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Chef-Test: Was Taugt Ihr Chef Als Führungskraft?

Chef-Test: Was taugt Ihr Chef als Führungskraft?

Wie beurteilen Sie die Führungsqualitäten Ihres Chefs? Bei vielen Angestellten, die mir im Coaching von ihren Chefs erzählen, habe ich den Verdacht, dass sie es mehr mit einem Vorgesetzten als einer Führungskraft zu tun haben. Jemandem, der ein Kästchen im Organigramm besetzt statt echtes Interesse hat, im Team gemeinsam Ziele zu erreichen. Chefs, die ihre Rolle nicht ausfüllen und mehr netter Kumpel als Führungskraft sind. Die ihr Team nicht im Blick haben, Aufgaben wie aus der Gießkanne delegieren, keine Entscheidungen treffen und vom Burnout ihres besten Mitarbeiters mit der Krankmeldung erfahren. Chefs, die wortwörtlich „Vor-Gesetzte“ sind und keine „Führungs-Kraft“ besitzen. Wie ist es bei Ihnen und Ihrem Chef bzw. Ihrer Chefin? Hier sind 10 Anhaltspunkte, anhand derer sie es herausfinden können.

Chef-Test: Nur Vorgesetzter oder echte Führungskraft

Stellen Sie sich eine Skala von 1 bis 10 vor und lesen Sie sich jeden Punkt einzeln durch. Denken Sie über konkrete Situationen der letzten Zeit nach, anhand derer Sie den jeweiligen Sachverhalt bewerten können. Notieren Sie sich zu jeder Aussage einen Wert zwischen 1 und 10, der für Sie gefühlt passend erscheint: 1 bedeutet, dass die folgende Aussage überhaupt nicht auf Ihren Chef oder Ihre Chefin zutrifft, 10 bedeutet maximale Zustimmung:


  1. Mein Chef interessiert sich für mich und weiß, was mir im Beruf wichtig ist, kennt meine persönlichen Stärken ebenso wie meine Schwächen.

  2.  Mein Chef delegiert Aufgaben entsprechend der Erfahrungen und Stärken seiner Mitarbeiter, er verteilt Aufgaben gerecht nach der Auslastung innerhalb des Teams.

  3. Mein Chef räumt mir Gestaltungsspielräume bei der Bearbeitung übertragener Aufgaben ein. Er vertraut mir, dass ich selbst Lösungen finde und mich bei Fragen melde.

  4. Mein Chef ist für mich erreichbar, wenn ich seinen Rat, eine Information oder eine Entscheidung benötige. Er reagiert auf meine Anfragen innerhalb angemessener Zeit.

  5. Meinem Chef gelingt es, die Themen und ihren Stand im Team im Blick zu behalten. Er kann den Ressourcenaufwand von Aufgaben beurteilen oder fragt nach unserer Einschätzung.

  6. Mein Chef gibt mir regelmäßig Feedback zu den Ergebnissen meiner Arbeit oder meinem Verhalten. Das Feedback ist wertschätzend und konstruktiv, Fehler werden nicht bestraft, sondern lösungsorientiert besprochen.

  7. Mein Chef ist für mich Vorbild und Mentor, er gibt sein Wissen weiter und fördert mich. Ich nehme ihn ernst, vertraue ihm und weiß, dass ich mit ihm alles besprechen kann.

  8. Mein Chef interessiert sich für meine Meinung, lässt andere Sichtweisen zu und diskutiert sie, trifft Entscheidungen und kommuniziert diese so transparent wie möglich.

  9. Mein Chef informiert uns regelmäßig über unternehmensrelevante Entwicklungen und macht die Leistungen unseres Teams im Führungskreis und Management sichtbar.

  10. Mein Chef denkt strategisch, hat eine Vision von der Weiterentwicklung unseres Bereichs und fördert die Entwicklung sowohl des gesamten Teams als auch jedes Mitarbeiters.

Welche Bewertungen sind Ihnen leicht gefallen und bei welchen Aussagen über Ihren Chef mussten Sie länger nachdenken?

Was haben Sie dabei gefühlt, als Sie über die Zusammenarbeit und das Verhältnis zwischen in Ihnen und Ihrem Chef oder Ihrer Chefin nachgedacht haben? War es ein Gefühl von Glück oder Zufriedenheit oder war es Angst, Wut oder Trauer?

War dies immer schon so wie heute oder hat sich etwas in der letzten Zeit verändert? Wenn ja, was konkret hat sich positiv oder negativ verändert – und was war früher anders?

Werfen Sie einen Blick auf die 10 Werte, die Sie zu jeder Aussage notiert haben:

Bei welchen Aussagen haben Sie die niedrigsten Punktzahlen vergeben? Was glauben Sie, warum sich Ihr Chef oder Ihre Chefin nicht so verhält, wie Sie es von ihm/ihr erwarten würden? Haben Sie eine Idee, was womöglich auch Sie in Zukunft dazu beitragen können, damit sich etwas an dieser Situation positiv verändert?

