Vorstellungsgespräch live vor Ort: 5 Hingucker, die Du jetzt wieder im Blick haben solltest

Mit der sich entspannenden Corona-Lage finden wieder zunehmend Vorstellungsgespräche live vor Ort persönlich im Unternehmen statt. Anders als bei einem Video-Call bieten sie dir viele zusätzliche Perspektiven, die du als Bewerberin oder Bewerber jetzt wieder bewusst wahrnehmen solltest: Welche Stimmung herrscht im Unternehmen, wie begegnen dir deine Gesprächspartner und kannst du dir vorstellen, dort vor Ort motiviert und entspannt zu arbeiten? Auf diese fünf Live-Eindrücke solltest du bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch jetzt wieder achten, um für dich eine noch bessere Jobentscheidung zu treffen.

Erstes Kennenlernen per Video, zweite Runde live vor Ort

Viele Jobwechsler haben in der Corona-Zeit ihren Arbeitgeber gewechselt, ohne ihre Führungskraft sowie die Kolleginnen und Kollegen nur einmal live persönlich gesehen zu haben. Es war normal, dass Vorstellungsgespräche ausschließlich als Video-Meeting geführt wurden und – wenn es passte – irgendwann der Arbeitsvertrag ins Homeoffice flatterte. Ich bin letztes Jahr in vielen Presse-Interviews gefragt worden, was bei Bewerbungsgesprächen per Zoom, Teams & Co. besonders zu beachten sei – hier geht’s zum Beitrag.

Bei der inzwischen entspannteren Corona-Lage sowie wieder vielen Angestellten zumindest zeitweise zurück in den Büros berichten mir die meisten Bewerber im Coaching, dass sie für das erste Gespräch weiterhin eine Einladung zum kurzen Video-Call erhalten, jedoch die nächste Runde oftmals wieder persönlich vor Ort stattfindet. Viele Arbeitgeber haben in der Krise erkannt, dass ein Video-Meeting als erstes Kennenlernen völlig ausreicht, für die gute Entscheidung am Ende jedoch auch der persönliche Austausch wichtig ist.

Ich finde diese Kombination sehr gut, denn sie macht nicht nur das erste Kennenlernen unkomplizierter und kostengünstiger – und du fühlst dich in deinen eigenen vier Wänden sicherer, sondern sie bietet beiden Seiten vor allem auch zwei unterschiedliche Gesprächsrahmen und damit verschiedene Möglichkeiten der individuellen Einblicke und Wahrnehmungen.

Nutze in deiner Rolle als Bewerberin oder Bewerber (das gilt natürlich auch für die Arbeitgeberseite) ganz bewusst diese beiden unterschiedlichen Gesprächs-Settings. Achte im Video-Call darauf, wie digital technik-affin sich ein Arbeitgeber zeigt und wie sich auch deine Gesprächspartner in dieser Situation in ihren Rollen verhalten. Bist du im besten Fall zum nächsten Vorstellungsgespräch live vor Ort, dann hast du die Chance, viele weitere Impressionen und Informationen über das erste Gespräch hinaus zu entdecken.

Vorstellungsgespräch live vor Ort: 5 Dinge, die du jetzt wieder im Blick haben solltest

Im Coaching mit Bewerbern erlebe ich es häufig, dass sie sich im Vorfeld der Gespräche sehr viele Gedanken zum passenden Outfit, der richtigen Körpersprache und vor allem über die besten Antworten auf die bekannten Standardfragen machen. Sie möchten so perfekt wie möglich alle Erwartungen der anderen Seite erfüllen und vergessen sich selbst hierbei.

Denn die Gefahr ist groß, dass du dich zu sehr nur auf dich und die besten Antworten fokussierst und die vielen wertvollen Informationen drumherum übersiehst, die dir ein Vorstellungsgespräch live vor Ort über einen ersten Video-Call hinaus bietet: Deine Gesprächspartner nah zu erleben, deine Aufgaben im Unternehmen vor Ort noch besser (be)greifen zu können, vor allem jedoch ein gutes Gefühl für die Art der Zusammenarbeit, die Führung und das Arbeitsklima im Unternehmen zu bekommen.

