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Promoviert und ohne Job? So klappt der Berufseinstieg.

27.700 Promotionen wurden im letzten Jahr abgeschlossen. Frisch gebackene Doktoren, die zum Großteil eine Stelle außerhalb der Uni suchen. Auch wenn die meisten von ihnen im Durchschnitt 5 Jahre an ihrer Doktorarbeit gesessen und in dieser Zeit an einer Universität oder Forschungseinrichtung gearbeitet haben, steht nun der Start ins richtige Berufsleben vor der Tür. Promovierte konkurrieren bei Einstiegspositionen mit deutlich jüngeren und auch günstigeren Hochschulabsolventen. Für die Stellen mit Berufserfahrung fehlt ihnen genau diese aber meist noch. Hinzu kommt, dass viele HR-Entscheider Promovierte in Schubladen stecken, aus denen sie es mit ihrer Bewerbung und einer überzeugenden Präsentation im Gespräch erst wieder mühsam heraus schaffen müssen. Hier sind die 9 häufigsten Vorurteile, denen Frau und Herr Doktor beim ersten Job-Einstieg begegnen:

1. Sie sind als Berufseinsteiger überqualifiziert!

Als Doktor in ein Trainee-Programm? Was für viele Hochschulabsolventen ein sanfter und gut geführter Einstieg in die Praxis ist, kommt für Doktoren in der Regel nicht in Frage. Ein Titel-Träger in der Gruppe der Trainees eines Jahrgangs ist für die meisten Unternehmen nicht vorstellbar. Die Gruppe soll homogen sein, ein Primus inter Pares stört hier nur. Auch für andere Einstiegspositionen werden Promovierte oft als überqualifiziert abgestempelt, denn sie haben sich bereits einen Expertenstatus in einem Thema erarbeitet und sind gegenüber einem jungen Absolventen auch in ihrer persönlichen Entwicklung um Längen weiter. Auch wenn dieser Fakt wenig mit der fachlichen Qualifizierung zu tun hat, der Stempel sitzt.

2. Sie sind für uns zu teuer!

Promovierte verdienen je nach Beruf und Branche im Durchschnitt 25% mehr als ihre Kollegen ohne Titel, dies ist jedoch stark von der Branche abhängig. Auch wenn dieser Unterschied beim Einstieg nicht immer gegeben sein muss und viele frisch Promovierte auch zu einem „normalen“ Einstiegsgehalt beginnen würden, so zeigt sich mittelfristig dann doch die Gehaltsschere in der Entwicklung. Gerade kleine und mittelständische Betriebe wägen hier ab, ob das Ansehen und der Titel sowie die durch die Promotionstätigkeit erworbenen Kompetenzen die höheren Personalkosten rechtfertigen.

3. Sie sind ein verkopfter Theoretiker!

Welches Bild haben Sie von einem Wissenschaftler? Der Theoretiker, der sich im stillen Kämmerlein komplizierte Formeln ausdenkt oder über Jahre an Experimenten forscht, deren Ergebnisse niemand aus der Praxis versteht? Werfen Sie doch mal einen Blick auf die Titel von Dissertationen, ein prominentes Beispiel hier ;-) Wissenschaftler haben Probleme im Team, können sich in der Praxis nicht für alle verständlich ausdrücken und sind kompliziert. Mythos oder Realität? Jedenfalls ein Stempel, der gerade den Einstieg in eher hemdsärmelige Berufe und Branchen mit Hands-on-Mentalität enorm erschwert.

4. Ihnen fehlt die Praxiserfahrung!

Ja, wer nicht berufsbegleitend promoviert (z. B. bei großen Unternehmensberatungen, die ihre Mitarbeiter hierfür auch freistellen – und lange binden), dem fehlen im Vergleich zu seiner Peer-Group 3-5 Jahre Berufserfahrung außerhalb der Uni. Und was ist mit der Arbeit am Lehrstuhl oder einem Institut – ist das keine Berufserfahrung? Es kommt darauf an. Wer hier neben dem Schreiben seiner Dissertation auch Aufgaben in der Studierendenberatung, der Lehre und Lehrstuhl-Organisation übernimmt oder gar an Projekten mit der Praxis beteiligt ist, kann dies als Berufserfahrung aufführen. Trotzdem sitzt der Stempel, denn viele Personaler haben keine Vorstellung von den Aufgabenfeldern eines wissenschaftlichen Mitarbeiters und bewerten diese Zeit oftmals nicht als relevante Berufserfahrung.

