Blog 100 Perspektivwechsel

Bloggen als Solo-Unternehmer: Zeitverschwendung oder Umsatz-Turbo? #100Perspektivwechsel

Heute schreibe ich meinen 100. Blogartikel und fast hätte ich dieses Jubiläum gar nicht wahrgenommen. Denn eigentlich sollten Sie jetzt lesen, wie Bewerber im Vorstellungsgespräch so richtig Schwäche zeigen. Aber das läuft ja nicht weg ;-)

Mit diesem 100. Beitrag möchte ich für mich als bloggender Solo-Unternehmer eine Zwischenbilanz ziehen. Doch was wäre der 100. Perspektivwechsel, wenn ich Ihnen jetzt die Statistik der explodierenden Seitenzugriffe, die Anzahl der vertexteten Worte oder die wirkungsvollste Überschrift ever präsentieren würde? Nein. Hier sind fünf Bedenken, die mir häufig begegnen, wenn ich mit Freunden und Kollegen über das Bloggen spreche und meine persönlichen Perspektiven und Erfahrungen dazu.

1. Du verrätst der Konkurrenz wichtige Insights!

Wenn Sie mit einem Blog tatsächlich einen Mehrwert schaffen und für Aufmerksamkeit sorgen möchten, dann müssen Sie Neues liefern: Innovative Ideen, neue Sichtweisen, Wissenswertes und Hintergründe zu Ihren Produkten, kritische Auseinandersetzungen und eigene, auch polarisierende Meinungen. Auch wenn Sie beim Schreiben Ihre Kunden im Blick haben, sind dies zum Großteil nun einmal auch die potenziellen Kunden Ihrer Wettbewerber.

Ganz klar, dass das auch die Konkurrenz zum Denken bringt: »Ist es richtig, was er schreibt? Was sind meine Erfahrungen und deckt sich das? Was bedeutet es für mein eigenes Business? Kann oder sollte ich etwas davon übernehmen?« Sie können Ihrer Konkurrenz damit wertvolle Impulse geben, auch das eigene Denken und Handeln kritisch zu reflektieren und ja, vielleicht trägt es dort tatsächlich zu einer positiven Entwicklung bei.

Wer bloggt, möchte so viele Leser wie möglich erreichen (das geht mir zumindest so). Wenn ich mir ansehe, wer meine Beiträge in den sozialen Netzwerken teilt, dann sind es größtenteils die Kollegen. Entweder, weil sie den Inhalt oder mich und meine Arbeit einfach gut finden und dies mit dem Teilen wertschätzen möchten oder weil sie ihren eigenen Freunden und Kunden über ihre Netzwerke damit ebenfalls nützliche Informationen zugänglich machen möchten.

Wenn ich die Kommentare im Blog auswerte, ergibt sich auch hier ein klares Bild: Es sind viele KollegInnen, die über ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven schreiben. Daraus haben sich in den letzten Jahren nicht nur wertvolle Freundschaften auch im realen Leben entwickelt, sondern die inhaltliche Diskussion hat mich persönlich immer ein großes Stück weiter gebracht.

Verrate ich etwas, wenn ich über meine Haltung als Coach schreibe? Stärke ich Konkurrenten, wenn ich über Erfahrungen aus Coachings schreibe? Sind Tipps, die ich Bewerbern und Führungskräften gebe, auch Tipps und Vorlagen für meine Kollegen? Bedingt. Denn gerade im Coaching- und Berater-Markt entscheiden Kunden nach Ausbildung, Berufserfahrung und vor allem nach Sympathie. So sehe ich meine Kollegen und Kolleginnen – übrigens auch innerhalb von Köln – nicht als böse Konkurrenz, sondern als Unternehmer auf Augenhöhe, mit denen ich mich gerne vernetze und austausche. Denn ich bin der festen Überzeugung: Wir alle bekommen das Stück des Kunden-Kuchens ab, das zu uns passt.