Hier sind meine fünf Hingucker für dein nächstes Vorstellungsgespräch live vor Ort, die dir wichtige Hinweise darauf geben können, wie es dort im Unternehmen zugeht und ob dies der Job ist, in dem du dich in den nächsten Jahren wohlfühlen wirst.

1. Kellerloch, Großraumbüro oder NewWork-Loft?

Dies ist der wohl größte Unterschied zwischen einem Video-Call und dem Vorstellungsgespräch live vor Ort: Du siehst das Drumherum, statt nur den schick installierten Hintergrund mit Firmenlogo – oder die Küche der Personalerin im Homeoffice.

Vermutlich wirst du nach deiner Ankunft am Empfang warten und von dort abgeholt werden. Hier beginnt bereits dein Bewerbungsgespräch! Sieh auch hier schon genauer hin: Wie wirst du empfangen? Wirst du dort erwartet und freundlich begrüßt oder hat niemand mit dir gerechnet? Wie lange musst du warten, sind deine Gesprächspartner pünktlich und falls nicht, wie gehen sie damit um?

Wirst du abgeholt und zum Besprechungsraum geführt, dann wirf auch mal links und rechts einen flüchtigen Blick in die Flure und Büros – auch wenn aktuell noch viele Schreibtische verwaist sein werden. Wie sind die Arbeitsplätze gestaltet, wie groß sind die Büros, welche Stimmung in den Büros kannst du im Vorbeigehen aufschnappen? Mit welchen Möbeln und welcher IT sind die Arbeitsplätze ausgestattet? Riecht es nach muffigem Kellerloch oder wirken die Büros modern und einladend?

Versuche, dir einen ersten Eindruck von der Büro- und Arbeitsatmosphäre zu verschaffen und frage dich selbst, ob du dir vorstellen kannst, dort in den nächsten Jahren viel Zeit zu verbringen. Wenn dir das Umfeld deines zukünftigen Arbeitsplatzes sehr wichtig ist und solch ein flüchtiger Blick nicht ausreicht, dann frage im Gespräch ruhig nach, ob du deinen zukünftigen Arbeitsplatz einmal sehen und vielleicht auch einen Teil des Teams kennenlernen kannst, bevor du blind den Arbeitsvertrag unterschreibst.

2. Gestresste Dienst nach Vorschrift-Macher oder entspannt sympathische Kollegen?

Ein weiterer Vorteil des Gesprächs vor Ort: Du kommt im besten Fall in Kontakt mit weiteren Mitarbeitern über deine Gesprächspartner hinaus. Wenn du durch die Flure gehst, wie begegnen dir die Menschen dort, wie ist ihre Stimmung, welche Kleidung tragen sie, nehmen sie dich wahr und grüßen freundlich oder rennen sie gestresst mit strengem Blick auf den Fußboden gerichtet an dir vorbei? Kannst du dir in diesem Moment vorstellen, dass dies später deine Kolleginnen und Kollegen sind und du womöglich in einigen Wochen außerhalb des Homeoffice auch dort ein und aus gehen wirst? Eine gute Arbeitsbeziehung ist für die meisten Angestellten immens wichtig – hier hast du die Chance für eine erste Beziehungsprobe.

