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Kollegen-Sprüche: So pinkelt Dir keiner mehr ans Bein.

Drückt dir dein Kollege vor versammelter Mannschaft gelegentlich einen fiesen Spruch rein, um dich vorzuführen, weil er neidisch ist und du besser performst als er? Oder die blöde Kollegin, der du schon lange ein Dorn im Auge bist, weil sie jetzt endlich glaubt an der Reihe zu sein, der Liebling des Chefs zu werden? Egal, ob Zickenkrieg, Stutenbissigkeit, Revierabstecker oder pures Machogehabe, ans Bein gepinkelt wird unter Kollegen schnell mal eben so zwischendurch.

Geschieht das regelmäßig, dann wird es zu Mobbing – das ist für mich ein anderes Thema und erfordert auch andere Maßnahmen. Ich bleibe hier erst einmal bei den kleinen spitzen und eher seltenen, aber dennoch gezielten Attacken von links und rechts. Sie kommen sporadisch, unverhofft und treffen dich meist wie aus heiterem Himmel.

Stelle dir folgende Situation vor: Du stehst mit deiner sehr wichtigen Präsentation des Jahres vorne im Besprechungsraum, bist gut im Flow, dein Chef, sein Vorgesetzter und die Kollegen lauschen deinen Ausführungen gebannt, nicken hier und da zustimmend und du fühlst dich gut und sicher. Diesen Pokal holst du dir! Und dann, ganz plötzlich, während die Feierlaune in deinem Kopf schon steigt, meldet sich dein lieber Kollege Martin von rechts außen: Er habe überhaupt keine Ahnung, was das hier solle und überhaupt wüsste er gerne mal, wie du auf diese Ergebnisse kommst. Und außerdem, das betreffe ja auch seinen Bereich und das alles sei mit ihm ja gar nicht abgesprochen gewesen!

Du fällst aus allen Wolken und hast überhaupt keine Ahnung, was diese Bemerkung ausgerechnet jetzt soll. Mit jedem Atemzug gerätst du mehr ins Schwitzen, dein Puls überschlägt sich und du kochst innerlich vor Wut. So ein Ar….! denkst Du Dir. Der will mir meinen Auftritt hier vermasseln. Hätte er nicht einfach seinen Mund halten können und mich machen lassen? Wir sind doch schließlich Kollegen!

Das ist ganz typisch für ans Bein Pinkler:

  • Sie äußern sich so unkonkret wie möglich.
  • Sie haben meistens selbst keine Ahnung – Typ Blender.
  • Sie wollen dich in die Ecke drängen, verunsichern oder verärgern.
  • Sie interessieren sich nicht im Ansatz für Deine Antwort auf ihre Frage.
  • Sie genießen ihren Auftritt am liebsten vor einem großen Publikum.
  • Sie wägen sich in Sicherheit oder sind oft bestens nach oben vernetzt.

Eines ist klar, das ist nicht die feine Art unter Kollegen. Doch im Kampf um die nächste Stufe auf der Karriereleiter, die Bonuszahlung oder einfach dem Verlangen nach unwirklicher Gerechtigkeit, falscher Anerkennung und persönlicher Genugtuung passiert es Tag für Tag in deutschen Büros und Chef-Etagen.

Das hier kannst Du tun, wenn Dir jemand ans Bein pinkelt:

Erstmal genau hinschauen!

Bei jeder Kommunikation empfangen wir Signale von unserem Gegenüber und bewerten diese. Das Problem dabei: Wir urteilen in Sekundenschnelle aus unserer eigenen Perspektive und unserem Weltbild heraus. Und aus der Bewertung folgt ein Gefühl. Im Fall des Spruchs von Kollege Martin könnte es so aussehen: Deine Bewertung: »Unsinnige Frage. Der will mir ans Bein pinkeln.« Dein Gefühl: Unsicherheit und Wut.

Viele Probleme in der Kommunikation resultieren aus nicht einheitlicher Ver- und Entschlüsselung von Sprache bei Sender und Empfänger sowie aus falscher Bewertung und daraus resultierender Gefühlsverirrung auf Empfängerseite.

Vielleicht war die Wortmeldung von Martin in Wirklichkeit gar kein Angriff. Vielleicht hat Martin ja tatsächlich etwas nicht verstanden und eine sachliche Frage gestellt (und war nicht in der Lage, präziser zu fragen). Vielleicht hat er wirklich gute Gründe, dass du deine Präsentation mit ihm hättest vorher absprechen sollen. Vielleicht empfindest nur du es als Angriff, weil Martin in den letzten Tagen schon so merkwürdig drauf war und das alles prima zusammenpasst. Oder auch nur, weil du in diesem Moment gestresst bist und einfach jede Form von Nachfrage automatisch von dir als Störung bewertet wird.