2. Du machst Dich persönlich durchschaubar!

Neulich rief mich eine neue Klientin an. Wir unterhielten uns über ihr Thema und klärten die organisatorischen und finanziellen Fragen. Dann bot ich ihr ein kostenloses, kurzes Kennenlernen in meiner Praxis an. Und sie sagte: »Herr Slaghuis, ich lese schon länger Ihren Blog und eigentlich habe ich das Gefühl, dass ich Sie schon ganz gut kenne. Wir können ruhig sofort die erste Sitzung vereinbaren.«

Es gibt wenige Momente, in denen ich so unmittelbar bemerke, was der Nutzen des Bloggens ist. Ich habe auch vorher schon von einigen vor allem Kolleginnen gehört, dass sie meinen Schreibstil als sehr authentisch und persönlich wahrnehmen – wie auch immer ich das anstelle ;-) Wenn genau dies bei Klienten dazu führt, dass sie mich als Menschen hinter den Beiträgen kennenlernen, dann ist das ein unheimlich schönes Feedback und tolles Gefühl.

Also, ist es ein Risiko, persönlich durchschaubar zu sein? Viele reden vom gläsernen Menschen und die immer neuen Enthüllungen um Abhörskandale treiben uns die Sorgenfalten auf die Stirn. Ich sprach neulich mit Studierenden über das Payback-System und dass ich mich nicht wundern würde, wenn mir morgen früh das Glas Nutella in meiner Facebook-Timeline als Werbung gezeigt wird. Ja, ich fürchte, wir sind längst gläserner als wir uns das heute vorstellen können. Aber oftmals ist es auch die eigene Entscheidung, was wir preisgeben.

Viele Produkte und Dienstleistungen von Solo-Unternehmern sind eng mit der eigenen Person verknüpft. Aus Kundensicht kann es doch nur gut sein, im Vorfeld einer Kontaktaufnahme oder einem Kauf so viele Informationen und Eindrücke wie möglich über den Unternehmer oder Dienstleister zu erhalten. Denn im besten Fall beeinflusst genau das die Kaufentscheidung – wie bei meiner Klientin oben.

Und was fangen meine Kollegen damit an, wenn sie eine Ahnung davon haben, wie ich persönlich ticke? Einige denken vielleicht »Wie ist der Slaghuis denn drauf!« und schütteln mit dem Kopf, andere schauen vielleicht neidisch rüber und denken sich »So wäre ich auch gerne!« Ja, jeder darf denken, was er oder sie möchte. Viel schöner ist der Effekt, dass die Anzahl der Empfehlungen von Kollegen, die mich nicht persönlich kennen, aber über diesen Blog viel über meine Denk- und Arbeitsweise erfahren haben, in den letzten Jahren stark zugenommen haben. An dieser Stelle zum 100. Perspektivwechsel meinen herzlichen Dank hierfür!

3. Du vergeudest Zeit, in der Du kein Geld verdienst!

An einem guten Artikel sitze ich etwa einen Tag. Also meistens einen Nachmittag und Abend, dann schlafe ich drüber und am nächsten Morgen gibt’s den Feinschliff und die Veröffentlichung. Ein Tag, an dem ich keinen Cent verdiene.

Nun ist es aber auch nicht so, dass ich jeden Tag von morgens bis abends in der Coaching-Praxis sitze und die nächsten Monate komplett ausgebucht bin – so soll es auch bewusst gar nicht sein. Das Schreiben macht mir große Freude. Es bringt mich auf neue Gedanken. Ich setze mich intensiv mit einem Thema auseinander und bilde mir beim Schreiben meine eigene Meinung. Schreiben schafft Bewusstsein. Beim Schreiben verarbeite ich Erfahrungen – positive wie negative. Schreiben fokussiert mich. Und wer mich kennt, weiß um meine Neugierde. Wie wird es ankommen, was ich geschrieben habe? Bin ich einen Schritt zu weit gegangen oder polarisiere ich zu stark? Übrigens laufen solche Beiträge am besten, bei denen ich genau das dachte.

Ich finde es für mich als Solo-Unternehmer wichtig, dass das Schreiben weder Pflichterfüllung noch Qual ist. Es gibt Tage, da fällt mir nichts ein und ich habe einfach keine Lust, zu schreiben. Oftmals hat mich in der Vergangenheit der gewissenhafte Perfektionist in mir besiegt und ich habe einen Beitrag geschrieben, heute bin ich der Meinung, dass es auch mal eine Woche Pause geben darf und dies die Aufmerksamkeit im Blog nicht direkt abstürzen lässt.

