Jobabsage Bewerbung

Passt nicht! Die respektlosesten Jobabsagen an Bewerber

„Danke für Ihre Bewerbung. Wenn Sie nichts mehr von uns hören, dann passte es nicht.“ Mit solchen Eingangsbestätigungen speist heute mancher Arbeitgeber seine Bewerber ab und spart sich selbst die Absage. Viele Jobsucher erzählen mir, dass sie oftmals auch gar keine Reaktion auf ihre Bewerbungen erhalten. Das ist nicht nur frustrierend, sie empfinden dieses Verhalten auch als respektlos. Es mögen hoffentlich die Ausnahmen sein, über die ich heute hier schreibe, doch meine Wahrnehmung ist, dass es sich um einen Trend handelt, der einer zunehmend dünneren Personaldecke in HR-Abteilungen sowie einem rein Kosten getriebenen Automatisierungsanspruch im Recruiting geschuldet ist. Wenn selbst die grundlegendsten Selbstverständlichkeiten in der Kommunikation und damit am Ende der Bewerber als Mensch auf der Strecke bleiben, dann ist das Gerede um Candidate Experience und Employer Branding nur heiße Luft. Doch vor allem führt es dazu, dass Unternehmen und Bewerber in Zukunft noch schlechter zueinander finden.

Herzlich Willkommen im Bewerbersystem!
Dein Live-Status: Passt nicht.

Was mir eine Bewerberin neulich berichtete, konnte ich kaum glauben. Sie hatte sich eine Stellenanzeige heraus gesucht, auf die sie aus ihrer Sicht super passte, was die Qualifikation, Berufserfahrung und ihre Persönlichkeit betrifft. Mehrere Tage hatte sie am Anschreiben gefeilt, es liegen und im Kopf weiter arbeiten lassen, wieder feingeschliffen, nochmal der besten Freundin gezeigt, über einige Formulierungen neu nachgedacht. Es sollte perfekt werden, denn Stelle und Arbeitgeber klangen verdammt attraktiv.

Über die Online-Stellenanzeige wurde sie auf eine externe E-Recruiting Bewerbungsplattform geleitet. Der Dienstleister dieser Software wirbt in Richtung Arbeitgeber mit Einfachheit sowie Zeit- und Kostenersparnis im Recruiting. Sie hat alle Felder ausgefüllt, ihr im Design mühsam gestaltetes Anschreiben-PDF als platten Text in ein Feld kopiert sowie Lebenslauf und Zeugnisse angehängt.

Bewerbung absenden. Das war am späten Nachmittag. Auf der Homepage des Softwareanbieters hat sie dann gelesen, dass das System auch eine Live-Auskunft des aktuellen Bewerbungsstatus bietet. Seit Einreichen ihrer Bewerbung waren gerade einmal drei Stunden vergangen, doch sie war neugierig. Sie ahnen vielleicht, was jetzt kommt ..? Das hier:

Passt-nicht-Bewerbung

Passt nicht. Ansprechpartnerin Jessica hatte entschieden. Ein Knopfdruck. Prozess beendet. Ja, keine Frage, dieses Tool spart wirklich Zeit und Kosten!

Passt nicht. Zwei Worte auf einem Fortschrittsbalken einer E-Recruiting-Plattform, die den Traum vom neuen Wunscharbeitgeber platzen lassen. Schnell. Transparent. Effizient.

Die Bewerberin schreibt mir, sie habe an diesem Abend Wut auf das Unternehmen empfunden. Und eigentlich ging es gar nicht mehr um die Absage selbst, sondern um die Art und Weise, wie sie von der Absage erfahren hat. Passt nicht – Nächster! – Keine Spur von einem Danke für Ihr Interesse am Unternehmen, die viele Arbeit und investierte Zeit für die Bewerbung.

Wenn Sie nichts von uns hören, dann passte es nicht

Gleich von mehreren Jobwechslern habe ich diese Recruiting-Praxis in den letzten Monaten gehört: Sie reichen ihre Unterlagen über die meist hauseigenen Bewerbungsportale ein und erhalten automatisiert und unpersonalisiert im nächsten Moment die Eingangsbestätigung. Das gibt Sicherheit, dass die Unterlagen übertragen wurden, wenngleich die namentliche Anrede doch eigentlich bei schlauer Gestaltung der Eingabemasken heute ein Klacks wäre.

Und jetzt kommt das wie ich finde Unfassbare. Die suchenden Arbeitgeber teilen den Bewerbern gleich in der automatisierten Eingangsbestätigung mit, dass, falls der Bewerber nichts mehr von dem Unternehmen hört, es nicht gepasst habe.

Wie bitte?! Ist eine Absage nach Prüfung der Unterlagen schon zu viel verlangt? Auch das ist nur ein Knopfdruck in einem gut programmierten Bewerbersystem mit standardisierten Textbausteinen. Ist es richtig, Bewerber über Wochen und Monate in unsicherer Wartehaltung zu parken? Wie lange ist denn „nichts von uns hören“, so dass Bewerber diese Bewerbung abschreiben können? Ich frage mich: Welchen Status haben Bewerber in solchen Unternehmen, die diese Praxis leben und stellen sich solche Arbeitgeber überhaupt die Frage, welche Emotionen sie mit ihrer Art der Kommunikation bei Bewerbern auslösen?

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Der dritte Fall, der nicht nur mangelndes echtes Interesse auf Unternehmensseite verdeutlicht, sondern auch etwas mit Respekt zu tun hat: Bewerber zeigen mir Listen mit Bewerbungen, die sie in den letzten Wochen verschickt haben, dahinter der aktuelle Status. In einer Übersicht eines meiner Klienten (Führungskraft) mit 20 offenen Bewerbungen stand hinter 13 Positionen „Niemand zu erreichen, kein Ansprechpartner, nichts mehr gehört“.

Hunderttausende Bewerbungen werden jährlich verschickt und versickern in mysteriösen schwarzen Löchern. Weil HR-Prozesse nicht definiert oder fehlerhaft sind, weil HR-Mitarbeiter überlastet oder überfordert sind oder weil es einfach Praxis auf dem hohen Ross in mancher HR-Abteilung ist, sich nicht an Bewerbern aufzuhalten, die eh nicht in Frage kommen.

Ich höre erstaunliche Geschichten, was Bewerber alles anstellen, um an Informationen zum Status ihrer Bewerbung zu gelangen. Vielleicht sollten Arbeitgeber auch dort hinsehen und die Kreativität und Hartnäckigkeit als Stärke erkennen – nein, das ist natürlich nur ein Witz! ;-)

Bewerbung 4.0: Bedeutet Digitalisierung emotionale Kälte?

Ist dies etwa die Schattenseite moderner HR- und Recruiting-Prozesse? Das Ergebnis von Verschlankung durch Automatisierung? Die Folgen der Verlagerung bisher originärer HR-Prozesse auf externe E-Recruiting-Dienstleister? Bewerbungsplattformen, die extrem trendig daherkommen, Bewerber duzen und beste Transparenz versprechen, doch am Ende nur ein „Passt nicht“ ausspucken?

Ich bin nicht gegen Automatisierung und Digitalisierung – ganz im Gegenteil. Ich finde es jedoch bedenklich, wenn im Fall des Bewerbungsprozesses Menschen zu Nummern oder einfach durchzuklickenden Positionen einer langen Liste werden. Die Auswahl neuer Mitarbeiter kann kein Algorithmus auf einer Maschine vernünftig übernehmen und ich bin zumindest heute noch der Meinung, dass Unternehmen so Fehlentscheidungen treffen. Menschen wählen Menschen aus – sicherlich auch mit allen bekannten Schattenseiten, Stichworte unbewusste Diskriminierung oder Gleich und Gleich gesellt sich gerne.

HR-Verantwortliche sollten Prozesse definieren, die in der Administration Effizienzkriterien erfüllen, jedoch in der Auswahlentscheidung echtes Interesse am Bewerber als Menschen und Individuum signalisieren und auch prozessual sicherstellen.

Und dann ist da noch das ganze Thema Employer Branding, Candidate Experience, Social Corporate Responsibility, Top-Arbeitgeber-Siegel und was sich Unternehmen noch alles einfallen lassen, um im möglichst guten Licht nach innen und vor allem nach außen als attraktiver Arbeitgeber zu erstrahlen. Wie passt das alles zusammen zu einem schnöden „Passt nicht“, der Wegrationalisierung von formalen Absagen auf Bewerbungen oder der Nichterreichbarkeit für Bewerber?

Ich möchte hier kein Arbeitgeber-Bashing betreiben und alle über einen Kamm scheren. Ich bin heute nicht sicher, ob dies nur Ausnahmen sind, die mir von frustrierten Bewerbern im Coaching berichtet werden, oder ob wir es mit einem Trend zu tun haben, der seine Wurzeln nicht nur im neuen Umgang mit Automatisierung und Digitalisierung hat, sondern auch mit einer chronischen Überlastung infolge immer dünnerer Personaldecken in HR-Abteilungen.

Sicherlich gibt es auch viele richtig gut funktionierende Bewerbungsprozesse und vorbildliche Arbeitgeber, die Transparenz und Klarheit für den Bewerber schaffen. Die Eingangsbestätigungen verschicken, bei der Terminkoordination von Gesprächen auch auf Wünsche von Bewerbern eingehen, die Gespräche wertschätzend auf Augenhöhe führen und vielleicht sogar im Fall der Absage einen Hinweis geben, woran es gelegen hat. Wenn Sie es selbst erlebt haben, berichten Sie gerne davon in den Kommentaren unten.

Doch wer sich als Unternehmen nach außen als ausgezeichneter Top-Arbeitgeber präsentiert, der muss auch einen kritischen Blick auf seine operativen Prozesse werfen und beurteilen, ob diese tatsächlich zu einer ausgezeichneten Candidate Experience beitragen. Personalabbau im Recruiting und nur die Kosten minimierende Automatisierung sind aus meiner Sicht die natürlichen Feinde im War for Talents der Zukunft.

Bewerber mit 08/15-Massen-Mailings per Copy-and-paste

Bewerber sind ja nicht doof. Ich kann total verstehen, warum sie sich immer weniger Mühe mit ihren Bewerbungen geben. Warum noch stundenlang an Motivationsschreiben feilen, wenn Arbeitgeber eh sofort nach dem flüchtigen Blick oder sogar automatisiertem Matching des Lebenslaufs aussortieren? Warum Energie und Hoffnung in eine Bewerbung stecken, wenn auf den Großteil der Bewerbungen nicht einmal eine Absage kommt?

Immer stärker bürgert sich nach meiner Wahrnehmung stattdessen das schnelle Copy-and-paste allgemeingültiger Textbausteine ein und die Bewerbungs-PDFs werden zigfach in die Welt rausgefeuert. Ich finde diese Bewerberhaltung logisch und konsequent bei solchem Verhalten von Arbeitgebern in Zeiten des E-Recruitings. Doch leider führt am Ende beides nicht dazu, dass Arbeitgeber und Bewerber besser zueinander finden. Ganz im Gegenteil, denn so geht immer mehr Individualität und Kreativität bei Bewerbungen verloren, der Stapel der gleich klingenden Bewerbungen auf dem (virtuellen) Tisch des Personalers wird immer höher und es wird immer schwieriger, wirklich geeignete Kandidaten darin zu identifizieren.

Hier müssen aus meiner Sicht beide Seiten ran. Arbeitgeber mit klareren Stellenprofilen und Suchanzeigen sowie Vorselektions- und Auswahlprozessen, die neben den Kosten den Menschen nicht vergessen. Und Bewerber, die nicht länger platt Anforderungen aus Stellenanzeigen nachplappern, sondern echt Kante und Profil zeigen, um sich für die Auswahl greifbar zu machen.

Bewerber, Absagen sind normal!

Ich bemerke in der Beratung, dass Bewerber besonders solche Jobabsagen zu schaffen machen, die sie als respektlos oder ungerecht empfinden. Ein „Passt nicht“ zerstört nicht nur mit zwei Wörtern die Hoffnung auf den nächsten Traumjob, sie haben auch keine Chance, die Ablehnung zu verstehen, was eh in Zeiten des AGG und der Sorge von Arbeitgebern, aufgrund von Diskriminierung verklagt zu werden, heute nahezu unmöglich ist.

Ich möchte Ihnen als Bewerber mit diesem Artikel auch den Impuls geben, Ihre Haltung zu verändern. Denn Absagen sind normal und gehören dazu: Nach der Studie „Jobtrends Deutschland 2015“ führen nur 12 Prozent der Bewerbungen zu Vorstellungsgesprächen, davon wiederum führen nur 23 Prozent zu einem Arbeitsvertrag. Anders formuliert: Die Wahrscheinlichkeit auf den Arbeitsvertrag beträgt knapp 3 Prozent. 97 Prozent der Bewerbungen führen zur Absage! Das ist der Normalfall.

Sie haben als Bewerber nur eine Chance, Ihre Stärke und Motivation im Laufe des Bewerbungsprozess hoch zu halten, wenn Sie sich nicht von jeder Absage (oder gar keiner Reaktion) herunterziehen lassen. Absagen sind normal! Freuen Sie sich über jede Einladung zum Gespräch und die Chance, einen ersten Blick auf Ihren potenziellen neuen Arbeitgeber zu werfen. Doch selbst dann gilt, dass Sie statistisch mit höherer Wahrscheinlichkeit den Job nicht bekommen. Das gehört dazu, denn auch die Auswahl des richtig passenden neuen Mitarbeiters ist das gute Recht jedes Arbeitgebers. – Ach ja, viele Bewerber berichten mir, dass gerade solche Bewerbungsgespräche super gelaufen sind, bei denen sie weniger verbissen hinein gegangen sind.

Was sind oder waren Ihre Erfahrungen mit Jobabsagen? Wie oft hören Sie als Bewerber nichts von Unternehmen und wie empfinden Sie das? Was haben Sie auch Positives erlebt, wie Ihnen ein Arbeitgeber eine Jobabsage mitgeteilt hat? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen!

(Bildnachweis: 123rf.com, 27842496, imilian)

 

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 84 Kommentare

  1. Passt zu 100 % Personaler und vor allem Personalberatungen sollten sich echt mal fragen ob ihre vorgefertigten Stellenbeschreibungen und die zugehörigen Anforderungslisten wirklich passen.

    1. Hallo Herr Wüst,
      ja, das ist auch für mich ein zentraler Punkt, wenngleich er nur am Rande mit dem Blogthema hier zu tun hat: Mehr Klarheit in Stellenanzeigen. Das setzt natürlich vor allem Klarheit im HR voraus, wen sie als Unternehmen wirklich (!) suchen.
      LG, Bernd Slaghuis

      1. Sehr geehrter Herr Dr. Slaghuis,

        wenn sie manchmal den Adressaten nicht so tief treffen würden, könnte man sie ja noch auf die leichte Schulter nehmen, Auch wenn meinThema nicht so recht zu Jobabsagen passt, wirft es doch einen tiefen Blick in die Absagekultur.
        Ich selbst bin jetzt Schriftsteller und kann mit meinen Absagen Wände tapezieren. Das geht ja noch, damit muss ich von Anfang an leben. Die Absagen aber,in Ihrer Gestaltung und Textung sind oft nicht nur dumm sondern sogar menschenunwürdig. Ein renommierter Verlag schrieb mir einmal: „Auch diees Buch von Ihnen werden wir nicht veröffentlichen.“ Das klingt sehr nach Diskriminierung, zumal ich bei diesem Verlag schon ein Buch veröffentlicht habe und es damals sogar hieß: Wir werden eine eigene Homepage für dieses Buch machen. Kurze Zeit später war alles vorbei, nachdem die Lektorin wohl gehört hatte, welcher Gruppe ich angehörte. (Nichts Schlimmes, nichts Radikales und nichts Ungesetzliches).