Bei welchen Aussagen schneidet Ihr Chef bzw. Ihre Chefin besonders gut ab? War Ihnen dies zuvor bereits bewusst? Was können Sie tun, damit es in Zukunft so gut bleibt? Und vielleicht haben Sie Lust, ihr oder ihm bei nächster Gelegenheit zu sagen, was sie besonders an ihr/ihm schätzen?

Sind Sie Gegenarbeiter oder Mitarbeiter?

Nachdem Sie die Führungsqualitäten Ihres Chefs schonungslos bewerten konnten, ist es nur gerecht, nun auch die Perspektive zu wechseln. Schließlich ist wirkungsvolle Führung auch davon abhängig, wie gut sich jeder einzelne Mitarbeiter und ganze Teams führen lassen. Denken Sie ans Paartanzen: Was nützt die beste Führungstechnik, das Wissen um atemberaubende Figuren und eine einseitig gute Haltung, wenn sich die andere Seite hängen lässt oder sogar aktiv dagegen arbeitet? Führen und Folgen ist immer eine gutes Zusammenspiel.

Selbsttest: Wie gut lassen Sie sich als Mitarbeiter führen?

Hier sind 10 Aussagen für Sie als Mitarbeiter, die Sie für sich bewerten sollten und so erkennen können, was es Ihrer Führungskraft vielleicht heute noch schwer macht, Sie gut zu führen. Wenn Sie möchten, dann denken Sie wieder an die Skala von 1 bis 10 und vergeben dieses Mal die Punkte für sich selbst: 1 trifft überhaupt nicht zu, 10 bedeutet volle Zustimmung – und seien Sie ehrlich mit sich selbst, es bekommt ja niemand mit:


  1. Ich betrachte meinen Chef nicht als Feind, sondern als wichtigen Teil des Teams. Ich kämpfe nicht gegen ihn, seine Meinung oder Entscheidungen, sondern tausche mich offen und konstruktiv mit ihm aus.

  2. Ich sage meinem Chef, was mir im Beruf wichtig ist und was ich benötige, um motiviert gute Leistungen zu erbringen. Ich mache deutlich, wenn ich mich zu stark kontrolliert fühle und mir mehr Freiheit wünsche, oder wenn ich mehr Führung und Struktur benötige.

  3. Ich spreche meinen Chef direkt darauf an, sobald mich etwas an seinem Verhalten stört. Ich begegne ihm nicht mit pauschalen Vorwürfen, sondern mache Dinge an konkreten Situationen fest. Ich spreche aus, was ich mir für die Zusammenarbeit in Zukunft anders wünsche. 

  4. Ich achte auf mich und meine Gesundheit und versuche, an solchen Situationen zu arbeiten, die mich privat oder beruflich belasten.

  5. Ich weiß, dass Chefs nicht die geborenen Führungskräfte sind und in dieser Rolle lernen müssen, was für sie gute Führung bedeutet und welche Führungshaltung zu ihnen und ihrem Team passt. Auch mein Chef darf Fehler machen. 

  6. Ich fokussiere mich auf das Finden von Lösungen, denke zielgerichtet und interessiere mich dabei auch für andere Meinungen und Lösungsvorschläge.

  7. Ich fühle mich nicht als Opfer der Umstände, sondern übernehme jederzeit die volle Verantwortung für mich, mein Denken und Handeln.

  8. Ich möchte Neues lernen und mich fachlich sowie persönlich weiterentwickeln. Ich spreche mit meinem Chef offen über meine Entwicklungsziele und interessiere mich auch für seine Sichtweise auf meine Stärken, Leistungen und Ziele.

  9. Ich stelle die Ziele des Teams über meine persönlichen Ziele und unterstütze meine Kollegen, wenn sie mich um Hilfe bitten. Ich teile mein Wissen, wo es nützlich ist.

  10. Ich versuche, Konflikte zunächst selbst oder mit Hilfe meiner Kollegen zu lösen, bevor ich meinen Chef um Hilfe oder Einmischung bitte.

Und, wie war’s? Konnten Sie sich leicht an die eigene Nase fassen oder denken Sie in diesem Moment „Wenn mein Chef nicht so wäre, dann wäre ja alles ganz anders!“ – „Ansprechen, was mich stört? – Vergessen Sie‘s, Herr Slaghuis, mit dem niemals!“

Merken Sie was? Wenn dies die Gedanken sind, die Ihnen beim Lesen dieser 10 Aussagen durch den Kopf gehen, dann sind auch Sie aktuell mehr Gegen- als Mitarbeiter. Wenn Sie sich jeden Tag aufs Neue vornehmen, es Ihrem Boss mal so richtig zu zeigen und er doch sehen soll, wie er zurechtkommt, sich am besten noch mit Ihren Teamkollegen brüderlich gegen ihn verbünden – wie soll dann Führung gelingen?

