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Job Kündigen? 10 Fragen, Die Du Vorher Mit Ja Beantworten Solltest

Job kündigen? 10 Fragen, die du vorher mit Ja beantworten solltest

Kündigen oder bleiben? Diese Frage stellen sich viele Angestellte, die mit einer beruflichen Veränderung liebäugeln. Sei es nach einigen Jahren bei einem Arbeitgeber und der Lust auf Neues oder bei hohem Frust und andauernder Unzufriedenheit in ihrer aktuellen Position. Kündigen, ohne den neuen Arbeitsvertrag in der Tasche zu haben? Erst eine Auszeit und dann in Ruhe nach dem passenden neuen Arbeitgeber suchen? Doch noch bleiben und hoffen, dass es irgendwann wieder besser wird oder sich interne Entwicklungsmöglichkeiten ergeben? Oder ist das alles nur ein Luxusproblem? Hier sind 10 Fragen, die du dir vor einer Kündigung stellen solltest, damit aus Stress, Langeweile oder Frust im Job keine übereilte Flucht, sondern eine gut überlegte Wechselentscheidung wird.

10 Fragen, die du dir vor einer Kündigung stellen solltest

Welche dieser Fragen kannst du mit „Ja“ beantworten und bei welchen Fragen fällt dir eine Antwort schwer? Welche Informationen fehlen dir noch und was kannst du tun, um zu mehr Klarheit zu gelangen? Finde heraus, ob du wirklich schon bereit dafür bist, deinen aktuellen Job zu kündigen und etwas Neues zu beginnen.

1. Bist du wirklich bereit, die aktuelle Stelle samt Kollegen aufzugeben?

Jede Veränderung bedeutet, für Neues auch etwas Altes aufzugeben. Den täglichen Kontakt zu lieb gewonnenen Kollegen, bestimmte Aufgaben, die bisher Spaß machten oder besondere Vorzüge, die der jetzige Beruf oder dein Arbeitgeber mit sich bringen. Was gibst du alles auf, wenn du kündigst? Bist du wirklich bereit hierfür und kannst du Abschied hiervon nehmen?

2. Gibt es sicher nichts mehr, das dich von der Kündigung abhalten könnte?

Hätten dein Chef oder die Kollegen noch eine Chance, dich von einer Kündigung abzuhalten und wenn ja, womit? Was müsste geschehen, damit du bleibst? – Mehr Geld? Eine Beförderung? Neue Aufgaben? Eine offene Aussprache? Lohnt es sich, solche Themen dem Chef oder den Kollegen gegenüber auszusprechen und zu prüfen, ob es vielleicht doch noch eine gemeinsame Zukunft gibt? Wenn es etwas gibt, wie wahrscheinlich ist es, dass das, was dich von der Kündigung abhalten würde, tatsächlich in Zukunft eintritt?

3. Ist dir klar, was du dir von einem Jobwechsel versprichst?

Die meisten Angestellten, die an eine Eigenkündigung denken, sind auf der Flucht. Hauptsache weg ist die Devise. Doch weg vom alten Arbeitgeber sagt noch nichts über dein Ziel für die Zukunft aus. Hast du dir bereits Gedanken gemacht, was nach der Kündigung sein soll und was glaubst du, warum es dir nach einem Wechsel des Arbeitgebers besser gehen wird? Was genau versprichst du dir davon und bist du sicher, dass diese Möglichkeiten zur Veränderung bei deinem jetzigen Arbeitgeber nicht bestehen? Denn …

4. Hast du alle Möglichkeiten bei deinem aktuellen Arbeitgeber geprüft?

Viele Arbeitnehmer denken, dass ihre Position bei einem Arbeitgeber in Stein gemeißelt ist. Auf die Idee, sich nach alternativen Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens umzuhören, darauf kommen sie häufig nicht. Ist die Kündigung einmal ausgesprochen, ist es meist zu spät, um über interne Wechseloptionen nachzudenken. Über welche vielleicht aus deiner Sicht unrealistischen, jedoch attraktiven Veränderungsideen würde es sich lohnen, mit deinem Chef, anderen Führungskräften oder Mitarbeitern aus der Personalabteilung zu sprechen, bevor du endgültig Tschüss sagst?