        Seitdem bekomme ich diese Art Absagen. Die herkömmlichen Verlage müssen sich nicht wundern, wenn die digitale Selbstveröffentlichung so rasant um sich greift. Dann hat es der Autor wenigstens nicht mehr mit überheblichen Verlagslektoren zu tun.

        Wenn Sie monate- oder manchmal Jahre lang an einem Roman gefeilt haben, ihm zu einem Verlag schicken, hören sie erst einmal monatelang nichts. „Ich sehe immer das Bild vor mir, wie ein Praktikant die einkommenden Bücher vorsortiert und bereits die erste Entscheidung trifft: „die guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Selbst die seines Erachtens „Guten“ erst einmal auf einen großen Stapel.Dann sehen wir nach weiteren Monaten erst einmal weiter.

        Liebe Grüße Gunter Tschauder

  2. Nun ja, ich habe den Eindruck gewonnen, dass die sogenannten Vermittler, seien es nun wirkliche Jobvermittler oder auch nur Zeitarbeitsunternehmen, viele Anzeigen nur mal so schalten ohne das da überhaupt ein Job hinter steht.
    Die tollen Gleichberechtigungsregelungen haben dann noch dafür gesorgt, dass kaum noch die eigentlichen Unternehmen Stellen ausschreiben, sonden immer nur Vermittler. Diese werden dann noch per „stille Post“ (ein Fachbereich gibt seine Anforderungen an einen Kaufmann, der dann wieder einen Vermittler instuiert) über die Anforderungen an die Bewerber aufgeklärt. Andernfalls kann ich mir nicht vorstellen, warum ich sehr oft auf meine telefonischen Rückfragen nur die Antwort erhalte, dass der Auftraggeber nichts sonst gesagt hat und man selber auch keine Ahnung habe.
    Ich habe manchmal so den Eindruck, als ob da jemand ein Auto kaufen will und nur weiß, dass es Räder haben muss.

    Aber gut. Früher konnte man mit seinen gedruckten Unterlagen noch eine Art Arbeitsprobe liefern. Das kam eigentlich immer gut an. Heute geht alles nur noch elektronisch. Per E-Mail geht das so gerade noch. Schlimm wird es, wenn man nur noch Bewerberdatenbanken bestückt. Da geht es dann nur noch über Fakten. Damit lässt sich kaum Persönlichkeit transportieren. Und um ehrlich zu sein, ich zweifel schwer daran, dass da irgend jemand hineinsieht.

    So kann ich z. B. sagen, dass ich bei einem großen Vermittlungs- und Zeitarbeitsunternehmen (fängt mit „H“ an) eingetragen bin. Ich habe selber alle Daten und Unterlagen hinterlegt. Trotzdem bekomme ich von den Vermittlern dieses Unternehmens immer wieder telefonische Angebote, ob ich nicht als Bauzeichner arbeiten wolle. Ich habe Technischer Zeichner Maschinenbau (und nicht Bauzeichner) vor über 29 Jahren gelernt und bin seit 1993 nicht mehr in dem Bereich tätig. Wie bitte kommen die auf diese Idee????

    Toll ist auch, dass man bei Bewerbungen diese direkt über die Bewerberdatenbank mit den hinterlegten Daten verknüpfen kann. Und danach hört man nie wieder etwas von der Bewerbung.

    Für mich sind diese Bewerberdatenbanken nichts als Datenfriedhöfe.

    Was nun den Ton oder auch die Art der Absagen angeht, da gibt es Dank der Gleichberechtigungsparagraphen alle Arten von Stielblüten. Von gar keiner bis zu freundlichen, nichtssagenden Antworten ist alles vertreten. Nur eine Art der Antwort ist ausgestorben. Die Antwort mit der man zumindest seine Bewerbungsunterlagen weiter optimiern kann.

    Über den Ton an sich mache ich mir schon lange keine Gedanken mehr. Wenn man von Bewerbern verlangt, dass diese sich mit einem Unternehmen auseinandersetzen und dieses Unternehmen dann nicht bereit ist sich mit einem Bewerber auseinanderzusetzen, darf es sich auch nicht darüber wundern, dass es keine passenden Bewerber bekommt.

    Von Absagen lasse ich mich schon lange nicht mehr beeindrucken. Wie steht da immer so schön:“…Bitte sehen Sie hierin keine persönliche Wertung…“ Also, was soll es?
    Auf zu grüneren Wiesen!

    1. Hallo Herr Ende,
      danke für Ihre Erfahrungen. Das Thema Personalvermittler/Zeitarbeit ist sicherlich auch nochmal wichtig in diesem Zusammenhang und kommt im Beitrag zu kurz. Was aber auch daran liegen mag, dass ich hierzu selten von Klienten im Coaching etwas höre. Ich behalte das Thema aber mal im Hinterkopf. Ihnen viel Freude auf den grüneren Wiesen ;-)
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

    2. Hallo Herr Ende, ich habe ihren Kommentar gelesen und muss Ihnen sagen das ich die gleiche Erfahrung gemacht habe wie Sie es hier beschreiben. In einigen Fällen finde ich es sogar noch schlimmer.
      Was mich persönlich immer wieder Wundert, sind die Stellenausschreibungen. Hohe Qualifikationen und für Positionen die gar nicht benötigt werden und vor 10 Jahren auch nicht benötigt wurden.

      Wäre das erlernte und angeeignete Fachwissen nicht besser für eine Unternehmen als einen Bachelor oder Master Abschluss?

      Möchte sich das Unternehmen mit dem neuen Mitarbeiter Geld verdienen oder eher mit Titeln bestücken?

      1. Hallo Herr Keim,
        Ich gebe Ihnen beiden Recht, deckt sich zu 100% mit meine Erfahrungen der letzten 3 Monaten.
        Wenn ich es so salopp schreiben darf, das erlernte kann ja nicht in eine multi choise Tabelle eingebettet werden, also ist somit nicht vorhanden.
        Das gleiche trifft auf das bezeugen der Fähigkeiten anhand von Zeugnisse, weil der Bewerber es sowieso durch ein Rechtstreit erkämpft hat.
        Ich bin der Meinung das der Großteil der Unternehmen die sich auf ‚Personalvermittlung‘ spezialisiert haben an sich gar kein Interesse haben an der Vermittlung, warum auch, damit wird ja kein Geld verdient!
        Die schlechte Erfahrungen die ich in diesen Zeit der Neuorientierung gesammelt habe, könnten ein Buch füllen!
        Aber wissen Sie was? Die Personen die für solche Erfahrungen verantwortlich sind, werden meine Zeilen vielleicht lesen und als jammern abstempeln.
        Leider!!!

    3. Guten Tag Herr Ende,

      ich bin mir ziemlich sicher, dass von Ihnen erwähnte Unternehmen kann nur H**s sein.
      Ich habe recht ähnliche Erfahrung gemacht, aus meiner Sicht tritt hier (und bei anderen „Personalvermittlern“) eine unglaubliche Ignoranz zu Tage.

      Mich kontaktieren Mitarbeiter(innen) dieser Unternehmen und stellen mir Fragen zu meinen Tätigkeiten, da komme ich mir wie auf einem Absolvententag einer Universität vor.
      Es macht einfach keinen Sinn, wenn man junge Berufsanfänger mit völlig fachfremden Ausbildungen (z.B. Bachelor of Arts – Realbeispiel!) in der „qualifizierten“ Personalvermittlung mit z.B. technischen Fach- und Führungskräften mit über 20 Jahren Berufserfahrung telefonieren lässt.
      Man fühlt sich nicht nur wenig wertgeschätzt, man fühlt sich fast „veräppelt“ bei dem Niveau der Unterhaltung bzw. des Informationsaustauschs.
      Aber ein Markt bekommt immer das Angebot, was er verdient.

      Ich habe mich nach dem letzten diesbezüglichen Erlebnis schriftlich an den Vermittler gewandt und darum gebeten, mir zukünftig derartige Zeitverschwendung zu ersparen.

      Beste Grüße
      Thomas Köhler

  3. Ich geben Ihnen vollkommen recht, dass in vielen HR-Abteilungen wenig Sensibilität für Bewerber besteht. Bei teilweise über hundert Bewerbungen für nur eine Stelle ist jedoch die Auswahl oft nur durch einen schnellen Abgleich möglich. Und hier passieren letztlich viele Fehler.

    In einem jedoch muss ich widersprechen: Natürlich ist es extrem ungeschickt, dass der Status „Passt nicht“ nach Außen kommuniziert wurde (da kennt wohl das Unternehmen nicht alle Funktionen seines Systems…). Jedoch war dies ja noch kein Absageschreiben. Hier hat ja nach nur drei Stunden die Kandidatin selbst nach dem Status geschaut. Hätte dieser auf „Absage“ gestanden wäre dies vom Wort sicher besser gewesen. Der Prozess an sich ist jedoch erst mal ok.
    Mich würde interessieren: Hat die Kandidatin denn später eine richtige Absage bekommen? Oder blieb es bei dem Status?

    1. Es geht aber doch nicht wirklich um die Wortwahl, obwohl diese ja auch erheblich zur Frust beiträgt. Es geht hier darum, dass man nach 3 Stunden bereits ein automatisches „Urteil“ gefällt hat.

  4. Was sich derzeit in Unternehmen in dieser doch diffizilen Angelegenheit abspielt, spottet jeder Beschreibung. Ich bin schon seit Jahren im Unruhestand und viele ehemalige Kollegen oder auch Mitarbeiter kommen zu mir mit solchen Fragen. Letztes Besipiel: Ein Recruiter meldet sich telefonisch bei einem potentiellen Kandidaten in dessen Firma mit dem Hinweis, dass ein Gebiet, in dem er seinen
    Wohnsitz hätte, neu zu besetzen wäre. Der Bewerber solle seine Unterlagen einsenden. Er reagiert nicht, weil er Sorge hat, dass eventl. sein derzeitiger Arbeitgeber dahinter steht. Der zweite Anruf, warum die Unterlagen nicht gesendet wurden. Ich empfahl das Mindeste einzufordern und zwar eine klar gegliederte Stellenbeschreibung mit Gehaltvorgaben (Fixum, Festgehalt oder Splitting) um zu erkennen, ist es eine reine Verkaufsberatertätigkeit, ist es ein techn. Service oder ist es vielleicht eine Führungsaufgabe, Niederlassungsleiter etc.. Man ist also dort zu „faul“, die wahren Hintergründe zu präsentieren, die diese Stelle ausmachen. Ich bin gepannt, wie dieser „Headhunter“ reagiert …
    Was uns in der Politk vorglebt wird, hat in Firmen Einzug gehalten.

  5. Danke, sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich habe von einer Büronymus-Leserin diesen Originalsatz aus einer insgesamt 3 Sätze langen Absage zugeschickt bekommen: „Wir haben uns im Rahmen der durchzuführenden Bestenauslese für eine fachlich bessere qualifizierte Bewerbung entschieden.“ Charmant, oder? Mal abgesehen vom sprachlichen Niveau. Gottseidank konnte sie darüber lachen.

    1. Oh ja, „Bestenauslese“ ist alles andere als charmant und wenn die Leserin vielleicht auch wie ich zuerst „Beerenauslese“ gelesen hat, dann fällt es noch leichter, darüber zu lachen.
      Danke für dieses Beispiel und viele Grüße in die Byronymus-Redaktion,
      Bernd Slaghuis

  6. Zum Thema Absagen fallen mir auch gleich 2 Beispiele ein:

    Zum einen der gleiche Absagesatz, der schon bei 2-3 weiteren Bewerbungen vorher zugeschickt wurde. Zumindest personalisiert, wenn auch positiv nichts-sagend.
    Wie oft werden solche Sätze ausgetauscht? Das Unternehmen muss diesen Satz jetzt auch schon mindestens eineinhalb Jahre haben.

    Zum anderen hatte ich bei einer Firma angerufen (kleines Logistikunternehmen, wollte eine 2. Niederlassung eröffnen), um Informationen zu einer Stellenannonce einzuholen, da hierbei komplett fehlte, was das Unternehmen sich von dem Bewerber erwartete (Abschlüsse, Software- oder Sprachkenntnisse, u.ä.). Nachdem sich in der „Zentralnummer“ jemand mit Firmennamen aber ohne eigenen Namen meldete, erklärte ich mein Anliegen. Daraufhin sagte sie: „Ich bin nur Disposition, ich kann Ihnen da nicht weiterhelfen“. Sie durfte mich aber auch nicht zum verantwortlichen Vorgesetzten durchstellen, ‚das gebe Ärger‘. Ihr Rat: „Initiativ bewerben“. Ich wollte zunächst eine ärgerliche Mail mit Verbesserungsvorschlägen schicken. Das hatte ich dann aber doch komplett gelassen. Das wäre mindestens genauso unprofessionell gewesen.

    Zum Thema Digitalisierung: Es wäre doch dann eigentlich recht sinnvoll, wenn man schon VOR dem Bewerbungsschreiben seine Daten in einer Software eintragen kann und dann sieht man sofort, ob man denn (oder zu welchem Grade) man geeignet ist.

    1. Hallo Daniel,
      dass Unternehmen Textbausteine für Absagen an Bewerber verwenden und diese auch über Jahre nicht verändern, finde ich erstmal nicht schlimm, der Inhalt zählt jedoch.
      Ihre Erfahrungen mit dem Anruf im Unternehmen habe ich auch schon von Bewerbern gehört. Es scheint in manchen Unternehmen verboten zu sein, externe Anrufer in die Personalabteilung weiter zu leiten. Ich bin der Meinung, wer sich als suchender Arbeitgeber im Kontaktpunkt mit dem Bewerber verleugnen lässt und abblockt, der kann kein echtes Interesse am Bewerber haben. Klar ist es für große Konzerne nervig, wenn dauern Bewerber anrufen und Fragen haben und wenn ihre HR-Prozesse hierfür nicht ausgelegt sind, aber auch hier: Wären es Kunden, dann säßen dort auch hunderte Mitarbeiter genau für solche Anrufe zur Verfügung. Müssten Bewerber heute icht mindestens die Relevanz von Kunden haben?
      Viele Grüße und danke für Ihre Erfahrungen!
      Bernd Slaghuis

  7. Ja, die liebe Standardantwort mit dem „besser geeigneten Kandidaten“ – habe ich in den letzten Jahren immer wieder zu lesen bekommen – nur, um die gleiche Stellenanzeige noch monatelang immer wieder zu lesen. Bei einem Unternehmen habe ich die immer gleich lautende Stellenanzeige glatte 3 Jahre lang monatlich erneut gesehen und jeder, der sich auf die Stelle beworben hatte (inkl. mir 4 Bekannte), wurde mit demselben Satz abgefertigt. Wer die Stelle letztlich bekommen hat (die gabs wirklich) ist mir jedoch schleierhaft.
    Aber nicht nur HR-Abteilungen arbeiten inzwischen mehr als erbärmlich. Insbesondere Headhunter und Vermittler schneiden richtig mies ab. Ich hatte in den letzten Jahren mit Leuten zu tun (telefonisch/ elektronsich und persönlich), die nicht einmal wussten, was mein Beruf an Anforderungen oder Qualifikationen mit sich bringt. Oftmals ist aus diesen Leuten nicht einmal mehr als aus einer generischen Stellenanzeige herauszubekommen. Den Firmennamen darf man sich meist auch erstmal zusammenreimen und spätestens bei der Frage nach einem Gehaltsbudgetrahmen ist komplett Feierabend.
    ABER, es gibt auch positives zu vermelden: Bewerbungen in der Schweiz laufen tatsächlich noch auf Augenhöhe.

