Business Mann Sitzt Auf Bombe

Weiterbildung: Karriereturbo oder Selbstsabotage?

Weiterbildung boomt. Die Sorge von Angestellten vor in Zukunft nicht ausreichender Qualifikation übersteigt heute die Angst vor dem Jobverlust, so eine aktuelle Studie. Lebenslanges Lernen erlebt in Zeiten der Digitalisierung einen massiven Aufschwung. Ja, keine Frage, Bildung ist wichtig für die individuelle Entwicklung und persönliche Motivation sowie als Wachstumsmotor unserer Volkswirtschaft. Doch manchmal erscheint mir der Wunsch nach Weiterbildung mehr als Selbstsabotage und Ausrede, keine Entscheidung  treffen oder nichts verändern zu müssen. Wann Weiterbildung Ihrer Karriere sogar schaden kann und 5 Schritte, wie Sie Ihre nächste Weiterbildung zielorientiert planen.

4 Gründe für Weiterbildung, die Ihrer Karriere schaden können

„Ich muss das machen!“ – Weiterbildung aus Erwartung

Ich erlebe diesen Wunsch nach Weiterbildung bei Menschen, denen es extrem wichtig ist, was ihr Umfeld von ihnen denkt. Auf der unbändigen Suche nach Anerkennung versuchen sie, diese durch fortwährende Ansammlung von Wissen zu erkaufen. Sie vergleichen und messen sich mit anderen Personen – und Sie vergessen dabei sich selbst. Das eigene Glück wird abhängig gemacht von der Erfüllung der Erwartungen anderer.

Ich bin der Meinung, dies ist keine gute Motivation für Weiterbildung. Denn die Gefahr ist groß, dass Sie dabei weniger Ihre eigenen Ziele verfolgen, sondern mehr die auf Sie projizierten Ziele und Erwartungen Ihrer Eltern, des Partners, des Chefs, der Kollegen oder Ihrer Freunde.

Es kann natürlich sinnvoll sein, etwa die Erwartungen des eigenen Chefs zu erfüllen und hierfür Weiterbildungen zu besuchen. Doch sobald dies zur Gewohnheit wird und Sie die eigenen Ziele aus dem Blick verlieren, kann dies ihre berufliche Entwicklung in eine Richtung führen, die nicht mehr Ihrem eigenen Weg entspricht.

„Mehr Wissen macht mich erfolgreicher!“ – Weiterbildung als „Droge“

Diesen Satz erlebe ich besonders bei sehr zielorientierten, erfolgshungrigen Angestellten und Führungskräften. Sie kämpfen sich erst durch die härtesten Studiengänge an den Elite-Universitäten, später im Job büffeln sie sich abends und am Wochenende durch die Weiterbildungen, die man heute einfach braucht, um steil Karriere zu machen.

Es darf nicht leicht sein! Diesen Glaubenssatz haben viele dieser Personen tief verinnerlicht, wenn sie am Ende ihrer Kräfte zu mir kommen und erklären: „So kann es einfach nicht weiter gehen!“

Karriere Besessene bemerken schnell, dass sie jedes Plus an Wissen immer ein Stückchen erfolgreicher macht. In Maßen stimme ich dieser Logik natürlich zu. Doch in dem Moment, wenn Bildung chronisch zur Erfolg versprechenden „Droge“ wird und immer stärker dosiert wird, ist sie so ungesund, wie jede andere Sucht auch. Darf Weiterbildung eigentlich auch Freude machen?

„Es reicht noch immer nicht!“ – Weiterbildung als Erlaubnis

Dieser Satz ist sehr beliebt bei Menschen, die mit einer Veränderung liebäugeln. Sie haben ständig das Gefühl, dass ihr Wissen noch nicht ausreichend ist, um Entscheidungen zu treffen und Veränderungen konsequent umzusetzen.

Zukünftige Führungskräfte, die überzeugt davon sind, erst noch diese und jene Seminare besuchen zu müssen, bevor sie sich selbst die Erlaubnis geben können, Mitarbeiter führen zu dürfen.

Oder Personen, die den Schritt in die Selbständigkeit gehen möchten. Sie haben schon etliche Aus- und Weiterbildungen erfolgreich abgeschlossen, doch alles das reicht für sie noch nicht, um endlich mit eigenen Produkten oder Dienstleistungen auf den Markt zu gehen und für Kunden sichtbar zu werden. Ein nicht genügen, hinter dem oftmals die Angst vor dem Scheitern steckt. Entscheiden Sie, wann Sie sich die Erlaubnis geben, dass es reicht.