5. Sie sind zu alt für diese Einstiegsposition!

Warum schreiben Unternehmen Positionen als Einstiegsposition aus? Nun, zum einen aus Kostengründen. Zum anderen, um junge Menschen für das Unternehmen zu gewinnen. Sie sind flexibel, ausgeprägt karrieregeil, formbar, in höchstem Maße engagiert und noch nicht vom Job versaut (Sie wissen, was ich meine?). Das Durchschnittsalter bei Abschluss einer Promotion liegt bei 33 Jahren. Und jetzt stellen Sie sich diesen Bewerber neben einem 23-jährigen Bachelor- oder etwas älterem Master-Absolventen vor. Ich kann verstehen, dass Unternehmen bewusst Einstiegspositionen lieber mit jungen Absolventen besetzen.

6. Sie sind ewiger Student!

Das Studium abgeschlossen, kein Job in Reichweite, dafür aber das Angebot für eine Promotion. Und warum dann auch ins hektische Berufsleben stürzen, wenn doch alles (fast) so bleiben kann, wie es heute an der Uni schon ist? Weiterhin das schöne Studentenleben genießen – und jetzt damit sogar Geld verdienen, wenn auch weniger als die Kommilitonen, die in die Wirtschaft gehen. Eine Motivation, die wohl viele (blauäugige) Absolventen antreibt, eine Promotion anzuhängen oder es zumindest mal zu probieren. Das ist problematisch, denn diese Motivation reicht in der Regel nicht aus, die hohe Disziplin und das Durchhaltevermögen aufzubringen, die eine Promotion erfordert. So erkläre ich mir die hohe Abbrecherquote von über 65% der Promotionsverfahren ohne Abschluss. Wer selbst nicht promoviert hat, hat meist keine Vorstellung von dem Kraftakt und den psychischen Belastungen während dieser Zeit. Der Stempel des ewigen Studenten, der noch keine Lust hatte, richtig zu arbeiten, sitzt.

7. Sie können nicht anpacken!

Promovierte sind Schreibtisch-Täter. Und wenn ich von naturwissenschaftlichen und medizinischen Promotionen und Arbeit in Laboren absehe, dann haben Promovierte die letzten Jahre sitzend vor Büchern und Monitoren und in Bibliotheken verbracht. Und das weitgehend selbstbestimmt. Eignen sie sich schon als Führungskraft? Können Sie ein Team motivieren und steuern? Packen sie auch mal mit an und machen sich die Hände schmutzig oder sind sie sich zu fein, die Produktionshalle zu betreten? Auch wenn sie Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin mit ihrem Abschluss beweisen, die Eignung als praxiserprobter Macher können sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorweisen.

8. Sie sind wohl was Besseres!

Was war ich stolz, als ich mit der Promotionsurkunde in der Hand zum Amt ging und mir einen neuen Ausweis bestellte. Es lagen auch echt harte 5 Jahre und die ersten grauen Haare hinter mir. Und dann die Fragen in Geschäften, wenn ich mit Karte bezahlte, ob ich Arzt sei (ja, das fragen Kassierer tatsächlich!). Na klar, es ist ein gewisser Status und auch Prestige, zu der elitären Gruppe der 10% der Bevölkerung zu gehören, die diesen Namenszusatz tragen dürfen. Nun, dieses Gefühl verflog schnell wieder und wer mich kennt, der weiß, dass ich heute keinen Wert darauf lege, mit Titel angesprochen zu werden. Aber klar ist: der „Ich-bin-was-Besseres-Stempel“ sitzt und viele frisch Promovierte fühlen sich auch so und strahlen es entsprechend aus. Keine gute Basis für ein Einstellungsgespräch auf Augenhöhe mit einem Personaler ohne Titel.