Also, alles Zeitvergeudung? Für mich sicher nicht. Die Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit, die ich seit Beginn dieses Blogs im März 2012 erfahren habe, ist heute Gold wert. Seitdem ich ab Mitte 2014 fast wöchentlich schreibe, hat das Ganze nochmal deutlich an Dynamik zugenommen. Der große Teil neuer Klienten meldet sich mit »Ich habe bei Ihnen … gelesen und fand es interessant.« Nicht nur viele Kunden und Kollegen, sondern auch andere wichtige und große Multiplikatoren in meiner Branche teilen und empfehlen meine Texte. Auch Ihnen und Euch hierfür ganz herzlichen Dank!

Trotz Ökonom kann ich den Return on Invest des Blogs, der bisher völlig ohne bezahlte Werbung daherkommt, nicht beziffern. Sicher weiß ich aber, dass dieser gefühlt deutlich positiv ist.

4. Du hinterlässt große Fußspuren im Netz!

Das Internet verzeiht nichts. Shitstorms, Stalker, Querulanten in den Facebook-Kommentaren. Was einmal drin ist, ist drin. Ja, das ist wohl größtenteils so. Und sicher können hier auch Gefahren lauern, die Image schädigend sind (Tipp: ab und zu mal Ego-Googeln betreiben!).

Doch gerade Solo-Unternehmer stehen vor der großen Frage: Wo und wie werden meine Kunden auf mich aufmerksam? Wie schaffe ich Sichtbarkeit? Vielleicht doch lieber die kleine, unauffällige Anzeige in der lokalen Tagespresse? Oder Flyer dort auslegen, wo Sie Ihre Kunden vermuten? Die Zeitung von gestern landet im Papiermüll, Flyer lassen sich zur Not schnell wieder einsammeln, die Fußspur im Netz bleibt.

Ich habe in meiner Anfangszeit verschiedene Kommunikationskanäle ausprobiert. Flyer und Anzeigen waren nahezu ohne Wirkung. 80% meiner Kunden finden mich heute im Netz – und zunehmend über Blogbeiträge, die in den Google-Ergebnissen erscheinen. Der Rest kommt über Empfehlungen – Tendenz steigend.

Coaching ist eine Dienstleistung, für die es einen sehr speziellen Anknüpfungspunkt beim Kunden braucht. Kaum jemand wird beim Lesen der Tageszeitung denken »Och ja, zum Coach könnte ich auch mal wieder gehen.«, wenn er eine Anzeige überfliegt. Das ist bei Friseuren oder Restaurants anders.

Für mich als Coach und Solo-Unternehmer war es von Anfang an meiner Selbständigkeit daher ein oberstes Ziel, so viele Fußabdrücke wie möglich im Netz zu hinterlassen. Und auch das Bloggen zahlt hierauf stark ein.

5. Du gibst zu viele Tipps umsonst und löst schon die Probleme Deiner Kunden!

Ein Gedanke, der mir tatsächlich selbst häufig in den Sinn kommt, wenn ich schreibe. Denn in vielen Beiträgen beschreibe ich, was im Coaching geschieht und worauf es aus meiner Perspektive bei bestimmten Themen ankommt. Tipps für Bewerber, mit welcher Haltung sie in ein Gespräch gehen sollen oder Impulse für Führungskräfte, wie sie Ihre Mitarbeiter besser motivieren und binden können. Fach- und Erfahrungswissen frei Haus.

Aber wenn ich mich mal nicht so wichtig nehme und die Kirche im Dorf lasse, dann gibt es solche Tipps genauso in etlichen Karriere- und Management-Ratgebern und auch von Kollegen in ihren Blogs – vielleicht anders verpackt und mit einer anderen persönlichen Note.

Führt es dazu, dass Kunden unsere Dienstleistungen und Produkte damit weniger benötigen? Ich denke nicht. Viele Klienten berichten mir, dass sie schon viele Bücher gelesen haben, aber die Umsetzung in der Praxis auf dieser Basis nicht alleine schaffen. Die bezahlte Leistung ist eine andere, ein Blog mit ebenso wertvollen Tipps kann vielmehr ein Appetizer, Türöffner und Motivator für den Kunden sein.