    1. Hallo Alex,
      es könnte aber auch sein, dass die Stelle, die so lange ausgeschrieben ist, mehrfach zu besetzen ist. Es gibt in der Praxis den Fall, dass der Arbeitgeber mehrere Leute für die gleiche Stelle sucht, dies aber nicht so explizit in die Stellenausschreibung hinein schreiben will, aus, nun, taktischen Gründen. Es kann auch sie, dass man als Arbeitgeber die Stelle weiter ausgeschrieben lässt, während der Probezeit des neuen Mitarbeiters. Manche Stellen sind schwer zu besetzen, da eine hohe fachliche Expertise veralngt wird, die es halt nicht oft gibt. Da lässt man dann die Stellenausschreibung sicherheitshalber länger online.

    2. Hallo Alex,
      dass Stellenanzeigen immer wieder eingestellt werden und manchmal über Jahre online sind, berichten mir viele Leser nach diesem Beitrag. Bei Positionen, die einen laufenden Bedarf in einer Wachstumsphase eines Unternehmens betreffen (z. B. Mitarbeiter Call-Center, Sachbearbeiter etc.), verstehe ich das. Bei Spezialistenpositionen kann es eigentlich nur bedeuten, dass Bewerber vor Arbeitsantritt doch wieder abgesprungen sind, keine passenden Bewerbungen eingehen oder der Mitarbeiter in der Probezeit wieder gegangen ist/wurde. Sicherlich gibt es auch einen gewissen Anteil an Dauer-Stellenausschreibungen, um a) Präsent als Arbeitgeber am Markt zu sein oder b) den Bewerbermarkt zu checken. Beides finde ich wiederum dem Bewerber gegenüber als nicht respektvoll, denn echtes Interesse am Bewerber besteht in beiden Fällen nicht.
      Danke für den Hinweis mit der Schweiz, da werde ich mal dran bleiben, was dort ggf. anders läuft.
      Viele Grüße,
      Bernd Slaghuis

  8. Sie schreiben mir und vermutlich meinen Klienten aus der Seele. Ich arbeite seit einigen Jahren als Bewerbungscoach und begleite meine Klienten häufig über die anstrengende und frustrierende Bewerbungsphase hinweg. Was sich seit einiger Zeit an der Schnittstelle Unternehmen / Bewerber abspielt ist nicht nur unglaublich sondern höchst respektlos. Ich glaube, dass vielen Firmen gar nicht bewusst ist, dass es nicht nur eine Schnittstelle nach außen zum Kunden gibt sondern eben auch auf der Bewerberseite. Nachdem es seit Jahren üblich ist, nicht mal eine Eingangsbestätigung für eine Bewerbung zu verschicken, hat man mittlerweile den Eindruck, dass in vielen HR-Abteilungen Chaos herrscht und die Personaler sehr gestresst und genervt sind. Selbst Headhunter sind zu ihrer „potentiellen Verkaufsware“ richtig barsch und unfreundlich geworden.
    Aber Vieles war auch schon früher eher abstrus, so möchte ich kurz ein Beispiel erzählen.
    Nach meinem Studium (Anfang der Nullerjahre) hatte ich mich auf einige Traineeprogramme beworben, so auch bei der Deutschen Bahn in Frankfurt. Immerhin, ich bekam eine Eingangsbestätigung meiner Bewerbung und hörte dann nichts mehr. Einige Zeit später unterschrieb ich in einer anderen Firma einen Vertrag und startete in meinen Berufseinstieg. Als ich bereits aus der Probezeit (6 Monate) heraus war, klingelte plötzlich mein Handy. Es war eine Personalerin der Deutschen Bahn am Telefon, die mich aufgrund meiner Bewerbung zum Assessement Center für das Traineeprogramm einladen wollte. Darauf fragte ich mich, ob sie denn das Datum meiner Bewerbung sehen könnte. Ich musste am Telefon so herzlich lachen und sagte, dass die Bahn ihrem Ruf der Verspätung wirklich alle Ehre machte. Die Frau war verärgert und legte auf. Das alles spielte sich 9 Monate nach Bewerbungseingang ab. :-)

      1. So eine ähnliche Story habe ich auch noch im Petto:
        Ende 2014 habe ich mich bei mehreren Firmen um eine Ausbildung beworben. Von einigen kam ebenfalls nicht mal eine Eingangsbestätigung. Von einem Unternehmen erhielt ich dann nach etwa einem Monat die Mitteilung, das Bewerbungsverfahren würde noch etwas länger dauern und ich würde informiert werden, sobald es etwas neues gäbe bzw. Interesse an mir bestände. Nach etwa 5-6 Monaten, als ich schon längst den Arbeitsvertrag bei einer anderen Firma unterschrieben hatte, kam ein Brief mit einer Einladung zum Assessment Center. Dort wurde aber noch mal drauf hingewiesen, ich solle mich doch bitte innerhalb der nächsten Woche melden, ob ich interessiert sei. Welch Ironie!

      2. 9 Monate sind doch fast gar nichts, da werden Kinder gezeugt und geboren etc., also nur unwichtige Ereignisse im Leben eines Menschen ;)

  9. Meine aktuelle Statistik: Drei Jahre erfolglose Suche und, neben der klassischen Bewerbung auf ausgeschriebene Stellen, eine vierstellige Anzahl von ausgesandten Initiativ-Bewerbungen, in denen eine unglaubliche Arbeit steckte. Jedes dieser persönlichen Anschreiben wurde auf die angeschriebene Führungsperson und die aktuelle Situation des Unternehmens von mir und zwei Dienstleistern angepasst. Natürlich erwarte ich bei Initiativbriefen nur eine geringe Erfolgschance, aber das darauf erfolgte Erleben der Antworten kann man nur noch als traumatisch schlecht und grotesk bezeichnen.

    85% Antworten auf die persönlichen Briefe kamen aus der Ressource Abteilung (das „H“uman vorneweg haben sich aus Bewerbersicht weniger als 0,5 in 100 Unternehmen verdient). Anonyme Absagen sind die Regel, die Textbausteine aus den üblichen Softwarelösungen kennt man nach einer Weile und kann F3-Absage Statistiken darüber erstellen. Die weitaus überwiegende Zahl der Absagen wäre ein Fall für Amnesty International und hat in den üblichen Formulierungen so gar nichts mehr mit menschlichem Respekt zu tun. Gute Beispiel aus dem Erlebten kann man an einer Hand abzählen! Je 1.000 persönlich angeschriebenen Führungskräften mit recherchiertem Bedarf an Fach- und Führungskräfte- Mitarbeitern haben ungefähr eine Person selber und vielleicht gerade noch ein zweiter Personalsachbearbeiter zum Telefon gegriffen. Die Krone bilden Unternehmen, die lapidar per Textbaustein darauf verweisen man möge doch seinen Lebenslauf in deren Online Portal eintippen und dann wird man mit der Geisterbahn von Taleo&Co konfrontiert.

    Daneben treffen dann aus klassischen Bewerbungen auf Ausschreibungen Absagen ein wie, Zitat: „Wir haben ihre Bewerbung nicht weiter berücksichtigt, um auch weniger qualifizierten Bewerbern eine faire Chance einzuräumen“ – auf eine Geschäftsführerstelle übrigens.

    Mein persönliches Fazit: Es gibt keinen Fach- und Führungskräftemangel, jedenfalls nicht für hochqualifizierte, flexible, permanent weitergebildete, uneingeschränkt reise- und umsiedlungsbereite, hochbelastbare MINT Absolventen mit sowohl technischem Know-How als auch betriebwirtschaftlicher Führungserfahrung.
    Es mag einen Bedarf für „billiges Fußvolk“ geben, aber scheinbar keinen Bedarf mehr für jemanden der Ü40 ist.

    1. Ihre Statistik spricht Bände und ist erschreckend. An einen echten Fachkräftemangel glaube ich auch nicht – zumindest nicht flächendeckend. Aber hier müssen beide Seiten ran. Nur auf die Suchkriterien und die Arbeitgber zu zeigen, greift m.E. zu kurz, denn auch viele Bewerber suchen falsch oder verschicken 08/15-Bewerbungen ohne Aussagekraft.
      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, dass Sie die passende Stelle und einen Arbeitgeber finden, der Ihre Qualifikation (mit Ü40)zu schätzen weiß.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

      1. Diese Einschätzung kann ich absolut teilen… Zwar ist Taleo prinzipiell ein gutes Tool – für beide Seiten; aber das Problem ist, wie FFBbs es beschrieben hat, das leider oft fehlende H bei HR.
        Die Liste an Problemen im Bewerbungsprozess ist quasi endlos, das fängt bei der Computerhörigkeit an, wo kein Mensch mehr einen Lebenslauf oder Anschreiben durchliest, sondern nur noch automatisiertes Buzzword-Matching betrieben wird (ich kann mich erinnern irgendwo mal gelesen zu haben, man solle den Anzeigentext mit Schriftgrad 8 und in weiß irgendwo in sein Dokument einfügen, damit die Tools die Buzzwords finden können…), geht weiter über die rüpelhaften und menschenverachtenden, voll- oder zumindest teil-automatisierten Absagen (welche einem mitunter sogar nachts um 2:00 Uhr innerhalb von Sekunden nach Absenden der Bewerbung erklären, dass man sich „intensiv mit der Bewerbung beschäftigt hat“ – wenn denn überhaupt Absagen kommen) und auch der Gesetzgeber hat einem mit dem übermäßig strapazierten AGG gefühlt eher einen Bärendienst erwiesen. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, es geht nichts über eine direkte Ansprache auf Managementebene; direkt über Los und vorbei an HR. Wenn der Hiring Manager der internen Recruiterin freundlich sagt „Lade den gefälligst ein, ich hab‘ schon mit dem telefoniert“ obwohl dieselbe Dame die originale Bewerbung seit Wochen vorliegen hat ohne tätig zu werden, funktioniert es eher. Leider sollte man sich dann aber auch fragen, ob diese Art von Unternehmen wirklich der beste Fit ist… In den letzten Jahren habe ich selbst einige Erfahrungen sammeln dürfen und bin mittlerweile der festen Überzeugung „Es gibt keinen Fachkräftemangel“ – was es gibt ist ein Mangel an Unternehmen, die gewillt sind Fachkräfte auch entsprechend zu vergüten oder den Anfang zu machen und selbst Leute zu entwickeln. Am Ende bleibt meist doch das Vitamin B (oder networking, wie man es heute nennt). Das ist gefühlt zwar irgendwie auch alles andere als AGG konform aber der Zweck heiligt einfach manchmal die Mittel.

        1. „Wenn der Hiring Manager der internen Recruiterin freundlich sagt „Lade den gefälligst ein, ich hab‘ schon mit dem telefoniert“ obwohl dieselbe Dame die originale Bewerbung seit Wochen vorliegen hat ohne tätig zu werden…“ – also das ist ja mal überhaupt nicht sexistisch! (Ironie aus!)

        2. Liebe Frau Weißenauer, das war in keinster Weise sexistisch gemeint, sondern eine persönliche Erfahrung. Ich gebe aber zu: Das hätte ich wohl deutlicher machen sollen.
          Bitte nicht gleich überbewerten… :-)

    2. ….Wenn Sie Ihre Erfahrungen zum Preis eines Auszubildende anbieten würden, dann hätten Sie bestimmt Chancen….
      Bitte Entschuldigen Sie mein Sarkasmus aber am Endeffekt ist das was viele Unternehmen wollen.

  10. Es gibt nur leider auch umgekehrt frustrierende Fälle. Da hat man die Kandidatin – nach einem einstündigen Telefoninterview – eingeladen, ein tolles Gespräch, hat sich 3 Stunden (!) Zeit genommen, den Arbeitsplatz und das Unternehmen gezeigt und beide Geschäftsführer waren im Gespräch zugegen. Für eine mittelqualifizierte Halbtagsstelle, wohlgemerkt. Man geht mit gutem Eidnruck und Gefühl auseinander und versichert sich gegensietig, dass es ein gutes Gespräch war. Wir machten aber auch klar, dass es noch eine weitere sehr gut passende Bewerberin gäbe und wir 5 Tage Zeit bräuchten, um Bescheid geben zu können. Wir hatten uns für diese andere Bewerberin entschieden und ein sehr ausführliches Absageschreiben mit einer freundlichen Einschätzung der Bewerberin und einer direkten, persönlichen Empfehlung zu weiteren Stellen geschickt. Da kam noch nicht mal eine Standardantwort nach dem Motto „hat mich auf gefreut“ von der Bewerberin zurück!

    1. Hallo Sabine,
      volle Zustiimmung und danke für Ihren Kommentar. Ja, viele Bewerber sehen es als selbstverständlich an, dass sich Unternehmen viel Zeit nehmen – und fühlen sich obendrein als Opfer, wenn es denn wieder nicht funktioniert hat. Das positive Feedback auf meinen früheren Artikel „Dankschreiben nach Jobabsage“ zeigt immer wieder, dass das nicht nur respektvoll dem Unternehmen gegenüber ist, sondern ein solch wertschätzendes Feedback vom Bewerber auch tatsächlich sogar in einigen Fällen nach Absagen noch zu Jobs geführt hat.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  11. Den Beitrag fand ich sehr interessant, das Beispiel mit dem „passt nicht“ total krass. Wie kann ich als Unternehmen so ein Tool benutzen, wo der Bewerber eine solche wirklich menschenverachtende – anders kann ich sowas nicht nennen – Ansage bekommt? Unglaublich.
    Der Artikel aber hat zudem an einem Thema gerührt, was mir sehr unangenehm ist, aber es sollte mal gesagt werden: Nichts von einer Bewerbung zu hören bzw. keine Absage zu bekommen kann auch schlichtweg mit Überlastung der Mitarbeiter zu tun haben. Ich selber war als Assistentin des Geschäftsführers jahrelang dafür zuständig, Bewerbungen zu bearbeiten, die Einladungen und auch die Absagen zu schreiben, Ich gestehe hier und heute, dass ich zu einem viel späteren Zeitpunkt Bewerbungen gefunden habe, die ich nicht abgesagt bzw. die Unterlagen nicht zurückgeschickt habe, was schlichtweg dem Umstand geschuldet war, dass ich dies vor lauter anderer Arbeit übersehen habe.

    Ich weiß selber, wie ich mich aufgeregt habe, als ich selber gesucht habe, keine Absage erhalten und meine Unterlagen nicht zurück erhalten zu haben (das war zu der Zeit, als man noch bevorzugt Papierbewerbungen schickte). Um so schrecklicher fand ich es festzustellen zu müssen, dass mir sowas passiert ist, was aber meine Einstellung zu Nicht-Absagen relativiert hat.
    Wenn man seine Bewerbung an eine HR-Abteilung richtet, sollte man allerdings eine Antwort erwarten (können).