9. Wir sind doch eh nur ein Sprungbrett!

Promotion kommt aus dem Lateinischen (promotio) und bedeutet »Beförderung«. Promovierte versprechen sich von ihrem Titel, die eine oder andere Sprosse auf der Karriereleiter überspringen zu können. Gerade kleine Betriebe stellen sich die Frage, wie hoch ein Berufseinsteiger mit Promotion hinaus will und ob sie diesen Weg bieten können. Außerdem wechseln Karriere Getriebene häufig, denn nur so realisieren sie die größten Gehaltssprünge und Aufstiege. Lohnt sich also überhaupt die Einstellung und die Investition in die Einarbeitung, wenn der Mitarbeiter nach zwei Jahren die Kündigung einreicht und wieder verschwindet? Welcher Arbeitgeber möchte freiweillig nur ein Sprungbrett sein?

So punkten Sie als Bewerber mit Promotion trotzdem

Zugegeben, die Darstellung ist überspitzt, aber nicht ganz an der Realität vorbei – gerade bei den Geisteswissenschaftlern – wie ich aus Gesprächen mit Promovierten und HR-Entscheidern weiß. Sicher gibt es auch Bewerber, die sogar und gerade wegen Ihrer Promotion schneller einen Job finden, z. B. in den naturwissenschaftlich-technischen sowie medizinischen Studiengängen, in denen eine Promotion gang und gäbe ist und Hochqualifizierte auf dem aktuellen Arbeitsmarkt grundstäzlich ganz gute Chancen haben. Bei den Chemikern  promovieren fast 90% der Absolventen. Ohne Promotion würden Sie als Bewerber hier sogar aus der Reihe fallen.

Mein Tipp: Setzen Sie sich – unabhängig vom Studiengang – mit den vermeintlichen Vorurteilen auseinander. Rechtfertigen Sie allerdings nicht Ihre damalige Entscheidung für die Promotion (Ich bin mir  sicher, dass es gut war, dass Sie diese Entscheidung getroffen haben!). Achten Sie einmal darauf, bei welchen dieser 9 Punkte Sie die größten Widerstände bei sich spüren und Sie mir am liebsten ein „Bei mir ist das ganz anders!“ an den Kopf werfen möchten. Genau diese Punkte können Hinweise darauf sein, was Sie als promovierten Bewerber besonders auszeichnet und für Unternehmen attraktiv macht.

Hier sind 5 Fragen, die Ihnen vor dem Schreiben Ihrer Bewerbung helfen können, einige Dinge klarer zu sehen:

  • Wie ist meine Perspektive und Einstellung zu diesen Vorurteilen?
  • Was unterscheidet mich persönlich und fachlich von einem Uni-/FH-Absolventen?
  • Was ist mir besonders wichtig beim Job-Einstieg und was sind meine nächsten Ziele?
  • Für welche Unternehmen oder Positionen stiften die Inhalte meiner Doktorarbeit einen Nutzen?
  • Für welche Stellen oder Positionen im Unternehmen ist ein Doktortitel nützlich?

Hier ist Ihr Titel gefragt

Die letzten beiden Fragen sind wichtig, um sich gezielt mit Ihrem Profil und Hintergrund auf aussichtsreiche Stellen zu bewerben. Mit Ihrem Titel sind Sie überall dort gerne gesehen, wo Prestige und Ansehen sowie Seriosität und Vertrauen eine große Rolle spielen. Und auch dort, wo Sie als Mitarbeiter eines Unternehmens viel mit anderen Promovierten zu tun haben – egal, ob innerhalb des Unternehmens oder im Kontakt mit externen Kunden oder Dienstleistern.

Hier nur einige Beispiele, bei denen ein Doktortitel gerne gesehen ist:

  • Assistenten des Vorstandes / der Geschäftsführung
  • Stabstellen / exponierte Experten-Positionen / Generalisten (Grundsatzfragen)
  • Unternehmensberater /Inhouse-Consultant
  • Wirtschaftsprüfer / Revisor / Internal Auditor
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Marketing
  • Unternehmensentwicklung / Strategie / Mergers & Acquisitions
  • Rechtsanwaltskanzleien / Steuerberater
  • Banken / Versicherungen / Vertrieb „seriöser“ Produkte
  • Medizin-/Chemie-/Biologie-Branche
  • Forschung & Entwicklung / Produktentwicklung
  • Öffentlicher Dienst / Ministerien / Hochschulverwaltung / Rektoren

Klar ist, jeglicher Karriereschritt weiter in Richtung Forschung/Habilitation, FH-/Junior-Professur, Dozententätigkeit, PostDoc-Programm erfordert den Titel. Diese Richtung klammere ich hier bewusst aus und beschränke mich auf den Einstieg in die freie Wirtschaft. Im Übrigen scheidet die unmittelbare Verlängerung der Uni-Karriere für viele Promovierte aus, denn die Arbeitsbedingungen im Prekariat mit Doktorgrad sind ziemlich unattraktiv.

