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Dienst Nach Vorschrift: So Geht’s Richtig

Dienst nach Vorschrift: So geht’s richtig

Ein großer Teil der Angestellten hierzulande macht nur Dienst nach Vorschrift in ihren Jobs, so das Ergebnis von Studien. Tagein, tagaus schleppen sie sich unmotiviert und lustlos ins Büro. Ohne persönliches Engagement und Identifikation mit dem Arbeitgeber. Sie arbeiten irgendwie ab und tun, was verlangt wird. Doch wie geht’s richtig? Höchste Zeit, den Dienst nach Vorschrift mit handfesten Tipps zu professionalisieren ;-) Hier sind meine 10 wichtigsten Regeln, die Sie unbedingt einhalten sollten, um wirklich richtig Dienst nach Vorschrift zu machen. Oder warum tun Sie sich das alles sonst an?

— Warnhinweis: Dieser Text kann Spuren von Ironie enthalten —

Dienst nach Vorschrift: 10 Regeln, die Sie beachten müssen

1. Halten Sie die Arbeits- und Pausenzeiten ein!

Schenken Sie Ihrem Arbeitgeber auf gar keinen Fall nicht bezahlte Arbeitszeit! Sollten Sie also morgens mal zehn Minuten früher ankommen, warten Sie lieber eine Ecke weiter, damit Ihr Chef und die Kollegen Sie nicht entdecken und stempeln Sie dann pünktlich auf die Minute ein. Machen Sie tagsüber unbedingt alle Pausen, die Ihnen gesetzlich zustehen, besonders Raucher. Schaffen Sie sich am besten eine Stoppuhr an, denn nur so werden Sie zum professionellen Dienst nach Vorschrift-Macher.

2. Planen und verbrauchen Sie Ihren Urlaub richtig!

Es soll ja Angestellte geben, die einen Teil ihres Jahresurlaubs in das nächste Jahr übertragen oder sogar auf ein Langzeitkonto buchen. Sie machen sowas natürlich nicht! Denn wenn Sie richtig Dienst nach Vorschrift machen, dann beachten Sie zwei Dinge: Reichen Sie in der ersten Januarwoche alle Freitage nach den vielen Donnerstag-Feiertagen ein, um sich den Genuss der langen Wochenenden zu sichern. Und: Verteilen Sie den Rest Ihres Jahresurlaubs auf die stressigsten Zeiten im Büro und keinesfalls auf die Schulferien. Denn Dienst nach Vorschrift lässt sich am besten in Ruhe machen, wenn alle anderen im Urlaub sind. Logisch, oder?

3. Halten Sie die Hierarchiewege strengstens ein!

Es ist selbstverständlich, dass Sie bei Dienst nach Vorschrift auch zwingend alle Vorschriften beachten. Dazu gehört, die definierten Kommunikations- und Eskalationswege im Unternehmen einzuhalten. Auch wenn Sie als alter Hase in der Belegschaft den kurzen Dienstweg nehmen könnten und es wichtig wäre, eine schnelle Entscheidung zu treffen, halten Sie sich lieber an die Vorgaben. Nicht, dass Sie später zur Verantwortung gezogen werden, weil Sie eigenmächtig Entscheidungen getroffen oder unerlaubt Handlungsspielräume ausgenutzt haben.

4.  Die Unterstützung anderer Bereiche ist absolut tabu!

Was kümmern Sie die Probleme anderer Bereiche? Kommen Kollegen oder Chefs aus anderen Abteilungen mit Fragen oder Arbeitsaufträgen auf Sie zu, dann fordern Sie sie dazu auf, eine dokumentierbare Mail zu schreiben bzw. bei größeren Themen gleich einen Antrag beim zentralen Projektmanagement zu stellen. Wehren Sie konsequent alles ab, was aus anderen Bereichen kommt. Schließlich haben Sie doch selbst genug Probleme am Hals, oder etwa nicht?