Und sollte einer meiner Blogbeiträge dazu beigetragen haben, dass Sie als Leser ein aktuelles Problem lösen konnten, den Job als Bewerber bekommen haben oder als Führungskraft mit Ihren Mitarbeitern besser zurechtkommen, dann ist das doch toll und freut mich. Denn Sie werden nicht nur Ihren Freunden und Kollegen von meinem Blog erzählen, sondern auch mich persönlich mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterempfehlen.

100 Perspektivwechsel. Zeit für Veränderung.

Mit diesem 100. Beitrag und fast fünf Jahren Selbständigkeit wird es Zeit, mein Business auf frische Beine zu stellen. Wir arbeiten seit einigen Wochen intensiv an einer neuen Homepage, die nicht nur das neue technische Dach für diesen Blog bilden wird, sondern auch eine klarere Positionierung und Fokussierung meiner Angebote im Karriere- und Business-Coaching zum Ausdruck bringt. Ich bin gespannt, wie die neue Homepage bei Ihnen ankommt – ein paar Tage brauchen wir noch.

Ich freue mich auf die nächsten 100 Perspektivwechsel, den weiteren wertvollen Austausch hier im Blog und das aktive Netzwerken mit Ihnen und Euch im realen Leben.

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat 28 Kommentare

  1. Von mir auch einen herzlichen Glückwunsch zum 100. Beitrag. Das ist ein toller Meilenstein.

    Ich finde es klasse, dass Du Deine persönlichen Erfahrungen aufgeschrieben hast. Es ist einfach wunderbar, wenn Interessenten schon vorab das Vertrauen gewonnen haben. Die Zusammenarbeit startet auf einem ganz anderen Level. Neben der gesteigerten Sichtbarkeit ist es für mich DAS Argument für ein Blog. Auch wenn es sich nicht auf den Cent genau berechnen lässt – das Bloggen lohnt sich. Da teile ich Deine Erfahrung voll und ganz.

    Weiterhin viel Spaß und Erfolg beim Bloggen! Und auch ich bin gespannt auf Deine neue Website.

  2. Hallo Herr Slaghuis. Recht herzlichen Glückwunsch zum 100.sten Blogbeitrag und vielen Dank für diesen authentischen Erfahrungsbericht. Das beweist doch wieder einmal mehr, das bloggen sehr wohl was bringt, wenn man es a) nur will und b) Durchhaltevermögen an den Tag legt. Den Beitrag nehme ich als Paradebeispiel für morgen in die Social Web News mit auf :-)
    LG Tina Gallinaro

    1. Liebe Frau Gallinaro,
      vielen Dank. Ja, ich glaube, das ist wie mit allen Gewohnheiten. Über einen (kleinen) Zeitraum regelmäßig gemacht, wird es Teil des Ganzen. Als Durchhaltevermögen empfinde ich es jedenfalls gar nicht mehr.
      Herzlichen Dank für’s Teilen morgen und viele Grüße
      Bend Slaghuis

  3. Lieber Bernd,

    wie wunderbar, herzlichen Glückwunsch zum 100.! Ich lese, wie Du weißt, Deinen Blog mit wachsender Begeisterung.
    Auch wir haben uns über Deine Aktivitäten und nicht zuletzt über Dein Blog kennen und schätzen gelernt. Uns eint unser Perfektionismus (den ich immer mehr loslasse) und dass wir nicht die geborenen Schreiberlinge sind. Gegenseitig haben wir uns so manches Mal Mut gemacht und angespornt. Und es hat seine Wirkung nicht verfehlt. Ich danke Dir dafür.
    Ich freue mich auf viele weitere spannende Beiträge von Dir, den Austausch und auch das offen Feedback, was für mich immer sehr wertvoll ist.
    Mach bitte weiter so!