„Ich habe doch keine Chance!“ – Weiterbildung aus Verzweiflung

Viele Bewerber denken so, wenn sie bereits einige Absagen erhalten haben und das Selbstbewusstsein sinkt. Sie belegen (irgendwelche) Weiterbildungen, um Aktivität zu beweisen oder sind der Meinung, dass zusätzliches Wissen sowie weitere Abschlüsse und Titel nicht schaden können und ihren Wert im Bewerbermarkt steigern.

Natürlich sind Fachwissen und Abschlüsse gut, um die Chancen als Bewerber oder Jobwechsler zu erhöhen. Doch Weiterbildung ist vor allem dann sinnvoll, wenn sie auf ein konkretes Ziel einzahlt. Mangels klarer Ziele aus bloßer Defizit-Orientierung verzweifelt irgendetwas zu tun, ist nicht sinnvoll.

Hinzu kommt: Viele Jobwechsler fokussieren sich zu sehr auf vermeintlich fehlendes Fachwissen, ohne die oftmals jahrelange Berufserfahrung sowie ihre persönlichen Talente und Stärken selbst wertschätzen zu können. Die weitere Ansammlung von Fachwissen ist aus meiner Erfahrung jedoch selten der Schlüssel für eine erfolgreiche Bewerbung.

Weiterbildung: In 5 Schritten zu mehr Klarheit

1. Persönliche Ziele klären

Werden Sie sich bewusst darüber, was Ihre (!) Ziele im Beruf und im Leben sind. Hier geht es nicht um weg von, also Vermeidung oder Flucht, sondern um hin zu, also um Annäherung. Ich bin kein Freund von langfristiger Karriereplanung. Schaffen Sie Klarheit über die nächsten Schritte im Beruf und wohin sie Sie führen sollen.

Weiterbildung, um von etwas weg zu kommen, ist kein sinnvolles Ziel. Weiterbildung sollte Sie immer hin zu etwas führen, das Sie erreichen möchten.

2. Vorhandene Kompetenzen wertschätzen

Machen Sie Inventur! Schreiben Sie alles auf, was Sie an erlerntem Fachwissen, an Berufserfahrung, an Kompetenzen und Talenten sowie auch an persönlichen Stärken und Verhaltensweisen vorweisen können, die Sie auszeichnen.

Viele Jobwechsler haben nur ihr Fachwissen und die Berufserfahrung im Blick. Dabei ist da so viel mehr, das Sie ausmacht und was Sie für Ihre nächsten Schritte im Beruf nutzen können.

Weiterbildung, die nur weiteres Wissen und Methoden anhäuft, greift in unserer heutigen Arbeitswelt zu kurz. Denken Sie auch an Soft-Skills oder Ihre Haltung etwa als Führungskraft.

3. Lücken für Ziele identifizieren

Bringen Sie nun die Kompetenzen und Stärken in Bezug zu Ihren Zielen. Was fehlt Ihnen konkret, um etwa als Bewerber für bestimmte Zielpositionen attraktiv zu sein? Vielleicht sind es Sprachkenntnisse für eine neue Position im internationalen Vertrieb, vielleicht ist es ein Kurs „Social Media“ für die Leitung der Pressestelle, vielleicht eine Fortbildung „Projektmanagement“ für den Wechsel von der Führungskraft zum Projektleiter.

Sofern Sie Weiterbildung nicht als Spaß und Hobby betrachten, sollte sie immer auf ein konkretes Ziel einzahlen. Ansammlung von Wissen ohne Sinn und Verstand macht Sie als Bewerber un(be)greifbar und lässt Sie womöglich sogar verzweifelt wirken.

4. Anbieter wählen und Maßnahmen planen

Gibt es mehrere „Lücken“, die Sie zukunftsorientiert schließen möchten, sollten Sie priorisieren und die einzelnen Maßnahmen planen. Von mehreren Weiterbildungen parallel halte ich wenig. Es geht nicht darum, dass Sie sich möglichst viel in kürzester Zeit ins Hirn schaufeln. Sie betreiben Weiterbildung ja nicht ausschließlich zur Zertifikate-Sammlung, oder?

Weiterbildungsanbieter gibt es viele. Vielleicht hat Ihr Arbeitgeber auch einen Pool bevorzugter Kooperationspartner oder sogar eigene Trainer oder Coachs. Überlegen Sie, welche Form der Wissensvermittlung oder Begleitung in einem Veränderungsprozess sowie welche Anbieter hierfür für Sie in Frage kommen und vergleichen Sie deren Angebote, was Umfang, Vorgehen, Inhalte, Dauer und Kosten betrifft.