5. Arbeiten Sie Ihre Aufgaben ab, denken Sie bloß nicht mit!

Hüten Sie sich davor, nur einen Handschlag mehr zu leisten, als von Ihnen verlangt wird und für das Sie bezahlt werden. Eigentlich sollte dieser Tipp überflüssig sein, da Sie eh keine Zeit für Mehrarbeit haben, doch oft fällt es selbst den überzeugtesten Dienst nach Vorschrift-Machern schwer, hyperaktiven Chefs oder übermotivierten Kollegen deutlich „Nein“ zu sagen. Sie sollen arbeiten, nicht denken!. Hinterfragen Sie nichts, es hat schon alles seinen Sinn. Sie wissen doch von früher, dass sich eh niemand für Ihre Meinungen oder gar Verbesserungsvorschläge interessiert.

6. Wälzen Sie Probleme, aber richtig!

Während alle anderen viel zu schnell an Lösungen arbeiten, die in der Folge auch für Sie immer lästige Veränderung und Mehrarbeit bedeuten, fallen Ihnen ganz leicht auf Anhieb gute Argumente ein, warum dies alles nicht funktionieren wird. Ja, Ihre Kollegen werden es Ihnen danken, dass Sie sie vor jedem noch so kleinsten Fehler bewahren, indem Sie alles hartnäckig blockieren, von dem Sie denken, dass es irgendeine Auswirkung auf Ihren Aufgabenbereich haben könnte.

7. Nehmen Sie Ihren Chef in die Verantwortung!

Dienst nach Vorschrift machen bedeutet auch, für nichts die Verantwortung zu übernehmen, für das Sie nicht zuständig sind. Angenommen, Ihre allzu engagierte Kollegin kippt am Freitag Nachmittag erschöpft am Kopierer um. Dann lassen Sie sie liegen und beschweren Sie sich bei Ihrem Chef, dass Sie nicht an den Kopierer kommen und so nun wirklich nicht arbeiten können. Unverschämt!

8. Helfen Sie Ihren Kollegen nur nach Chef-Anweisung!

Was für den Chef gilt, gilt selbstverständlich auch für die Kollegen. Sie müssen nur mit ihnen zusammen arbeiten, falls es der Chef offiziell anordnet. Einem Kollegen einfach so helfen? – Das ist doch wirklich nicht Ihr Job! Denn Sie wissen ja genau, dass es Ihnen eh niemand dankt und sich die Kollegen am Ende wie immer mit Ihren Ideen schmücken werden. Machen Sie Ihre eigene Arbeit gut, das reicht vollkommen für einen guten Dienst nach Vorschrift!

9. Jammern Sie mit Gleichgesinnten!

Angestellte, die sich für den Dienst nach Vorschrift entschieden haben, bilden häufig untereinander Jammer-Gemeinschaften. Als Treffpunkte eigenen sich die Kaffeeküche oder die Raucherecke besonders gut, bei Frauen auch das Damen-WC. Wer es extra professionell betreiben will, der lässt sich in den Betriebsrat wählen. Ohne Jammern würden Sie den unendlichen Tag im Büro doch niemals überstehen! Suchen Sie sich am besten gleich mehrere Gleichgesinnte – das sollte bei der Masse der Dienst nach Vorschrift-Macher ja nicht so schwer sein, oder?

Bonus-Regel: 10. Freude im Job ist für Sie ein Fremdwort!

Diese Regel dient in meiner Liste eigentlich nur der Vollständigkeit, denn ich muss gerade Ihnen ganz sicher nicht erklären, dass Arbeit nun wirklich keine Freude machen kann. Warum hätten Sie sich schließlich sonst für den Dienst nach Vorschrift entschieden?

*  *  *

Dienst nach Vorschrift: Warum tun Sie sich das an?