    Sonnige Grüße aus Hamburg an die Domstadt
    Silke

    1. Liebe Silke,
      oh ja, so mancher Beitrag ist nach einem „Von Dir hat man auch lange nichts gehört, ist alles in Ordnung?“ von Dir entstanden :-)) Danke für die Anstupser und auch die tiefer gehenden Gespräche. Und natürlich auch für die vielen Posts auf allen Kanälen, mit denen Du meine Inahlte in die Öffentlichkeit trägst. Ein beliebtes Twitter-Tool würde Dich sicher als Top Influencer in meinem Netzwerk betiteln. So ist es – Danke! ;-)
      Liebe Grüße
      Bernd

  4. Lieber Bernd, liebe Mitlesende!

    Hach! Ich liebe Deine Blogartikel! Und schau meist mit großer Ehrfurcht drauf, weil sie dermaßen ausführlich, umfassend, fundiert und außergewöhnlich sind! Glückwunsch natürlich auch von mir und ein tiefes Hut-ziehen! :-)

    Zu „Du machst Dich persönlich durchschaubar“:
    Ja! Eben! Wunderbar! Wir sind Coaches. Da ist das rein Fachliche, unsere Qualifikation, Aus- und Weiterbildung, selbstverständlich vorausgesetzt beim potentiellen Kunden. Er geht davon aus, dass wir die Qualifikationen mitbringen (auch wenn das, wie wir wissen, ja leider bei weitem nicht bei jedem, der sich Coach nennt, auch der Fall ist). Außerdem nützt ihn eine lange Auflistung unserer Qualifikationen im Zweifelsfall eh nicht viel, weil er mit den Fachbegriffen wenig anzufangen weiß.

    Wie wählt er also bestenfalls aus? Intuitiv! Nach Gefühl. Und da sucht er den Menschen, der zu ihm und seinen Anliegen passt. Und der Mensch Coach – ja, der zeigt sich viel mehr als auf der Angebotsseite im Blog. Oder generell in Social Media. Ich z.B. habe etliche Coachingklienten und auch Seminaraufträge durch Twitter bekommen. Da ruft mich dann jemand an und sagt: „Sie sind mir seit langem via Twitter bekannt und sympathisch. Ich mag Ihre Art. Sie regen sich über die gleichen Dinge auf wie ich, sind bei den gleichen Dingen nachdenklich oder erfreut. Ich hab Vertrauen zu Ihnen und hab ein Thema mit meinem Selbstbewusstsein. Wann treffen wir uns?“

    Zu „Du vergeudest Zeit, in der Du kein Geld verdienst.“
    Jemand, der das sagt, hat auch von Netzwerken nix verstanden. Den Satz hör ich oft, wenn ich mal wieder als Gastgeberin einen Abend meiner XING Regionalgruppe moderiere. „Was bringt Dir das denn?“ ist auch so ne Frage, wo ich mit den Augen rolle. Wie sagt Joachim Rumohr so schön übers gelungene Netzwerken: Es soll ABSICHTSLOS und GROSSZÜGIG sein.
    Das ist keine 1:1 Rechnung. Kein Blogartikel bringt automatisch 1-x Kunden. Das tut auch kein erstes Akquise-Gespräch. Und keine einzelne Netzwerk-Aktion von uns. Darum geht es aber auch gar nicht.
    Sondern, wie Du ganz richtig sagst, um Sichtbarkeit. Ums Spuren-hinterlassen, in der Tat! So viel wie möglich. Immer wieder, mal hier mal dort, mal im Blog, mal auf Twitter, mal mit einem Vortrag, einer Rezension auf eines meiner Bücher etc.
    Damit genau das passiert, was Du kennst und auch ich kenne: Dieses „Ich hab das Gefühl, Sie schon längst zu kennen.“ bei einem ersten Gespräch.
    Maren Martschenko, geniale Markenberaterin, spricht hier auch vom nullten Kontakt mit dem Kunden. Also dem Kontakt VOR dem ersten Kontakt. All dies, auch Gespräche über uns unter Fremden, das dann zu einem ersten Anruf oder Kontakt führt.

