Blog Veraenderung Nein

Weiter so! Mein Plädoyer gegen Veränderung.

Wer in seinem Leben etwas verändern möchte, sollte diesem Wunsch nachgehen. Oft glauben Menschen, Sie müssten etwas verändern, doch bei genauerem Hinsehen verbergen sich hier ganz andere, unterschiedliche Motive. Veränderung ist nicht immer eine Lösung. Warum es auch richtig und gut sein kann, einen einmal eingeschlagenen Weg weiter geradeaus zu gehen. Mein Plädoyer gegen Veränderung.

Wer mit einer bestimmten Situation in seinem Leben unzufrieden  ist, sollte etwas daran verändern. Steve de Shazer, Mitbegründer der lösungsfokussierten Kurztherapie sagte:

[Tweet „“Wenn etwas nicht funktioniert, höre damit auf und probiere etwas anderes.“ (Steve de Shazer)“]

Jede Veränderung bietet neue Chancen und erweitert den eigenen Handlungsspielraum. Wir lernen durch Neues dazu und können uns so fachlich und persönlich weiterentwickeln.

Doch welche Motivation steckt im Einzelfall hinter einem Wunsch zur Veränderung? Unsere eigene oder die der „Gesellschaft“, unserer Familie, Partner, Freunde, Kollegen oder Chefs? Häufig glauben andere Menschen in unserer Umgebung genau zu wissen, dass uns eine Veränderung gut tut. Sie schlagen uns vor, dieses oder jenes auszuprobieren. Sei es, weil sie selbst damit gute Erfahrungen gemacht haben und ihre Schlussfolgerung ist, dass dies sicher auch für uns gut ist. Oder weil sie sich selbst einen Vorteil aus unserer Veränderung versprechen.

Schaue ich durch die Presse oder auf die Karriere- und Jobseiten im Netz, wird schnell klar, dass nur Karriere macht, wer ständig neue Herausforderungen sucht, flexibel und anpassungsfähig ist und am besten noch seiner Zeit voraus ist. Was glauben Sie, wie es einem Menschen geht, der „einfach nur seinen Job machen möchte“?

Ja, es gibt sie. Die Menschen, denen Stabilität, Kontinuität und Sicherheit wichtig sind. Die eine klar definierte Aufgabenstellung bei der Arbeit schätzen und am liebsten jeden morgen 20 Akten zugeordnet bekommen, die sie bis zum Feierabend abarbeiten können. Herausforderungen gerne, aber nicht zu kompliziert.

Und um sie herum, die Welt, die sich rasant weiterdreht. Freunde und Kollegen, denen andere Werte wichtig sind. Für die Stillstand ein Rückschritt ist und die jeden Tag alle ihre Kraft einsetzen, um den Kollegen im Rennen um die nächste Beförderung zu überholen. Veränderung um jeden Preis. Wer nicht kämpft, verliert.

Und so sitzen mir regelmäßig Menschen gegenüber, die bereits lange über sich nachgeacht und viele verschiedene Handlungsalternativen im Gepäck haben. Es geht meist um einen nächsten sinnvollen Schritt im Beruf, einen Wechsel des Arbeitgebers oder um den Wunsch einer beruflichen Neuorientierung. Sie sind verunsichert, für welche der Optionen in ihrem Kopf sie sich entscheiden sollen. Sie haben Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Es werden ja schließlich die Weichen für die nächsten Jahre gestellt.

Wir blicken im Coaching gemeinsam auf die aktuelle Situation, arbeiten vorhandene Ressourcen und Stärken heraus und nehmen die eigenen Ziele für die Zukunft ins Visir. Wir hinterfragen die Motivation zur Veränderung. Was steckt tatsächlich dahinter?

Manchmal stellt sich heraus, dass die vermeintlich erwünschte Veränderung gar nicht mit den eigenen Werten und Zielen im Einklang steht. Es sind die Werte,  Ziele oder Vorstellungen von anderen, die hier übernommen wurden und nun verfolgt werden. Um zu gefallen. Oder ohne sich selbst ausreichend reflektiert zu haben. Und außerdem werden die anderen ja schon wissen, was gut ist. Und wenn es schief geht, bin ich auch nicht Schuld. Denkmuster, dir wahrscheinlich alle kennen.

Entscheidungen treffen und noch vielmehr deren Aufschieben stresst uns. Alleine der Drang und das Gefühl, unbedingt etwas verändern zu müssen, setzt viele Menschen unter Zugzwang und unter Druck. Dazu kommen die vielen möglichen Handlungsalternativen, die im beruflichen Kontext heute in Betracht kommen. Wie soll man sich da nur entscheiden! Und vor allem richtig entscheiden?!

Die Perspektive, die Notwendigkeit zur Entscheidung für eine Veränderung und die dahinter liegende Motivation noch einmal grundsätzlich infrage zu stellen, liegt oft weit im Abseits. Dafür beschäftigen sich meine Klienten schon viel zu lange mit dieser Veränderungsentscheidung, bis sie den Weg zu mir und damit Hilfe suchen.

Für mich steht in meiner Arbeit als Coach nicht die Veränderung ansich im Fokus. Wichtig aus meiner Sicht ist es, überhaupt eine Entscheidung zu treffen. Wird sie getroffen – für was auch immer – ist dies eine Lösung und oft eine große Erleichterung.

Wer bewusst die Entscheidung für sich trifft, im Moment alles beim Alten zu belassen, hat auch eine Lösung gefunden. Er kann seinen Entschluss dem Umfeld mitteilen. Es herrscht Klarheit in dieser Sache. Es ist beschlossen und gibt damit Sicherheit. Der Blick kann sich wieder auf andere Themen im Leben fokussieren.

Ja, Veränderungen sind wichtig für die eigene Weiterentwicklung. Die Entscheidung eines Menschen, dass eine Veränderung zum jetzigen Zeitpunkt nicht gut für ihn ist und der daraus abgeleitete Entschluss, den einmal eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, sollte auch respektiert und akzeptiert werden. Jeder weiß selbst, was gut für ihn ist, denn um mit Steve de Shazer auch zu schließen:

[Tweet „“Wenn etwas gut funktioniert, mache mehr davon.“ (Steve de Shazer)“]

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

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