Bist du mit einem deiner Gesprächspartner im Unternehmen unterwegs, dann fokussiere dich auf sie oder ihn, versuche jedoch auch, deine Antennen auf das Drumherum auszurichten. Die Einrichtung und Ausstattung der Arbeitsplätze sind das eine,  das „Klima“ im Büro zwischen den Menschen wird am Ende jedoch entscheidend dafür sein, ob du dich dort wohlfühlen, persönlich mit deinen Stärken entfalten und erfolgreich einen guten Job machen wirst. Auch wenn du gerade zu Beginn des Termins noch sehr angespannt sein solltest und die Aufmerksamkeit auf deiner Begleitung liegt, nutze diese Minuten unterwegs im Unternehmen bewusst, um einen ersten Eindruck von den Menschen dort und ihrem Miteinander zu erhaschen.

3. Hierarchisches Machtspiel oder Begegnung auf Augenhöhe?

In der Regel sitzen dir als Bewerberin oder Bewerber gleich mehrere Mitarbeiter aus dem Unternehmen gegenüber. Oftmals ein Vertreter der Personalabteilung gemeinsam mit einem Entscheider aus dem Fachbereich der zu besetzenden Stelle. Achte im Bewerbungsgespräch ganz bewusst darauf, wie deine Gesprächspartner als Kollegen miteinander umgehen. Anders als im Video-Call hast du sie beide gleichzeitig im Blick und kannst ihre Interaktion sowie ihre Mimik und Gestik besser erkennen.

Macht vielleicht dein zukünftiger Chef einen auf dicke Hose und zeigt der jungen Personalerin ständig, wer wirklich das Sagen hat? Versucht einer deiner Gesprächspartner, permanent die Führung des Gesprächs an sich zu reißen oder führt sogar den eigenen Kollegen vor deinen Augen öffentlich vor? Fallen sie sich gegenseitig ins Wort oder tragen sie interne Machtkämpfe in deinem Beisein aus?

Alles das können bereits Anzeichen dafür sein, wie autoritär und hierarchisch es im ganzen Unternehmen zugeht. Kann, muss es aber nicht. Ich warne ausdrücklich davor, einzelne Beobachtungen oder Eindrücke pauschal und voreilig auf das ganze Unternehmen zu übertragen. Auch wenn dir der Personaler unsympathisch ist, kannst du später mit deinen direkten Kolleginnen und Kollegen im Team bestens auskommen. Auch wenn sich dein zukünftiger Chef und der Vertreter des Betriebsrats vor deinen Augen ein Rede-Duell liefern, kann es ein persönliches Thema zwischen den beiden sein und du kommst später mit deinem Chef super aus.

Dennoch solltest du hellhörig werden, wenn du diese oder eine andere der hier beschriebenen Verhaltensweisen im Gespräch beobachtest. Denn dass dein zukünftiger Chef öffentlich persönliche Konflikte im Bewerbungsgespräch austrägt, ist ziemlich sicher ein Zeichen für seine Persönlichkeit und Haltung als Führungskraft. Ist dir selbst als Angestellter ein gutes Miteinander im Team wichtig, dann solltest du den Anschein von mangelnder Augenhöhe bereits im Vorstellungsgespräch ernst nehmen und versuchen, anhand von Fragen sowie weiteren Beobachtungen im Gesprächsverlauf für dich Klarheit zu gewinnen.

Frage deinen zukünftigen Chef etwa, was er besonders an seinen Mitarbeitern im Team schätzt. Und stelle solche Fragen, die eure künftige Zusammenarbeit im Tagesgeschäft betreffen: Wie werden Aufgaben verteilt, gibt es regelmäßige Team-Besprechungen, welche Entscheidungen wirst du auf deiner Job-Spielwiese selbst treffen können?

4. Starrer Interview-Prozess oder echt gutes Gespräch?

Wirst du von Beginn an mit Fragen bombardiert, handelt es sich um ein einseitiges Interview in Form eines Frage-Antwort-Spiels oder entwickelt sich ein echter Dialog, bei dem beide Seiten Redeanteile besitzen? Hörst du gleich zu Beginn des Bewerbungsgesprächs die Ansage, dass du am Ende fünf Minuten Zeit haben wirst, um deine Fragen zu stellen, dann kannst du dir ziemlich sicher sein, dass dein Gegenüber der Ansicht ist, ein „Job-Interview“ zu führen, in dem es vor allem darum geht, dich als Bewerberin oder Bewerber auf Herz und Nieren zu prüfen.