  12. Ich finde, dass ein rationaler Bewerber keine Wut empfinden sollte. Ein Rationaler Bewerber weiß, dass die Stellenausschreibung – selbst wenn sie perfekt auf das des Bewerbers Profil passt – nicht bedeutet, dass der Job perfekt passt. Dies muss auch nicht mit der Fehlerhaftigkeit des Recruitingsystems zu tun haben, sondern es gibt noch weitere gute Gründe.
    Ich versende grundsätzlich keine personifizierten Essays mehr, weil eigentlich kommt es nur auf die einschlägige Erfahrung im Lebenslauf an: Wer das hat – der wird eingeladen, wer das nicht hat oder sich zu spät meldet – wird nicht berücksichtigt.

    1. Klingt gut; ist allerdings in der deutschen Mentalität noch nicht angekommen. Hier wird zu allererst nach dem Studienabschluss gefragt und dann nach der Lebenserfahrung. Wer ersteres nicht vorweisen kann, hat dann schon einmal ein Handicap. Da wird dann im Bewerbungsgespräch schon direkt gefragt wieso man sich eigentlich bewirbt, obwohl doch in der Stellenausschreibung ein Studienabschluss gefordert sei! (btw. Ich habe mit 51 ein Fernstudium angefangen. Bis zum Abschluss dauert es halt in der Regel drei Jahre !)

  13. Zunächst einmal, danke für diesen guten Artikel! Manchmal ist es für mich wirklich unverständlich, wie wenig respektvoll man als Bewerber behandelt wird. Nach dem Studium habe ich mich intensiv beworben und eine Liste darüber geführt. Bis heute sind noch einige Posten offen… Sehr schön empfand ich auch die Formulierung „Ihre Qualifikationen werden nicht unseren Anforderungen gerecht“ auf meine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz, weil mir des Öfteren Nahe gelegt wurde, dass mein Studium nicht Praxis bezogen genug war. Wenn es dann doch mal ein Bewerbungsgespräch gab, war in 90% der Fälle die erste Frage, warum ich zunächst ein Semester Biologie studiert und abgebrochen habe und ob man sich denn überhaupt sicher sein könnte, dass ich dieses Mal dabei bleibe. Ungeachtet, dass ich in den letzten drei Jahren ein doppeltes Bachelorstudium in einem anderen Fachbereich sehr erfolgreich absolviert habe. Im Gegenzug wurde ich in den gleichen Gesprächen dann gefragt, warum ich nach dem Abitur nicht erstmal nach Neuseeland oder sonst wohin in die Welt gereist bin. Ein halbes Jahr Ausland ist in Ordnung, aber ein halbes Jahr Studium direkt nach dem Abitur ist ein Fehler? Ein Fehler, der mich nach einem erfolgreichen anderen Studium nun an einem Job hindern soll.

    Im Endeffekt hat wohl alles so sein sollen, jetzt bin ich in einem Unternehmen angestellt, in dem ich mich sehr wohl fühle und in dem auch der Bewerberprozess freundlich und verständlich war. Und in dem mich niemand fragte, warum ich nach einem halben Jahr wusste, dass ich kein Naturwissenschaftler bin.

  14. ich bin Unternehmer und bekomme zahllose Blindbewerbungen obwohl ich niemanden suche und auch kein Inserat geschaltet habe. Bei diesen Bewerbungen schreibe ich nur eine Absage wenn ich das Gefühl habe, daß derjenige bzw. diejenige sich wirklich bemüht hat. Wenn es sich um Anfragen handelt die ganz offensichtlich nur geschrieben wurden um das AMS zu besänftigen, dann schicke ich keine Absage.

  15. Hallo Herr Slaghuis,

    Ihr Bericht trifft den Nagel auf den Kopf.

    Bei mir war es so, dass ich im Jahr 2009 nach fast zwölfjähriger Tätigkeit als Filialleiter im Gross- und Einzelhandel aufgrund wirtschaftlicher Gründen meine Stelle verloren habe. Ich habe mehrere Ordner voll Bewerbungen geschrieben und losgeschickt. So weit so gut. Antworten habe ich so gut wie keine erhalten, obwohl ich als Industriemeister mit Berufserfahrung eigentlich gut aufgestellt bin. Nach mehreren Jahren Arbeitslosigkeit mit Unterbrechungen war ich schon froh, wenn ich eine Absage auf meine Bewerbungen bekommen habe – da hat man wenigstens das Gefühl, dass sich jemand mit einem auseinandergesetzt hat.
    Zum Glück bin ich jetzt seit eineinhalb Jahren durch einen sehr glücklichen Zufall beim Kolping-Bildungswerk Württemberg e.V. als Berufseinstiegsbegleiter (BerEb) angestellt worden. Dort erfahre ich nun jeden Tag, dass es auch anderst geht und der einzelne Mitarbeiter geschätzt wird.
    Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen Arbeitgebern, die nicht auf meine Bewerbungen reagiert haben bedanken, dass sie mir diese Chance gegeben haben.

    Grüße

    Detlef Büschel

  16. Ich kann – leider – nur zustimmen! Ich weiß nicht, wie viele Bewerbungen ich in den letzten neun Monaten verschickt habe, nachdem mein damaliger Arbeitgeber den Betrieb dicht gemacht hatte. Eingangsbestätigung klappte oft noch – Absage: meist Fehlanzeige! Ein unmögliches, wirklich respektloses Verhalten. Ich meide diese Firmen bei Kaufentscheidungen, so gut es geht.

    1. „Ich meide diese Firmen bei Kaufentscheidungen, so gut es geht.“ – Ich finde die Idee sehr gut. Es ist höchste Zeit, dass sich auch die Bewerber gegen solche menschenverachtenden Praktiken zur Wehr setzen, mit allen mögliche Mitteln eben. Denn schließlich sind die Arbeitnehmer ja in der Mehrheit, dennoch benehmen sich die Arbeitgeber so, als seien sie auf Arbeitskräfte überhaupt nicht angewiesen und ihnen alles erlaubt sei. Es ist z.B. höchste Zeit, dass immer mehr Bewerber anfangen, direkt bei den Unternehmen Antworten bzw. ehrliches Feedbacks, das über die Standardsprüche hinausgeht, zu fordern. Wir können uns solange in Foren wie diesem hier austauschen, wie wir wollen, aber es wird nichts geschehen, wenn man nicht direkt bei den Unternehmen Druck macht, um dem menschenverachtenden, demotivierenden Recruitingverhalten der Firmen und Behörden ein Ende zu setzen.

  17. Das respektloseste Überhaupt ist mir erst vor kurzem passiert:
    Ich hatte schon die Zusage und es ging nur noch um die genaue Formulierung des Arbeitsvertrags. Nach ein paar Tagen bekomme ich plötzlich eine Standard-Absage-Email von einer Frau aus der Firma. Meine Ansprechpartnerin hat bis heute keine Stellung dazu genommen, sondern mir auf mehrmaligen Wunsch nach einem Telefonat lediglich in zwei Sätzen per Mail mitgeteilt, sie hätten sich inzwischen für jemand anderen entschieden und würden mir alles Gute wünschen. Ich war geschockt, enttäuscht und wütend.

  18. Vorab Danke für den Artikel und die anschließenden Kommentare, welche mir aus der Seele sprechen. Für mich erschreckend, dass ich seit über einem Jahr der Suche immer noch nicht weiß, warum diese nicht von Erfolg gekrönt ist. Liegt es an meiner Qualifikation, weil ich Mitte vierzig bin, an Aufmachung und Inhalt der Bewerbung oder bewerbe ich mich auf die falschen Stellen? Ich werde es nie erfahren…denn die Antworten, wenn es denn dann überhaupt eine gibt, sind absolut inhaltslos. Wahrscheinlich ist meine Erwartungshaltung aber einfach nur zu hoch. Ich gebe mir Mühe, positiv aufzufallen. Immerhin will ich aus der Masse herausstechen. Und JA, ich erwarte dann auch wenigstens eine Reaktion. Aber wahrscheinlich passt meine Erziehung nicht mehr in die Zeit und wachsende Digitalisierung sowie überlastete und outgesourcte HR-Einheiten sorgen dafür, dass man nur noch eine Nummer ist…
    Aber ich bin ja hartnäckig und frage bei Absagen nach. Wir ahnen es alle schon. Wieder eine inhaltslose Floskel.
    …nur einer, der wünschte mir viel Glück, denn er wisse, dass es in meinem Alter nicht so einfach sei… ;-)

    1. Hallo und guten Tag, Henning!

      Nicht in Pessimismus verfallen, das ist mein ernst gemeinter Ratschlag. Sicher spielt das Alter eine Rolle, aber es gibt sie noch, die Unternehmen, die eben Wert auf Erfahrung legen, nicht nur auf Titel.
      Weiter hartnäckig dran bleiben trotz Absagen und lassen Sie sich nicht beirren,
      denken Sie positiv. In meiner Vtiae hatte ich mal den Fall, dass ich, aus Sicht des Unternehmers,
      dazu wäre aber zu sagen, dass dies beim Vorstellungsgespräch aktuell wurde, bzgl. Gehalt
      das gesetzte Budget überfordert hatte. Ich wollte die Aufgabe als Assistent der GL mit Aussicht auf eine
      Führungsaufgabe (stellv. GL); der Unternehmer wollte mich auch. Es lag also am Gehalt, da ich zuvor schon in Linie Führungsaufgaben wahrgenommen hatte. Ich konnte die Denkweise nachvollziehen und
      drehte den Spiess um: Ich machte ein Angebot und zwar für die Probezeit das Gehalt, was budgetmäßig
      vorgesehen war. Dies lag um ein Drittel tiefer, als das bisherige, das ich bezogen hatte. Nach der Probezeit wollte ich eine Anpassung an mein bisheriges Gehalt und nach Ablauf eines Jahres eine
      meinen Leistungen entsprechende von 20%ige Erhöhung mit Übernahme in GL und nach aussen entprechend dokumentiert (dies wurde alles im Arbeitsvertrag vereinbart und verbindlich fixiert) Es klappte und ich war fast zehn Jahre dort. Denken Sie immer daran,
      nicht nachlassen; Bewerbung kommt nun mal von werben…….in eigener Sache! Ich wünsche Ihnen
      eine Firma oder Unternehmen, das Ihr Können zu schätzen weiss. Dazu wünsche ich Ihnen nicht nur Glück sondern die Ausdauer, die einfach unerlässlich ist.

  19. Als Ingenieurin mit wirtschaftlichen Nachdiplom (beide auf TU/Uni Level) mit einigen Jahren Berfuserfahrung suche ich die Stellen, auf die ich mich bewerbe sorgfälltig aus. Zu den erwarteten Kompetenzen/Interessen muss ich für mich selber sagen – passt, habe ich, bringe mit, habe ich gemacht, das mache ich sehr gerne.
    Neulich bewarb ich mich für eine Aufgabe „Trouble shooter“ inkl. task forces für Problemlösungen.
    Die Absage die ich erhielt – Sie haben zu viel know how. Wie bitte?
    In den „Zeiten von Fachkräftenmangel“ – diese Begründung, alleine Aufgrund von Lebenslauf?
    Leider, ist das nicht Einzelfall.
    Falls jemand für 2016 ein Unwort des Jahres sucht – ich schlage vor: „Fachkräftemangel“.

    1. Eventuell hatte man Angst, Sie könnten vielleicht ein Bore-Out bekommen, weil die Stellenanforderungen womöglich doch nicht so hoch wie angepriesen waren. Dementsprechend sollten aber von vorneherein die Stellenprofile realistisch gestaltet werden, damit solche Absagen nicht verschickt werden „müssen“.

  20. Mein Sohn war in den vergangenen Monaten intensiv auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle im IT- Bereich (IT- Service Fachkraft, IT- Systemadministrator, etc.) Dabei hat ganz besonders negativ unser rosa Riese aus der Telekommunikation negativ herausgestochen: Weder eine Eingangsbestätigung noch eine Absage aber gleich der Hinweis, von Nachfragen bitte abzusehen.
    Der Gipfel war aber der Chef eines IT- Unternehmens der ihn zum Vorstellungsgespräch eingeladen hatte und ihn 3,5 h Stunden ohne Pause mit den irrwitzigsten Aufgabenstellungen gequält hatte.
    Aber eine Antwort, egal ob positiv oder negativ, hat er nie erhalten.
    Grundsätzlich ist es so, dass gut 60- 70% der Unternehmen ein Gebaren an den Tag legen, dass jedem jungen Menschen der Start in das Berufsleben gründlich vermiest wird.

    Aber, es gibt auch Ausnahmen. Der Betrieb (ein bundesweit tätiges Großunternehmen) in dem er jetzt seine Lehre zum Elektroniker, Fachrichtung Gebäudetechnik und Automation beginnt, hat ihn wie in einer großen Familie begrüßt, der Gipfel war ein Willkommenspaket mit Geschenken, Kaffeetasse usw. welches gestern mit der Post kam. Überhaupt lief der Bewerbungsprozess einerseits hochprofessionell aber auch immer mit einer menschlichen Seite ab.

  21. Kurz und bündig
    Das ist so und auch Alltag. grrr. Eine traurige Entwicklung!!

    Wir machen auch die Erfahrung, dass Standartbewerbungen mit Standartantworten beantwortet werden. Der Anteil von „persönlichen“ Absagen wird höher, umso mehr die Bewerbung bedürfnis und firmenorientiert gestaltet sind. Worte sind mächtig und vielleicht sollten wir uns viel lieber über die Einzigartigkeit der Bewerber in Bewerbungen Gedanken machen, „als ist es denn so wichtig“, dass sie „perfekt“ sind.

    Ein Grundsatz!! Es gibt keine richtigen oder falschen Bewerbungen, es gibt nur die Eine die passt!

  22. „Sie hatte sich eine Stellenanzeige heraus gesucht, auf die sie aus ihrer Sicht super passte, was die Qualifikation, Berufserfahrung und ihre Persönlichkeit betrifft.“ Da könnte aber auch das weit verbreitete Problem zugeschlagen haben, dass Selbsteinschätzung und objektive Fremdeinschätzung bei vielen Bewerbern sehr weit auseinander klaffen. Wenn die Stelle so perfekt gepasst, hätte, wäre sicher nicht so schnell eine Absage gekommen.

