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Freude Im Job: Darf‘s Ein Bisschen Mehr Sein?

Freude im Job: Darf‘s ein bisschen mehr sein?

Für viele Menschen hat Freude im Beruf heute einen hohen Wert. Kommt sie zu kurz oder fehlt sie vollständig, dann wird Arbeit schwer, belastend und auf Dauer ungesund. Die meisten meiner Klienten empfinden schon lange keine Freude mehr, wenn sie auf ihren Beruf blicken. Auch wenn sie sich alle wieder mehr Freude wünschen, kommt es mir doch manchmal so vor, als ob sie es sich selbst nicht mehr erlauben oder den Glauben verloren haben, dass Arbeit Freude machen kann. Was sagen Sie? Darf’s auch in Ihrem Leben wieder ein bisschen mehr Freude im Beruf sein?

Freude im Job: Mehr als der Spaß unter Kollegen

Spreche ich mit Menschen darüber, was Freude im Beruf für sie bedeutet, dann fallen die Antworten sehr individuell aus. Für einige ist es das nachhaltige Bewusstsein, etwas beitragen und bewegen zu können, Sinn zu spüren, Neues zu lernen und sich fachlich wie auch persönlich weiter zu entwickeln. Für andere ist es wichtig, viel von dem zu tun, bei dem sie ihre persönlichen Stärken und Talente nützlich einsetzen können. Gemeinsam Ziele im Team zu erreichen, im richtigen Mix aus Routine und Abwechslung Herausforderungen zu meistern, erfolgreich zu sein und damit das Einkommen zu verdienen, das als Wertmaßstab richtig erscheint. Oft bedeutet Freude auch, Gerechtigkeit und Ehrlichkeit zu erfahren sowie anderen Menschen zuteil werden zu lassen. Und klar, der Spaß, Austausch und das Lachen mit den Kollegen gehören auch dazu.

Freude ist das Kraft spendende und motivierende Gefühl, das am Ende des Tages bleibt, wenn weitgehend und dauerhaft erfüllt ist, was jedem von uns im Beruf persönlich wichtig ist.

Selbst-Check:
Wieviel Freude empfinden Sie aktuell im Beruf?

Stellen Sie sich einmal eine Skala von 1 bis 10 vor. 1 bedeutet, dass Sie überhaupt keine Freude in Ihrem aktuellen Beruf empfinden und 10 bedeutet, dass Sie maximale Freude empfinden – wo stehen Sie auf dieser Skala?

Die meisten Klienten, die zu mir ins Karriere-Coaching kommen, antworten auf diese Frage mit Werten zwischen 0 und 3. Schon lange Zeit ist alles das nicht mehr erfüllt, was sie benötigen, um Freude zu empfinden: Mangelnde Identifikation mit dem Arbeitgeber oder den Produkten, Dauerstress mit dem Chef oder den Kollegen, fiese Macht- und ungerechte Politikspiele, chronische Langeweile oder fehlende Entwicklungsperspektiven.

Alles das haben viele von ihnen bereits über Jahre durchgehalten und die Freude hat ihren maximalen Tiefpunkt erreicht. Dass sie jemals wieder eine Stelle bei einem Arbeitgeber finden werden, in der sie auch nur ein Fünkchen Freude empfinden, diesen Glauben haben sie vollständig verloren. Sie drehen sich immer schneller im Strudel aus Frust und Ärger in ihrer Welt aus Erschöpfung sowie Hoffnungs- und Hilflosigkeit. Meine Frage, ob es noch irgendetwas in ihrem Job gibt, das ihnen ein klein wenig Freude bereitet, klingt absurd und überrascht sie.

Ihre Entscheidung:
Darf Arbeit Ihnen auch Freude machen?