Die Art der Gesprächsführung und insbesondere der Raum, der auch dir während des gesamten Gesprächs für deine Themen, Erfahrungen und Fragen gegeben wird, kann ein Indiz dafür sein, wie offen und wertschätzend im ganzen Unternehmen miteinander umgegangen wird. Auch hierfür wirst Du im Gespräch live vor Ort ein deutlich besseres Gefühl als im Video-Meeting entwickeln können.

Es kann jedoch auch sein, dass deine Gesprächspartner unsicher sind, einen guten Job machen möchten und daher selbst gedanklich mehr bei sich als bei dir sind – und so ebenfalls kein gutes Gespräch entstehen kann. Mein Tipp: Auch du in der Rolle der Bewerberin oder des Bewerbers kannst viel dazu beitragen, dass aus einem anfänglich steifen Interview ein gutes Gespräch wird. Stelle alle Fragen, die dir wichtig sind, sage deine Meinung zu den Themen, die gerade auf dem Tisch liegen und interessiere auch dich neugierig für die Menschen dir gegenüber sowie für die Erfahrungen und Geschichten aus ihrem Joballtag.

Ist es das oberste Gebot für deine Gesprächspartner, den vorgegebenen Prozess einzuhalten, dann könnte auch dies ein Hinweis darauf sein, dass im Rest des Unternehmens Standardprozesse, Regeln und Perfektion an der Tagesordnung sind. Auch hier gilt: Kann, muss es aber nicht! Vielleicht ist den Personalentscheidern eine gerechte Bewertung aller Kandidaten wichtig und sie halten sich daher an ein standardisiertes Interview oder aber sie müssen pflichtbewusst von oben definierte Regeln  im Bewerbungsprozess einhalten. Dennoch bin ich der Meinung: Wer nach Schema-F nur Standardfragen im Vorstellungsgespräch abfeuert, der wird auch nur auswendig gelernte Standardantworten erhalten. Es ist weder eine gute Methode, um Bewerber mit ihrer Persönlichkeit kennenzulernen, noch hinterlässt es ein gutes Gefühl bei Jobwechslern, in diesem Unternehmen als Mensch wirklich willkommen zu sein.

Hast du vielleicht im ersten Bewerbungsgespräch per Video-Call das Gefühl, dass alles sehr strukturiert und nach Plan verläuft, so bietet dir ein Vorstellungsgespräch live vor Ort noch einmal einen zweiten Eindruck. Zählt auch hier mehr die strenge Einhaltung von Prozessen, denn „so läuft das bei uns immer ab“, dann kannst du dir vorstellen, wie es dort unter Kollegen und erst recht in bereichsübergreifenden Projekten zugehen wird. Hast du hingegen das Gefühl, dass sich deine Gesprächspartner auf dich einstellen und einlassen sowie flexibel auf deine Themen und Fragen reagieren, dann macht euch dieses persönliche Gespräch nicht nur deutlich mehr Freude, sondern dann ist dies auch ein Indiz dafür, dass das gute Gespräch mit dir wichtiger als die Einhaltung von Standards und Vorschriften ist.

5. Distanziertes Schauspiel oder herzliches Willkommen?

Jeder Video-Call ist ein Gespräch auf Distanz. Auch wenn sich viele von uns in den letzten Monaten daran gewöhnt haben, andere Menschen nur virtuell zu sprechen, bleibt die Distanz. Im Vorstellungsgespräch vor Ort bist du näher dran und was vielleicht im ersten Zoom- oder Teams-Meeting auf Distanz noch steif und unpersönlich wirkte, kommt im persönlichen Gespräch womöglich menschlicher und herzlicher rüber.