    Noch etwas generell zum Bloggen: Wenns richtig gemacht ist, spiegelt es auch nicht nur inhaltlich den Typ Mensch wider, der der Autor/die Autorin ist. Nein, auch die Art und Weise des Bloggens sagt viel aus.
    Wunderbar zu erkennen bei uns beiden: Du gehst an Blogartikel heran, wie Du es oben beschrieben hast. Mit Plan, Struktur, großer Akribie, Ausführlichkeit und hohem intellektuellen Anspruch.
    Ich nehm mir das auch immer wieder vor *hüstel* (Maren Martschenko kann ein Lied davon singen :-)) …. wieeeeee oft ich mir schon einen echten Redaktionsplan anlegen wollte, und es bislang nie machte).
    Aber ich bin halt anders: Emotional. Spontan. Impulsiv. Intuitiv. Und so entstehen MEINE Blogartikel. Selten weit vorher geplant, höchstens mal ein Thema, was schon länger schwelt, dann endlich aufs „Papier“ gebracht. Sehr viel öfter schreib ich enorm spontan, weil ich grad etwas Tolles erlebt habe, mich über etwas sehr aufgeregt hab, ein schönes Coachingthema berichten möchte etc.
    Und ich schreibs dann auch in einem Rutsch schnell runter – mir fällt das Schreiben sehr leicht, sonst wären meine 5 Bücher auch eine Qual geworden.

    Also: Die unterschiedlichen Typen Mensch kommen bestenfalls beim Bloggen auch zutage.

    Es macht mir immer große Freude, Deine Artikel zu lesen und oft auch zu kommentieren, werter Kollege! Für diese Möglichkeit herzlichen Dank!
    Ich freue mich auf noch viele solcher Gelegenheiten.

    Sehr herzlich,
    Bettina Stackelberg

    1. Liebe Bettina,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine Sicht sowie Erfahrungen, die ich teile. Mit Deiner Vermutung meiner Strukturiertheit und einem planvollen Vorgehen liegst Du jedoch – zumindest was den Blog betrifft, falsch. Redaktionsplan? Gibts nicht. Lange überlegt? Nein. Auch bei mir entstehen die meisten Beiträge aus einem spontanen Impuls (auch dieser 100.), aus Erlebnissen im Coaching oder einfach aus dem täglichen Leben. Anspruch – ja, den finde ich wichtig, gelingt aber sicher auch nicht immer ;-) Ich freue mich, wenn wir uns dann demnächst auch persönlich kennenlernen, das bekommen wir noch in 2015 hin, da bin ich zuversichtlich ;-)
      Liebe Grüße
      Bernd

  5. Herzlichen Glückwunsch zum 100. Artikel! Und was für ein guter das ist. Er wird sofort in allen Kanälen gestreut. Bloggen ist in meinen Augen eine der besten Möglichkeiten, sich mit seiner Marke in einem unübersichtlichen Markt zu positionieren und greifbar zu machen, gerade für Trainer, Coachs und Berater (mit oder ohne Redaktionsplan, liebe Bettina Stackelberg ;-))
    Beste Grüße
    Maren Martschenko

    1. Liebe Frau Martschenko,
      vielen Dank – auch für’s Streuen ;-) Ja, greifbar machen, darum gehts. Ich erlebe aber auch viele Trainer und Coaches (und auch andere Unternehmer), die genau hiervor Angst haben. Denn jede greifbare Positionierung bedeutet ja auch Festlegung auf Schwerpunkte und in den meisten Fällen einen vermeintlichen Ausschluss von Angeboten. Gerade in unübersichtlichen Märkten ist aus meiner Sicht die Verlockung groß, einen größtmöglichen Bauchladen mit sich rumzuschleppen.
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

      1. Ich erlebe genau das Gegenteil: Die klare Positionierung und das fokussierte Angebot öffnen so viele Türen in einem unübersichtlichen Markt! Ein Bauchladen löst nur schmerzhafte Haltungsschäden aus ;-)

        1. Ja, ich sehe es wie Sie und glaube auch, dass Spezialisierung hier richtig und wichtig ist. Meine Wahrnehmung resultiert aus Gesprächen mit einigen Kollegen und auch Klienten vor dem Schritt in eine Selbständigkeit, die einen Verlust von potenziellen Kunden befürchten, wenn sie sich zu stark fokussieren.