Manchmal habe ich so den Eindruck, dass einige Angestellte jeden Tag aufs Neue ihren Job mit dem Ziel angehen, die Bestätigung dafür zu erhalten, dass er ihnen auf gar keinen Fall Freude machen kann. Sie suchen nach den kleinen Gemeinheiten von Kollegen, die sie noch nie leiden konnten oder durchleuchten jede Bemerkung des Chefs und interpretieren hinein, was das Verhältnis weiter vergiftet. Über alles das jammern sie gemeinsam um die Wette, machen nebenbei Dienst nach Vorschrift, gehen am Abend erschöpft nach Hause und sind sich ganz sicher, dass alles das auch morgen, übermorgen und bis zur Rente auf sie warten wird.

Wenn Sie sich gerade selbst erkennen, gibt es vielleicht auch für Sie einen Grund, warum Arbeit Ihnen einfach keine Freude machen darf? Weil Sie so erzogen wurden und gelernt haben, dass gute Arbeit hart und anstrengend sein muss. Oder weil Sie selbst Ihre Leistungen nur als Erfolg wertschätzen können, wenn der Weg dorthin steinig und mit viel Aufopferung verbunden war. Vielleicht ist es auch etwas ganz anderes, warum Arbeit für Sie nicht mit Freude verbunden sein kann oder darf.

Es ist allein Ihre persönliche Entscheidung, ob Sie sich ab sofort erlauben, Freude im Beruf zu empfinden. Doch überlegen Sie es sich gut! Denn diese Entscheidung hat Konsequenzen: Sie werden plötzlich nicht nur mehr Leichtigkeit spüren, sondern Sie werden im gleichen Moment auch aus dem Kreis der frustrierten Jammerer ausgeschlossen und es kann sein, dass manche Kolleginnen und Kollegen Sie und Ihr neues Verhalten nicht verstehen möchten.

Also, sind Sie sich wirklich sicher, dass Sie daran arbeiten möchten, (wieder) Freude im Beruf zu empfinden und die Konsequenzen aushalten können? Können Sie selbst mit voller Überzeugung und gutem Gewissen sagen„Ich darf Freude in meinem Job haben“? Falls ja, sind hier einige Ideen, die Ihnen helfen, es auf Ihrer Freude-Skala weiter nach oben zu schaffen:

Früher war alles besser?
Erinnern Sie sich an gute Zeiten

Auch wenn Sie in Ihrem Job schon lange Zeit ausgehalten haben und die Freude in weite Ferne gerückt ist, so gab es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einmal Zeiten in Ihrem Leben, in denen eine Stelle oder vielleicht auch eine Ausbildung oder die Zeit im Studium mehr Spaß gemacht haben. Erinnern Sie sich noch daran?

Gibt es etwas, das in dieser Zeit anders war als heute? Waren es andere Themen, Tätigkeiten oder Produkte, andere Menschen um Sie herum, ein anderes Büro und Arbeitsumfeld? Oder war Ihr Weg zur Arbeit damals kürzer, vielleicht waren es auch andere Arbeitszeiten? Hatten Sie damals mehr oder weniger Verantwortung oder größere Freiheitsgrade oder konnten Sie sich stärker mit den Themen oder Ihrem Arbeitgeber identifizieren? Vielleicht war auch Ihre Lebenssituation damals eine andere?

Womöglich müssen Sie auch gar nicht so weit in die Vergangenheit blicken und wissen eigentlich ganz genau, was Sie benötigen, um heute und in Zukunft mehr Freude im Beruf zu empfinden. Mal angenommen, Sie hätten alle Möglichkeiten und nichts stünde dem im Wege, was würden Sie gerne anders machen oder was müsste sich hierfür verändern? Schreiben Sie am besten auf, was Ihnen durch den Kopf geht.

Jeder hat eine 2. Chance verdient?
Lernen Sie Ihre Kollegen neu kennen 

Ich bin immer wieder erstaunt und oftmals erschreckt es mich auch, wie lange Menschen im Kollegenkreis nachtragend sind und sich immer stärker voneinander entfernen, jedoch täglich auf engem Raum zusammenarbeiten müssen. Eine „falsche“ Bemerkung und schon ist das Klima für Jahre vergiftet – so kommt es mir zumindest vor, wenn mir Klienten vom Zwist und erbitterten Kampf mit Kolleginnen und Kollegen erzählen. Kein Wunder, dass die Freude auf der Strecke bleibt.