    1. Da muss ich Ihnen in einigen Punkten widersprachen, Herr Retzman. Erstens, finde ich, dass die Mehrheit der Bewerber (vor allem die Akademiker) sich bei der Jobsuche eben nicht überschätzt, sondern eher unterschätzt. Die überhöhte Selbsteinschätzung ist, mag ich behaupten, eine Seltenheit. Es kann natürlich auch solche geben, die sich für den Mittelpunkt der Erde halten, doch spätestens nach der dritten Absage landet jeder auf dem Boden der Realität und bewirbt sich auf Stellen, die er sich ganz objektiv gesehen auch zutrauen kann. Schließlich geht der Trend auch bei denjenigen, die eine Anstellung haben, dahin, dass die meisten sich eher unterfordert und in der Routinearbeit gefangen fühlen als etwa in ihren Fähigkeiten überfordert. Zweitens, ganz gleich, wie wenig der Kandidat auf eine Stelle passt, wenn dieser schon nach drei Stunden eine Absage bekommt, dann ist die Chance sehr hoch, dass seine Bewerbung automatisch aussortiert wurde. Drittens, es stimmt eben nicht, dass wenn ein Kandidat auf eine Stelle passt, er keine Absage bekommen sollte. Solche Aussagen können sich wohl nur diejenigen leisten, die entweder noch nie in einem Bewerbungsverfahren steckten oder den Berufseinstieg vor einigen Jahren geschafft haben, als es noch unsagbar einfacher war bei einigen wenigen Bewerbungen einen Job zu ergattern, oder aber einfach Glück bei der Jobsuche hatten. Die Arbeitswelt hat sich innerhalb weniger Jahre drastisch verändert. Genau darum geht es doch in diesem Forum. Solche Aussagen wie Ihre zeugen von mangelnder Sensibilität und davon, dass Sie schlicht und ergreifend nicht mitbekommen haben, dass die Spielregeln für Jobsuchende um einiges härter geworden sind.

  23. Vielen Dank Herr Dr. Slaghuis für den, meiner Meinung nach, sehr guten Artikel und allen beteiligten für die Kommentare. Es zeigt doch zumindest, dass man mit solchen Situation bei weitem nicht allein zu sein scheint. Ich hoffe sehr, dass hierdurch einige in Ihrem Bewerbungsprozess motiviert werden, diejenigen Unternehmen zu finden, bei denen der Bewerbungsprozess „vernünftig“ abläuft, und nicht die Lust verlieren.

    Aber was bleibt einem auch anderes übrig? Wenn man auf Jobsuche ist, muss man sich solange bewerben bis man einen passenden Job (aus Sicht von Arbeitgeber UND Arbeitnehmer) gefunden hat. Und so gefühllos, wie man dann manche Absagen bekommt, so sollte man bei aller Schwere auch versuchen damit umzugehen – Schwamm drüber und weiter. Das Vorgehen im jeweilgen Unternehmen wird man eh nicht ändern.

    Ich persönlich habe auch 2 Erfahrungen, die in diese Richtung gehen, machen müssen. Dafür habe ich aber auch 2 andere sehr nette Bewerbungsprozesse inkl. Vorstellungsgespräche gehabt, nach denen ich sogar Feedback bekam, wie ich mich verbessern kann. Es geht also!
    Nach einem zweiten Anlauf bei einem dieser Arbeitgeber (in einer anderen Abteilung) hat es dann auch geklappt. Es gibt also auch vernünftige HR-Abteilungen, man muss sie nur finden….

  24. Alles schon erlebt: Ein potenzieller Arbeitgeber nach dem Vorstellungsgespräch “ Wir melden uns innerhalb 14 Tagen“. Nach 3,5 Wochen schrieb ich eine Mail an meinen Kontakt ( Entwicklungsleiter) und fragte nach dem Stand der Dinge. Ergebnis war eine Absage noch am selben Tag. Das lustige daran: ca. 6 Monate später kontaktierte mich ein Recruiter, da ich super auf eine bestimmte Stelle passen würde. Da mir die Beschreibung bekannt vor kam, fragte ich nach, und siehe da: die selbe Firma, die selbe Stelle. Ich habe dann dankend mit entsprechender Begründung abgelehnt.
    Das Verhalten und der Umgang mit mir ärgerte mich trotzdem.

  25. Seit 8 Monaten bin ich auf Stellensuche und betreffend Absagen trifft der Artikel voll ins Schwarze. Manchmal erhält man den Standardsatz „…wir haben einen anderen Kandidaten gefunden, der noch besser passt“. Auf meine Frage hin was denn bei mir nicht ganz gepasst hat, können solche Firmen oder eine öffentliche Verwaltung nicht beantworten. Es geht ja darum zu wissen, wo man sich evtl. verbessern könnte!

    Immerhin konnte ich mich mehrmals vorstellen gehen und dies für Stellen, die man mit Uni-Abgängern besetzen wollte. Das letzte Vorstellungsgespräch war die reinste Casting-Show von selbstherrlichen Selbstdarstellern, die wohl zu viele RTL-Casting-Shows gesehen haben. Auf diese „Vorstellung“ inkl. Persönlichkeits-Profilauswertung, einen Stresstest und einen absolut lächerlichen Know-how-Test über das ICT-Business, folgte eine Absage mit den Worten: „Sie haben uns nicht überzeugen können“. Ich wusste schon während des Vorstellens, dass deren Fach- und Sozialkompetenz miserabel war und betrachtete dieses Skandal-Casting als Übung.

    Um den Bogen zu schliessen….. Heute werden exorbitante Fach- und Sozialkompetenzen für Stellen verlangt, bei denen man – wenn es zu einer Anstellung kommt – den Vorgesetzten und dessen Vorgesetzten gleich in Rente schicken oder auf nach Hause stellen könnte. Man fragt sich schon, was denn die Vorgesetzten den ganzen Tag lang tun ausser das Salär zu beziehen. Es sind auch dieselben, die solche respektlose Absagen versenden. Glücklich ist der, der eine Absage bekommt! Im Ernst, wer will denn in so einem Umfeld arbeiten? Darum ist es auch nicht verwunderlich wenn immer mehr Angestellte div. Unternehmen meiden oder sogar boykottieren. Und dank der Webseite Kununu erhält man einen guten Einblick in Firmen, so das man schon im Vorfeld sich überlegen kann, ob man Teil eines miserablem Umfelds sein möchte oder nicht!

  26. Dieser Artikel spricht auch mir aus der Seele!
    Eingangsbestätigungen sehe ich bereits als freundlichen Luxus an. Mein Highlight bei einer solchen Bestätigung war bisher „Ihre Bewerbung ist eingegangen. Wir melden uns gegebenenfalls.“ Gegebenenfalls trat in den letzten 8 Monaten nicht ein.
    Auf 50% Prozent meiner letzten Bewerbungen erhielt ich nie eine Antwort. Ich habe mich auch bei einer Personalvermittlung beworben, über die ein gewisser Branchenführer in meinem Bereich inzwischen ausschließlich Bewerber einstellt. Bei jeder Bewerbung ruft mich der zuständige Vermittler zwar sofort zurück, allerdings nur um mir nochmal die Ausschreibung vorzulesen und mir jedesmal zu erklären, dass er ja von diesem Fachchinesisch keine Ahnung hat und ja gar nicht einschätzen kann, ob ein Bewerber passt oder nicht. Absagen erhalte ich von ihm nie, höchstens neue Stellenausschreibungen, die überhaupt nicht auf mein Profil passen, da er ja nichts davon versteht.

    Es ist ein schöner Vorsatz, Absagen nicht persönlich zu nehmen. Wenn man als hochqualifizierter Bewerber allerdings nur noch respektlos behandelt wird, nagt das mit der Zeit schon sehr an einem. Ich kann die Feststellung aus dem Artikel sehr gut nachvollziehen, dass man als Bewerber auch immer weniger Zeit in eine Bewerbung investiert. Wofür soll ich noch mehr Energie verschwenden, wenn mir nicht mal ein Grundmaß an menschlichem Respekt entgegengebracht wird?

    Gründe für eine Absage zu schreiben? Gibt es das überhaupt? Außer standardisierten und politisch korrekten Floskeln habe ich noch nichts gelesen. Ehrlich gesagt, finde ich das auch nicht so schlimm, so lange wenigstens soviel Restanstand vorhanden ist, den Bewerber beim Namen zu nennne. Das Gegenteil kommt jedoch immer mehr in Mode: Ich habe mich letztes Jahr bei einem Unternehmen beworben, dass es nach zwei Runden von gut verlaufenen Telefoninterviews geschafft hat, eine generische Absageemail ohne namentliche Anrede und ohne persönlichen Absender zu verschicken.

    Auch wenn es zu einem persönlichen Interview kommt, sind meine Erfahrungen nicht sonderlich motivierend. Eine Einladung zu einem Assessment Center bei einem hoch angesehenen Branchenprimus lief nach bestandenem Telefoninterview so ab, dass ich weniger als eine Woche vorher einen Anruf erhielt „Ein anderer Kandidat hat abgesagt, die Plätze für 10 Teilnehmer sind gebucht und für die Durchführung würden wir auch 10 Teilnehmer brauchen….. Sie könnten als Nachrücker teilnehmen.“ Ich habe (leider) teilgenommen und wurde auch als solch ein Nachrücker behandelt, den man lediglich als Statist ohne realistische Chance auf den Job brauchte.
    Andere Firma, anderes Beispiel: persönliches Interview mit der Aussage, man könne in drei Wochen mit einer Rückmeldung rechnen. Dieses Interview ist jetzt acht Wochen her und ich habe bisher nichts gehört. Aus persönlichen Quellen weiß ich, dass ein anderer Kandidat bereits die zweite Runde der Interviews absolviert hat und Vertragsverhandlungen laufen. Bevor er nicht unterschrieben hat, werden keine Absagen verschickt, um im Zweifelsfall noch ein Backup zu haben. Wofür dann eine konkrete Aussage über die Zeit, wann man mit Feedback rechnen kann? Nur damit ich mir ohne direkte Absage, selbst einen Reim drauf machen kann?

    Ich bin eine der oben erwähnten hochqualifizierten MINT Absolventinnen, also auch noch weiblich… angeblich ja händeringend gesucht. Wenn ich noch einmal Fachkräftemangel höre, dann werde ich im besten Fall nur noch lachen. Schließe mich der Meinung an, dass dieser höchstens bei schlecht bezahltem, schlecht ausgebildetem „Fußvolk“ besteht.

  27. Ich kann mich hier nur den anderen Kommentaren anschließen – es ist einfach unmöglich, wie manche Firmen heutzutage mit Bewerbern umgehen! Leider hat sich der Bewerbungsvorgang nicht zum Positiven geändert, egal ob digital oder analog. Schon vor über 10 Jahren musste ich leider die Erfahrung machen, noch längst nicht von allen Firmen eine Absage zu erhalten. Damals habe ich noch richtige Bewerbungsmappen zusammengestellt und per Post verschickt. Und fand es dann besonders unverschämt, wenn ich diese Unterlagen dann noch nicht mal wieder zurückerhalten habe – schließlich hat das Ganze ja auch nicht gerade wenig gekostet: vom Bewerbungsfoto angefangen bis zum Porto… Bei einer Firma habe ich sogar mehrfach immer wieder angerufen – zunächst, um mich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen, nachdem ich leider immer noch keine (schriftliche) Antwort erhalten habe, später dann „nur“ noch, um meine Unterlagen zurück zu fordern – welche ich natürlich nie wieder gesehen habe! Wirklich traurig, was man in einer Bewerbungsphase erfahren muss…

  28. Hallo zusammen,

    einige der Kommentare haben schon den Punkt, der Initiativbewerbungen aufgegriffen – die ungefragt Arbeit erzeugen und das in Unternehmen mit zunehmend dünneren Personaldecken nicht nur im HR Bereich, sondern vielleicht auch in den Fachabteilungen welche diese dann bewerten sollten.

    Meine 2ct sind 2 Aspekte, die ich beim „Überfliegen“ der Kommentare nicht gesehen habe.

    – Trittbrettfahrer aus dem Dienstleistungssektor –

    Dazu kommt jedoch noch eine neue Qualität, mich erreichen zunehmend Schreiben, die dem äußeren Anschein nach eine Bewerbung darstellen und erst in der zweiten Hälfte des Anschreibens stellt sich heraus, dass es sich um Projektdienstleister handelt die auf der Suche nach IT Projekten sind die sich gut ausgliedern lassen. Mit anderen Worten, sie suchen keine Anstellung sondern einen Auftrag für 1500 EUR Tagessatz. Da in diesem Umfeld durchaus auch mit CVs gearbeitet wird, erschliesst sich der HR Abteilung zuweilen nicht auf den ersten Blick was hier auf dem Tisch liegt und weitere Zeit wird für unnötige Sachbearbeitung blockiert.

    Ich habe tatsächlich lange gehadert, wie ich als verantwortlicher Bereichsleiter mit solchen Dingen umgehen soll und ich bin tatsächlich zu dem Schluss gekommen, dass diese Schreiben und mit ihnen auch die Initiativbewerbungen die nicht in unsere Strategie passen, im Schredder landen.

    Das hat wenig mit Respektlosigkeit zu tun, sondern zum einen viel mit meinem eigenen Ressourcenmanagement. Und zum Anderen auch damit wie hier Erwartungshaltungen ungefragt an mich herangetragen werden und wie ein Thema – „Bewerbung“ auch okkupiert und zweckentfremdet wird um einseitige wirtschaftliche Interessen zu fördern die leider nicht dem Interesse des Unternehmens dienen, dem ich verpflichtet bin.

    – Respektlosigkeit gegenüber dem Unternehmen und seinen Sachbearbeitern –

    Tatsächlich bin ich trotz allem ein Freund von Initiativbewerbungen, aber dann bitte mit einer realistischen Erwartungshaltung.

    Das bedeutet für mich auch tatsächlich, dass ich eine Mindestmaß an Auseinandersetzung mit meinem Unternehmen erwarte und sich in der Bewerbung irgendwie wiederspiegelt welche Möglichkeiten ein Bewerber für sich in meinem Bereich sieht und wie er denkt dass er sich einbringen kann. Das muss nicht unbedingt der Realität entsprechen aber zumindest zeigt es die Bereitschaft sich mit den Gegebenheiten auseinander zu setzen und eine gewisse Phantasie.

    Bewerbungen nach dem Schema – ich will schon arbeiten aber ich kann nur dies und das und dabei soll es bitteschön bleiben – machen leider aktuell die Mehrheit der Blindbewerbungen aus, und sind insofern für mich nicht auch noch wert, mit einer höflichen Antwort bedacht zu werden. Bewerbungen dieser Art, reflektieren für mich eine Respektlosigkeit dem Unternehmen gegenüber, für das man arbeiten möchte. Wieso soll ich eine Antwort senden, wenn der Bewerber signalisiert dass es ihm „nur ums Geld“ geht und nicht auch tatsächlich um das Unternehmen?

    Das ist sicher nicht der populäre Aspekt in diesem Thread. Und auch mich erreichen regelmäßig tolle und interessante Bewerbungen, um die ich mich dann auch gerne, angemessen und respektvoll kümmere, auch wenn ich keine Stelle zu vergeben habe. Leider machen die Negativbeispiele aktuell die Mehrheit aus.

    Kyp. F.

  29. Guten Tag Herr Slaghuis,
    ich kann Ihren Beitrag absolut teilen. Meine Erfahrungen in den letzten Wochen haben gezeigt, dass ein direktes persönliches Gespräch bzw. eine Anfrage in Form eines Anrufs beim fachlichen Entscheidungsträger die positivsten Reaktionen hervorgerufen hat. Das geht natürlich nicht bei allen Positionen und Ausschreibungen. Bei mir ging es beispielsweise um Positionen als Key Account Manager.
    Aber auch andere Erfahrungen und Reaktionen auf Bewerbungen seitens Headhunter oder Personaler haben mich nur verwundert. Da fragt man sich, ob man selbst auch so behandelt werden möchte. Unpersönliche und Standard- Absagen per Mail, obwohl im Vorfeld persönlich gesprochen wurde. Rechtslage hin oder her. Ich hatte das ein oder andere mal den Eindruck, dass schlichtweg nicht der Mut da gewesen ist eine Absage direkt und offen zu kommunizieren. Das ist für den einen oder anderen sicher einfacher zu verstehen.