(Ironie aus) Auch wenn ich bei den 10 „Regeln“ wieder viel Spaß beim Schreiben hatte, klingt das alles so gar nicht spaßig in der Realität. In Anbetracht der angeblich so hohen Zahl der Dienst nach Vorschrift-Machern im Land liegt die Frage nahe, warum sie sich das antun. Hier sind vier Ursachen, die mir in Gesprächen mit Angestellten immer wieder begegnen:

1. Sie sind frustriert im Beruf oder persönlich enttäuscht worden

Dies dürfte der am weitesten verbreitete Grund sein, warum Angestellte sich entscheiden, nur das Nötigste zu leisten und Vorgaben genau einzuhalten, statt ihre Handlungsspielräume im Beruf engagiert zu nutzen. Vorausgegangen sind oftmals dauerhaft fehlende Wertschätzung von Leistungen und Erfolge durch ihre Chefs oder bestimmte Situationen, die zu persönlicher Enttäuschung geführt haben. Es lässt bei den Betroffenen die Erkenntnis wachsen, dass es sich nicht lohnt, ein Engagement über das Minimum hinaus zu investieren oder sie sogar mit Bestrafung rechnen müssen, sobald sie von den Vorgaben ihrer Chefs und den Regeln in der Organisation abweichen.

Sei es die versprochene Beförderung oder Gehaltserhöhung, die am Ende doch nicht kommt, die Ungerechtigkeiten in der Aufgabenverteilung oder Behandlung der Teammitglieder durch den Chef, dauerhafte Überforderung oder schlechte bzw. ungeschickte Kommunikation. Manchmal reicht schon eine kleine Bemerkung des Chefs aus, um das Fass endgültig zum Überlaufen zu bringen.

Mein Tipp: Dienst nach Vorschrift ist keine gute Antwort auf Frust im Job. Auch wenn Sie der Ansicht sind, damit Ihren Chef, die Kollegen oder das ganze Unternehmen hart zu bestrafen, bestrafen jedoch vor allem Sie sich selbst. Denn Sie begrenzen sich so in Ihrem Denken und Handeln, die Arbeit verliert an Leichtigkeit und macht erst recht keine Freude mehr.

Statt sich frustriert oder enttäuscht zurück zu ziehen, sollten Sie besser eigenverantwortlich aktiv werden und klären, was Sie in den Dienst nach Vorschrift getrieben hat. Sprechen Sie mit Ihrem Chef oder den Kollegen über die Sie belastenden Themen und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Führt das alles nicht zum Ziel, sollten Sie auch über einen Jobwechsel nachdenken, bevor Sie Dienst nach Vorschrift für die nächsten Jahre als Normalzustand akzeptieren.

2. Dienst nach Vorschrift ist zur Gewohnheit geworden

Was zu Beginn meist noch eine bewusste Entscheidung auf Zeit war, kann auf Dauer schnell zum gefühlten Normalzustand werden. Denn Dienst nach Vorschrift fühlt sich insbesondere nach dauerhafter Überlastung und hohem Stress im Job zunächst nach Befreiung, Entspannung und Selbstbestimmtheit an. Doch es ist ein Irrglaube, dass dieses gute neue Gefühl auch die nächsten Monate oder sogar Jahre anhält und Ihnen auf Dauer gut tut.

Ich gehe davon aus, dass ein großer Teil der Angestellten, die heute Dienst nach Vorschrift machen, längst in der „Gewohnheits-Falle“ stecken. Die auslösenden Faktoren sind vielleicht gar nicht mehr vorhanden, der Chef längst weg, dennoch sind die Motivation und die Identifikation verloren gegangen. Weil es normal geworden ist, sich jeden Tag zur Arbeit zu schleppen, Dienst nach Vorschrift zu machen und etwas anderes gefühlt in unendlich weite Ferne gerückt ist.

Gehören Sie auch dazu und sind Sie Dienst nach Vorschrift satt, dann sollten Sie versuchen, Ihre gewohnte Monotonie bewusst zu unterbrechen. Gehen Sie neu auf Entdeckungsreise! Was hat Ihnen früher einmal Spaß gemacht und wieviel ist hiervon heute noch übrig geblieben? Was können Sie eigentlich gut und was lohnt sich hiervon, wieder zu reaktivieren? Wer oder was könnte Sie neu motivieren und was können auch Sie selbst dazu beitragen, um wieder mehr Freude und neue Leichtigkeit in Ihren Berufsalltag zu bringen?

