„Für Headhunter zählen Fakten, Fakten, Fakten.“ Interview mit Klaus Mantel, Managing Director Experteer

Suchen oder finden lassen? Diese Frage stellen sich viele Bewerber. Vor allem für Führungskräfte und Experten mit langjähriger Berufserfahrung kann es sinnvoll sein, mit ihrem Profil aktiv sichtbar zu werden und Headhunter sowie Recruiter so auf sich aufmerksam zu machen. Experteer zählt mit über 5 Millionen Kandidaten, 20.000 Headhuntern und Recruitern und mehr als 80.000 Positionen zu einer der führenden weltweiten Plattformen, die Stellensuche, Kandidatenprofil und Headhunter-Netzwerk verbindet. Mit Klaus Mantel, Managing Director bei Experteer, habe ich über Trends auf dem Arbeitsmarkt, die typischen Fehler von Bewerbern bei der Hinterlegung ihres Profils sowie die Ladenhüter unter den Stellenanzeigen gesprochen.

Klaus Mantel, Managing Director bei Experteer

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Klaus Mantel arbeitet seit den frühen 90er Jahren im Internet-Business und hat seitdem verschiedene Funktionen im Management-Bereich ausgeübt. Seine Kernexpertisen umfassen vor allem die Bereiche Marketing, Business Development und Sales. Seit 2007 ist Mantel im Recruitment-Sektor des Premium-Karriereservices Experteer tätig, wo er das Recruiter- und Headhunter-Business verantwortet.

„Karrieren für Deutschlands beste Köpfe“ titeln Sie. Was bedeutet Karriere aus Ihrer Sicht?

Klaus Mantel: Karriere bedeutet, sich beruflich anspruchsvolle Ziele zu stecken und diese auch zu erreichen – und das nicht nur einmal, sondern kontinuierlich, sein ganzes Berufsleben lang. Karriere ist ein Entwicklungsprozess. Wenn man diesen Prozess selbst in die Hand nimmt, kann man ihn aktiv vorantreiben.

Auch monetäre Anreize sind beim Karriere machen von Bedeutung. Nicht umsonst lautet der Claim von Experteer: „Sie verdienen mehr.“ Karriere ist also nicht nur mit persönlicher und beruflicher, sondern auch mit einer finanziellen Weiterentwicklung verknüpft.

Welche Trends sehen Sie auf dem Arbeits- und Bewerbermarkt?

Klaus Mantel: Ein wichtiger Trend ist die Globalisierung der Arbeitsmärkte – Fach- und Führungskräfte werden immer mobiler. Damit nimmt auch die Bedeutung des internationalen Recruitments zu. Ein weiterer Trend liegt in der Spezialisierung und Fragmentierung von Berufen, die sich in der Zunahme spezialisierter Positionen manifestiert. Gleichzeitig verschärft sich der „War for Talent“.

Und wie zeigt sich das bei Ihnen?

Klaus Mantel: Das zeigt sich z.B. darin, dass Recruiter mehr und mehr auf Active Sourcing setzen, also proaktiv passende Kandidaten in unserer Profil-Datenbank identifizieren und direkt ansprechen.

Technologisch gesehen verlagern sich das Recruiting und die Stellensuche bei unseren Kunden auf die mobile Nutzung. Bei Experteer finden heute rund ein Drittel der Zugriffe mobil statt – Trend steigend. Um den Kandidaten, Recruitern und Headhuntern künftig eine optimale „mobile Experience“ in unserem Dienst zur Verfügung zu stellen, stehen wir vor der Herausforderung, unsere Produkte kontinuierlich entsprechend weiterzuentwickeln.

Bei welchen Positionen ist es aktuell schwierig, passende Kandidaten zu finden?

Klaus Mantel: Generell ist das bei SAP-Beratung und -Entwicklung der Fall – schon seit Jahren. Auch für Stellen in der Software-Entwicklung in den Bereichen Backend und Frontend oder bei extrem spezialisierten Funktionen wie zum Beispiel im Windkraftwerksbau erweist es sich oftmals als schwierig, die richtigen Kandidaten zu finden.

Gibt es denn typische Ladenhüter-Anzeigen?

Klaus Mantel: Typische „Ladenhüter-Anzeigen“ weisen oft eines oder mehrere der folgenden Merkmale auf: Sie sind nicht ansprechend gestaltet, es handelt sich um nicht aussagekräftige Stellenbeschreibungen oder die Positionen sind an unattraktive Standorte von Unternehmen gebunden.

Was sind häufige Fehler, die Bewerber aus Ihrer Sicht machen, wenn sie ihr Profil bei Ihnen hinterlegen? Was raten Sie Bewerbern, um besser von Headhuntern gefunden zu werden?