  30. Guten Tag,

    zunächst einmal fand ich Ihren Artikel sehr interessant. Leider habe ich mich an zahlreichen Stellen wiedergefunden. Vor knapp zwei Jahren befand ich mich in einem umfangreichen Bewerbungsprozess und das meiste hätte ich Ihnen auch genauso schildern können.

    Als traurige Ergänzung hätte ich auch noch zwei Geschichten …

    Die erste war bei einem Maschinenbauunternehmen bei dem ich mich beworben habe. Auch dieses Unternehmen verfügte über ein Online-Bewerbungsportal. Also Bewerbung fertig gemacht, abgeschickt … und keinen Status erfahren. Stattdessen erreichte mich aus heiterem Himmel, knapp sechs Monate später eine E-Mail dass das Unternehmen jetzt mehrheitlich in neuem Besitz ist. Wenn man weiterhin Interesse hat an einer Stelle, soll man sich bei dem neuen Unternehmen bewerben, alle Bewerbungsdaten wurden gelöscht.

    Ich fühlte mich wirklich vor den Kopf gestoßen. Ich habe an der Bewerbung gearbeitet, sie Bekannten gezeigt die für mich drüber gelesen haben. Aber nicht einmal hat sich wohl ein Mensch meine Bewerbung angeschaut, sondern sie wurde einfach gelöscht. Enttäuschend …

    Meine zweite Geschichte behandelt eigentlich das Gegenteil, nämlich wie man einen Bewerber vergrault dem der Arbeitgeber zusagt.

    Ich hatte mich auf eine interessante Stelle, die sowohl vom Inhalt für mich Interessant war, als auch dass ich vom Profil her super passte. So kam es auch, dass ich recht bald nach meiner Bewerbung von einem externen Personaldienstleister angerufen wurde. Dieser sagte mir er sei von dem Unternehmen beauftragt die Bewerberauswahl durchzuführen und er lud mich zu einem Vorstellungsgespräch ein.

    Natürlich freute ich mich. Standardmäßig frage ich beim Telefonat immer wer mir gegenüber sitzen wird, damit ich mir die Namen einprägen kann und entsprechend höflich auftreten kann.

    Als dann das Bewerbungsgespräch kam, war ich überrascht als nicht nur der angekündigte Personaldienstleister und „mein zukünftiger“ Chef mir gegenüber Platz nahmen sondern auch noch der Geschäftsführer der mir nicht angekündigt war. Naja souverän damit umgehen und gut …

    Das Gespräch verlief in angenehmer Atmosphäre und einige Tage später erhielt ich wieder einen Anruf. Der Personaldienstleister teilte mir mit, dass er heute noch den Vertrag versenden werde, das Unternehmen möchte mich einstellen.

    Natürlich freute ich mich. Trotzdem sagte ich dem Dienstleister dass ich mir den Vertrag in Ruhe durchlesen möchte und dann meine endgültige Entscheidung treffen werde. Dafür erbat ich mir eine Bedenkzeit von einer Woche.

    Was danach folgte hat mich total verstört. Ein Tag nach dem der Vertrag angekommen war, rief plötzlich der Geschäftsführer an und fragte ob ich den Unterschrieben hätte. Ich war verwirrt und nahm an die Kommunikation zwischen Dienstleister und Auftraggeber klappt nicht. Ich erbat erneut Bedenkzeit übers Wochenende, also die knappe Woche.

    Zwei Tage darauf, das Wochenende war noch nicht gekommen, rief mich der Geschäftsführer erneut an. Ich hatte ja jetzt Bedenkzeit ob ich denn schon unterschrieben hätte. Ich müsse den Vertrag ja auch nicht mit der Post schicken, sondern können den einfach Abends einwerfen. Wieder sagte ich, dass ich erst am Wochenende die nötige Zeit und Ruhe fände den Vertrag und seine Modalitäten durchzulesen und bat ihn (sinngemäß) Ruhe zu bewahren.

    Als dann das Wochenende endlich gekommen ist, konnte der Geschäftsführer es gar nicht mehr abwarten. An einem sonnigen Samstag stand der Geschäftsführer ohne Ankündigung vor meiner Haustüre und wollte den Vertrag abholen. Ich glaube so entgeistert habe ich noch nie in die Welt geschaut. Meine Geduld mit diesem Verhalten war am Ende und ich habe ihn mit knappen Worten nach Hause geschickt. Am Sonntag!!! wiederholte sich dieses Spiel, nur öffnete ich gar nicht mehr die Türe.

    Am Montag habe ich schließlich meine Entscheidung kund getan diese Stelle nicht anzutreten. Bis heute kann ich dieses Verhalten weder zuordnen noch einschätzen.

    So viel zu meinen zwei Geschichten … vielleicht können Sie mir ja auch aufzeigen ob ich da gedanklich verkehrt unterwegs war.

    Und eines möchte ich noch los werden zum Thema standardisierte Bewerbungen …

    Wie es in den Wald rein ruft, so hallt es zurück. Unternehmen haben 0815 Vorlagen für Stellenanzeigen. In allen ist das gleiche zu lesen. Ich war in der Vergangenheit Vertriebsmitarbeiter. Für die meisten Unternehmen mussten auch solche Angestellten Teamfähig sein, wie jede andere Stelle im Unternehmen, wahrscheinlich auch der Schließdienst. Dass ein Vertriebsmitarbeiter der beim Kunden sitzt, aber eher Einzelkämpfer ist und über die nötigen Soft Skills verfügen sollte, Null Hinweis.

    Also von dem her … wenn Unternehmen sich mehr Mühe geben mit ihren Stellenanzeigen und wie sie schon sagten wieder ehrliches Interesse an Bewerbern zeigen. Dann werden sich die Bewerbungen auch ganz automatisch wieder verbessern. Meiner Meinung nach …

    Freundlich grüßt

  31. Nun, ich selber habe leider auch gerade ein Negativ Beispiel beizusteuern.
    Bwerbung intern auf eine Stelle mit der Anforderung: Qualifikation Fachinformatiker mit Schwerpunkt SQL und Reporting. Als Absage habe ich erhalten „Leider erfüllen sie die Fachlichen Voraussetzungen nicht.“. Das hat mich dann doch sehr erstaunt das ich mit einem Bachelor Abschluss in BWL/Management/ Informatik und über 10 Jahre tätigkeit als Datenbankadministrator mit gleichzeitiger Betreuung von dazugehörenden Anwendungen, nun doch wohl noch einige fachliche Lücken in meinem Lebenslauf aufweise.
    Zu einem Vorstellungsgespräch ist es hierbei nicht gekommen, es wurde rein nach Papierlage entschieden. Und das Erstaunliche ist das die Anzeige nach 3 Monaten extern ausgeschrieben worden ist.
    Und das beste kommt zum Schluss, wurden wir nun gefragt (E-Mail) ob wir die Abteilung der die Stelle zugeordnet ist, nicht unterstützen könnten. Diese benötigten nun Hilfe bei der Erstellung einer Datenbank um die Bewerber zu testen. Ich habe mich bei der beantwortung der E-Mail zurückgehalten und ein Kollege der sich nicht beworben hat, leistet hier nun die hilfe.

  32. Als Bewerber gucke ich immer erstmal nach den Arbeitgeberbewertungen in den gängigen Portalen. Sicher wird dort erstmal viel genörgelt, Gründe zur Freude werden halt ungern geteilt ;-)
    Bei der Qualität der Stellenanzeigen gibt es fast immer einen Grund, Fragen zu stellen. Dabei kann man sehr schnell feststellen, ob man als Bewerber zur Last fällt oder das Unternehmen interessiert ist. Entsprechend fällt dann auch meine Entscheidung aus, ob ich mir für die Stelle jetzt wirklich noch etwas einfallen lassen oder mir die Mühe spare.
    Ganz klasse fand ich nach einem Gespräch mit einem spürbar genervten Gesprächspartner die Aussage, ich möge doch meine Unterlagen einreichen. Ich habe dann eine Absage versendet und mich bei höflichen Tonfall für einen anderen Arbeitgeber entschieden.

    Mein Fazit: Bevor ich mir lange die Mühe mache, erstmal schauen, ob der Arbeitgeber das denn überhaupt wert ist…

  33. Ganz besonders schlimm empfinde ich am ersten Fall die Geschwindigkeit der Absage – das kann doch niemals in der ausschreibenden Fachabteilung gelandet sein. Mich ärgern die IT-HR-Bewerbungs-Tools an der Stelle ganz besonders. Dort sind scheinbar irgendwelche Filter eingebaut, die anhand der eingegebenen Daten die Bewerbungen direkt, schnell und effizient schon in der HR Abteilung aussortieren, „wegfiltern“. Meine Vermutung ist, dass dort solche Kriterien wie „Mini-Lücke im Lebenslauf“, „Anzahl Arbeitgeber pro X Jahre“, „Studiendauer“, „Notendurchschnitt über alle Fächer“, „Alter“, usw direkt zum „Ausschuss“ führen. Vielleicht wie eine Art Schufa-Score-Wert, sozusagen der „HR-Job-Score“… :-). Da braucht man sich als Arbeitgeber auch nicht wundern, wenn plötzlich in der Fachabteilung keine Bewerbungen mehr eintrudeln – getreu dem Motto „Deutschland sucht den Super-Bewerber“.

    Bei meinem letzten Arbeitgeber (Pharma) war ich in den Bewerbungsprozess selbst eingebunden. Wir hatten von HR wirklich JEDE Bewerbung auf unsere Spezialistenstelle inkl. aller Unterlagen bekommen (auch die vom Pförtner..), wir haben uns auch JEDE selbst angesehen, soweit ich weiß gab es auch immer eine Antwort durch HR. Als wir dann nur 2 Bewerberinnen einladen konnten, weil nur bei den beiden im Lebenslauf überhaupt irgendeine Verbindung zu den gewünschten Fachkenntnissen enthalten war, durchliefen die Gespräche eher durchwachsen. Bewerberin Nummer 1 hatte sich scheinbar mit unserem Unternehmen vorab nicht beschäftigt, konnte also zu unserem Tages-Geschäft und den typischen Anforderungen im Fachbereich (=z.T. grenzüberschreitender Verkauf von Pharmaprodukten) gar nichts sagen. Sehr enttäuschend (wie arbeitet jemand der sich noch nicht mal aufs Vorstellungsgespräch ein bisschen inhaltlich vorbereitet, wir haben nichts schwieriges/spezielles gefragt?). Wir haben auch im Gespräch direkt Feedback gegeben. Bewerberin Nummer 2 machte dann einen viel besseren Eindruck, da hatten wir dann mehr Glück gehabt.

    Ich finde, viele Unternehmen machen sich das Arbeitsleben mit solchen IT HR Prozessen unnötig schwer. Liebe HR, lasst doch die Fachabteilungen grundsätzlich entscheiden wessen Bewerbung sie lesen und wen sie einladen, die wissen es eh besser wen sie brauchen, und müssen auch dann mit der Entscheidung jeden einzelnen Arbeitstag selbst leben. Ich finde, man sollte als HR den Prozess beratend, unterstützend und auf Risiken hinweisend begleiten, aber die Entscheidungen grundsätzlich (von Ausnahmefällen abgesehen) nicht der Fachabteilung durch IT-Filter, Score-Werte o.ä. vorweg nehmen.

  34. Sicher treffend, auch wenn ich es so extrem noch nicht erlebt habte. Aber selbst renommierte Unternehmen wählen ihre Absagetexte nicht wirklich geschickt. Ein positives Gegenbeispiel gibt es in der Schweiz: Swisscom. Ein sehr beliebter Arbeitgeber mit vielen Bewerbungen. Aber die Absagen sind personalisiert und verraten auch, warum es nicht passt. Nicht ohne Grund wurde der Swisscom-Recruitingprozess als der beste der Schweiz ausgezeichnet. Bewerber fühlen sich nicht „geohrfeigt“ und die Sympathie für das Unternehmen bleibt erhalten.

    1. Nicole Hurni von Swisscom schreibt dazu!
      Im Grunde genommen gibt es Candidate Experience bereits so lange, wie es auch Bewerbungsprozesse gibt. Der Begriff als solches ist neu, weil die Perspektive des Bewerbenden bislang nicht bewusst eingenommen wurde. Das veränderte Rekrutierungsumfeld hat zur neuen Betrachtungsweise geführt, ein Bewerbungserlebnis bieten zu wollen. Die Interaktion mit dem Bewerbenden hat sich verändert. Entgegen einem früheren Verständnis läuft die Kommunikation heute auf Augenhöhe ab. Umschreiben lässt sich das wohl am Treffendsten mit „Mindshift im Recruiting“, wonach sich Unternehmen bei potenziellen Mitarbeitenden bewerben.

  35. Mit den Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren mit Bewerbungen gesammelt habe, glaube ich immer weniger an einen echten Fachkräftemangel.

    Ein extremes Beispiel erlebte ich bei einem großen international tätigen deutschen Konzern, der alle Bewerbungen über eine zentrale Datenbank abwickelte: Die Eingabemaske erwartete als Pflichtfeld die Angabe einer Staatsangehörigkeit. Allerdings fehlte in der Auswahlliste die Staatsangehörigkeit „deutsch“. Es gab für den interessierten Bewerber auch keinerlei Hintertürchen mit einer Dummy-Eingabe, einer Email-Adresse oder Service-Telefonnummer bei Störungen im System. Ergebnis: Bewerbung von Fachkräften technisch unmöglich.

    So ich mich erinnern kann, hat der Konzern sogar in aller Öffentlichkeit lautstark darüber geklagt, in Deutschland einfach keine Bewerber mehr zu finden … . Wenn er ihnen nicht einmal die Interessensbekundung ermöglicht?

    Ein anderes Thema ist die unzureichende Behandlung von interessierten Seiteneinsteigern und Quereinsteigern, die nicht alle geforderten formalen Abschlüsse oder Zertifikate haben, durchaus aber clever genug sind, sich schnell einzuarbeiten und bei berufsbegleitender Schulung etwa die Abschlüsse nachzuholen. Sie werden erbarmungslos als „Passt nicht“ aussortiert. Ebenso kann man allein mit ein paar Einstellungen in der Datenbank auch alle älteren Bewerber oder unliebsame Namen oder ungeliebte Wohnorte ausgrenzen. Die bewerbende Person, die hie rzufällig die „falschen“ Merkmale hat, hat bei allem guten Willen gegen diese Datenbanksysteme einfach keine Chancen.

    Ein weiteres Thema sind Fake-Anzeigen besonders von bestimmten Zeitarbeitsfirmen und Personalrecruitern. Mitarbeiter am Telefon sind die ausgeschriebenen Stellen in ihren aktuellen Anzeigen unbekannt. Sie können sie in ihren Computern auch nicht auffinden. Internes Nachfragen schafft keine Klarheit über die Stellen. Sie können sich die Stellenausschreibungen überhaupt nicht erklären. Schalten hier Roboter die Stellenanzeigen? Die Mitarbeiter können nichts dafür. sie müssen die Mängel ihres Systems ertragen. Doch wie vertrauenswürdig – auch für andere Geschäfte – ist ein Unternehmen, das solch eine Unternehmenskultur gegenüber Bewerbern pflegt?