3. Sie möchten alle Vorschriften genau einhalten

Vielleicht machen Sie auch Dienst nach Vorschrift, weil es Ihnen persönlich sehr wichtig ist, Regeln und Vorschriften penibel einzuhalten. Eine Haltung, die ich häufig bei Menschen beobachte, denen Sicherheit sehr wichtig ist und die ihr Handeln insbesondere danach ausrichten, keine Fehler zu machen. Klar, dass die Einhaltung von Vorschriften dann höchste Priorität hat.

Es ist selbstverständlich Ihnen überlassen, diesen aus Sorgfalt und nicht aus Frustration resultierenden Dienst nach Vorschrift zu machen. Mein Rat: Erklären Sie Ihrem Chef und am besten auch Ihren Kollegen, dass Ihnen Sicherheit und die Einhaltung von Regeln sehr wichtig sind. Denn nur dann kann Ihr Umfeld Ihr Verhalten verstehen, das von außen nach „Dienst nach Vorschrift“ aussieht, auf Ihr Handeln entsprechend reagieren und ist vielleicht sogar froh, Sie als gewissenhaften Ordnungsliebhaber im Team zu haben. Und möglicherweise gibt es ja doch einige erlaubte Spielräume, die Sie in Zukunft im Job flexibler für sich ausnutzen können, um sich selbst weniger zu beschränken?

4. Die Kündigung liegt auf dem Tisch

Im Gegensatz zum chronisch dauerhaften Dienst nach Vorschrift handelt es sich hierbei meist um eine kurzzeitige Phase zwischen Kündigung und Ausscheiden aus dem Unternehmen. Ich gebe zu, ich habe nach dem Aussprechen meiner Kündigung damals auch ein wenig Dienst nach Vorschrift gemacht, mein Tempo gedrosselt und mich häufiger „pünktlich“ in den Feierabend verabschiedet.

Egal, ob Sie selbst gekündigt haben oder Ihr Arbeitgeber die Kündigung ausgesprochen hat, die Luft und damit auch die Lust ist für die meisten Angestellten raus, engagiert Leistung zu erbringen. Doch denken Sie daran, dass auch die letzten Wochen bleibenden Eindruck hinterlassen und auch die Bewertung in Ihrem Arbeitszeugnis beeinflussen können. Bringen Sie Ihre Projekte und aktuellen Aufgaben gut zu einem Abschluss und planen Sie die Übergabe laufender Themen an Ihren Nachfolger oder die Kollegen.

Dienst nach Vorschrift ist Ihre Entscheidung!

Ich habe für diesen Beitrag länger als sonst überlegt, was meine Haltung zum Thema und was der Impuls für Sie ist. Ist Dienst nach Vorschrift grundsätzlich schlecht oder gibt es auch gute Gründe für diese Arbeitseinstellung? Wann sollte auch ein Arbeitgeber akzeptieren, dass Angestellte über eine gewisse Zeit Dienst nach Vorschrift machen und was können Management und Führungskräfte in dieser Situation tun?

Klar ist für mich, dass es mir persönlich keine Freude machen würde, meine oben wenn auch stark übertriebenen zehn Regeln längere Zeit im Beruf durchzuhalten. Vielen Arbeitnehmern sind heute Werte wie Kollegialität, Herausforderung, Erfolg und Sinn bei der Arbeit sehr wichtig. Alles das kommt auf Dauer bei Dienst nach Vorschrift sicher zu kurz.

Ich erlebe jedoch auch Angestellte im Coaching, die sich für diese Arbeitseinstellung bewusst entscheiden – und es bei näherer Betrachtung auch eine gute Lösung für sie ist. Es kann etwa bei starker Überbelastung sinnvoll sein, für eine bestimmte Zeit kürzer zu treten und es „Dienst nach Vorschrift“ zu nennen. Es kann beim Wunsch nach beruflicher Veränderung oder in schwierigen privaten Lebensphasen zielführend sein, bewusst mehr Freiräume im Beruf für andere Themen zu schaffen – und es „Dienst nach Vorschrift“ nennen.

Diese Beispiele haben gemeinsam, dass Dienst nach Vorschrift eine bewusste persönliche Entscheidung auf Zeit ist. Zum Runterschalten, Durchatmen, Freiraum schaffen, um ein bestimmtes persönliches (attraktives) Ziel zu erreichen. Arbeitgeber sollten solche Phasen akzeptieren und im besten Fall auch Mitarbeiter dabei unterstützen, die Ziele hinter temporärem „Dienst nach Vorschrift“ zu realisieren und sie so im besten Fall über diese Phase hinaus an das Unternehmen zu binden.

