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Schluss Mit Schauspiel! 7 Wahre No-Gos Im Bewerbungsgespräch

Schluss mit Schauspiel! 7 wahre No-Gos im Bewerbungsgespräch

Ich  habe mich diese Woche wieder sehr darüber gewundert, was Bewerbern in unserer angeblich so aufgeschlossenen Arbeitswelt immer noch als No-Go im Bewerbungsgespräch verkauft wird. Vom zu laschen Händedruck über Arme vor der Brust verschränken bis hin zu starkem Gestikulieren (hier). Heute möchte meinen Perspektivwechsel-Blog wieder beim Namen nehmen und stelle Ihnen solche Verhaltensweisen von Bewerbern als wirkliche No-Gos vor, die aus genau diesen angestaubten Benimm-Tipps resultieren. Ich finde, es wird Zeit, die Schauspielerei (auf beiden Seiten!) zu beenden. Sie können als Bewerber den ersten Schritt machen, indem Sie sich gegen die folgenden 7 Verhaltensweisen entscheiden und so aktiv dazu beitragen, aus einem einseitigen Interview ein echt gutes Gespräch auf Augenhöhe werden zu lassen.

7 wahre No-Gos im Bewerbungsgespräch und wie aus einem einseitigen Interview ein gutes Gespräch auf Augenhöhe wird

1. Sie konzentrieren sich nur auf Ihre Körpersprache

Ist Ihnen bewusst, wie viel Energie Sie verschwenden und wie sehr Sie sich selbst im Gespräch begrenzen, wenn Sie ständig darauf achten, wo Sie Ihre Hände haben, wie Ihre Beine übereinander geschlagen sind und ob Ihre Füße in Richtung des Gesprächspartners ausgerichtet sind? Ein echtes No-Go, denn schließlich geht es doch in einem guten Gespräch darum, als individueller Mensch rüber zu kommen und so echt einen guten Eindruck zu machen.

Zeigen Sie sich, wie Sie auch später im Job sind

Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie sich in einem Raum mit anderen Menschen angemessen benehmen können. Verhalten Sie sich normal und denken Sie nicht zu viel darüber nach, was Ihre Körpersprache der Gegenseite alles verraten könnte, sondern beobachten Sie lieber Ihre Körpersprache als Ausdruck Ihrer eigenen momentanen Haltung. Fragen Sie sich, woran es liegen könnte und ob sie etwas verändern möchten, wenn Sie gefühlt auf Abstand gehen, eine Abwehrhaltung einnehmen, im Stuhl sitzend unruhig werden oder wie ein kleiner Bittsteller darin zusammensacken. Gestikulieren Sie, wenn es zu Ihnen gehört. Schließlich möchten Sie sich auch nicht die nächsten Jahre im Beruf verstellen, oder?

Mehr lesen: Diese Körpersprache-Tipps sind der Wahnsinn!

2. Sie sagen Ihren Lebenslauf auswendig gelernt auf

„Erzählen Sie doch mal etwas über sich.“ Diese Aufforderung zu Beginn fast jedes Vorstellungsgesprächs bereitet vielen Bewerbern große Angst. Die meisten von ihnen sagen brav ihren Lebenslauf auf und halten einen mindestens 10-minütigen Vortrag über ihre Ausbildung, jede Station ihrer Berufserfahrung und geben auch gleich über die Wechselmotivationen Auskunft, denn sie wissen ja, dass dies jeden Personaler am meisten interessiert.

Haben Sie sich schon einmal selbst dabei aufgenommen, wenn Sie Ihren Lebenslauf auswendig gelernt aufsagen und runter leiern? Ich finde, ein echtes No-Go besonders als Einstieg in ein Gespräch, das doch eigentlich ein guter Dialog werden soll.

Gehen Sie in den Dialog mit Ihren Gesprächspartnern

Fragen Sie bei solchen sehr pauschalen Aufforderungen zur Selbstpräsentation nach, statt auswendig Gelerntes abzuspulen: „Was genau interessiert Sie? Soll ich Ihnen einen kurzen Überblick über meinen Werdegang geben oder interessiert Sie nur meine letzte Position?“ Vergessen Sie den Anspruch, Ihren Gesprächspartnern auf Anhieb einen vollständigen Überblick inklusive aller Erfahrungen und Wechselmotivationen zu geben.

Es ist nur ein Einstieg, um ins Gespräch zu kommen. Bleibt etwas bei Ihrer Kurzvorstellung von ein bis zwei Minuten unklar, kann es im weiteren Gespräch aufgegriffen und vertieft werden. Ganz davon abgesehen sollten alle Anwesenden Ihren Lebenslauf kennen oder sogar vor sich liegen haben, was diese Situation wirklich zu einem absurden Schauspiel macht.

