von Sinn und Sinnen ist spannend. Als Unternehmensberaterin und Autorin sehe ich gerne eine Entwicklung meiner Klienten, schreibe meine Erfahrungen in Form von Büchern auf und gebe Wissen in Form von Lesungen und Vorträgen auditiv weiter. #interessant #erkenntnis

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