Dienst nach Vorschrift zur Bestrafung des bösen Chefs, aus lauter Frust und Bockigkeit und vor allem auf Dauer aus scheinbar lieb gewonnener Gewohnheit ist jedoch keine kollegiale und gesunde Haltung als Arbeitnehmer. Sie schaden damit nicht nur Ihrem Arbeitgeber und dem Team, sondern stehen vor allem sich selbst bei Ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung im Weg.

Sind auch Sie ein Dienst nach Vorschrift-Macher? Dann hinterfragen Sie Ihre Motive dahinter. Lohnt es sich, weiter Dienst nach Vorschrift zu machen oder ist es auch bei Ihnen zur Gewohnheit geworden und an der Zeit, etwas zu verändern? Was können Sie konkret tun, was geben Sie damit auf und was werden Sie wiedergewinnen?

(Bild: 123rf.com, #55547013)

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Soweit ein guter Artikel mit nachvollziehbearen Positionen und zutreffendem Abschluss. Ob aber immer mit Ironie am Anfang gearbeitet werden muss, frage ich mich schon. Spricht da nicht auch ein gewisser Frust über die Arbeitswelt draus hervor?

    Ich kann jedenfalls noch ein paar Beispiele aus eigeneer Erfahrung beisteuern, die die genannten Position mit Beispielen versorgen.

    1. ERA-Einführung
    Sie arbeiten schon lange nicht mehr nur in den einst vertraglich vereinbartem Umfeld. Nun kommt ERA und das „Punktesystem“ und ihr Arbeitgeber behauptet, dass sie nur das tun, was im Vertrag steht. Ob wohl sie dem Arbeitgeber detailiert erklären, dass Sie noch nie so beschränkt gearbeitet haben und sich ihr Aufgabenbereich längst darüber hinaus bewegt hat, will er nur das zugestehen, was einst vereinbart wurde. -Weil sie dann nur EG11 oder 12 sind anstelle von EG13.-
    Da bleibt ihnen dann gar keine andere Möglichkeit mehr als nur das zu tun, was einst vereinbart wurd. Meist führt das dann zur Anhebung der ERA-Stufe oder zur Trennung vom Arbeitgeber.

    2. Mitarbeitergespräche
    Ihr Arbeitgeber führt im Mitarbeitergespräch an, dass er es toll findet, dass sie mitziehen, wenn es nötig ist. -Was ja zu einer Gehaltserhöhung führt.- Gleichzeitig sagt er ihnen aber, dass sie zu viele Mehrarbeitsstunden machen, ob wohl er genau weiß, dass dies nicht durch sie verursacht wurde..-Was dann zu einem Gehaltsabzug führt.- Das Ganze führt dann zu gar nichts außer zu der Erkenntniss, dass es sich nicht lohnt sich einzubringen. Da einem die Anerkenntnis aberkannt wird.

    3. Unklare Weisungsstrukturen.
    Da kommt einfach irgendwer aus der Organisation und gibt Weisungen das Corporat Design zu ändern und das auch noch in Bezug auf ein eingetragenes Markenzeichen. Und auf die Frage hin, wer dafür die Anweisung gegeben habe heißt es dann, das käme irgendwo aus der Organisation der US-Muttergesellschaft. Da kann ich nur auf eine Weisung eines meiner Vorgesetzten bestehen. Was ja auch „Dienst nach Vorschrift“ ist.

    4. Regelungen im QMS.
    Auch wenn es viele nicht wissen oder wahrhaben wollen, Aber das QMS eines Unternehmens ist Bestandteil des Arbeitsvertrages. Es handelt sich dabei um Anweisungen des Arbeitgebers. Zuwiederhandlungen gegen diese Regelungen können vom Arbeitgeber abgemahnt werden. Egal wie unsinnig die Anweisungen sind, sie sind Bestandteil des Arbeitsvertrags und müssen befolgt werden.
    Klar, weiß ich auch, dass das QMS in vielen Unternhemen ein Parallelleben zum wirklichen Leben im Unternehmen führt. Aber trotzdem. Zwei Abmahnungen und man ist raus!