  36. Die Frage ist, wie diese Human Recources-Leute mit der Tatsache umgehen, dass ihre Ressourcen immer weniger vorhanden sind. Es ändert sich von Arbeitgeber zum Arbeitnehmer-Markt.
    Ich persönlich merke mir, welche Firmen in dieser herabwürdigenden Art agieren und setze sie auf meine schwarze Liste. Sollten das mehr Leute tun, werden diese Unternehmen in Zukunft keine Arbeitnehmer mehr bekommen.

  37. Sehr interessant! Meine „Biografie“ ist ziemlich „interessant“ für Arbeitgeber! Habe nach einer BMS zunächst zwei Jahre in der Industrie gearbeitet. Danach wurde ich beschäftigungslos und habe diverse Weiterbildungsmaßnahmen absolviert. Danach habe ich näher an meiner Qualifizierung für ca. 5 Jahre arbeiten können. Ich entschloß mich dann, aus eigenem Antrieb heraus und neben dem Beruf die Studienbefähigung nachzuholen (Vollzeit gearbeitet, gependelt -pro Tag ca. 190 km, und zusätzlich 4 mal pro Woche bis spät abends am Kurs teilgenommen für ein Jahr). Danach Vollzeit Studium in einem technischen Bereich, immer studienbegleitend gearbeitet, Bachelor und Master mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Schon vor dem Studienabschluß einen interessanten und fachlich passenden Job gefunden.

    Mein Lebenslauf enthält „keinen klassischen roten Faden“, hat Lücken aufgrund der Arbeitslosigkeit zwischendurch, und enthält einen radikalen Bruch: Nach BMS (Handelsschule) Industrie/Handel danach technisches Studium (Bauingenieur).

    Bei früheren Bewerbungen auf adäquate Stellen im Baubereich wurde, neben vielen Absagen, bei manchen Gesprächen immer wieder auf den „fehlenden roten Faden“ hingewiesen und auf die Arbeitslosigkeit (Dauer in Summe 1 Jahr) vor über 10 Jahren! Das war meist Hauptgesprächsthema!

    Das ich aber aus dem „Nichts“ heraus, die knallharte Studienbefähigung nachgeholt habe, in Mindeststudienzeit mit guten Noten und ausgezeichneten Abschlüssen 2 Studien absolviert habe, und ständiger beruflicher Tätigkeit neben dem Studium (an Wochenenden) belastet war, war nie groß Thema bei Bewerbungsgesprächen….

    Meine Erfahrungen mit Personalern:

    – Fokus auf einen „roten Faden“ im Lebenslauf (Zynisch: …man muss schon seit dem Kindergarten mit klarem Ziel einen Berufswunsch haben und diesen mit Energie, Ehrgeiz und Vehemenz bis zur Pension verfolgen. Ja keine Abweichung vom in der Volksschule gewählten Berufswunsch und ja keine spätere „Umschulung – Studium“ auf ein neues berufliches branchenfremdes Ziel! -wird einem als Wankelmütigkeit ausgelegt ….)
    – Trotz „bewiesenen“ Ehrgeiz in meinem Lebenslauf wurde mir fehlende Praxis – die ich nie und nimmer in einer Einschulungsphase kompensieren könnte – vorgeworfen! -KLAR bewarb ich mich natürlich während und nach des Studiums auf „Einsteigerjobs“, trotzdem hatte ich das Gefühl, trotz Studiums und diverser facheinschlägiger Praxis während des Studierens, nichtmal als Einsteiger wahrgenommen zu werden …..

    Alles in allem beschwere ich mich hier auf hohen Niveau da mir ja Vertrauen entgegengebracht wurde!

    Mein Fazit:

    Junge HR-Menschen nach dem Studium sind gnadenloser als automatisierte Prozesse beim Sortieren, Software kann nicht den Ehrgeiz und das Herzblut eines Menschen sehen der sich von „unten“ nach oben gekämpft hat sondern nur nackte Fakten -OK, da wird in meinem Fall eine Absage oft natürlich gewesen sein. HR-Menschen können solches doch erkennen und sortieren trotzdem aus ….wirklich bitter ….

    LG

  38. Vielen Dank für den treffenden Artikel und die interessanten Kommentare. Ich fühle ich in meiner Erfahrung weitestgehend bestätigt. Wobei ich ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht habe.

    Ich bin seit Februar 16 arbeitslos, habe bisher 50+ Bewerbungen geschrieben (alle individuell auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten und mit einem persönlichen Touch) und doch tatsächlich 23 (!!!) offizielle Absagen bekommen (immerhin fast 50%). Die meisten waren unspezifisch und auf Rückfrage kamen auch keine Tipps, was ich verbessern könnte.

    In wenigen Fällen jedoch hatte ich anschließend noch nette Telefonate, in denen ich tatsächlich erfuhr, daß leider nicht annähernd das Budget vorhanden wäre, um mich bezahlen zu können, sonst hätten sie mich sehr gerne genommen, da Lebenslauf und Qualifikationen wahnsinnig beeindruckend sind.

    Ich bin eine nicht-akademische Fachkraft, war aber in meinem Beruf bisher leistungsstark und erfolgreich (bis zum untersten Managerlevel) und möchte natürlich nicht mit 50 Jahren und 25 Jahren Berufserfahrung mit einem Anfängergehalt abgespeist werden. Das ist unseriös, schmälert meine Leistungen und macht mich unglaubwürdig. Ich habe eine gute Vorstellung davon, was ich auf dem freien Markt wert bin und das möchte ich auch in etwas verdienen.

    Aber das Dilemma ist folgendes: Auf Führungspositionen brauche ich mich nicht bewerben, denn ohne Studium falle ich schon durch den ersten Filter hindurch. Bei etwas rangniedrigeren Stellen scheinen die Abteilungsleiter nervös zu werden und Angst um ihren Stuhl zu haben. Trifft beides nicht zu, ist man einfach „zu hochqualifiziert“ – sprich: zu teuer.

    Es ist immer wieder die gleiche Geschichte – gesucht wird die eierlegende Wollmilchsau aber kosten darf sie natürlich nichts. Der Fachkräftemangel ist hausgemacht. Und solange es Bewerber gibt, die für (fast) umsonst arbeiten, wird sich dieses Ungleichgewicht auch nicht eliminieren lassen. Denn das ist es, wonach viele Arbeitgeber verständlicherweise unter dem wachsenden finanziellen Druck suchen: Die günstigste Option auf Arbeitskraft, nicht unbedingt die beste.

    Übrigens kann ich auch bestätigen, daß Arbeitsvermittler oft teilweise völlig sinnfreie Angebote senden, obwohl sie ein vollständiges Profil vorliegen haben. Ich denke auch das ist deren Arbeitsdruck geschuldet. Zu Beginn habe ich noch immer um Anpassung und Zusendung geeigneterer Stellenangebote gebeten. Mittlerweile ignoriere ich diesen Unsinn und fokussiere mich auf die Stellen, die ich selbst finde und von denen ich glaube, daß sie zu mir passen.
    Am Ende des Tages habe ich so ein klein wenig mehr Zufriedenheit in mir.
    Allen Suchenden viel Glück und Erfolg!

  39. Hallo, in die Runde!

    Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, wo das Internet und E-Bewerbungen noch in den Kinderschuhen steckten, also man noch alles analog erledigen musste. Schon damals gab es Respektlosigkeiten, Diskriminierung, emotionale Kälte/Distanz und ähnliche Sperenzchen. Ausser der fortschreitenden Digitalisierung, hat sich im Prinzip nicht viel geändert . Die Herren/Damen, die den Entscheidungsträger mimen, werden eher immer dreister.

    Ein paar Beispiele aus dem ‚Steinzeitalter des Internets‘:

    * Man wird zu einem Bewerbungs-Gespräch eingeladen, wartet erst mal, unterzieht sich einem Bewerbungs-Test mit einigen anderen Bewerbern. Mit viel Glück wird man in die Chef-Etage gerufen, zum Papa-Chef persönlich, aber derjenige sagt keinen Piep, grüsst einen nicht, schaut einen nicht mal an. Er schaut nur starr auf die (analogen)Unterlagen, und haut dann ein lapidares, standardmäßiges, floskelhaftes ‚wir rufen sie an‘ raus. Solche Aktionen soll man dann als Bewerber wahrscheinlich ruhig und gelassen hinnehmen, oder wie stellt man sich das vor?!?!

    * Ein anderes Mal ruft man beim Arbeitgeber bezüglich der Stellenanzeige an, weil man nähere Information erfragen möchte, doch die Chef-Etage weiß noch nicht einmal, dass eine Stellenanzeige geschaltet wurde. Ist das Real-Satire, oder wollen einen manche Arbeitgeber auf die Schaufel nehmen, weil jenen scheinbar tierisch langweilig war/ist…??

    * Wieder ein anderes Mal, hat man mich trotz fixen Termin fast eine Stunde warten lassen. Als der Chef um die Ecke kam, gab es nicht mal eine Entschuldigung respektive Rechtfertigung dafür. Wozu auch?! Man ist ja der Papa-Chef, also halten sich manche für so eine Art Sonnen-Gott, der sämtliche Privilegien geniesst – im Gegensatz zum dummen Bewerber, der quasi keine Privilegien hat.

    Als ich ihn fragte, was passieren würde, wenn sich das ein Arbeitnehmer erlauben würde, kam der Kompetenz-Simulant argumentativ plötzlich in’s schleudern und wurde etwas verlegen. :-P Unnötig zu erwähnen, dass das Bewerbungs-Gespräch nicht lange dauerte. Das war eine Splash-And-Dash-Aktion. Respekt ist keine Einbahnstrasse!

    Nun zum Thema ‚passt nicht‘: Ist es letztendlich ein Unterschied, wie die Aussage formuliert wird, wenn man schließlich und letztendlich von einem Unternehmen auf das Abstellgleis gestellt wurde?

    Ich persönlich hänge mich an solchen floskelhaften Formalitäten eh nicht mehr auf. Es ändert ja nichts am Ist-Zustand. Im Falle ‚passt nicht‘ hat derjenige wenigstens nicht endlos um den Brei geredet. Will sagen: Auch eine vermeintlich charmante Absage, die von der Länge vielleicht einem halben Roman gleichkommt, ist und bleibt eine Absage, also was soll’s, was ändert es?!

    Ja, die Digitalisierung(E-Bewerbung) hat vieles einfacher und bequemer gemacht, aber der menschliche Faktor bleibt immer mehr auf der Strecke. Es braucht einfach einen radikalen Bewußtseins-Wandel in dieser verkorksten Arbeitswelt, die sich manche auch noch auf zynische, selbstgefällige Art und Weise schönreden. Teilweise ist die Situation einfach nur noch völlig absurd.

    Es nützt eben nichts, gewisse Zustände und Umstände mit hohlen Phrasen wie ‚Employer Branding‘, ‚Candidate Experience‘, ‚Social Corporate Responsibility‘ zu kaschieren, wenn es darunter teilweise stinkt, wie unter einem Gulli-Deckel.

    Zum Glück hab‘ ich diese Sperenzchen hinter mir, da ich seit einiger Zeit den Job habe, den ich haben wollte. Es war ein steiniger Weg dorthin. Die Arbeitswelt ist kein Pony-Hof.

    Andererseits ist keiner vor solchen Situationen sicher und davor gefeit, da hab‘ ich auch schon Manager fallen und jammern gesehen. Da gilt dann das Motto: Je höher man steigt, desto tiefer kann man fallen. Guten Flug! :-P In der vagen Hoffnung, dass manche daraus etwas lernen und auch endlich etwas ändern.

    Natürlich gibt es auch ein paar wenige Lichtblicke, wo ich in seltenen Fällen genau so schnell einen Job hatte, so schnell konnte ich nicht mal ‚Keks‘ sagen. Passt, sitzt und hat Luft! In diesem Sinne…, die Hoffnung stirbt nie! ;-)

  40. Das ist ja alles noch vergleichsweise harmlos…. was man heutzutage als Bewerber so alles erleben kann, hätte ich mir in meinen wildesten Phantasien nicht träumen lassen.
    Umgangsformen, Stil un Verbindlichkeit vergesst es, die Zeiten scheinen endgültig vorbei zu sein.
    Gerade auch bei den großen global Playern am Markt, mit ihren ethischen und moralischen Grundsätzen, die tonnenschwer so mache repräsentative Eingangshalle zieren.
    Selbst verbindliche Zusagen lösen sich nach Wochen in zerebralem Wohlgefallen auf.

  41. Hallo interessierte Community,
    eine der dringendsten Aufgaben kann es doch nur sein, die Zahl der Bewerbungen zu reduzieren. Karriereberater empfehlen ihren Klienten sicher alle, sich nur auf die Dinge zu bewerben, die wirklich passen und Sinn machen. Aber ich denke, alle Kollegen erleben Beispiele, in denen Kandidaten eingeladen werden, obwohl das Profil nicht genau passt und mit „passt nicht“ abgewiesen werden, obwohl alle formalen Anforderungen erfüllt werden. Schreiben Arbeitgeber vielleicht nicht sorgfältig genug aus oder verstehen sie unter bestimmten Begriffen etwas anderes als ihre potentiellen Bewerber? Hier scheint mir ein Matching-Problem zu liegen.
    Barbara Hoffbauer

  42. Als ich 2009 auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle war, war ich im März/April bei einem Assessment center. Danach habe ich nichts mehr von dem Unternehmen gehört. Im August fing ich dann meine Ausbildung bei einem anderen Unternehmen an und war da auch gut aufgehoben und sehr zufrieden. Im Oktober, also nach über 6 Monaten, schickte mir das Unternehmen von dem ich nichts weiter gehört hatte dann eine Absage mit der Begründung, man habe einen geeigneteren Bewerber eingestellt. Zu dem Zeitpunkt hatten bereits alle Berufsausbildungen begonnen. Ich hätte von dieser Firma lieber nichts mehr gehört, denn 6 Monate für eine Absage nach einem Assessment Center sind eine lächerliche Zeit.

    Zusätzlich hat eine Bekannte von mir ebenfalls ihre Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht. Sie war ebenfalls bei diesem Assessment Center und hat danach eine Zusage erhalten. Als sie die Stelle dann ablehnte, weil sie ein Unternehmen gefunden hat, welches für sie passender war, wurde man im Email-Kontakt ausfallend.

    Soetwas habe ich ehrlich gesagt noch nie erlebt.

    Ich wünsche allen, die noch auf Stellensuche sind, viel Erfolg

  43. Eigentlich sind die Themen nicht neu. Ich warte noch heute auf Antworten von Mitte der 80er als ich eine Lehrstelle suchte. Von 80 oder 90 Bewerbungen haben bestimmt zwei Drittel nicht geantwortet.