 Vorsicht! Die Bewerbung ist keine Doktorarbeit!

Ich erlebe immer wieder frisch gebackene Promovierte auf Job-Suche, deren Bewerbungsschreiben sehr fachlich und – ich sage mal vorsichtig – eher langweilig-trocken sind. Sie sind stolz auf ihre wissenschaftlichen Ergebnisse und beschreiben diese ausschweifend. Verständlich, denn schließlich war das ihr Lebensinhalt der letzten Jahre. Doch damit kann kaum ein Unternehmen etwas anfangen, es sei denn, die offene Stelle steht in direktem Bezug zum Thema der Arbeit. Ziehen Sie doch einmal die Brille des Lesers im Unternehmen auf und versetzen Sie sich in seine Perspektive. Was würde Sie denn alles interessieren, von diesem „besonderen“ Berufseinsteiger mit Promotion zu erfahren?

Vielleicht dies hier:

  • Was war damals Ihre Motivation zur Promotion?
  • Welche wertvollen Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit gesammelt?
  • Wodurch zeichnen Sie sich in Ihrer Persönlichkeit aus?
  • Was haben Sie in den letzten Jahren gerne gemacht, was bereitet Ihnen Freude?
  • Gab es Praxis-Projekte oder Kooperationen mit anderen Unternehmen?
  • Was reizt Sie an der Stelle, am Produkt, am Unternehmen, der Branche?
  • Welche Ziele reizen Sie und was möchten Sie in den nächsten Jahren gerne erreichen?
  • Was möchten Sie gerne im Job lernen, was Ihnen heute noch fehlt?

Finden Sie für sich selbst heraus, warum es gut war, zu promovieren. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt und wie können Sie diese Erfahrungen in den nächsten Job einbringen? Schreiben Sie lieber hierüber anstelle Ihre Forschungsergebnisse zu erklären. Vielleicht auch für Sie eine Alternative: Ich habe damals meiner Bewerbung als Anlage eine einseitige Zusammenfassung der Doktorarbeit beigelegt, das stieß oft auf Interesse.

Kommt es zu einem Vorstellungsgespräch, dann werden Sie höchst wahrscheinlich zu Ihrer Dissertation befragt. Der Hintergrund: Ihr potenzieller Arbeitgeber möchte so testen, ob Sie kurz und knapp und adressatengerecht über Ihr Thema und die Ergebnisse sprechen können. Das fällt vielen frisch Promovierten schwer. Sie stecken noch tief in der Materie und sind von ihren Forschungen so sehr begeistert, dass sie nicht nur vergessen, dass ihr Gegenüber wahrscheinlich zwei Drittel der Fachbegriffe nicht versteht, sondern sie auch komplett die Zeit beim Plaudern vergessen. Auch wenn ich gegen auswendig lernen bin – üben Sie das in Ruhe vorher! Was würden Sie einem Freund über Ihre Doktorarbeit erzählen, der nicht vom Fach ist?

Für alle anderen Leser, die gerade nicht den Doktorhut verliehen bekommen haben – vielleicht waren ja auch einige nützliche Impulse für Sie dabei? Schreiben Sie mir über Ihre Erfahrungen beim Job-Ersteinstieg nach der Uni. Egal, ob als Doktor, Master oder Bachelor – oder alter Diplomand. Was haben Sie erlebt? Welchen Vorurteilen sind Sie als Promovierter begegnet und wie sind Sie damit umgegangen? Welche weiteren Einstiegs-Jobs oder Branchen kennen Sie, die  attraktiv für Promovierte sind? Ich freue mich über Ihre Erfahrungen unten in den Kommentaren.