        2. Das erlebe ich bei meiner Beratung auch immer wieder: Grundsätzlich besteht Einsicht, dass Fokus hilft, aber es besteht eine große Angst loszulassen. Wenn sie dann im Rahmen der Zusammenarbeit erleben, wie erleichternd es ist und wieviel leichter alles wird, wenn sie sich auf die Stärken konzentrieren und das, was sie gut und gerne machen, heben sie richtig ab. Ein tolles Erlebnis – immer wieder!

  6. Lieber Herr Dr. Slaghuis, herzlichen Glückwunsch auch von mir. 100 hochwertige Artikel – das ist eine Leistung. Und Sie schreiben ja auch, dass diese durchaus einige Zeit in Anspruch nímmt.

    Dennoch ist auch meine Erfahrung, dass regelmäßiges Bloggen sich lohnt. Gerade für Coaches ist es sehr schwer, einem potenziellen Kunden klar zu machen, was er durch das Coaching und während des Coachingprozesses erwarten kann.

    Blogbeiträge wie die Ihren helfen, dass Coaching nicht als geheimnisvolle „Black Box“ gesehen wird, sondern konkreter wird und auch die Person dahinter deutlich wird. Die Erfahrung, die Sie schildern, dass potenzielle Kunden das Gefühl haben, Sie schon zu kennen, mache ich auch immer wieder.

    Das bietet eine viel bessere Basis für Zusammenarbeit, als wenn man sich erst durch die Zusammenarbeit kennen lernen muss, und die Chance auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist deutlich höher.

    In dem Sinne dann viel Freude und Erfolg für die nächsten 100 Blogposts und die weiteren Pläne, die Sie erwähnt haben.

    1. Liebe Frau Birkner,
      vielen Dank für Ihren schönen Kommentar, Ja, ich nehme auch Ihre Beiträge als sehr persönlich wahr und glaube, Sie ein wenig zu kennen – auch wenn wir uns bisher nicht persönlich getroffen haben.
      Ich bemerke auch, dass Coaching – auch außerhalb des klassischen Führungskräfte-Coachings im Unternehmen – in der Gesellschaft immer salonfähiger wird. Und wenn unsere Blogs und die der schreibenden KollegInnen zudem etwas zur Entwicklung des Coaching-Marktes beitragen und Licht in die Black Box bringen – umso besser.
      Herzliche Grüße aus Köln,
      Bernd Slaghuis

      1. Lieber Herr Dr. Slaghuis, schön, dass Sie den persönlichen Touch dann in beiden Rollen erleben, als Blogger und Coachinganbieter wie auch als Leser.

        Auf dass die Black Box dann transparent werde:-)

  7. Hallo Herr Slaghuis,

    100x Respekt.
    Ich tausche mich auch oft mit KollegInnen und Bekannten aus völlig anderen freiberuflichen Branchen aus. „Ein Blog bringt nichts als Arbeit“ höre ich da oft. Oder dass es verschenkte Zeit ist, die man effektiver mit Kaltaquise verbringen könnte.
    Da kann ich immer nur widersprechen!
    Ich habe auch einen Blog. Ok. Zu Beginn war ich sehr diszipliniert und schwächel momentan- aber nahezu alle Kunden erhalte ich über meinen Onlineauftritt. Ich habe keine Broschüren oder Flyer. Nur meine Website, den Blog und die diversen Social Media Kanäle. Wichtiger Bestandteil ist auch die Mitgliedschaft in Netzwerken (von deren Mitgliedern hier auch einige gratuliert haben :-) )
    Wenn ein potentieller Kunde einen „Leidensdruck“ verspürt etwas zu verändern, so recherchiert er im Netz. Wer, wie, was, wo, warum. Um so mehr man sichtbar ist, desto leichter kommt er auf die Website. Ohne Blog wäre ich nicht so leicht zu finden. In Berlin gibt es unfassbar viele Coaches. Da muss ich irgendetwas machen um aus der Masse hervor zu stechen.
    Und zum Thema Konkurrenz: Der Coachee sucht seinen Coach. Das hat schon unser Professor immer gesagt. Wenn ich also 1:1 alles von einem Konkurrenten „klauen“ oder abgucken würde- bin ich immer noch ich und der „Konkurrent“ seine eigene Persönlichkeit.
    Spätestens im unverbindlichen Gespräch entscheidet sich der Kunde für oder gegen einen.