Hinterfrage das, was bei dir ankommt und das Gefühl, was es bei dir ausgelöst. Schau hin, was genau hinter einer komischen Frage oder der von dir als Angriff interpretierten Anmerkung steckt. Ist es dir nicht klar, dann frage sachlich nach, damit du es verstehst und entscheiden kannst, wie du reagierst und ob du eine Antwort darauf geben kannst bzw. möchtest.

Die heiße Luft sichtbar machen!

Nutze die Öffentlichkeit, in der sich die Möchtegern-Darsteller selbst so gerne bewegen. Meist entscheiden sie sich für solch einen Angriff, weil sie selbst keine Ahnung haben. Sonst könnten sie dich ja auch mit sachlichen Argumenten in die Ecke drängen. Mache dir bewusst, dass du eigentlich stärker bist und nutze diese Stärke für dich.

Packe den Kollegen mit seinem Spruch bei seiner fehlenden sachlichen Motivation und bitte ihn, diese vor allen anderen zu erklären. Verfalle nicht in eine Rechtfertigungshaltung und lasse aus der Präsentation auf keinen Fall eine 4-Augen-Debatte werden. Hier sind drei Vorschläge für kluge Fragen bei scheinbar unqualifizierten Äußerungen:

  • Was genau steckt hinter dieser Frage? Was ist Deine Motivation? (Das kann bzw. wird er nicht sagen!)
  • Warum ist es Dir wichtig, die Frage in diesem Gremium zu klären? (Das ist meistens der wichtigste Punkt, der die Absurdität des Angriffs für alle sichtbar macht!)
  • An alle: Ist die Antwort auf diese Frage auch für Euch von Interesse? (Meistens nicht! Mit dieser Frage in die Runde beziehst du außerdem die Gruppe wieder aktiv mit ein.)

Also, atme einmal tief durch und besinne dich deiner Situation als Vortragender. Du bist der Experte, hast das Ruder in der Hand und gibst in diesem Fall nicht nach, sondern bietest klug (!) Paroli. Bemerkt der Störgeist, dass er dich nicht schwächen kann, verliert er nicht nur schnell die Lust daran, sondern er verliert vor allem auch sein Gesicht vor den Kollegen – nach dem Motto »Der wieder mit seinen Fragen. Das bringt uns nicht weiter und nervt. Also weiter im Text!«

Abschütteln und Lächeln!

Kennst du das Sprichwort »Was juckt es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt.«? Gelassenheit ist hier das Motto. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn du dir bewusst darüber bist, dass der Sprüche-Klopfer dir gar nichts anhaben kann und auch die Kollegen und der Chef auf deiner Seite sind – und vielleicht selbst den unsachlichen Angriff als solchen erkennen können.

Typische ans Bein Pinkler hassen es, vor Zuschauern bei ihrem Opfer einfach so ins Leere zu laufen. Keine Reaktion ist für sie die Höchststrafe. Doch Vorsicht: Je nach Typ wird Phase II gestartet und du läufst Gefahr, dass es sich aufschaukelt und die Diskussion droht, ins Unendliche zu entgleisen.

Deine Nicht-Reaktion oder ein müdes Lächeln sollten gut überlegt sein und hängen davon ab, wie gut du deinen Möchtegern-Rivalen kennst und vor allem wie gut du einschätzen kannst, wie die Gruppe deine Gelassenheit bewertet. Nicht, dass sie es dir am Ende als Schwäche ankreiden, weil auch sie in dieser Situation Paroli von dir erwartet hätten.

Ja, ich weiß, was du jetzt vermutlich denkst: Wenn das alles so einfach wäre!

Diese Reaktionen erfordern entweder einen hohen Grad an Selbst-Bewusstsein, eine gute Portion Mut und Stärke oder gute Kenntnis der Persönlichkeit des Angreifers sowie der Erwartungen der Gruppe. Oft sind solche Angriffe jedoch derart überraschend, dass die folgenden und menschlich sehr naheliegenden Reaktionen im Alltag eher an der Tagesordnung sind. Doch …

Das hier solltest Du besser nicht tun, wenn dir jemand ans Bein pinkelt:

Zurück pinkeln

»Wie du mir, so ich dir! Wollen wir doch mal sehen, wer hier wen nass macht!« Es gibt bestimmt etwas, womit du deinen Kollegen auch durch den Dreck ziehen könntest, oder?