    5. Überwachungskultur
    Der Vorgesetzte oder das ganze Unternehmen grenzen an einen „Überwachungsstaat“. Da geht nichts außer arbeiten nach Vorgaben und Vorschriften.

    6. Überbeanspruchung
    Die Angewohnheit des Arbeitgebers/Vorgesetzten permanent am Limit zu arbeiten. Das kennt doch eigentlich jeder. Es kommten Aufträge rein, die es erfordern statt 100 % 120 % zu arbeiten. Gut, das kommt vor und egentlich macht man das ja auch mit. Nur, dann gewöhnt sich der Arbeitgeber/Vorgesetzte daran, dass sie 120 % Leistung bringen und stillschweigend werden die 120 % zu 100% „Normalleistung“. Dann werden Stellen abgebaut, weil man es ja auch so schafft. Und wieder kommen Aufträge rein, die Mehrleistung benötigen. Und wieder werden 120% abgefordert vom Arbeitgeber/Vorgesetzten. nur sind das dann schon 144 % Mehrleistung. Um aus dieser „Gewöhnungsspirale herauszukommen, muss man im Zweifelsfalle zum „Dienst nach Vorschrift“ greifen.

    7. Generationenwandel
    Die Generation „Wir leben um zu arbeiten“ oder auch „Wir leben für das Unternehmen“ dürft langsam aber sicher aus den Unternehmen ausgeschieden sein. Heute sollte eigentlich die Einstellung vorherrschen „Wir arbeiten um zu leben“. Das setzt voraus, dass man miteinander arbeitet. Aber wenn es nicht anders geht, muss man auch mal Kollegen oder auch Vorgesetzten zeigen, dass es Grenzen gibt, die man einfach nicht überschreiten will/kann. Und damit einem das nicht als unkollegial oder gar Arbeitsverweigerung ausgelegt werden kann, bleibt nur der Weg des „Dienst nach Vorschrift“ Damit zeigt man dann, dass es ncoh viel schlechter geht.

    Es gibt also immer Gründe und Möglichkeiten auf „Dienst nach Vorschrift“ zu gehen oder zu treffen. Manchmal kann das hilfreich sein. Aber es kann auch zu Frust führen. Sowohl bei Kollegen als auch bei einem selber. Jeder sollte sich schon sehr sicher sein, dass der Grund dafür die Reibereien, die daraus entstehen, auch rechtfertigen. „Dienst nach Vorschrift“ nur weil es eben so vorgeschrieben ist, befriedigt niemanden auf Dauer. Und ich hoffe doch sehr, dass die Genneration des „kleinen Rades“, dass nur seine Aufgabe macht, inzwischen (außer ggf. in den öffentlichen Verwaltungen) inzwischen ausgestorben ist oder zumindest in den letzten Zügen liegt.
    Es entwickelt sich alles ständig weiter. Vorschriften stellen wie Normen nur einen Stand der Entwicklung zu einem bestimmten Zeitpunkt da. Bloß, der Zeitpunkt ist in dem Moment schon vorbei als diese aufgeschrieben wurden.

  2. Ein sehr guter Artikel, wie immer. ;-)

    Für mich persönlich wäre Dienst nach Vorschrift keine Option. Sich über 2/3 seiner Tageszeit (Arbeitszeit) verstellen zu müssen und eine Einstellung an den Tag legen, die meiner Natur widerspricht – dann würde ich mich lieber nach einer anderen Stelle umschauen.

    Viele Grüße
    Sladjan Lazic

  3. Ich musste ein wenig schmunzeln da ich mich auch mal dabei ertappte darüber nachzudenken. Ich sehe diesen Trend zur Zeit verstärkt… „Top 11: ohne ein schriftliches Briefing muss ich als Mitarbeiter nicht mehr selbständig mitdenken und handeln.“

    Diese Art lässt einen in der Komfortzone. Darüber könnte man ewig schreiben.

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