Ich bin ein Flexi. Welcher Karrieretyp sind Sie ..? #Worklifestyle

„Karriere mit System“ – so lautet das neueste Werk der Hamburger Karriereberaterin und Bestsellerautorin Svenja Hofert. Der Titel gefällt mir gut, denn ich liebe es auch, Dinge systematisch anzugehen. Und wer Svenja Hofert näher kennt oder bereits andere ihrer Bücher gelesen hat weiß, dass System bei ihr nicht nur eine Worthülse ist. Und besonders neugierig war ich zudem auf die Online-Analyse meines eigenen Worklifestyles. Das Buch ist auf 230 Seiten wie gewohnt vollgepackt mit geballtem Expertenwissen und Erfahrungen aus jahrelanger Karriereberatung. Ich möchte Ihnen hier das Konzept der von ihr neu entwickelten sieben Karriere-Systeme sowie des Worklifestyles vorstellen.

Karriere im Wandel

Kapitel 1 „Vergessen Sie die Spielregeln von Gestern“ macht sofort deutlich, wohin die Reise in diesem Buch geht. Svenja Hoferts Perspektive auf eine zeitgemäße Bedeutung von Karriere wird bestimmt durch Begriffe wie „Generation Y“, „Sinnsuche“, „New Work“ und „Augenhöhe“.

Dies schlägt sich unmittelbar in ihrem Verständnis von Karriere nieder: Es gehe zunehmend bei der Karriere nicht mehr um die Wunscherfüllung eines bestimmten Zustands in der Zukunft, sondern um den Augenblick, in der die berufliche Tätigkeit zur eigenen Persönlichkeit passt und zu einem „Flow“ in der Arbeit führt.

[Tweet „“Karriere ist ein Prozess, und nicht etwas, das man macht.“ (S. Hofert)“]

Das Umfeld zählt

Dies ist eine Beobachtung, die ich im Rahmen von Coachings zur beruflichen Orientierung auch sehr häufig mache. Menschen werden unzufrieden in ihrem Beruf, weil sie sich in ihrem Umfeld nicht mehr wohlfühlen. Das bedeutet nicht, dass ihnen die Farbe ihres Schreibtisches nicht mehr gefällt, sondern vielmehr, dass sie in ihrem Umfeld nicht mehr die erforderlichen Möglichkeiten finden, sich zu entwickeln. Entwicklung bedeutet hier, sowohl in der eigenen Persönlichkeit als auch in den fachlichen Kompetenzen sukzessive zu wachsen.

Karriere braucht fruchtbaren Boden

Es ist ein sehr schönes Bild, was Svenja Hofert mit dem „fruchtbaren Boden“ zeichnet. Wir alle brauchen für eine persönlichkeitsgerechte Entwicklung und Karriere einen passenden Nährboden. Unter welchen „klimatischen“ Bedingungen im Unternehmen kann sich jeder von uns am besten entfalten und wachsen? Um dies herauszufinden, hat Svenja Hofert sieben Karriere-Systeme  definiert. Sie stehen – vereinfacht ausgedrückt – für das, was das Unternehmen bietet und wie es funktioniert. Analog zu den Karriere-Systemen gibt es sieben verschiedene Worklifestyles. Diese beschreiben den eigenen Arbeitsstil und das, was wir für unsere persönliche Karriere benötigen:

  • Family-Career/-Worklifestyle
  • Dynamic Career/-Worklifestyle
  • Conventional Career/-Worklifestyle
  • Performance Career/-Worklifestyle
  • Cooperative Career/-Worklifestyle
  • Flexi Career/-Worklifestyle
  • Better-World-Career/-Worklifestyle

Im Buch zeigt sie zu jedem der Karriere-Systeme, durch was sie sich jeweils auszeichnen, welche Strategie des Unternehmens dahintersteckt, welche zentralen Werte in diesen Unternehmen typischerweise vorherrschen, für wen dieses System ideal ist und welche Risiken auch mit dem System verbunden sind. Sie gibt konkrete Bewerbungstipps, wie ein Einstieg in ein Unternehmen mit dem entsprechenden Karriere-System am besten gelingt.

Worklifestyle und Karriere-System müssen passen

Berufliche Zufriedenheit und Erfolg, so Svenja Hofert, stellen sich nur dann ein, wenn der eigene Worklifestyle – also die eigene Art zu arbeiten und zu leben – zum jeweiligen Karriere-System des Unternehmen passt.