Viele Angestellte wünschen sich heute mehr Freiheit und Unterstützung bei der Auswahl ihrer Fort- und Weiterbildungen, statt Standard-Seminare von oben auferlegt zu bekommen. Haben Sie einen für Sie passenden Anbieter gefunden, dann arbeiten Sie einen Vorschlag für Ihre Führungskraft und HR aus, warum diese Weiterbildung für Sie, Ihre Position und Ihre Entwicklung im Unternehmen nützlich ist.

5. Entscheidung treffen

Wenn Sie es bis hierher geschafft haben, dann verharren Sie jetzt nicht in „Man müsste mal …“, sondern treffen Sie Entscheidungen. Die Entscheidung, selbst eine Weiterbildung bei einem bestimmten Anbieter zum passenden Zeitpunkt zu buchen oder die Entscheidung, mit Ihrem Vorgesetzten oder mit HR über Ihren Weiterbildungswunsch zu sprechen. Vielleicht auch die Entscheidung, zuerst weitere Informationen einzuholen oder daran zu arbeiten, mehr Klarheit über Ihre eigenen beruflichen Ziele und die nächsten sinnvollen Schritte zu erlangen.


Am 17. und 18. März findet in Düsseldorf die myQ Messe für Weiterbildung und Entwicklung statt. Ich bin als Vortragsredner an beiden Tagen dort und freue mich, wenn wir uns sehen. Einige Freikarten stehen mir noch zur Verfügung. Schreiben Sie mir eine E-Mail oder eine Nachricht über XING und Sie erhalten kostenlosen Eintritt zur Messe.

 

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare
  1. Grundsätzlich bin ich bei Ihnen.
    Weiterbildung macht nur Sinn, wenn es einen selbst weiter bringt.
    In den seltesten Fällen (zumindest bei mir) hat ein Arbeitgeber etwas davon gestartet, angeboten oder auch nur bezahlt.
    Auch der Glaube, dass Weiterbildung vom Arbeitgeber irgendwie positiv berücksichtigt wird, habe ich noch nicht erlebt. Mehr Geld, Sicherheit oder Ansehen hat es selten gebracht. Meißt hörte ich nur sinngemäß: „Ist ja schön, dass Sie das gemacht haben, aber wir brauchen das nicht.“ Was nur bedeutet, „wir wollen das nicht bezahlen/gehaltsmäßig berücksichtigen“.
    Mitunter kann es sogar nach hinten losgehen, weil die Weiterbildung zu anstrengend ist oder Zeit erfordert, kommt es zu Leistungseinbrüchen am Arbeitsplatz. Oder Prüfungen werden nicht bestanden. Auch das kann beim Arbeitgeber schlecht aufgenommen werden.

    Gut, jetzt kommt wahrscheinlich der Einwand, dann solle man doch lieber den Arbeitgeber wechseln. Das ist aber nicht so einfach, wie es sich schreibt.

    Egal wie, in meinem Beruf stellt sich die Frage ob oder ob nicht überhaupt nicht. Und ich habe auch nie einen Arbeitgeber gefragt. Ich muss mich ständig weiterbilden. Erstens, weil sich immer alles im Fluss befindet und ich auf den Stand von Wissenschaft und Technik arbeiten muss und zweitens, weil es mich einfach selber interessiert.

    Was die Anbieterauswahl angeht, ist das fast schon Glückssache. Erst, wenn man an den Veranstaltungen teilnimmt, weiß man, ob man den richtigen Veranstalter erwischt hat oder nicht. Der Markt ist einfach unüberschaubar geworden. Hauptsächlich schaue ich nach den Abschlüssen. Sind diese anerkannt ode nicht? Irgendwelche „Zertifikate“ von unbekannten Veranstalten sind meißt nichts wert. -Das bezieht sich jetzt nicht auf den Inhalt der Veranstaltung. Der kann wirklich gut sein.- Da muss dann jeder selber entscheiden, ob es ihm das wert ist.

    Und Weiterbildung muss nicht nur berufsgebunden sein. Manchmal lerne ich einfach nur Inhalte, weil es mich gerade anspricht. Lernen ohne Spaß/Interesse am Inhalt ist eine Qual und wird auch nichts bringen.