Führung ist das Management guter Beziehungen

Ja, es ist der Job Ihrer Führungskraft, an einer guten Beziehungsebene zu Ihnen als Mitarbeiter zu arbeiten. Doch hierfür müssen Sie Ihrem Chef nicht nur die innere Erlaubnis geben und es zulassen, sondern ebenfalls Ihren Teil dazu beitragen und aktiv daran mitarbeiten, dass ihre Beziehungsbrücke nachhaltig stabiler wird, statt sie durch immer breitere Gräben zum Einsturz zu bringen. Eine vertrauensvolle und stabile Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeitern ist die Basis für eine gute Zusammenarbeit.

Probieren Sie es aus. Sie werden überrascht sein, welchen Einfluss auch Ihr Verhalten als Mitarbeiter auf das Ihrer Führungskraft hat und wieviel Freude gemeinsame Arbeit im Team machen kann.

Und falls Sie nach diesem Test der Meinung sind, dass Sie mit Ihrem Chef niemals wieder auf einen grünen Zweig kommen werden, dann sollten Sie darüber nachdenken und bewusst entscheiden, was es für Ihre Zukunft bei diesem Arbeitgeber bedeutet.


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Wie gut oder schlecht hat Ihr Chef bei meinem „Test“ abgeschnitten – und Sie selbst als Mitarbeiter? Was sind Ihre Erfahrungen, was gute Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ausmacht? Ich bin gespannt auf Ihre Sichtweise und Erfahrungen unten als Kommentar.

(Bildquelle: 123rf.com, #36895280, Denis Ismagilov)

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag in Ihren Netzwerken teilen.

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Themen rund um die Karriereplanung und berufliche Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Ein schöner Test, vielen Dank!

    Letztlich hat mich mein Chef und seine ganze Art dazu bewogen (Führungskraft die nicht führen kann), nun mit 40+ den sicheren Job im öffentlichen Dienst zu quittieren und ganz woanders neu zu beginnen.

    Was mich allerdings überrascht: Trotz Fachkräftemangel (bin Ingenieur) und Expertenkenntnissen mit regelmäßiger Weiterbildung konnte ich keine Gehaltsverbesserung beim Wechsel erreichen. Im Gegenteil: Ich musste lange suchen bis ich etwas vergleichbares von der Bezahlung her gefunden habe. Teils wird sehr schlecht bezahlt.

    Wie sind ihre Erfahrungen bei dieser Thematik? Mag im IT-Bereich nicht der Fall sein,ich kenne aber ansonsten einige ähnlich Fälle aus dem Bekanntenkreis.

  2. Ich muss leider ähnliches feststellen wie Bertold. Eigentlich wissen alle, dass wir einen Fachkräfte Mangel haben-dennoch gibt es in weiten Teilen der Unternehmerschaft die Meinung:“Ich will einen Porsche fahren aber nur für einen Trabi bezahlen!“
    Was ist denn da los?!
    Es ist ja auch das eine geeignete Leute zu finden, aber man muss Sie auch halten können. Und genau dazu gehört halt einfach auch ein gewisses Maß an Führungsqualität und eine angemessene Art der Kommunikation und konstruktiver Austausch. Leider findet die nur viel zu selten statt, was in der Konsequenz bedeutet, dass der Chef oftmals überhaupt nicht weiß, was seine Leute bewegt. Und ein guter Chef sollte sich ab und zu auch mal mit den Belangen seiner Mitarbeiter beschäftigen. Da wären beide Seiten viel produktiver und erfolgreicher.

    1. Sie beschreiben es gut. Es gibt auch viele Führungskräfte, die einfach gar nicht führen.

      So war mein Chef, jeder hat vor sich hingewurtschelt und die Leistungsträger haben versucht, auch ohne nennenswerte Führung bzw. Rückendeckung vom Chef den Laden und wichtige Projekte am Laufen zu halten. Das geht aber nicht immer. Dafür wurden unzählige Besprechungsrunden ohne fruchtbare Ergebnisse abgehalten und Projektleiter durch zusätzliche Dokumentationszwänge ausgebremst.

      Zum Thema Geld: Das ist ein großes Thema, auch bei gut gebildeten Leuten. Mich würde die Meinung/Erfahrung des Bloginhabers zur Thematik interessieren. Es sind keine Einzelfälle, wenn ich mich so umhöre. In Deutschland wird Arbeit stärker besteuert als in den meisten anderen Industrieländern, zeigt z.B. eine OECD-Studie. Auch ein Thema für sich.

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