Das klingt und ist total logisch und zugleich so simpel. Dennoch ist dies vielen Angestellten nicht bewusst. Ich bemerke es im Coaching bei dem auch aus meiner Sicht so zentralen Thema der persönlichen Werte im Beruf. Alle „Job-Gefrusteten“ erkennen nach der Analyse ihrer Werte, dass das, was ihnen heute wichtig ist, im aktuellen Beruf und beim aktuellen Arbeitgeber nicht mehr erfüllt ist. Es zeigt sich: System (= Nährboden) und eigene Werte klaffen in diesem Fällen meilenweit auseinander.

Diese einerseits Trennung von Karriere-Systemen in unterschiedlichen Unternehmensumfeldern von den eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen sowie andererseits die Übertragung der sieben Karriere-Systeme 1:1 auf die Worklifestyles gefällt mir sehr gut. Denn dies macht ganz deutlich, dass die Frage der Passung der eigenen Arbeitsweise und der eigenen Werte zu denen des Unternehmens elementar wichtig ist, um im Job glücklich und zufrieden zu sein.

Zudem finde ich den Begriff des Worklifestyles nicht nur extrem modern, sondern auch richtungsweisend. Svenja Hofert beerdigt damit in meiner Empfindung endlich die längst überholte Begrifflichkeit der Work-Life-Balance (warum ich das so sehe, hier), macht aber zugleich deutlich, dass Work und Life untrennbar zusammengehören. Der Style, also die Art, wie wir leben und arbeiten möchten bestimmt, welche Anforderungen wir an Arbeitgeber, Führungskräfte, Arbeitsplätze, Aufgaben und natürlich an uns selbst haben, damit wir gesund bleiben und uns gut entwickeln können.

Die Worklifestyle-Analyse

Ich weiß von Svenja Hofert, dass sie sich seit vielen Jahren mit Persönlichkeitstests und anderen Test- und Analyseverfahren intensiv und kritisch auseinandersetzt. Umso mehr war ich gespannt, welchen Fragebogen und welches Auswertungsverfahren sie für ihre neue Worklifestyle-Analyse ausgewählt hat.

Ich persönlich arbeite relativ selten mit Fragebogen-gestützten Analysen, denn bei vielen Methoden sehe ich die Gefahr, dass durch das resultierende Ergebnis ein Schubladendenken bei Klienten gefördert wird („Ich bin ein Flexi, also gilt …“), welches den eigenen Blick und die Wahrnehmung zu stark einengt. Und es geht ja gerade im Coaching darum, den Blick zu weiten und Out-of-the-Box zu denken.

Andererseits bieten derartige Analysen auch eine Form von Bestätigung und Klarheit („Ich wusste doch, ich bin ein Flexi“) und regen eine Selbstreflexion auf einer anderen Ebene an, als dass es ausschließlich ein Coaching-Gespräch tut. Und natürlich gibt es viele Menschen (und ich war ja auch neugierig auf mein Ergebnis), die einfach Spaß an solchen Auswertungen haben und gerne auch schwarz auf weiß ein Ergebnis in Händen halten möchten nach dem Motto: „Seht her, ich bin ein Flexi-Karrierist!“

Mein Ergebnis

Der Fragebogen besteht aus insgesamt 49 Fragen, die auf einer 5-stufigen Skala zu beantworten sind. Die Beantwortung hat bei mir ungefähr 5 Minuten gedauert, ich mache dies aber auch aus dem Bauch heraus, ohne über die Antwort zu jeder Frage allzu lange nachzudenken.

Fragebogen und Anleitung zur Auswertung sind auch im Buch enthalten, ich empfehle aber die Online-Version, denn die Auswertungsmethodik „zu Fuß“ ist doch etwas zeitaufwendig.

Nach Abschluss des Online-Fragebogens erscheint sofort die persönliche Auswertung. Eine Erläuterung des Testergebnisses gibt es als PDF zum Download und als E-Mail.