5. Bist du in der Verfassung, um über deine berufliche Zukunft nachzudenken?

Viele Arbeitnehmer fühlen sich im Tagesgeschäft sehr unter Druck und die Probleme, die zur Kündigungsidee geführt haben, belasten sie. Im Coaching bemerke ich, dass es manchen Wechselwilligen extrem schwer fällt, über ihre berufliche Zukunft nachzudenken und über Ziele zu sprechen. Schon ein kurzer Gedanke an das, worunter sie in den letzten Wochen oder Monaten gelitten haben, treibt ihnen die Tränen in die Augen. Das Heute und Gestern bestimmt so sehr ihr Gedankenkarussel, dass in ihren Köpfen noch kein Platz ist für das Morgen. Auch hier wäre die Kündigung mehr übereilte Flucht als ein guter Beginn von etwas Neuem. Wie geht es dir, wenn du an deine Ziele der nächsten Jahre sowie deine berufliche Zukunft denkst?

6. Weißt du, nach welchen Zielpositionen und Arbeitgebern du suchst?

Wie soll es nach der Kündigung weitergehen? Das Gleiche, nur woanders? Eine neue Aufgabe bei einem Arbeitgeber in der gleichen Branche? Oder sogar eine größere Neuorientierung? Mit deiner Kündigung solltest du einen Plan haben, wohin dich der nächste Schritt führen soll. Falls du es bisher nicht geschafft hast, diesen Plan zu entwickeln, dann plane deine Orientierungsphase. Wartest du noch etwas mit deiner Kündigung und wirst du dich nebenbei in deiner Freizeit oder am Wochenende nach neuen Positionen und Arbeitgebern umsehen können oder brauchst du für deine Orientierungsphase den radikalen Schnitt und eine Auszeit mit Abstand vom alten Job?

7. Kommst du damit klar, wie andere Menschen deine Entscheidung bewerten?

„Man kündigt doch nicht einfach so seinen Job!“ Dieses Denken ist immer noch in weiten Teilen unserer Gesellschaft präsent. Besonders dann, wenn deine Entscheidung von anderen Menschen in deinem Umfeld als Luxusproblem bewertet wird. Sie werden dir einreden, dass du es doch gut hast und es vielen anderen Angestellten so viel schlechter geht. Wie stark stehst du selbst zu deiner Entscheidung und was wirst du solchen Bedenkenträgern antworten?

8. Hast du Lust auf Bewerbungen und Vorstellungsgespräche?

Naja, von Lust wirst du wahrscheinlich nicht sprechen wollen. Ich habe jedenfalls noch keinen Jobwechsler kennengelernt, der sich auf ein Vorstellungsgespräch freut. Doch klar ist: Wenn du nicht gerade Informatiker/in oder Altenpfleger/in bist, wirst du wahrscheinlich einige Bewerbungen schreiben und so manches Vorstellungsgespräch bis zur Unterschrift des nächsten Arbeitsvertrages führen müssen. Bist du bereit hierfür und neugierig darauf, was dir der Arbeitsmarkt zu bieten hat?

9. Wirst du drei Monate ohne Einkommen überbrücken können?

Kündigst du selbst den Arbeitsvertrag, droht dir im Normalfall eine 3-monatige Sperre des Arbeitslosengeldes. Reichen deine Reserven, um die Kosten und den Lebensunterhalt in dieser Zeit zu decken? Solltest du zum Zeitpunkt der Kündigung noch keinen neuen Job in Aussicht haben, können sich Bewerbungsprozesse schnell über ein halbes Jahr und länger hinziehen. Wirst du auch in dieser Zeit ausreichend finanziell versorgt sein?

10. Passt der Jobwechsel zu deiner privaten Lebensplanung?

Arbeit ist längst zum integralen Bestandteil des Lebens geworden. Was sind deine privaten Pläne für die nächsten Jahre und hätten deine Kündigung und der Wechsel des Arbeitgebers Auswirkungen hierauf? Auf was müsstest du dann vielleicht auch im privaten Lebensbereich verzichten und wie wichtig ist dir das alles? Oder gibt es etwas, das sich privat durch die Kündigung verbessern soll und was bedeutet dies für deine Suche nach einem neuen Arbeitgeber?