    1. Lieber Herr Ende,
      was Sie schreiben, klingt nach grausamer Praxis und ich vermute, dass es nicht viele Arbeitnehmer gibt, die derart intrinsisch motiviert sind für Neues sowie echtes Interesse an Themen haben. Den unüberblickbaren Dschungel an Weiterbildungsanbietern unterschreibe ich, das ist fast so wie im Coaching-Markt ;-) Umso wichtiger doch eigentlich, dass der Arbeitgeber auch hier in Zukunft stärker als interner Dienstleister zum Berater der Mitarbeiter wird, ohne es besser zu wissen und Angebote von oben „zu verkaufen“. Danke wieder einmal für Ihre Erfahrungen und Meinung.
      Viele Grüße,
      Bernd Slaghuis

  2. Spannende Perspektive: Kontraproduktive Weiterbildung. Habe ich auch oftmals erlebt, dass Kunden mit einer frischen, fertigen Weiterbildung zum Staatlich geprüften Techniker überhaupt nicht adäquat reinkommen und dann doch als gewerbliche Fachkraft weiterarbeiteten.

    Wichtig ist m.E. Absolventen entsprechender Weiterbildungen zu befragen und zu hinterfragen. Nach dem Motto: „Rede mit Menschen, die den Weg erfolgreich (oder nicht) beschritten haben“. Parallel kann ich zum Beispiel bei XING oder Linkedin nach erfolgreichen Absolventen entsprechender Weiterbildungen recherchieren. Dann bekommen ich ein Gefühl dafür, ob sich der Aufwand an Zeit, Kosten und Energie für die geplante Weiterbildung lohnen könnte.

    Dazu und wie man sonst die richtige Weiterbildung findet, hatte ich mal bei uns im Karriereblog etwas geschrieben http://www.lvq.de/karriere-blog/2016/08/18/wie-finde-ich-die-richtige-weiterbildung-tipps/

    Jedenfalls macht es immer Sinn, sich auf Weiterbildungsmessen mit Anbietern zu unterhalten und nebenbei noch informative Vorträge zu hören (wir sehen uns auf der myQ!).

    1. Hallo Lars, danke für Deine Tipps aus der Praxis und ja, „systematisch Kaffeetrinken“ und gute Recherche-Arbeit sind sehr gute Ideen und nützlich bei der Suche nach der richtigen Weiterbildung und dem passenden Anbieter. Ich freue mich auf unseren Kaffee am Freitag auf der Messe ;-)

  3. „Sie betreiben Weiterbildung ja nicht ausschließlich zur Zertifikate-Sammlung, oder?“. Den Satz würde ich so nicht unterschreiben. Denn in den meisten Fällen, wenn ich eine „Weiterbildung“ mache, ist genau das das einzige Ziel.
    Ich bin Autodidakt. Ich bilde mich kontinuierlich in allen möglichen Dingen weiter (gehört nunmal zu meinem Job). Nur – mein Wissen muss dokumentiert, zertifiziert und mit schwarzen Buchstaben auf weissem Papier niedergelegt sein, damit es nicht als Übertreibung daherkommt.
    Genau das wurde mir schon von einem Headhunter und mehreren Personalern vorgeworfen, als ich die Frage nach meinen Kenntnissen wahrheitsgemäss beantwortet habe.
    Dabei ist es bei meinem Berufsstand (Technischer Redakteur) vollkommen Usus ein breit gefächertes Wissen anzuhäufen – zumal die meisten Kollegen ebenso wie ich als Quereinsteiger mit einiger Berufserfahrung in diesen Job gestartet sind.
    Aber so ist es eben im deutschsprachigen Raum – hast du keinen Zettel, wo draufsteht was du kannst, kannst du es auch nicht.

    1. Ja, leider ist da was wahres dran. Ich habe auch schon mal zu Beginn meiner Schulung zum staatlich geprüften Techniker dementsprechend geantwortet. Damals fragte ein Lehrer, warum wir das dann machen wollen. Da kammen Antworten wie
      – mehr Geld,
      – interessantere Aufgaben,
      – Beförderung.
      Meine Antwort war schlicht und einfach: „Weil ich den Zettel brauche.“
      Deutschland ist ein Land der Zettel und Zeugnisse. Du kannst so schlecht sein, wie du willst. Hauptsache, du hast gute Zeugnisse. Dann wirst du auch eingeladen zu Vorstellungsgesprächen. Hast du keine Zeugnisse, bekommst du nur Absagen.
      Was aber nicht bedeutet, dass man von den Schulungen nichts hat.
      Und, willkommen im Club. Bin auch Technischer Redakteur

      1. Hallo Herr Ende,
        interessant, das mit den Zeugnissen/Zertifikaten und deren Relevanz für Bewerbungen sehe ich anders. Ich beobachte a) dass sich viele Recruiter nicht die Zeit nehmen, sich die vielen Zeugnisse anzusehen (zumindest nicht in der Erst-Auswahl), immerhin investieren viele von ihnen gerade mal 5 Minuten in den ersten Check und b) dass zu viele „bunte“ Zertifikate eher abschreckend wirken. Wenn, dann geht es aus meiner Sicht bei z.B. Arbeitszeugnissen heute eher um Vollständigkeitsprüfung und „Häkchen dran“ als um die Inhalte darin.

