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Ziele. Was motiviert uns am stärksten?

Gerade zum Jahresanfang wurden wir nahezu überschüttet mit Erkenntnissen darüber, was gute Ziele und sinnvolle Vorsätze für 2013 sind. Welche Art von Zielen motiviert uns am stärksten, welche schreckt uns vielleicht am Ende eher ab? Ist es besser, sich möglichst hohe Ziele zu stecken oder sollten Ziele gerade so hoch sein, dass wir glauben, sie so eben noch erreichen zu können? Ich möchte hier einige Perspektiven aufzeigen, die mir in den letzten Wochen besonders ins Auge gefallen sind.

Mehr als SMART

Mit diesem wahrscheinlich bekanntesten Ansatz, stammend aus dem Projektmanagement, der die Eigenschaften von Zielen beschreibt, möchte ich beginnen. Ziele sollten demnach spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein. In seinem Beitrag „SMART Reloaded“ ergänzt der Coach und Trainer Constantin Sander die bekannte Formel um einige Aspekte. Er schlägt u.a. vor, aus „spezifisch“ „sinnesspezifisch“ zu machen.

Wird Ihr Ziel in Ihrer Vorstellung sinnesspezifisch konkret, dann verbinden Sie mit ihm etwas, was Sie sehen, hören, fühlen, schmecken oder riechen können, Sie verbinden Emotionen mit Ihrem Ziel und können es so noch stärker verankern. Ich hänge dem SMART zusätzlich immer noch ein „E“ für „eigenständig erreichbar“ an.  Das Kriterium der eigenständigen Erreichbarkeit bedeutet für mich nicht, dass wir uns nicht einer Hilfe oder Helfer bei der Erreichung unserer Ziele bedienen dürfen, sondern vielmehr, dass wir bei der Formulierung eines Ziels nicht bereits davon ausgehen sollten, dass die Anderen ja schon dafür sorgen werden, dass wir es schaffen.

Uns sollte bewusst sein, dass wir es selbst in der Hand haben, ob und wie wir ein Ziel erreichen und hierfür alleine verantwortlich sind.

Maximale Motivation durch möglichst hohe Ziele?

Die Frage „Sind Ihre Ziele groß genug?“ stellt die Beraterin, Coach und Autorin Monika Birkner in ihrem Beitrag zum Jahresstart. Sie sagt, dass Ziele für sie persönlich nicht groß genug sein können, denn je unmöglicher ihr etwas erscheint, umso größer sei ihre Motivation. Eine wie ich finde sehr logische Sichtweise, immer das maximal Mögliche anzustreben.

Diese Ziele-Sicht setzt allerdings ein hohes Maß an Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, Energie und vor allem eine hohe Frustrationstoleranz voraus, denn sollte sich zeigen, dass ein Ziel doch nicht erreichbar ist, gilt es, dies nicht als Niederlage, sondern auch als Erkenntnis und Erfolg zu sehen, es ausprobiert zu haben. Doch wann ist ein Ziel noch realistisch oder nur noch Wunschdenken und Träumerei? Natürlich würde ich bis Ende des Jahres gerne 200 neue Kunden für Coachings oder Beratungen gewinnen, 50 Vorträge halten, drei Bestseller schreiben und nebenbei das Leben genießen. Möglicherweise gäbe es sogar einen Weg hierfür, wie ich dies schaffen könnte – auch wenn ich diesen jetzt noch nicht sehe – aber tatsächlich wären dies Ziele, welche ich persönlich heute nicht ernst nehmen könnte, weil mir mein Verstand und meine Erfahrungen sagen, dass dies ziemlich unrealistisch ist.

Etwas, das ich heute nicht ernst nehmen kann, motiviert mich nicht, es zu erreichen. Ist die Größe eines Ziels also doch beschränkt, damit das Ziel maximal motiviert? Für mich ja, für andere Menschen vielleicht nicht. Für diese ist vielleicht gerade das vermeintlich Unerreichbare der höchste Anreiz.

Demotivation durch feste Ziele?

Die Universität Mannheim berichtet aus einer Arbeit von Fishbach/Choi, dass die Motivation, mit einer Aktivität zu beginnen größer ist, wenn man bewusst ein Ziel vor Augen hat. Jedoch beeinträchtige solch ein Ziel gleichzeitig das Erleben der Aktivität, die dann nur noch als reines Mittel zum Zweck vorkommt. Dadurch sinke die Motivation, ihr weiter nachzugehen. Eine wie ich finde sehr interessante und neue Sichtweise.

Es ist der Weg zum Ziel, um den es geht. Gehen wir diesen, weil wir das feste Ziel vor Augen haben – also eine Art Pflicht – oder gehen wir den Weg, weil uns dieser Weg gefällt und wir damit nebenbei auch irgendwann das Ziel schaffen? Die Forscher haben verschiedene Studien mit Teilnehmerinnen eines Fitness-Studios durchgeführt. Als Tipp für gute Vorsätze empfehlen die Wissenschaftler, dass es förderlich ist, sich die Ziele zu vergegenwärtigen. Wenn dies erfolgt ist, sei es besser, sich auf die Aktivität selbst zu fokussieren. Dies gelte jedoch nur für als positiv empfundene Aktivitäten. Ist der Weg ehr unangenehm, solle man sich lieber das positive Ergebnis bei Erreichen des Ziels vorstellen.

Mein Fazit

Ich finde es wichtig, Ziele zu haben. Die Arbeit an konkreten Zielen nimmt in meinen Coachings einen Großteil der Zeit von Sitzungen ein. Ist das Ziel so konkret wie möglich in der Vorstellung meiner Klienten verankert, ist es häufig nur noch ein kleiner Schritt, einen möglichen Weg dorthin zu identifizieren. Auf diesem Weg dann im Hier und Jetzt zu sein und sich hierauf auch zu fokussieren finde ich bei einem „angenehmen“ Weg eine gute Sichtweise.

Da dies jedoch auch die Gefahr mit sich bringt, das Ziel aus dem Blick zu verlieren, empfehle ich meinen Klienten oft, sich in regelmäßigen Abständen auf ihrem Weg bewusst zu fragen, ob sie a) das Ziel noch als attraktiv empfinden und b) es sich noch um den für sie  passenden Weg handelt. Denn während der Zeit können sich sowohl persönliche Wertevorstellungen, Zielverschiebungen und auch die eigenen Möglichkeiten zur Zielerreichung verändern.

Was sind für Sie gute Ziele? Möglichst hoch gesteckt oder doch lieber leichter erreichbar? Was tun Sie, wenn Sie ein Ziel erreicht haben und was, wenn es mal nicht funktioniert hat? Schreiben sie mir, welcher Ziel-Typ Sie sind und welche Erfahrungen Sie damit gemacht haben.

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ein sehr schöner Artikel über das Thema Ziele. Ich kann dem Artikel voll zustimmen. Ziele sind wichtig! Ob das Ziel groß oder eher klein ist, das ist meiner Meinung nach eher subjektiv. Ziele werden magisch durch die eigene Motivation. Deswegen finde ich das jeweilige Metaziel interessant und natürlich die Umsetzung. Deswegen kann ich es voll und ganz nachvollziehen, dass man in regelmäßigen Abständen den Weg und das Ziel selbst hinterfragen sollte!

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