Ein primitives Verhalten – finde ich, was zudem dazu führt, dass die Auseinandersetzung eskaliert. Denn dein Gegenüber wird das nicht auf sich sitzen lassen und das Spiel geht weiter, während der Rest der Runde zu bestens unterhaltenen Zuschauern wird und dabei mit hoher Wahrscheinlich das vorher Gesagte und deine bisher gute Präsentation verdrängt. Zurück pinkeln ist aus meiner Perspektive ein Zeichen von Schwäche und mangelnder Souveränität.

Dein Ziel sollte es vielmehr sein, die von dir als Störung und Angriff empfundene Situation so schnell wie möglich zu klären, wieder zu verlassen und – in diesem Beispiel – aktiv zur Tagesordnung zurückzukehren.

Sofort zum Chef rennen

»Chef, der böse Kollege hat mir ans Bein gepinkelt! Unternehmen Sie doch bitte was!« Du suchst nach Verstärkung und Rückendeckung, doch in diesem Spiel ist es ein klarer Fall von Verantwortung abgeben. (Nochmal, ich spreche hier nicht von regelmäßigem Mobbing unter Kollegen, wo sicherlich ein Gespräch mit dem Chef sinnvoll ist.) Außerdem spielst du mit dem Opfer-Gang zum Chef dem fiesen Kollegen voll in die Karten, denn zu zeigst, dass er dich getroffen hat. Und noch schlimmer, dass du selbst damit nicht umgehen kannst.

Das Petzen beim Chef dürfte dem Angreifer in den meisten Fällen ziemlich egal sein, denn entweder ist er selbst Best-Buddy mit dem Chef oder so etwas wie ein unkündbares Betriebsrats-Mitglied und sich sehr sicher, dass der Chef sich nicht auf diesen Kindergartenkram seiner Mitarbeiter einlassen wird.

Augen zu und vertuschen

»Hoffentlich hat es keiner bemerkt! Bloß nichts anmerken lassen!« Eine mögliche Strategie, unauffällig aus der Sache raus zu kommen. Besonders dann, wenn der Seitenhieb nicht vor versammelter Mannschaft stattgefunden hat.

Doch auch hier gilt für den Angreifer: 1:0 für ihn. Vertuschung zeigt, dass es dir unangenehm ist und öffnet vor allem Tür und Tor, genau so in Zukunft weiter zu machen. Denn der Sprüche klopfende Kollege hat ja nichts zu befürchten. Er muss sich weder für sein Verhalten vor den Kollegen und vor dir erklären, noch bekommt er das klare Signal von dir, dass du sein Verhalten so nicht respektierst. Die Gefahr ist groß, dass es zur Gewohnheit wird und du mehr mit Vertuschen als mit deinen eigentlichen Aufgaben beschäftigt bist.

Welches ist dein Rezept gegen fiese Sprüche vom Kollegen?

Wie in allen meinen Beiträgen gilt auch hier: Es ist deine Entscheidung, was du persönlich für dich in einer bestimmten Situation und in deinem Umfeld als sinnvoll und zielführend bewertest. Vielleicht ist auch Zurückpinkeln in bestimmten Situationen aus Deiner Sicht richtig. Ich finde es wichtig, sich unterschiedlicher Verhaltensweisen bewusst zu sein.

Aus meiner persönlichen Erfahrung als Angestellter und jetzt aus der Arbeit mit Führungskräften und ihren Mitarbeitern weiß ich, dass so manch ein als Angriff empfundener Spruch des Chefs oder der Kollegen gar nicht so (persönlich) gemeint war, sondern nur die Interpretation im eigenen Kopf die Situation falsch (über-)bewertet hat.

Der bewusste Blick – am besten mit etwas Distanz – auf eine Situation und die Bereitschaft und Offenheit, die Motivation sowie das Weltbild des Gegenübers verstehen zu wollen, lässt so manch einen vorschnell als ans Bein Pinkler Verurteilten wieder zum einfach nur an der Sache interessierten Kollegen mit guter Absicht werden.

Und falls es tatsächlich atmosphärische Störungen zwischen dir und einem Kollegen oder einer Kollegin gibt, dann ist im ersten Schritt ein sachliches Gespräch unter 4 Augen ratsam. Erkläre, was bei dir ankommt und wie du dich dabei fühlst und schaffe Klarheit, was du dir in Zukunft für die Zusammenarbeit wünschst.

(Bildnachweis: 123rf.com, 38417138, konstantynov)

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Ein schöner Guide! Ich bin auch ein Freund von „Lächeln und Abschütteln‘, weil ich mir dann denke, was diesen Leuten wohl fehlt, dass sie so gemein sein müssen. Da hole ich nicht gleich den Anwalt für Arbeitsrecht. Den spart man sich für Schlimmeres auf ;)

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