Mehr lesen: Lebenslauf Lücken: Schluss mit dem Versteckspiel!

3. Sie haben nur eine Schwäche: Schokolade

Perfektionismus, Ungeduld und die Schwäche für Schokolade dürften die drei Top-Schwächen sein, die in deutschen Bewerbungsgesprächen seit 50 Jahren herhalten müssen. Wenn ich Personaler wäre, hätte ich wahrscheinlich meine Probleme, nicht jedes Mal in Gelächter auszubrechen. Aus meiner Sicht heute ein echtes No-Go, solche angeblich ungefährlichen Schwächen der gängigen Bewerbungsratgeber-Literatur zu zitieren. Was sagt das über Sie aus?

Mal ehrlich, Schwächen sind Entwicklungspotenziale

Machen Sie spätestens bei der Schwächen-Frage Schluss mit dem Schauspiel! Bewerben Sie sich auf eine Stelle, von der Sie selbst glauben, den Anforderungen gewachsen zu sein, wird es keine echte Schwäche geben, die für den Job ein k.o.-Kriterium ist und die Sie nicht zugeben können. Denn Sie werden nicht auf die Idee kommen, sich mit Flugangst als Pilot, mit einer Rechtschreibschwäche als Redakteur oder mit Panik vor Menschenansammlungen als Event-Managerin zu bewerben.

Alle anderen Schwächen machen Sie als Bewerber zum sympathischen Menschen mit Ecken und Kanten. Mal ehrlich, was können Sie heute noch nicht so gut und woran möchten Sie in Zukunft gerne arbeiten? An dieser Stelle können Sie Ihrem neuen Arbeitgeber klar signalisieren, dass Sie Lust aufs Lernen haben und auch ein gewisses Maß an Weiterbildung und Entwicklung erwarten.

Mehr lesen: So zeigen Sie als Bewerber richtig Schwäche

4. Sie verschweigen, was Ihnen im Beruf wichtig ist

Sie haben eine genaue Vorstellung darüber, wie Sie Ihr neuer Chef führen soll? Sie hassen Routine und brauchen die Abwechslung? Sie möchten das Gefühl haben, etwas Sinnvolles im Beruf zu tun? Sie haben keine Lust, im Controlling nur Daten zu sammeln und Reports auf Knopfdruck zu erzeugen, sondern möchten fachlich mit anderen Abteilungen zusammenarbeiten?

Es wäre ein echtes No-Go, das alles im Gespräch zu verschweigen. Wie sonst können Sie und auch Ihre Gesprächspartner herausfinden, ob die neue Position, die Aufgaben, der Chef und die Kollegen wirklich zu Ihnen passen?

Je mehr Klarheit Sie schaffen, umso sicherer passt es mit dem neuen Job

Werden Sie sich im Vorfeld Ihrer Bewerbung klar darüber, was Ihnen heute und in Zukunft im Beruf wichtig ist und was alles erfüllt sein sollte, damit Sie sich motivieren können, es Ihnen gut geht und Sie gesund bleiben. Erforschen Sie auch, was für Sie persönlich hinter solchen Begriffen wie „Anerkennung“, „Herausforderung“ oder „Erfolg“ steckt und welche Fragen Sie im Gespräch allein aus reinem Selbstschutz stellen sollten, um herauszufinden, ob das alles in der neuen Position erfüllt sein wird.

Mehr lesen: Frust im Job: Die 5 größten Motivationskiller

5. Sie antworten irgendwas, weil Sie die Frage nicht verstanden haben

Viele Bewerber konstruieren im Vorstellungsgespräch Antworten auf Fragen, selbst wenn sie keinen Schimmer haben, wonach sie der Personaler zuvor gefragt hat. Möglichst unverfänglich antworten ist die Strategie, damit nicht auffällt, dass sie die Frage nicht verstanden haben. Ein echtes No-Go für einen guten Dialog.

Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen

Spricht etwas dagegen, als Bewerber zuzugeben, dass Sie etwas nicht verstanden haben? Ist es so schlimm nachzufragen, wenn Sie nicht erkennen, was eine Frage mit der zu besetzenden Position oder Ihrer Person zu tun hat und Ihnen bis auf ein „Was wollen die jetzt von mir?“ nur Leere und Ratlosigkeit durch den Kopf geistern?