Klaus Mantel: Es klingt schon fast etwas skurril, aber bei vielen Kandidaten fängt es mit dem Profilfoto an. Bloß keine Urlaubsfotos oder Selfies ins Karriereprofil einstellen, sondern professionelle, von einem Fotografen produzierte Bilder. Andere Kandidaten schreiben zu viel Prosa in ihr Profil. Man muss im Hinterkopf behalten, dass Headhunter wenig Zeit haben und auf Effizienz getrimmt sind. Kandidaten sollten demnach kurze, aber sehr stichhaltige Profile verfassen. Erreichte Ziele und Erfolge sollten kurz, prägnant und präzise dargestellt werden – Fakten, Fakten, Fakten zählen. Dazu kommt eine gute Ergänzung hinsichtlich der Stichworte, die ein Headhunter bei der Suche nach einem Kandidaten in unserer Datenbank eingibt. Wir decken dies mit den Expertisen ab, die wir Kandidaten beim Ausfüllen ihres Profils vorschlagen. Zuletzt ist es wichtig, auch auf die Konsistenz des eigenen Profils auf den unterschiedlichen Plattformen im Internet zu achten.

Sie matchen Bewerber- mit Stellenprofilen. Welche Rolle spielen dabei Ausbildung und Berufserfahrung sowie auch Soft-Skills und Persönlichkeit?

Klaus Mantel: Unser Matching-Algorithmus hängt stark von den Angaben im Profil und in den Karrierezielen eines Experteer-Mitglieds ab. Diese ergänzen wir mit Daten zum individuellen Suchverhalten und mit dessen Expertisen. Durch Technologien wie die gespeicherte Suche können wir das, wonach Kandidaten suchen, direkt mit neuen Stellen in der Experteer-Datenbank abgleichen. So bleiben die Kandidaten bestens über neue Angebote informiert und das automatisiert und bequem. Auch Soft-Skills können als Expertisen angegeben werden, Verhandlungsgeschick, beispielsweise – der individuelle Fit mit einem Unternehmen und einer Stelle wird erst im persönlichen Gespräch bestimmt.

Wie hoch ist der Anteil der Jobsuchenden 50+ bei Ihnen und welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen dem Alter eines Bewerbers und dem Interesse von Recruitern und Headhuntern?

Klaus Mantel: Wir bedienen ein Segment von Kandidaten, das über 60.000 Euro Jahresgehalt verdient. Bei den in Deutschland hinterlegten Profilen beträgt der Anteil der Kandidaten über 50 Jahre rund 25 Prozent. Über 50 Prozent von ihnen besitzen Personalverantwortung: Nach unserer Definition sind dies Abteilungsleiter, Bereichsleiter, Business Unit Leiter und Geschäftsführer. Da diese Kandidaten auf jahrelange Berufserfahrung zurückblicken können, haben sie natürlich ein entsprechendes Alter erreicht. Doch gerade ihr umfangreicher Erfahrungsschatz macht diese erfahrenen Führungskräfte zu besonders begehrten Kandidaten für Headhunter und Recruiter in unserem Dienst.

Was wünschen Sie sich von Unternehmen sowie von den Jobsuchenden, damit sie in Zukunft noch besser zueinander finden? – Außer Mitglied bei Experteer zu werden ;-)

Klaus Mantel: Innovationen, Technologien und Trends sollten früher aufgegriffen und in Unternehmen konsequenter umgesetzt werden – z. B. das Active Sourcing. Wir können da einiges antizipieren, wenn wir über den großen Teich in die USA blicken.

Was denken Sie über Job-Apps wie SelfieJobs oder truffls? Spielerei für die Generation Y oder ein ernst zu nehmender Trend im Markt?

Klaus Mantel: Technologisch gesehen sind dies bemerkenswerte Entwicklungen und Modelle, die bei neuen Zielgruppen sehr gut ankommen. SelfieJobs als Plattform, auf der sich Stellensuchende mit ihrem Profil präsentieren können, bedient sich beispielsweise des Trends zum Active Sourcing, truffls ist eine Stellenbörse in Tinder-Manier. Beides sind interessante Geschäftsmodelle. Das Besondere an Experteer ist jedoch, dass der Service die Vorteile beider Apps – Karriereprofil, Stellensuche und dazu noch ein hochkarätiges Headhunter-Netzwerk – vereint, und das auf einem gehobenen Niveau. Wer also zielgerichtet nach einer Karrierechance im gehobenen Segment sucht, ist bei Experteer besser aufgehoben.

Zum Schluss eine Frage, die auch jeder Bewerber kennt: Wo sehen Sie Experteer in zehn Jahren?

Klaus Mantel: Ich sehe Experteer in zehn Jahren als Qualitätsführer im Karrieresegment, der weltweit hochqualifizierte Kandidaten mit Personalberatern, Recruitern und Spitzenpositionen noch effizienter zusammenbringt und dies über eine globale, starke Marke transportiert.

Vielen Dank, Herr Mantel, für dieses Interview.

 

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Forti

    Sehr spannend, die Perspektive von einem Headhunter zu sehen! Und es freut mich zu lesen, dass auch Personen über 50 für Headhunter durchaus noch interessant sind!

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