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Karriere: Ist Klettern auf der Gehaltsleiter noch angesagt?

Was bedeutet es, Karriere zu machen? Viele, die regelmäßig auf der Gehaltsleiter eine Stufe weiter oben erklimmen, sagen von sich, sie haben Karriere gemacht. Wer Jahr für Jahr eine immer größere Anzahl an Mitarbeitern sein eigen nennt, gilt als erfolgreicher Manager. Viele Unternehmen versuchen in den letzten Jahren, die klassische Management-Karriere mit der  Experten-Karriere gleichzusetzen, was Gehalt, Dienstwagen und andere in der Vergangenheit dem Top-Management vorbehaltenen Leistungen betrifft. Diese Unternehmen haben erkannt, dass gerade in Zeiten flacher werdender Hierarchien und zunehmend industriell orientierter Infrastrukturen nicht allen Potenzial-Trägern eine Führungs-Laufbahn angeboten werden kann. Die aktuellen Gehalts-Studien streiten sich darüber, ob die Gehaltsniveaus von Führungskräften und Experten inzwischen vergleichbar sind oder noch nicht und bis zu welcher vergleichbaren Management-Stufe ein Experte maximal aufsteigen kann.

Es soll hier weder an der Management-Karriere noch an einer Experten-Laufbahn Kritik geübt werden und auch deren Vergleichbarkeit nicht in Frage gestellt werden. Es gibt Menschen, die Freude daran haben, Mitarbeiter zu führen und Management-Aufgaben zu übernehmen. Andere Menschen scheuen vielleicht die Mitarbeiterverantwortung und arbeiten lieber eher für sich. In einem modernen Unternehmen sollte Platz für beide Typen sein, denn sie erfüllen auch unterschiedliche Aufgaben und Funktionen. Die vergleichende Diskussion macht jedoch deutlich, dass es in beiden Fällen einer Karriere um ein „Höher“, „Mehr“ oder „Größer“ geht.

Was bedeutet es, Karriere zu machen? Das Wort Karriere stammt aus dem Französischen (carrière) und bedeutet übersetzt „Lebensweg“ oder „beruflicher Werdegang“. Hieraus folgt, dass Karriere zunächst einmal nur einen Weg im beruflichen Kontext beschreibt. Dass dieser Weg „nach oben“ führt und Karriere in unseren Köpfen etwas mit mehr Gehalt, mehr Mitarbeitern, mehr Verantwortung, höheren Budgets, mehr Titeln usw. zu tun hat, ist nüchtern betrachtet reine Interpretation in unserer Gesellschaft.

Im Coaching treffe ich häufig auf Menschen, die – oft in gut bezahlten Management-Positionen –  sich selbst als Karriere-Typen und erfolgreich im Job beschreiben, aber trotzdem unzufrieden mit ihrer aktuellen Situation sind. Sie suchen nach Veränderungen für ihr Leben und ihren Beruf. Hängen diese Menschen ihre Karriere an den Nagel, wenn sie sich z. B. entscheiden, ihren Abteilungsleiterposten samt Dienstwagen gegen ein Café am Strand in Spanien zu tauschen, weil sie hiervon immer schon geträumt haben? Wenn Karriere tatsächlich (neutral) Lebensweg bedeutet, dann ist dies ein weiterer und wertzuschätzender Schritt im Leben eines Menschen. Oft erfolgt diese Wertschätzung z. B. im familiären oder kollegialen Umfeld jedoch nicht, sondern es wird von Rückschritt oder Aufgeben gesprochen.

Führt eine Karriere immer die Gehaltsleiter hoch? Sollte Karriere in unserer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht eher bedeuten, den Lebensweg und beruflichen Werdegang zu finden und zu beschreiten, der zu Ihnen und Ihrer jeweiligen Lebenssituation passt und Sie glücklich macht?

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

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