Klar, dass Sie nicht mit „Was soll das?“ oder „Hä?“ auf eine Frage im Bewerbungsgespräch kontern, doch in jedem anderen Gespräch etwa unter Freunden oder in einem Meeting mit Kollegen würden Sie einfach zurückfragen und klären, was Ihre Gesprächspartner mit einer Frage bezwecken und welche Informationen sie erwarten. Warum nicht auch im Vorstellungsgespräch?

Mehr lesen: Fangfragen im Bewerbungsgespräch. Das gibt’s doch nicht!

6. Sie warten, bis Sie aufgefordert werden, Fragen zu stellen

Um als Bewerber Interesse zu zeigen, sollten Sie einige Fragen zur Position oder zum Unternehmen vorbereitet haben. Viele Bewerbungstipps raten Ihnen dazu, brav abzuwarten, bis Sie am Ende des „Interviews“ dazu aufgefordert werden, Ihre Fragen stellen zu dürfen. Ich bin der Meinung, dies ist heute ein No-Go für ein gutes Gespräch als Dialog auf Augenhöhe.

Sie dürfen jederzeit Fragen stellen und Ihre Sichtweisen äußern

Stellen Sie Fragen, wenn sich das Unternehmen Ihnen vorstellt oder wenn Sie nicht genau verstanden haben, was hinter der Position steckt, um die es geht. Echtes Interesse zeigen Sie nicht mit auswendig gelernten, unverfänglich harmlosen Fragen am Schluss des Gespräches, sondern durch Fragen, deren Antworten Sie im Gesprächsverlauf wirklich interessieren. Bringen Sie alles in Erfahrung, wovon Sie glauben, dass es für Sie wichtig ist, um im Idealfall am Ende Ihren Arbeitsvertrag mit gutem Gefühl unterschreiben zu können.

Mehr lesen: Bewerber, Ihre Fragen bitte? – Schluss mit unverfänglich!

7. Sie ignorieren Ihr Bauchgefühl

„Irgendwie hatte ich schon im Gespräch ein komisches Bauchgefühl, habe den Vertrag aber trotzdem unterschrieben.“ Sie glauben nicht, wie oft ich diesen Satz von Angestellten höre, die mir einige Monate nach dem letzten Jobwechsel im Coaching gegenüber sitzen und von ihrem neuen Arbeitgeber am liebsten wieder weg möchten.

Es ist gefährlich, als Bewerber nicht auf das eigene Bauchgefühl zu achten. Auch wenn Ihnen Ihr Verstand einredet, bei der nächstbesten Möglichkeit zuzugreifen, um die lästige Suche und diese unsäglichen Bewerbungsgespräche endlich zu beenden, weiß unser Unterbewusstes meist sehr genau, was uns gut tut und was nicht.

Nehmen Sie Ihr Bauchgefühl ernst und hinterfragen Sie es

Was genau ist für dieses dumpfe Gefühl nach dem Gespräch verantwortlich? Sind es einzelne Gesprächspartner, die Ihnen vielleicht unsympathisch waren? War es die Atmosphäre des Gesprächs? Ist es die Art und Weise, wie Sie als Bewerber empfangen und behandelt worden sind? Sind es Inhalte des Gesprächs, die ein Unbehagen bei Ihnen verursachen?

Vielleicht haben Sie ja in einem Folgegespräch die Möglichkeit, solche Themen noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, um auch Ihrem „Bauch“ ein gutes Gefühl zu geben – oder aber zu entscheiden, lieber weiter nach dem passenden neuen Arbeitgeber zu suchen.

Mehr lesen: Bauch oder Kopf? 7 Tipps für gute Entscheidungen

(Titelbild: gratisography.com)

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare
  1. Da bin ich voll bei Ihnen.
    Das ist mal eine gute Zusammenfassung von dem, was aus vielen verschiendenen Veröffentlichungen hier und auch an anderer Stelle geschrieben wurde. Und es ist auch Zeit, dass wir wieder zu sinnvollen Gesprächen zurückfinden.

    Leider ist die Schauspielerei, das mehr Schein als Sein heute im Vordergrund. Dabei sollte es um die Aufgabe und ob die Person zu dieser Aufgabe passt gehen.
    Und genau darauf konzentriere ich mich in den Anschreiben und den darauf folgenden Gesprächen.
    Wenn die Gegenseite darauf nicht eingeht, bin ich sowieso am falschen Platz.