Achte bewusst hierauf und vielleicht gelingt es dir sogar, beide Gesprächssituationen miteinander zu vergleichen. Hast du auch persönlich vor Ort noch das Gefühl, guten Schauspielern gegenüberzusitzen, die professionell ihre einstudierten Texte aufsagen, dann wirf auch hierbei einen bewusst tieferen Blick ins Unternehmen hinein. Überlege dir, welche Fragen du noch stellen kannst, die dir Hinweise auf die Unternehmens- und Arbeitskultur geben könnten und vielleicht gelingt es dir ja auch durch deine eigene Haltung, dass dein Gegenüber seine Maske ablegt und so das Gespräch an Menschlichkeit und Leichtigkeit gewinnt.

Ein Bewerbungsgespräch war gut, wenn im Anschluss deine Gesprächspartner das Gefühl haben, dass sie soeben ihre/n neue/n (… hier kannst du den Job-Titel einsetzen …) und sympathische/n Kollegen/in kennengelernt haben. Gehe nicht als Bewerberin oder Bewerber in ein Vorstellungsgespräch, sondern als potenzielle neue Kollegin oder neuer Kollege.

Deine Entscheidung mit Bauchgefühl & Kopfverstand

Ich habe es als Coach selbst in den letzten Monaten deutlich erlebt: Sitzen mir meine Klientinnen und Klienten persönlich im Büro gegenüber, dann nehme ich sie viel umfassender wahr und wir arbeiten auf einer intensiveren zwischenmenschlichen Ebene. Ich kann andere Impulse geben, wenn ich einem Menschen in seiner Gänze mit Mimik und Gestik begegne, anstatt uns beide gefühlt durch ein winziges Kameraobjektiv quetschen zu müssen. Das Kennenlernen und die Arbeit mit meinen Klienten verläuft persönlich vor Ort intensiver – auch wenn sich natürlich methodisch und technisch heute sämtliche Coaching Inhalte auf Online-Tools übertragen lassen.

Nutze auch du das Vorstellungsgespräch live vor Ort ganz bewusst, um dir einen guten Gesamteindruck zu verschaffen. Es geht nicht nur um das Abhaken einer Traumjob-Checkliste in deinem Kopf, sondern auch um dein persönlich gutes Bauchgefühl. Du wirst dann eine gute Jobentscheidung treffen, wenn sich dein Bauch und Kopf einig sind.

Bewerbungsgespräche bedeuten für dich als Jobwechslerin oder Jobwechsler so viel mehr, als nur Werbung für dich zu machen. Sie bieten dir die Chance, Bauch und Kopf mit möglichst vielen Eindrücken, Emotionen und Informationen zu füttern. Je intensiver du hinschaust und hinterfragst sowie auch selbst Klarheit über dich und deine beruflichen Werte und Ziele schaffst, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in den nächsten Jahren wirklich passt. Vielleicht wird dir das nächste Vorstellungsgespräch als persönliches Kennenlernen so ja sogar richtig Freude machen?

* * *

Welche Unterschiede erlebst du als Bewerberin oder Bewerber zwischen einem Vorstellungsgespräch per Video-Call und einem persönlichen Kennenlernen vor Ort? Ist dir das persönliche Gespräch wichtig oder würden dir weiterhin ausschließlich virtuelle Gespräche ausreichen? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen sowie Meinungen zum Thema unten in den Kommentaren. 

Ich freue mich, wenn Sie diesen Beitrag in Ihren Netzwerken teilen.

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Themen rund um die Karriereplanung und berufliche Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich bin SPIEGEL-Kolumnist, XING Insider (Auszeichnung als "XING Top-Mind") sowie Co-Autor des Buchs "Besser arbeiten".

Weitere Beiträge zum Thema:

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Guten Tag.

