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Regierung plant Führerschein für Chefs ab 2017

(Köln, 1.4.2016, pw/bs) Wie heute aus vertraulichen Quellen bekannt wurde, plant das Wirtschaftsministerium ab 1.1.2017 die Einführung eines Chef-Führerscheins für die Führung von Mitarbeitern. Darüber hinaus werde nach dem Vorbild des zentralen Fahreignungsregisters (FAER) in Flensburg ein Chefzentralregister (CZR) eingeführt, in dem alle Führungskräfte in Unternehmen mit mehr als 2 Mitarbeitern geführt werden. Angestellte sollen künftig die Möglichkeit haben, ihren direkten Vorgesetzten bei Vergehen gegen das MfG (MitarbeiterführungsGesetz) durch die sogenannte Chef-Abmahnung zentral zu melden.

Der Chef-Führerschein sowie das Chefzentralregister sind erste Resultate des Projekts „Industrie 4.0“, einem Gremium aus Bundesregierung und Wirtschaft. Studien hätten gezeigt, dass die zunehmende Roboterisierung durch Technisierung der Digitalisierung infolge der Industrialisierung bereits in den letzten Jahren zu einem rasanten Abfall der Führungsleistungen zwischen Mensch und Mensch geführt haben, so die 4.0-Experten. Es bestehe akuter Handlungsbedarf in den Chef-Etagen. Da Maßnahmen des BGM (betriebliches Gesundheitsmanagement) sowie auch das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen bisher zu keiner Verbesserung geführt haben, müsse der Staat nun regulatorische Maßnahmen ergreifen. Nur so könne der volkswirtschaftliche Schaden durch Burnout (2009: 225 Mrd. €) und damit die Gesundheitsgefahr, die von einer Führungskraft ausgehe, wirksam eingedämmt werden.

Diese drei Tests müssen Chefs ab 2017 bestehen

Aktuellen Informationen zufolge muss jede Führungskraft künftig im Turnus von 5 Jahren, beginnend ab 2017, eine Mitarbeiterführungserlaubnisprüfung (MFEP) ablegen. Damit wird die Befähigung einer Person mit Personalverantwortung zur Führung von Mitarbeitern bzw. Werkstudenten, Hilfskräften, Personen aus der Zeitarbeitsüberlassung usw. geprüft. Bei Erteilung einer Führungserlaubnis wird die Führungseignung vorausgesetzt. Mit der Übergabe des digitalen Führungsscheins am Tag der Prüfung gilt diese als erteilt. Schon heute sind erste Details zum Prüfungsverfahren durchgesickert:

Test 1: Die Sandwich-Presse

Hier werden Chefs extremen simulierten Druckverhältnissen von oben und unten ausgesetzt. Minütlich werden sie abwechselnd mit strategischen und unrealistischen Zielvorgaben sowie mit menschlichen Bedürfnissen nach Anerkennung und Feelgood beschossen. Chefs, die nicht innerhalb von 10 Minuten ohnmächtig werden, haben den Sandwich-Presse-Test (SP-Test) bestanden.

Test 2: Die Homeoffice-Leadership-Simulation

Hier wird die absolut relative Führungsstärke auf Distanz ermittelt. Wenn künftig jeder Mitarbeiter im Homeoffice verhaftet ist, benötigt jeder Chef diese neuartige Messenger-Kompetenz: Die Testperson wird in der multi-taskualen Benutzung von Skype, Chiffry, Hike, ICQ, Jongla, peer.me, Schmoose, SIMSme, Threema, Twitter, Viber, WhattsApp und Xabber sowie bei internationaler Führung zusätzlich in Periscope und Instagram getestet. Gehen weniger als 50% der in einer Stunde simulierten Channel-Kommunikation verloren, gilt der HLS-Test als bestanden.

Test 3: Der Meeting-Marathon

Hier wird die Chef-Fitness ermittelt: Die Testperson muss innerhalb von 4 Stunden 6 virtuelle Besprechungsräume aufsuchen und so viele Informationen wie möglich aufnehmen. Parallel müssen pro 10 Minuten 5 Mails über ein Mobilgerät beantwortet werden. Kann sich die Testperson nach Ablauf der 4 Stunden an mindestens 5% der Inhalte eines der 6 Meetings (Zufalls-Auswahl) erinnern, ist der Test bestanden.

Fällt die Testperson durch einen der drei Tests durch, erfolgt eine Degradierung um eine Hierarchiestufe sowie der Entzug des Firmenwagens. Die Wiederholung des Tests und damit die Beförderung auf die vorherige Position kann frühestens nach einem Jahr durch die Führungskraft beantragt werden. Dem muss eine qualifizierte Mehrheit des aktuellen Mitarbeiterteams zustimmen und der Punktestand im Chefzentralregister darf zum Beantragungszeitpunkt 4 Punkte nicht überschreiten.