        1. Hallo Herr Dr. Slaghuis,

          wenn bestimmte Qualifikationen gefordert sind und Sie den passenden Zettel nicht haben, macht sich kein Personaler mehr weiter Arbeit mit den Unterlagen. Warum auch? Sicherlich wird das nicht um den Inhalt gehen. Aber es geht um Haben und ist der Aussteller bekannt. Das fällt unter Ihre Aussage mit dem „Häkchen dran“.

          Weiterhin sind Zeugnisse und Zertifikate auch Nachweise bei ERA-Einstufungsgesprächen. Da heißt es dann auch gerne mal „Tut uns ja leid, aber wir können Sie nicht höher einstufen, da Sie die Qualifikation nicht nachweisen können.“ Und das, obwohl bei ERA auch immer steht „vergleichbare Qualifikation“.
          So zumindest meine Erfahrung.

          Vor 15-20 Jahren wurde man noch eingeladen, auch wenn man die Qualifikation nicht nachweisen konnte. Doch heute, wo auf eine Stelle teilweise mehr als 100 Bewerber kommen, besteht da kaum ein Möglichkeit zu.

  4. Ich kann dem Gesagten nur zustimmen. Weiterbildung macht sehr viel Sinn, wenn sie sich an fachlichen und persönlichen Zielen und einem inneren Verständnis für die eigenen Motivationen und Bedürfnisse orientiert. Sie sollte massgeschneidert sein. Diese Vorarbeit quasi eines inneres, persönlichen Briefings als Basis für die Auswahl der „Massnahmen“ ist sehr hilfreich und „50% eines späteren Erfolges und Sinnhaftigkeit“.
    Leider haben das in der Regel die Menschen Menschen nicht gelernt, aber mit guter Unterstützung eines Sparringspartners schafft es jeder.
    In vielen Führungsetagen und Personalabteilungen weiss man darüber noch viel zu wenig, natürlich auch, weil das Nachgesagte keine Hierachie kennt, sondern für uns fast alle gilt.

    Gerne würde ich deshalb noch folgendes ergänzen. Wie im Artikel auch immer wieder erwähnt, ist es extrem hilfreich als Basis etwas tiefgründigeres für sein „Selbst-Verstehen“ zu tun.

    Wer bin ich? Was und wer treibt mich eigentlich wirklich an bei dem , was ich mache? Wonach bin ich wirklich auf der Suche.

    Ich erlebe öfter, dass hinter einem Weiterbildungs-, Zertifikats- und Seminaraktivismus ( auch bei Therapeuten und Coaches) hintergründig etwas ganz anderes steht. Der Aktivismus ist lediglich ein Symptom, eine Täuschung.
    Denn dahinter steckt möglicherweise eine „Überlebens-Strategie“, die mich schützen soll, wirklich über die Themen nachzudenken und mich in diese hineinzufühlen, die relevant sind.

    Diese Strategien (die wir ja unbewusst fast alle haben, je nachdem , was , wann in unserer Entwicklung suboptimales passiert ist) verhindern, dass ich meine wirkliche Identität und meine wirklichen Bedürfnisse erforsche und auf dieser Basis ein starkes Ich entwickele, welches weiss, was es will und warum und auch entsprechend entscheiden kann.

    Ich habe oft erlebt, dass , wenn sich jemand darauf einlässt, die nächsten Schritte zur Berufswahl, einer Jobänderung aber auch zur Weiterbildung sich anders und vor allem nachhaltiger entwickelen als vorher. Oder falls, sie sich bestätigen diese noch mehr Energie und ein Gefühl für Selbstwirksamkeit entwickeln.

  5. Hi Bernd,
    für mich hat Weiterbildung viel mit Weiterentwicklung zu tun. Es geht nicht darum Wissen anzuhäufen, sondern auch Wissen miteinander zu verknüpfen und neue Erkenntnisse für sich selbst zu haben.

    Weiterbildung sollte Spaß machen und Anwendung im Alltag finden.
    Liebe Grüße
    Silvia

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