Wie wäre es, wenn Sie mit Ihrer bewussten Entscheidung für mehr Freude auch die Initiative ergreifen, das Kriegsbeil zu begraben, um wieder zu einer guten Arbeitsbeziehung mit Ihren Kolleginnen und Kollegen zu gelangen? Sie müssen ja nicht gleich beste Freunde werden.

Lernen Sie Ihre Kollegen bewusst neu kennen. Begegnen Sie ihnen mit anderen Augen und entdecken Sie gezielt gute Seiten an ihnen: Gibt es vielleicht doch etwas, das Sie an ihnen besonders schätzen? Was macht die Kollegin oder den Kollegen sympathisch und was trägt sie oder er vielleicht auch zum guten Teamklima bei? Fragen Sie sich auch, was wohl jedem Ihrer Kollegen persönlich wichtig im Beruf sein könnte, schließlich haben wir alle unterschiedliche Bedürfnisse und Wertvorstellungen. Schauen Sie hin und interessieren Sie sich wieder echt für die Menschen in Ihrem Umfeld, statt sie in Schubladen zu stecken und über ihr Verhalten wie gewohnt zu urteilen.

Keine Angst, Sie brauchen niemandem von Ihrem Plan zu erzählen. Allein Ihre eigene Haltung und veränderte Sichtweise werden dazu führen, dass Sie neue und viele gute Seiten an Ihren Kollegen entdecken werden. Und falls es doch jemand bemerkt, könnte Ihr Mehr an Freude sogar ansteckend sein.

Sie sind der Chef!
Gestalten Sie Ihre Arbeit mit Freude

Die meisten Angestellten unterschätzen die Möglichkeiten, die sie besitzen, um ihre Arbeit gesünder zu gestalten. Sie trauen sich nicht, mit Chefs oder Kollegen über das zu sprechen, was sie benötigen, um gute Arbeit zu leisten und dabei auch Freude zu empfinden. Zu groß ist ihre Angst, als unbequem oder allzu fordernd zu erscheinen und am Ende auf der Abschussliste des Chefs zu landen. Eine Sorge, die aus meiner Erfahrung völlig unbegründet ist. Wer hat als Chef schließlich kein Interesse daran, dass es seinen Mitarbeitern im Beruf gut geht, sie motiviert sind, gesund bleiben und wertschöpfende Leistungen erbringen können? Und wenn Sie jetzt der Überzeugung sind, dass Ihr Chef ganz sicher nicht zu dieser Spezies zählt, dann lesen Sie noch einmal den vorherigen Abschnitt.

Sie sind der Chef Ihres Lebens! Wenn Sie erkannt haben, was Sie benötigen und dazu beitragen können, wieder mehr Freude im Beruf zu empfinden, dann können und sollten Sie daran arbeiten, andere Rahmenbedingungen oder Veränderungen in Ihrer Position zu realisieren.

Schaffen Sie Klarheit gegenüber Ihrem Chef oder den Kollegen, was Sie sich in Zukunft mehr oder anders wünschen und überlegen Sie gemeinsam offen und unaufgeregt, welche Möglichkeiten es hierfür geben kann. Und falls Sie zu der Erkenntnis gelangen, dass Sie an diesem Job und an diesem Unternehmen mit diesem Chef und diesen Kollegen niemals wieder Freude haben werden, dann wird es wohl Zeit, nicht nur über einen Wechsel nachzudenken, sondern diesen auch in Angriff zu nehmen. Schließlich haben auch andere Arbeitgeber Jobs, die Freude machen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg auf dem Weg zu mehr Freude in Ihrem Beruf –vorausgesetzt, es darf auch ein bisschen mehr sein ;-)

(Titelbild: 123rf.com, #96035216)

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Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Themen rund um die Karriereplanung und berufliche Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine, bin XING Insider sowie WELT-/Bilanz-Kolumnist.

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