Diese Führungsvergehen sorgen für Punkte im Chefzentralregister

Jeder zu einem direkten Vorgesetzen registrierte Mitarbeiter soll über die Chip-Funktion seines Personalausweises und den Einsatz eines PA-Lesegerätes direkt vom Arbeitsplatz aus das Vergehen seiner Führungskraft beim Chefzentralregister melden können. Dank eines Trojaners im Ministerium sind ebenfalls heute, am 1. April, erste Auszüge aus dem Punktekatalog an die Öffentlichkeit geraten. Demnach werden bis zu drei Punkte für folgende Führungsdelikte (Auszug) fällig:

1 Punkt: Kein Grüßen des Mitarbeiters mind. 1x/Tag, Vergessen von Geburtstagen, Chef kontrolliert Mitarbeiter hinter dessen Rücken, Chef lacht Mitarbeiter aus, Chef missachtet Feedback-Regeln, ausbleibende Wertschätzung von Leistungen/Erfolgen, Missachtung der persönlichen Werte der Mitarbeiter mind. 2x/Woche.

2 Punkte: Mitarbeiter können Chef nicht innerhalb von 2 Tagen erreichen, Urlaubsantrag wird zum 2. Mal abgelehnt, Chef spricht negativ über Mitarbeiter ohne dessen Wissen, Chef schreit > 110dB, Delegation von mehr als 5 Aufgaben/Tag außerhalb des Tagesgeschäfts, Mitarbeiter kündigt in der Probezeit.

3 Punkte: Kein echtes Interesse am Mitarbeiter, Mitarbeiter leiden unter Langeweile im Job, Mitarbeiter fallen > 10 Tage/Jahr wegen psychischen Erkrankungen aus, Resturlaub des Mitarbeiters am Jahresende > 20 Tage, Chef verweigert Fortbildung 1x/Jahr,  Mitarbeitergespräch 1x/Jahr entfällt.

Bei mehr als 8 Punkten wird die Führungserlaubnis entzogen. Jeder (Ex-)Chef hat durch die MPUFK (medizinisch-psychologische Untersuchung für Führungskräfte), dem sogenannten „Chef-Idiotentest“ die Möglichkeit, Punkte abzubauen und so die Führungserlaubnis wiederzuerlangen.

Verband der Bosse (VdB) erwartet Punkteflut

Zu einer detaillierten Stellungnahme war der Verband der Bosse (VdB) heute nicht bereit. Es müsse zunächst ein Ausschuss gebildet werden, der die zu erwartende Punkteflut simuliert. Verbandsschätzungen gehen jedoch davon aus, dass 75% ihrer Mitglieder mit Einführung eines solchen Punktesystems innerhalb einer Woche ihre Führungserlaubnis abgeben müssten. Sollte der Plan der Regierung die parlamentarischen Hürden überwinden und zum 1.1.2017 eingeführt werden, seien bis dahin umfangreiche Nachschulungen der über 4 Millionen Führungskräfte in Deutschland notwendig. Eine Pressekonferenz ist noch für den heutigen Abend angesetzt. //

Falls Sie sich fragen, was in diesem Beitrag der Wahrheit entspricht, werfen Sie zur Sicherheit einen Blick auf das Veröffentlichungsdatum.

 

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Lieber Bernd,
    endlich!
    Ich werde mich noch heute als Kontrolleur in Flensburg freiwillig melden!!! Der 2016-seitige Antrag ist schon fast fertig ausgefüllt und ich werde dann wohl leider keine Zeit mehr für Social Media noch für Gespräche mit Kollegen haben, da ich in Arbeit ersticke, aber ich stelle mich der Herausforderung!!!
    Danke für Deinen Hinweis.
    Liebe Grüße
    Silke

  2. Hallo Herr Slaghuis,

    vielen Dank dafür. Ich musste mehrmals lachen. Laut. Das Ganze trifft sowohl stilistisch als auch thematisch genau mein Komikzentrum.

    Was sich heute leider nich wie ein Aprilscherz liest, ist dann ab morgen wieder Realsatire in Reinkultur. So traurig das auch ist.

    Beste Grüße, Felix Pohl

    1. Das freut mich, Herr Pohl. Ich hatte gestern Abend beim Texten auch meinen Spaß ;)
      Realsatire klingt gut – und ein Funke Wahrheit steckt doch irgendwie in jedem Scherz.
      Viele Grüße,
      Bernd Slaghuis

  3. Herr Dr. Slaghuis, der Artikel ist wirklich klasse! Was werden wir denn aber bald (nahezu) ohne Führungskräfte machen? Die Tests sind sehr anspruchsvoll, und „Mitarbeiter an die Macht“! Ach, ich vergaß: Die Schwarmintelligenz wird es richten. Ein schönes Wochenende, Christian Nourney

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