(Bildnachweis: 123rf.com, 36292340, Ljupco Smokovski)

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen sehr interessanten Artikel! Sie gehen als einer der wenigen auf die besondere Situation ein, in der sich Doktoranden beim Übergang von der akademischen Welt in die freie Wirtschaft befinden. Ich glaube, dass besonders frisch gebackene Doktoren der Naturwissenschaften Schwierigkeiten haben, ihr Potenzial in fachfremden Gebieten 1. zu erkennen und 2. zu vermitteln.

    1. Hallo Daniel,
      vielen Dank! Ja, dieser Einstieg ist besonders schwierig, wenn Doktoranden nicht schon über Kontakte und ein gutes Netzwerk in die Wirtschaft aus der Zeit als wiss. Mitarbeiter verfügen, die sie dann nutzen können. Ob es Naturwissenschaftler besonders schwer haben, weiß ich nicht, denn hier ist der Dr. in einigen Studienfächern ja fast die Norm (Biologie, Chemie) und auch von vielen Unternehmen explizit erwünscht/gefordert. Ich denke eher, dass Geisteswissenschaftler da die größeren Probleme haben – auch wenn sie sich vielleicht besser verkaufen können (Es lebe die Schubladendenke!), ist die Konkurrenzsituation im Bewerbermarkt bei ihnen eine andere.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

      1. Interessant, wie die Meisten immer sagen die Promotion wäre erforderlich in Biologie/Chemie etc… Klar für Forschung ja, keine Frage. Aber für viele Postgraduates / Traineeprogramme (Clinical, Sales…etc) mit über 30 wird es auch schon mal eng. Also ich kann nur sagen, dass ich mit meinem Master in einem Traineeprogramm aufgenommen wurde (OK ich hab mir diverse Zusatzqualifikationen angeeignet & ein paar Jahre Berufserfahrung & Auslanderfahrung gesammelt und bin noch unter 30). Ich kenne leider zu viele promovierte Kollegen, die seit Monaten arbeitslos sind oder verzweifelt auf Stellen bewerben wofür sie Überqualifiziert sind… Ich denke man muss sich im Klaren sein, dass 4 Jahre Labor eher ein nice-to-have ist, aber ohne Referenzen und Industrieerfahrung man nicht besonders interessant ist. Irgendwann klappts sicher.

  2. […] Promoviert und ohne Job? So klappt der Berufseinstieg – „Mit Ihrem Titel sind Sie überall dort gerne gesehen, wo Prestige und Ansehen sowie Seriosität und Vertrauen eine große Rolle spielen. Und auch dort, wo Sie als Mitarbeiter eines Unternehmens viel mit anderen Promovierten zu tun haben – egal, ob innerhalb des Unternehmens oder im Kontakt mit externen Kunden oder Dienstleistern.“ […]

  3. Danke für den super Artikel! Hat mir sehr geholfen, mich dem Thema nochmal anders zu nähern. Ich bin seit Oktober 2015 auf Jobsuche nach erfolgreicher Promotion (Physik & VWL), wobei ich ehrlicherweise anmerken sollte, dass ich auch schon Angebote abgelehnt habe, es also nicht grundsätzlich schlecht läuft. Zu den Bewerbungen, die bisher mindestens zu einem Vorstellungsgespräch geführt haben, kann ich in der Zwischenbilanz sagen, dass im Nachhinein betrachtet mindestens eine an der Auswahl Beteiligte Person promoviert war. Für mich spricht das schon dafür, dass man als Promovierter genau dann einen Vorteil hat, wenn Auswählende selber promoviert sind. Sonst – das ist zumindest mein Eindruck – ist es tatsächlich eher ein Nachteil. Ich hatte bisher genau ein Gespräch, wo kein Gesprächspartner promoviert war. Prompt wurde mir dann im Nachgang erklärt, man habe doch eher jemanden gesucht, „der auch schon in dem Bereich gearbeitet“ habe. Bei der Stelle ging es um Datenanalyse, was ich während der Doktorarbeit auch viel gemacht habe. Dies habe ich natürlich auch in meiner Bewerbung klar gemacht. Allerdings verfing dann eben doch wieder das Argument mit der „Branchenerfahrung“. Meines Erachtens eine Ausrede für „Tut uns Leid, aber irgendwie wissen wir dann doch nicht so ganz wie wir Ihre Erfahrung bewerten sollen“. Schade!
    Andererseits könnte es auch noch sein, dass Auswählende Schwierigkeiten haben, mein etwas unkonventionelles Profil einzuordnen. Aber das Argument geht genauso in die andere Richtung…