Aha! Ich bin also ein Flexi mit Ausprägung 8 von maximal 14 Punkten. Und so sieht das Ergebnis im Detail aus:

Worklifestyle-Test

Die Erläuterungen dessen, was mir als „Flexi“ wichtig ist, kann ich zu 100% unterschreiben: flexibles Arbeiten, ungern starre Strukturen, Zielorientierung. Gestaltungsspielraum, eine gute Verbindung von Arbeit und Leben. Das Fazit der Auswertung „Gut möglich, dass Sie selbständig sind oder werden wollen“ passt auffallend ;-)

Die Ergebnisauswertung gibt zusätzlich zu den Hinweisen zum eigenen Worklifestyle auch gute praktische Tipps, was dieser Style für die eigene Arbeits- und Leistungsmotivation sowie für die Berufswahl bedeutet. Besonders gut gefallen mir die Hinweise, worauf jemand achten sollte, der sich nach einem neuen Arbeitgeber umsieht und wie der eigene Worklifestyle am besten in einer Bewerbung „verkauft“ werden kann, gleichzeitig aber auch im Vorstellungsgespräch von Nutzen ist.

Wertvolle Orientierung für neue Karrieren

Das Buch bietet noch sooo viel mehr als die Karriere-Systeme und Worklifestyles. Svenja Hofert zeigt in insgesamt 7 Kapiteln (=Strategien), wie Karriere mit System und Erfolg zukünftig funktioniert. Es geht u.a. um das richtige Treffen von beruflichen Entscheidungen, das eigene Verkaufen, die Entdeckung des persönlichen Karrierepotenzials sowie um die laufende (Neu-)Planung und Überprüfung des aktuellen und zukünftigen Karriereweges.

Wie auch die anderen Sachbücher von Svenja Hofert ist auch dieser Ratgeber vollgepackt mit wertvollen Erfahrungen aus ihrer täglichen Praxis als Karriereberaterin sowie ihrem umfangreichen Hintergrund- und Methodenwissen.

Vielleicht klingt dieses Buch in einigen Teilen für manch einen Leser noch etwas nach Zukunftsmusik, da es stark von den aktuellen Entwicklungen rund um den Begriff der „New Work“ geprägt wird. Aber – ganz ehrlich – verstaubte und längt nicht mehr zeitgemäße Karriere- und Bewerbungsratgeber in aktueller Auflage gibt es auch schon genügend am Markt.

Haben Sie auch Lust, mehr über Ihren Worklifestyle zu erfahren?
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Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare

  1. Lars Hahn

    Ich bin ein Mischtyp aus Better-World (4), Flexi (3) und Dynamic (3).
    Mischtyp. Ich ahnte das. Weil es passt.

    1. Dr. Bernd Slaghuis

      Hallo Lars, von allem etwas kann ja auch ganz sinnvoll sein. Und wir sind gleich dynamisch ;-)

  2. Stefanie Skerra

    Ich bin ein Conventional Typ. 12 von 14 Punkten sagt doch alles. Die Auswertung passt aber perfekt

    1. Dr. Bernd Slaghuis

      Ja, passt ;-) Schön finde ich an dem Worklifestyle-Konzept, dass es kein gut/schlecht gibt. Jeder Style hat seine spezifischen Charakteristika und seine gleichwertige Berechtigung.

  3. Rigo Dade

    Hey,
    mir ist Svenja Hofert vollkommen unbekannt, ich werde mich auf jeden Fall schlau machen. Klingt sehr interessant und spannend!
    Fehlt der Link zum Buch?!

    Gruß
    Rigo

    1. Dr. Bernd Slaghuis

      Hallo Rigo,
      danke fürs Feedback. Ein Klick aufs Buchcover am Ende führt zu Amazon, hier aber auch nochmal der Link.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  4. Pingback: Hauptsache, Flexibel: Die neue Lust am freien Arbeiten | MAGAZIN & AKADEMIE für Karriere und Zukunft

  5. Melanie

    Ich habe 6 von 14 Punkten.Performence Typ und Flexi Style mit 5 Punkten. Habe mir auch gerade das Buch bestellt. Ich bin so unzufrieden im jetztigen Job und weiß nicht wie ich das berufliche weiter plane.

    1. Dr. Bernd Slaghuis

      Hallo Melanie,
      wenn Du Fragen zum Ergebnis oder später zum Buch hast, melde Dich gerne per Mail. Viel Freude beim Lesen!
      Viele Grüße
      Bernd

      1. Melanie

        Hallo Bernd.

        Vielen Dank. Ich habe schon einige Bücher gelesen,die mich nicht weiter brachten.Genau so wie Tests bzw ein Coaching ohne Erfolg. Dabei kommt halt raus dass ich ein dominanter und gewissenhafter Typ bin bzw der unabhängige. Jetzt warte ich bis das Buch da ist und dann werde ich mich, falls es nicht fruchtet , mit dir in Verbindung setzen.

        Gruß

        Melanie

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