    Unabhängig vom Anlaß empfinde die ganze Video-konferiererei als extrem stressig. Denn ich muß mich nicht nur um den Gesprächsanlaß, die Inhalte des Gesprächs und mein Auftreten kümmern, sondern auch noch darum, ob die Technik funktioniert und ich im Bild bin. Schon letzteres kann bei einer miesen Bandbreite ein Problem sein und dann kriegen die Gesprächsparter von mir kein Bild oder ein eingefrorenes oder die ganze Verbindung brich zusammen.

    Da haben wir dann noch gar nicht über gute Ausleuchtung und Positionierung im Bild gesprochen. Nicht jeder hat den Platz oder das Equipment für ein Minifernsehstudio. Es soll auch Familienmitglieder geben, die irgenwann meutern, wenn mal wieder alle Nacht- und Schreibtischlampen entwendet wurden. Als nächstes dann die Frage ob man häßliche Mickeymäuse auf dem Kopf hat oder einen schlechteten Ton in Ein- und Ausgabe. Auch das passende Mikrofon will klug ausgewählt sein und die auf Gaming oder Wagner ausgelegten Lautsprecher sind für Gespräche auch eher Suboptitmal.

    Nicht jeder hat privat ein Top modernes Equipment. Ich benutze meinen Computerkram, bis kein Programm mehr läuft oder bis zu Exitus. Sollte man nicht wechseln, sondern gekündigt worden sein und die Segnungen von Hartz IV genießen, sind 100 – 1000 Euro mal eben für passende Hardware auch nicht drin.

    Es soll Erwachsene geben, die am heimischen Computer ganz ohne Mikrofon und Lautsprecher ausgekommen sind. Wohl dem, der einen Jugendlichen zu Hause hat dessen Equipment man entwenden kann. Oder man führt das Vorstellungsgespräch gleich mit Postern von Pokemons, Mangas, irgendwelchen Girlies oder Gansterrappern im Hintergrund aus dem Zwinger des Pubertiers. Ins Vorstellungsgespräch hinein pingen dann die Discord-Meldungen irgendwelcher Kumpels des Pubertiers. Nein, Discord lässst sich nicht einfach abstellen, Discord ist ein Virus.

    Außerdem verwedet jedes Unternehmen eine andere allein seelig machende oder total sichere Software für Videokonferenzen. Ich hatte am Ende der Lockdown-Ära fünf verschiedene Videokonferenz-Programme auf meinem Computer und 3 fürs Gaming, die man zur Not auch für Videokonferenzen verwenden kann. Dann gibt es ja auch noch die Webanwendungen. Man hat bei einer beruflichen Konferenz ensthaft Discord zur Wahl gestellt. Dazu kommen 3 Apps auf meinem Smartphone.

    Ich bin vor Vorstellungsgesprächen ziemlich aufgeregt. Da kann ich es wirklich nicht brauchen, während der Termin immer näher rückt, Technik zu installieren, zu prüfen, den zu Fehler zu suchen, mich schick zu machen, zu erleben, dass die Technik doch nicht funktioniert, herauszufinden, daß meine Spezifkationen inkompatibel mit den des Gesprächspartners sind, herauszufinden, wie man das Problem behebt und das Problem zu beheben, während sich das Zeitfenster schließt, weil der Gesprächspartner gleich den nächsten Call hat. Am Ende hat man dann von 30 Minuten 5-10 in hektischer Atmosphäre gesprochen.

    Da setze ich mich lieber maskiert und mit Handschuhen hinter eine Plexiglasscheibe in einen großen Konferenzraum und muß halt etwas lauter reden. gerade in der warmen Jahreszeit könnte man sich ja auch irgendwo draußen treffen oder man führt das gute alte Telefonat. Gern auch als Konferenz. Aber dann bitte ganz normal über die Telefonleitung und die Konferenzfunktion, die jeder Personaler an seinem Telefon hat, weil es seit Jahrzehnten keine Telefonanlage gibt, die das nicht kann.