    1. Hallo Johannes,
      danke für Deinen Kommentar und dass Du Deine Erfahrungen teilst. Ja, ich glaube auch, dass es für Promovierte ein Vorteil ist, wenn sie „Gleichgesinnten“ im Vorstellungsgespräch gegenüber sitzen, aber danach vorher zu selektieren wäre wahrscheinlich übertrieben. Eigentlich sollte es keine Rolle spielen, aber wahrscheinlich ist es wichtig für Augenhöhe im Gespräch, vielleicht auch nur unterbewusst. Ich fände es auch nicht verkehrt – solltest Du als Bewerber das Gefühl haben, der Recruiter muss sich „beweisen“, das offen anzusprechen und so von Deiner Seite den Druck aus dem Gespräch zu nehmen. Ist aber sicher auch Typsache und kommt auf die Situation an – nur ein Impuls, den ich gerade im Kopf hatte ;)
      Viel Erfolg bei der weiteren Jobsuche und Auswahl des passenden Arbeitgebers!
      LG, Bernd

  4. Hallo Herr Dr. Slaghuis,

    erlauben Sie, Ihnen in obigen Zusammenhang folgendes Problem bzw. Muster zu schildern, welches mich seit geraumer Zeit beschäftigt. Obwohl ich sehr gute Schul- und Studienleistungen, gute Fremdsprachenkenntnisse sowie neben meinem BWL-Studium einige Zusatzqualifikationen vorweisen kann, erhalte ich auf meine Bewerbungen eine bemerkenswert schwache Resonanz. Dies war immer schon so. Bereits während meines Studiums war es für mich alles andere bloß nicht leicht, ein Praktikum zu ergattern. Dabei kann ich durchaus auf eine langjährige Berufserfahrung verweisen, sowohl als Angestellter wie auch als Unternehmer, zumal ich seit frühester Jugend im Geschäft meiner Eltern mitgearbeitet habe. Ich habe zwar nicht im Ausland studiert. Dennoch kann ich gewisse Auslandserfahrung für mich beanspruchen, indem ich im Ausland ein langwieriges Gerichtsverfahren geführt habe bzw. führe. Im Job selbst habe ich bislang noch überall die Erfahrung gemacht, dass ich sehr schnell der Kaspar Hauser des Büros bin, das heißt auf ein Abstellgleis komme und nur dann einbezogen werde, wenn man wirklich gar nicht mehr weiter weiß. Bis dahin kriege ich entweder nichts oder aber Dinge zu tun, wofür man objektiv nicht studiert haben muss (Ordner mit Prospekten anlegen, tagelange Kopierarbeiten, auch dieses Muster wiederholt sich), wobei dies fast den Anschein hat, als geschehe dies nach dem Motto „Irgendwann wird es ihm schon zu blöd und er geht“. Dabei beschreiben mich meine Kollegen immer als umgänglich.
    Ich stehe unmittelbar vor dem Abschluss meiner Promotion. Mittelfristig plane ich den Schritt in die Selbständigkeit. Zunächst jedoch möchte ich gerne für einige Jahre berufliche Erfahrungen sammeln, etwa in der Unternehmensberatung, dies um mich zu orientieren, wohin die Reise gehen soll. Ich wollte die Phase meiner Promotion bestmöglich nutzen und möglichst vielfältige Erfahrungen sammeln. Daher habe ich mich unter anderem dort um eine nebenberufliche Tätigkeit beworben, allerdings auch hier ohne Erfolg. Hierbei spreche ich nicht von einer Absage nach einem Vorstellungsgespräch, sondern davon, erst gar nicht hierzu eingeladen zu werden. Im Hinblick auf das bevorstehende Bewerbungsverfahren verunsichert mich dies sehr, was ich jedoch keinesfalls so zu verstehen bitte, dass ich damit nicht leben kann. Aus der Retrospektive macht das, was einem widerfährt, ja meist dann doch Sinn, deswegen hefte ich Absagen, und wollen diese noch so zahlreich sein, unter der Lasche „Investition in die Zukunft“ ab. Dennoch beschäftigt mich die Frage, was man eigentlich noch alles mitbringen muss, um bloß einmal eingeladen zu werden (Ich spreche ja noch nicht mal von einer Einstellung). Dass es an der Bewerbung selbst liegt, schließe ich eher aus. Immer wieder wurde mir schon bekundet, dass sich diese gut liest (wenn dann doch mal jemand darauf reagiert). Haben Sie eine Idee, woran es liegen könnte? Oder ist das normal (was ich allerdings bezweifle)? Ich gehe jeder Absage nach respektive versuche ich, dieses zu tun, was jedoch in der Regel daran scheitert, dass sich die jeweilige HR-Abteilung auf die Floskel zurückzieht, man könne bei der Vielzahl der Bewerbungen kein individuelles Feedback geben (was ich mir auch gar nicht erwarte) und daher den Grund für die Absage nicht nennen. Dies macht die Sache natürlich nicht gerade leichter hinsichtlich der Frage, wo man nachlegen muss. Auf der anderen Seite sollte man um diese „Offenheit“ vor Eingehen eines Beschäftigungsverhältnisses froh sein. Vielleicht bleibt einem so viel erspart.
    Unabhängig davon, ob Sie die Zeit dazu finden, meinen leider etwas längeren Beitrag zu lesen und Ihnen hierzu etwas einfällt, möchte ich Ihnen für Ihren Blog danken. Irgendwo habe ich auf diesem gelesen, dass die klassischen Bewerbungshelfer nicht mehr unbedingt à jour sind, was wohl eine euphemistische Umschreibung des eher zutreffenderen Begriffs „vorsintflutlich“ ist, und sich auf eine andere, längst vergangene Zeit beziehen. Ich wünsche Ihnen weiterhin ganz viel Erfolg bei Ihrer wichtigen Mission, Menschen bei deren Entscheidungen hinsichtlich der sinn-vollen Verwendung des wichtigsten zur Verfügung stehenden Guts, nämlich der Lebenszeit, zu begleiten.
    Schönen Gruß & weiterhin viel Erfolg!
    Peter