Du wirst kündigen?
Plane deinen Abschied und den Wechsel

Steht deine Entscheidung fest, dass du den aktuellen Arbeitgeber verlassen wirst, dann kläre den Trennungsprozess. Welche Kündigungsfristen sind zu beachten und was ist für dich ein guter Kündigungstermin? Gibt es Aufgaben oder Projekte, die du erst zum erfolgreichen Abschluss bringen möchtest, bevor du gehst? Vielleicht ist es dir auch wichtig, deine offenen Themen an einen Nachfolger zu übergeben. Viele Angestellte möchten ihren Arbeitgeber im Guten verlassen und kein Schlachtfeld hinterlassen. Wenn auch dir dies wichtig ist, dann kläre, was du in der verbleibenden Zeit dazu beitragen kannst.

Vielleicht existieren bei deinem Arbeitgeber auch Programme zum Personalabbau und du kommst in den Genuss einer Abfindungsregelung oder einer Outplacement-Beratung, die dich bei der Orientierung und Suche nach neuen Positionen unterstützt. Vielleicht kann es auch sinnvoll sein, mit deinem Arbeitgeber offen darüber zu sprechen, welche Seite die rechtlich wirksame Kündigung ausspricht – mit allen Konsequenzen, die hiermit verbunden sind – von der Berechnung des Arbeitslosengeldes bis hin zur Formulierung in deinem Arbeitszeugnis.

Du wirst bleiben?
Gestalte deine alte Arbeit neu

Falls du dich gegen die Kündigung entschieden hast, wird dich ein „Weiter so!“ auf Dauer nicht zufrieden stellen. Selbst wenn für dich die Vorteile der Position beim heutigen Arbeitgeber wieder bewusster sind und diese gegenüber einem Jobwechsel überwiegen, gibt es wahrscheinlich immer noch etwas, das dich stört und in Zukunft weiter belasten wird.

Verfalle nicht auf Dauer in eine Egal-Haltung oder halte aus Verzweiflung aus und gehe wieder routiniert zum Tagesgeschäft über, sondern arbeite als Chef deines Lebens an den wichtigen Themen, die du in deinen Antworten auf die zehn Fragen identifiziert hast. Denn auch als Angestellte/r besitzt du mehr Gestaltungsspielräume, als du denkst.

(Bild: 123rf.com, #17534634, alphaspirit)

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Die Fragen sind berechtigt und gut. Bloß, ich glaube nicht, dass jemand Morgens aufwacht und sich sagt, „Heute kündige ich.“
    Es gibt immer erst eine innerliche Kündigung. Und die ist deutlich vor der äußerlichen Kündigung (manchmal schon Jahre vorher!). Wenn ich also bereits innerlich gekündigt habe, dann hält mich weder mehr Geld noch Versprechungen noch Änderungen. Und das mehr Geld mehr Zufriedenheit bringt, ist schon lange widerlegt.

    Ach ja, noch was. Ich wechsel den Arbeitsplatz und nicht den Beruf. Beruf ist für mich eine Berufung. Die wechselt man nicht wie einen Arbeitsplatz. Wenn ich meine „Berufung“ wechsel, dann war es keine und ich sollte mir Gedanken machen, ob das Fehlen meiner Berufung nicht der Grund für den Arbeitsplatzwechsel ist.

    Ansonsten ist das mit dem Plan eine ganz gute Idee. Allerdings würde ich schon lange vor meiner äußeren Kündigung anfangen nach neuen Arbeitsplätzen zu suchen. Und sei es nur um zu sehen, ob ich was zu bieten habe, was andere benötigen.