    Ich habe bisher zwar in meinem Leben immer Glück gehabt in Sachen Jobs, muss aber auch sagen das der Fachkräftemangel m.E. ein selbst gebautes Problem ist. Schon immer sucht man 20 jährige mit 30 Jahren Berufserfahrung und jetzt mit meinen Anfang 50, ist man bereits ein altes Eisen. Das man einem Unternehmen noch 15 Jahre wertvolle Arbeit bieten kann, sehen viele Firmen leider nicht. Ich stehe auf dem Standpunkt, das, wenn man Interesse an einem Job hat und sich da auch da rein kniet (wenn man denn die Chance erhält), kann man mehr Branchenfremde Berufe ausüben als man denkt. Leider sehen das die meisten Firmen überhaupt nicht so – Schade eigentlich. Hier geht viel Potenzial verloren.

    LG

  44. Hallo Herr Slaghuis,

    aus meiner eigenen Erfahrung als Arbeitssuchender kann ich Ihren Bericht nur bestätigen. Leider wird der Bewerbungsprozess immer unmenschlicher und der Bewerber wird oftmals nur noch als störend empfunden und wie ein Stück Ware behandelt. Grob geschätzt habe ich nur auf 50% aller Bewerbungen eine Eingangsbestätigung erhalten und die Anzahl an Absagen liegt sogar noch darunter. Es ist sogar vorgekommen, dass nach einem Vorstellungsgespräch (z.B. bei einer großen und renomierten Firma im Berech Life Science) es keine Reaktion gab.
    Inzwischen bestehen Eingangsbestätigungen und auch Absagen nur noch aus vor vor-formulierten Textbausteinen, was sicherlich auch der Gesetzgebung geschuldet ist. Ignoranz ist meiner Meinung nach aber nicht zu entschuldigen, auch nicht mit dem Argument der Überarbeitung. Bei den Ansprüchen, die heutzutage seitens der Firmen an Bewerber gestellt werden, dürfen Bewerber im Gegenzug auch ein Mindestmass an Anstand und Respekt erwarten.
    Es gibt aber auch Bespiele (wie auch in anderen Kommentaren bereits geschrieben) von einem netten und höflichen und sogar respektvollen Umgang und auch in meinen Bewerbungsprozessen habe ich das erlebe; selbst wenn eine Bewerbung nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt hat.

    Abschliessen möchte ich sagen, dass aus meiner Sicht nicht nur der Bewerber sich bei einer Firma präsentiert, sondern im Gegenzug eine Firma sich während des Bewerbungsprozessed ebenfalls vorstellt. Und man sieht sich (immer) zweimal im Leben…

  45. Vielen Dank für diesen Artikel an Herrn Slaghuis!

    Vielen Dank auch an die vielen Schreiberlinge – die meisten Erfahrungen habe ich, leider im negativen Sinn auch machen müssen. Personalvermittler, die keine Ahnung von Ihren Kunden und somit auch nicht von den zu besetzenden Stellen haben, bis zu Stellenannoncen die nur dem Datensammeln dienen, weil es die Firma nicht gibt.

    Absagen hagelt es auch – „…, dass wir Sie nicht in die engere Auswahl nehmen können, da wir über Bewerbungen verfügen, die unserem Anforderungsprofil genauer entsprechen.“ – und danach werden sogar 2 Personalvermittler eingeschaltet. Weil man ja über Bewerbungen verfügt, die besser …. ???

    Hierbei habe auch ich die Erfahrung mit dem Unternehmen „H…“ aus Hamburg gemacht, das übrigens auf kununu nicht bewertet werden darf?!? Gesucht wurde jemand mit meinen Erfahrungen und meinem Profil – in meiner Branche. Da sowohl das Thema Marktanalyse als auch Wettbewerbsanalyse zu meinem Aufgabenbereich gehörten, kannte ich „alle“ infrage kommenden Unternehmen in der gesuchten Region. Diese Firmen habe ich kontaktiert – es waren nur 5 – doch leider hat keiner so eine Stelle ausgeschrieben. Interessanterweise haben mir die Personalchefs und ein GF – und das war eine positive Erfahrung – die möglichen Marktbegleiter genannt. Das waren genau die Unternehmen an die auch ich gedacht habe. Schon komisch, oder … ?

    Der Personalvermittler mit dem „H…“ konnte mir „natürlich“ nicht sagen ob es sich um eines dieser 5 oder vielleicht doch noch um ein mir unbekanntes Unternehmen handelte. Wie dieser Vermittler, so sind auch viele andere sehr zugeknöpft, wenn man mehr als nur die Anzahl an Beschäftigten und den Grossraum wissen möchte. Warum diese Intransparenz – im Zeitalter der „Social Media“. Sind also etwa so viele Unternehmen mit Ihren bisherigen Mitarbeitern, auch Führungspersonen so unzufrieden, das sie einen Stellenwechsel auf diese Art und Weise vorbereiten und vornehmen müssen?

    Eine Hoffnung bleibt – vielleicht werden ja gerade Aufgrund der „Social Media“ Personalvermittler bald überflüssig. In der Schweiz akzeptieren die ersten Unternehmen keine Dossiers mehr von Vermittlern und seriöse Vermittler nennen den Unternehmensnamen vor dem Versand einer Bewerbung. Vielleicht auch ein Model für D?

    Fachkräftemangel – MINT – Berufe => ist ein Thema für sich. Hier nur soviel: „BULSHIT“!!!

  46. Vielleicht sieht man es als Freiberufler entspannter. Aber im Prinzip ist es das selbe, ich biete eine Dienstleistung, der Kunde hat dafür Geld und möchte kaufen.

    Ich stelle mir gerade vor statt IT-Beratung Autos zu verkaufen. Soll ich nun jedem Interessenten, der einen flüchtigen Blick über die Vita des Fahrzeugs warf, hinterherlaufen? Und kann ich von ihm verlangen, daß er mir höflich in mehreren Sätzen den Nichtkauf bestätigt und möglichst begründet? Schließlich benötigt er ein Fahrzeug und hier steht eines. Denn ich habe mir echt Mühe gegeben mit dem Polieren und dem Showroom. Er sollte das mindestens anerkennnen, besser sich entschuldigen wenn er woanders kaufen oder nicht kaufen möchte. So er mir noch Tips gibt, wie ich einen Deppen finde, der den Karren zu dem Preis nimmt, ja dann ist er ein netter Interessent.

    Man fühlt sich besser wenn man sich als Verkäufer sieht und die Unternehmen als zahlungskräftige Kunden. Daß nicht jedes Angebot zu einem Vertragsabschluß führt muß einfach akzeptiert werden. Einem Autohaus kann es wirtschaftlich sehr gut gehen, auch bei einem schlechteren Interessent/Käufer Verhältnis als 3%.

    Das hilft natürlich niemandem, der in einem gesättigten Markt agieren muß und am Preis nichts mehr ändern kann. Dennoch bleibt der Kunde König, so sind nunmal die Spielregeln.

  47. Hallo,
    auch ich bin als JobCoach immer wieder mit dieser Absage Mentalität konfrontiert und ebenfalls häufig sehr empört. Nun gibt es ja die Ausnahmen von der Norm, die sich wunderbar von dieser beschriebenen Denkart unterscheiden. So habe ich es gerade erlebt, dass einem Bewerber, der zu einem Gespräch geladen war, im Vorfeld noch eine nette, handgeschriebene Erinnerungskarte geschrieben wurde, was mich wirklich positiv überrascht hat. Allerdings hat sich dieser Eindruck sehr schnell relativiert, als nach dem Bewerbungsgespräch, in dem vereinbart wurde, dass man sich auf jeden Fall melden wird, keinerlei Reaktion mehr kam. Was ist bloß los mit diesen Menschen, die Menschen so behandeln?

  48. Ein Jobinserat kann niemals sämtliche Details der Vakanz beinhalten. Viele Unternehmen arbeiten mit generischen Inseraten. Automatisierte Schreiben, einschließlich Absagen, tragen dafür Sorge, dass Bewerber eine Nachricht erhalten. Selbstverständlich sollten diese Nachrichten der mitteleuropäischen Höflichkeit entsprechen, alles andere lässt Rückschlüsse auf die Unternehmensphilosophie zu.

    Eine Frage, die ich mir als ehemalige Rekrutierungsperson nicht verkneifen kann, sei jedoch hoffentlich erlaubt: Wenn besagte Bewerberin mehrere Tage am Anschreiben feilt, warum investiert sie nicht die Zeit, um beim Adressaten zusätzliche Informationen einzuholen? Einfach so auf ein Inserat mit einer Bewerbung zu antworten, ist aus meiner Sicht nicht mehr wirklich „up to date“.

    1. Eine automatisierte Antwort ist in der heutigen Zeit überhaupt kein Problem mehr. Weder als Eingangsbestätigung noch als Absage. Aber, es tut mir leid das sagen zu müssen, das scheint bei vielen Firmen in Deutschland noch nicht angekommen zu sein. Es wäre erfreulich wenn mit zunehmender Automatisierung zumindest solche (selbstverständllichen) Formalien durchgängig Einzu halten würden.

  49. Wenn man mich mit einem lapidaren „passt nicht“ abspeisen würde, würde ich eine Antwort schicken: „Ihre Absage hat mir gezeigt, dass der in Ihrem Unternehmen vorherrschende Stil nicht der Meine ist. Ich werde Ihre Firma von der Liste der für mich in Frage kommenden Arbeitgeber streichen!“.

  50. Vielen Dank für diesen Artikel an Herrn Dr. Slaghuis und alle, die ihre Erfahrungen hier dargestellt haben!

    Leider sind dies heutzutage keine „Ausnahmen“ sondern die Regel. Manchmal wird man selbst als Bewerber um eine Führungs- oder Vertriebsposition behandelt als wäre man der letzte Bettler – oder man wird gänzlich ignoriert. (O-Ton: „Wenn Sie nach 2 Monaten noch keine Nachricht bekommen haben, können Sie sich ja wohl denken, dass Sie nicht in der engeren Auswahl sind“)

    Das mit den „fehl-„qualifizierten HR-Managern kann ich ebenfalls bestätigen, erhielt ich doch als Dipl.Ing. für Papiertechnik die Absage, dass mir für den Vertrieb von Wellpappe und Kartonagenverpackungen die notwendige Qualifikation fehle. So kann man auch die Fallen des Antidiskriminierungsgesetzes bei der Generation 50+ umschiffen – und das bei einer namhaften Personalagentur.

    Zur Ehrenrettung muss ich aber auch sagen, dass es noch Firmen und Personalagenturen gibt, die sich wirklich Zeit für qualifizierte Befragungen nehmen und Absagen mit Tips und Hinweisen verbinden bzw. sogar später von selbst Angebote unterbreiten.

    Insgesamt geht aber der Trend wirklich zu HR-Management 4.0, wo scheinbar ein Computer anhand der Anzahl der passenden Schlagworte im Bewerbungsschreiben und einem Altersfilter die Entscheidungen trifft.

  51. Ich habe tatsächlich schon mal erlebt, wie sich eine Firma Mühe gibt, jemanden einzustellen, und den Bewerber auch richtig umwirbt:

    Mein Sohn hatte sich auf eine Leerstelle beworben. Leider hatten wir den Bewerbungsschluss übersehen. Dennoch haben wir die Bewerbung mit dem Hinweis auf dem überlesenen Bewerbungsschluss abgeschickt und glaubhaft gemacht, dass er bei dieser Firma anfangen will. Nach einer Woche wurde mein Sohn von der Ausbildungsleiterin angerufen und zu einem Assessment in der kommenden Woche eingeladen. Am Tag nach dem Assessment wurde er wieder angerufen und zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen. Am Tag nach dem Vorstellungsgespräch wurde er wieder angerufen und gefragt, ob er mal einen Nachmittag zur Probe arbeiten würde.Am Tage nach dem Probearbeiten wurde er von der Ausbildungsleiterin angerufen und ihm wurde im Telefonat ein Ausbildungsvertrag angeboten. Diesen hat er dann auch unterschrieben.

    Er hatte sich fast gleichzeitig mit dieser Bewerbung auch bei anderen Firmen beworben. Aber während er hier 4 Wochen eine sehr ausführliche Sichtung durchlaufen hatte, sind die anderen Firmen nach 5 Wochen erst darauf gekommen, ihn einzuladen. Die anderen Firmen hatten also ihre Zeit verplempert und so sich der Chance beraubt, einen guten Auszubildenden anzuschauen und letztendlich auch einzustellen.

    Bei dem Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt (zumindest im Süden der Republik) verstehe ich das Verhalten der Firmen nicht. Es muss doch jede Firma um den passenden Bewerber kämpfen und nicht sich durch ihr Verhalten auch für andere Bewerber disqualifizieren. Das spricht sich doch letztendlich auch rum. So kommen dann die Firmen auch nicht mehr zu den Bewerbern, die sie vielleicht gerne gehabt hätten.

  52. Es ist bei mir fast die Regel, keine Absagen zu erhalten, oft noch nicht einmal nach einer per E-Mail erfolgten Rückfrage, ob der Bewerbungsprozess für die Stelle bereits abgeschlossen ist oder ob man noch hoffen darf. Und einmal sogar, nachdem ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen war und dies auch wahrgenommen hatte!

  53. Bedauerlicher Weise gibt es offensichtlich in Bewerbungsprozessen den Trend, Bewerber grundsätzlich als Bittsteller zu behandeln. Wo bleibt das Prinzip der Augenhöhe? Auch glaube ich nicht, dass Personaler, Recruiter und Headhunter Fähigkeiten aufweisen, die eine solche Behandlung rechtfertigen. Die meisten Bewerber stehen mit ihrem Fachwissen und Fähigkeiten wohl weit über denen solcher „Kopfgeldjäger“, da Sie aufgrund ihres persönlichen Profils ein Angebot für das personalsuchende Unternehmen darstellen und damit zum längerfristigen Erfolg für Unternehmen beitragen könnten. Wo ist dieser Erfolg in Bezug auf Personalsucher? HR Abteilung sind bis heute nur Kostenverursacher in Unternehmen und leisten keinerlei wirtschaftlichen Beitrag. Solange Personalabeilungen nicht als Profitcenter agieren müssen, wird sich auch wenig ändern. Nur wer Verantwortung hat, wird motiviert und engagiert seine Aufgaben erledigen und zum Unternehmenserfolg seinen Beitrag leisten!
    Schon fast beschämend finde ich, dass es auch im XING-Netzwerk solche Recruiter gibt, die sich bei ihren Netzwerkpartnern mit automatisierten Statements wie “ Wenn wir uns nicht innerhalb der nächsten 48 h melden, können wir sie für die ausgeschriebene Stelle nicht berücksichtigen“ gar nie persönlich melden. Bitte löscht solche Kontakte umgehend aus eurem Netzwerk – wie ich es auch getan habe – denn sie sind keine Netzwerkpartner!

  54. Ich finde Ihren Beitrag und das Thema generell sehr interessant – und sehe tatsächlich auch einen Trend. Ich bin Freiberuflerin (Journalistin) und habe vor Kurzem erst eine Erfahrung mit einem der „Big Player“ am Markt gemacht, die mich sprachlos zurücklässt. Wie kann man/warum geht man so mit potenziellen Mitarbeitern um? Freiberufler scheinen da ganz am Ende der Fahnenstange zu stehen. Ich spreche von fehlendem Respekt und einer „normaler“ Kommunikation. Als Journalistin würde ich in der nahen Zukunft gerne einmal einen Bericht über das Thema – Der Umgang von Unternehmen mit Bewerbern heute – schreiben. Vielleicht darf ich dann auf Sie zurückkommen für ein Zitat.
    Beste Grüße

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