  5. Moin,

    ich befinde mich auch in der Situation, dass ich meine Promotion und die Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter bald abschließen werde und finde es momentan schwierig passende Jobangebote zu finden. Sollte man sich als Berufseinsteiger oder Trainee bewerben oder eher auf Stellen für die 3-5 Jahre Berufserfahrung evtl. auch Führungserfahrung erwünscht ist? Ich denke beides passt nicht optimal und ich werde dann wohl erläutern, welche relevanten Erfahrungen ich m.E. habe und welche mir evtl. noch fehlen. Ich fände es auch keine Schande eine „Trainee-“ oder „Junior“-Stelle anzufangen vielleicht mit der Aussicht dann etwas schneller aufzusteigen, als andere Berufsanfänger.

    Naja vielleicht kann ich ja mal berichten wie es läuft, wenn es soweit ist. Beginne gerade erst mich umzuschauen.

    Gruß Arndt

    1. Moin Arndt ;-)
      Meine Erfahrung ist, dass Trainee-Stellen selten mit Promovierten besetzt werden, sondern Arbeitgeber hier wirklich die „jungen Hüpfer“ als Bachelor/Master-Absolventen suchen. Das hat auch was mit Team und Gruppe der Trainees zu tun, wo Du mit Deinem Alter und auch dem Gehaltsgefüge nicht reinpasst – auch wenn es ein guter Einstieg für Dich wäre. Wenn, dann würde ich Klarheit schaffen und dem Unternehmen explizit schreiben, dass Du Lust auf die Position als Einstieg hast und auch zu den Trainiee-Konditionen anfangen würdest. Stellen mit Führungserfahrung sind sicher auch schwierig, wenn Du nicht z. B. durch Arbeit am Lehrstuhl und Führung von stud. Mitarbeitern Erfahrungen vorweisen kannst. Ich würde mir überlegen, in welchen Positionen der Titel von Nutzen ist für das Unternehmen, z. B. als Assistent der GF im Sinne von Sprungbrett-Position im Unternehmen und Vorbereitung für spätere Management-Funktionen.
      Viel Erfolg und ja, berichte gerne mal wieder, welche Erfahrungen Du machst.
      Viele Grüße,
      Bernd

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