  2. „Denn Sie werden nicht auf die Idee kommen, sich mit Flugangst als Pilot, mit einer Rechtschreibschwäche als Redakteur oder mit Panik vor Menschenansammlungen als Event-Managerin zu bewerben.“

    Da musste ich kurz grinsen. Genau auf die Idee bin ich vor nun fast 8 Jahren gekommen und habe mich trotz Kommaverweigerungsattitüde als (Technischer) Redakteur beworben.
    Hat geklappt. Seitdem arbeite ich in dem Job mit einigem Erfolg.
    Nicht Perfektion oder das Passen in Schema F ist wichtig, sondern Engagement und der Wille zur kontinuierlichen Weiterbildung.

    1. Hallo Alex,
      ein schönes Beispiel, dass auch mein Schwächen-Denken an dieser Stelle noch zu begrenzt ist. Ihr letzter Satz ist gut und wichtig, denn er drückt Haltung aus.
      Viele Grüße und weiterhin viel Freude in Ihrem Beruf,
      Bernd Slaghuis

  3. Hallo Bernd,
    aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man als Bewerber etwas über sich selbst preisgibt. Auf diese Weise kann der Recruiter ein erste Arbeitsprobe erhalten. Ehrlich und authentisch sollten die Antworten sein; ohne sich zu verstellen oder zu sehr auf Äußerlichkeiten zu achten.

    Ein Bewerbungsgespräch dient dazu, dass sich Bewerber und Einsteller besser kennenlernen. Beide Seiten sollten offen und neugierig sein, sich näher kennen zu lernen. Wenn man sich so verhält, wie man sich normal verhalten würde, dann gibt es keine No-Gos.
    Viele Grüße und viel Spaß beim Bloggen wünscht
    Silvia

  4. Vielen Dank für diesen kurzweiligen Artikel und ja – auch mein Job als Personalerin würde deutöoich spannender werden, wenn sich Bewerber an Ihre Ratschläge halten würden. Für mich ist es wichtig, herauszufinden, ob dieser Mensch fachlich zur Position und menschlich ins Team passt, aber auch, ob der Job zu ihm passt. „Schwächen-Fragen“ stelle ich gar nicht mehr, denn ich habe festegstellt, dass alle Bewerber ungeduldig oder perfektionistisch sind. ich frage mittlerweile danach, für welches Seminar die Bewerber sich als erstes anmelden würde…

    Die besten Gespräche sind die, in denen ich merke, der andere hat sich mit dem Unternehmen und der Position beschäftigt und weiß, was er bei uns machen will (das wird von mir ja andersherum auch erwartet) oder wo er „hinwachsen“ möchte.
    Das ist im übrigen noch ein Punkt der fehlte: Alle wollen sich weiterentwickeln, doch bei der Nachfrage wohin sehe ich häufig in ahnungslose Gesichter. An dieser Stelle sei für alle Bewerber gesagt: „Sie müssen sich nicht zwangsweise weiterentwickeln. Stehen Sie dazu, wenn Sie genau in der Position sind mit den Aufgaben, die Ihnen Spaß machen und die Sie gut können. Und wenn Sie sich weiterentwickeln wollen und das im Gespräch angegeben, sollten Sie wissen, wohin das sein soll!“

    Herzliche Grüße

    Claudia

    1. Wenn ich erst auf dem Weg erkenne, wohin ich mich verändern will? Was ist daran falsch, wenn ich es zu dem Gesprächszeitpunkt noch nicht weiß?
      Ich kenne mich und weiß, dass ich Abwechslung brauche. Hätte ich vor 20 Jahren gedacht, dass ich einmal meinen MB-Job hinschmeißen würde?
      Wenn die allseits beliebte Frage kommt, wo wollen sie denn in 10 Jahren hin und ich müsste die Wahrheit sagen, dass ich es erst sehen werde, aber sicher bin, dass ich etwas anderes machen möchte, wäre das denn akzeptabel? Nach manchen Ratgebern müsste ich mir irgendwas zurechtbasteln, damit es so aussieht, als ob ich das schon genau wüsste (und wer kann es schon nachprüfen, das weiß sowieso niemand außer er ist Hellseher)

  5. Lieber Herr Slaghuis,
    ich musste leider schon an vielen Bewerbungsgesprächen teilnehmen, habe aber im Kern daraus gelernt, dass ich mich nicht dagegen wehren kann, angelogen zu werden. Ablenkungsmanöver, wie sich ein Bewerber, eine Bewerberin zu benehmen haben, drängen diese in eine noch defensivere Position, als es die Ausgangssituation bereits vorgibt. Mein Fazit ist, es ist sehr schwer, ein Gespräch auf Augenhöhe zu führen und seine Würde zu bewahren, wenn einem die Arbeitsagentur in den Nacken bläst.
    schöne Grüße aus Mittelfranken
    Wolfgang Rottler

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