    Videokonferenzen haben sicher Ihre Berechtigung in einem professionell betreuten Firmen-IT-Umfeld. Die vergangenen 1,5 Jahre haben sicher auch dazu geführt, das Thema Videotelefonie einerseits aus den Nischen großer Videokonferenzanlagen und irgendwelcher Technikliebhaber in die Masse der Benutzer zu holen. Aber man sollte sich hüten, die notwendigen Vorraussetzungen bei Prvatanschlüssen vorauszusetzen. Die private Harware braucht da noch 1-2 Jahre und die öffentlich Infrastuktur 5-10 Jahre.

  2. Ich bevorzuge immer das persönliche Gespräch vor Ort, ob in Corona-Zeiten oder nicht.
    Hier kann ich wie in Ihrem Artikel beschrieben, mir eine Meinung und Eindrücke holen wie die Lage/Stimmung vor Ort ist. Für mich ist auch wichtig, wie wirken die Mitarbeiter auf mich, wie gehen sie miteinander um, wie wird mir entgegen getreten, welches Gefühl habe ich dabei. Leider habe ich schon mal die Erfahrung gemacht, Vorstellungsgespräche nur per Telefon zu führen, ohne Videocall, das fand ich nicht so gut, weil ich mir keinen Eindruck der Personen auf der anderen Seite machen konnte. Nett am Telefon ist jeder, ich sehe aber nicht die Mimiken und Gesten der Einzelnen. Wie sie auf mein Gesagtes reagieren. Auf meine Frage und Bitte hin, ob ich vor Ort ein Gespräch führen könnte, wurde dies leider immer abgelehnt. So kam es dann nach meinem Start, dass ich nach 3 Monaten feststellte, dass für mich der Arbeitsplatz dort nicht passt, weil ich mich nicht wohl fühlte. Wäre ich vor Ort gewesen, hätte ich das gemerkt bzw. ansprechen können.
    Diese Erfahrung hat mich geprägt und wenn ich wieder in so einer Situation wäre, würde ich auf ein Gespräch vor Ort bestehen, falls der Arbeitgeber nicht mitmachen würde, wäre das für mich ein No Go! Bei anderen Arbeitgebern wurde mir eine Arbeitsplatzbesichtigung schon vor Ort im Gespräch angeboten. Das ist ein gutes Zeichen, denn die Firma hat nichts zu verbergen.

  3. Hallo,

    Also ich muss sagen, dass ich fürs erste Vorstellungsgespräch und zum ersten Kennenlernen eine Videokonferenz ganz praktisch finde. Zum einen, dass ich nicht unbedingt unzählige Kilometer fahren muss, um vor Ort zu sein und zum anderen, dass es absolut ausreichend ist, sich einen ersten Eindruck von der/den Person/en verschaffen zu können – funktionierende Technik vorausgesetzt.
    Sehr wichtig ist aber dennoch eine Einladung zu einem zweiten Gespräch vor Ort. Mimik ohne Gesrik allein und die Freiheit sich auch etwas bewegen zu können, geben einem ein ganz anderes Gefühl, als nur die Bilder der Person/en auf dem Bildschirm anzuschauen und man dabei nicht einmal in die Kamera sieht, was meines Erachtens sehr unschön ist.

    Ich denke man begreift recht schnell, ob die Person/en, die einem gegenüber sitzt/en, einfach in Ordnung sind und man im Gespräch einen gewissen Fluss und das Gefühl der gleichen Wellenlänge erreicht hat.
    Wir sind alle nur Menschen und ein gutes soziales Arbeitsumfeld mit Spaß bei der Arbeit sind unabdingbar… Ein Abchecken der Örtlichkeiten, der Stimmung vor Ort, das Verhältnis der Mitarbeiter untereinander, ist schnell wahrzunehmen und hilft einem bei seiner Entscheidung bei einem Unternehmen einen Großteil seines Tages zu verbringen oder sich lieber weiterzubewerben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.