    1. Hallo Herr Ende,
      es gibt auch Arbeitnehmer, die den Beruf wechseln, etwa bei einer Neuorientierung. Vielleicht war es sogar lange Jahre die Berufung, aber ich bin der Meinung, analog unserer Werte und Ziele, die sich im Laufe eines Lebens verändern können, darf sich auch die berufliche Orientierung verändern. Außerdem finde ich, muss es auch nicht immer die Berufung sein. Viele Menschen sind sehr glücklich in ihren Berufen, würden aber niemals sagen, dass sie ihre Berufung gefunden haben – und suchen auch nicht danach.
      Bei der inneren und äußeren Kündigung bin ich bei Ihnen, was den Zeitunterschied betrifft. Ich erlebe jedoch auch im Coaching, dass es trotz innerer Kündigung manchmal immer noch Optionen im Unternehmen gibt, die eine innerliche Kündigung vergessen machen. Mir war es mit diesem Beitrag wichtig, zumindest über solche Handlungsmöglichkeiten bewusst nachzudenken und diese ggf. auch anzusprechen, denn dies tun viele Angestellte (vor lauter Frust) nicht.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  2. Bevor man überlegt ob man die Arbeitslosigkeit kündigt hat man meist bereits vor langer Zeit gemerkt, dass der Arbeitsplatz / Arbeitgeber nicht oder nicht mehr passt und sucht meist auch bereits seit einiger Zeit mehr oder weniger aktiv nach Möglichkeiten dies zu ändern bzw. eine andere Stelle. Als erstes natürlich bei dem Arbeitgeber, aber schaltet dieser auf Durchzug bzw. bedienst sich dieser bewusst Hinhaltetaktiken oder Täuschungs- und Ablenkungsmanövern, ist es wenig zielführend seine volle Energie für die Suche nach einer anderen Stelle in diesem Unternehmen zu verwenden. Bei so wenig Wertschätzung ist es besser man investiert seine Energie um seine Fühler nach anderen Arbeitgebern auszustrecken. Es gibt genügend Arbeitgeber, die gute, engagierte und loyale Mitarbeiter und tatsächliche Leistungsträger zutreffend einzuschätzen wissen, statt Blender zu fördern. Und wenn der Arbeitgeber selbst nicht loyal ist, scheint ihm nicht viel daran zu liegen loyale Arbeitnehmer zu haben bzw. zu halten.

    Es ist gut und wichtig, dass Sie darauf hinweisen, dass wenn man selbst kündigt, einem eine 3-monatige Sperre vom Arbeitslosengeld droht, dass man sich dessen bewusst sein muss und überlegen muss, ob man gewillt ist das Risiko einzugehen und wie man die Zeit dann finanziert. Eines was ich in diesem Artikel leider vermisse ist der Hinweis auf die Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge während dieser drei Monate. Werden diese während dieser Zeit über die Agentur für Arbeit gezahlt, durch die im Voraus einbezahlten Arbeitslosenversicherungsbeiträge? Oder muss man in dieser Zeit auch diese Beträge selbst einzahlen?

    1. Hallo Frau Bauer,
      danke für Ihren Kommentar. Ihre Fragen zur Renten- und Arbeitslosenversicherung während einer (bis zu) 3-monatigen Sperrzeit sind berechtigt, ich kann und möchte sie jedoch nicht pauschal beantworten. Hier sollte sich jeder vor einer Eigenkündigung individuell bei seiner zuständigen Arbeitsagentur bzw. dem Rentenversicherungsträger erkundigen.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  3. Hallo Herr Slaghuis!

    Vielen Dank für Ihren Artikel. Sehr frisch formuliert und umfassend ausgeführt.
    Da ich vor ca. 5 Jahren nach langer Überlegung kündigte, hier meine Erfahrung: Ist eine interne Schmerzgrenze überschritten, kündigt man. Erreicht man diese Schmerzgrenze nicht, kündigt man nicht. Ist die Entscheidung fürs Kündigen mal für sich selbst getroffen, kann kein „Zuckerl“ des ehemaligen Arbeitgebers die Kündigung verhindern.
    Und das Gefühl der Befreiung, dass ich nach der Kündigung eines innerlich gehassten Jobs hatte, ist unbezahlbar und unvergesslich. Ich setzte damals Firmenauto und Bonusse in den Sand und bereue gar nichts, ganz im Gegenteil :)
    Es gibt heute so viele Möglichkeiten, dass es nicht notwendig ist in einem Job zu verharren, der einem nicht zusagt.

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