    In diesem Sinne: machen Sie weiter so! Ich schaue auch gerne bei Ihnen vorbei und erweitere meinen Horizont :-)
    Beste Grüße aus Berlin
    Jens Jannasch

    1. Hallo Herr Jannasch,
      genauso sehe ich es auch und ich vermute, Köln steht mit der Coach-Dichte ähnlich gut da. Je klarer ein Coachee im Vorfeld erkennen kann, wer zu ihm passt, was Haltung, Persönlichkeit und Herangehensweise betrifft, umso kürzer fällt die Coach-Besichtigungs-Tour aus. Dass sich Coachees für ihre sehr persönlichen Themen und auch einer solchen Investition viele Gedanken zum Coaching-Anbieter machen, finde ich sehr nachvollziehbar – würde ich auch.
      Netzerke sind sehr nützlich (nennen wir Karriereexperten.com ruhig beim Namen), wenn sie mehr als Datenbanken mit „einkauften“ Kartei-Leichen sind. Die Sichtbarkei durch Karriereexperten ist hoch, zudem finde ich die persönlichen Aktivitäten und den Austausch unter den Mitgliedern sehr wertvoll. Auch hierüber sind viele Impulse für Blogbeiträge entstanden.
      Auch ich lese regelmäßig sehr gerne bei Ihnen, die frische/spitze Art gefällt mir gut ;-)
      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  8. Lieber Bernd,

    auch von mir einen herzlichen Glückwunsch! Schön, dass du die Zeit angibst, die du zum Schreiben deiner originellen und hochwertigen Artikel benötigst. So kann jede/r beurteilen, wie viel Aufwand das ist. Man schreibt gute Blogartikel eben nicht einfach so mal hin. D.h. schreiben vielleicht mal, aber nur eine erste Version. Bis daraus der fertig korrigierte Text mit Bild und Links wird, das dauert. Und am Ende, wenn die Qualität im Netz ist, führt das dann zu den positiven Effekten, die du beschreibst. Aufwand und Qualität setzen sich durch – das ist das Erfreuliche.

    Viel Spaß damit in der Zukunft,

    viele Grüße, Christoph Burger

  9. Hallo Herr Slaghuis,

    herzlichen Glückwunsch zum Hundertsten. Da habe ich glatt gedacht, dass ich zu viele Artikel verpasst habe.

    Vielen Dank für Ihre tollen Artikel, die ich auch immer gerne teile, wenn es aus Unternehmenssicht, also für die Personaler interessant ist. Ich freue mich auf die nächsten!

    Beste Grüße nach Köln,
    Silke Glüsenkamp

  10. Hallo Herr Slaghuis,

    ich bin gerade eben über Ihren Blog gestolpert und schon bekomme ich ein Thema zu lesen, das mich unmittelbar betrifft, denn ich blogge als BeziehungsCoach in Hamburg (moin, moin) über BeziehungsThemen, was mir gestern gerade einen neuen Klienten beschert hat. Und daher kann ich mich gut in Ihrem Artikel wieder finden. Alle fünf genannten Bedenken kann auch ich ruhig besaite lassen und mich weiter aufs Bloggen und Beantworten der Kommentare konzentrieren.
    Macht Spass und nützt dem Business.

    Für die nächsten 100 alles Gute.

    Grüße aus Hamburg nach Köln

    Ihre
    Astrid v. der Osten

  11. Hallo Herr Slaghuis,

    Kompliment für Ihren beharrlichen Ansatz, auch einmal etwas zu investieren in die Kundenbindung, was – in den meisten Fällen – keinen unmittelbaren Ertrag bringt, oder? Oder doch! Sie haben beeindruckend klargestellt, dass es von großem Nutzen sein kann als KMU einen Blog zu schreiben. Ihre potenzielle Kundin wird zur tatsächlichen Kundin, da Ihre Ausführungen Vertrauen erwecken und dazu Ihre Kompetenz als Dienstleister nachhaltig festigt.

    Mit besten Grüßen
    P. Braun

    1. Hallo Herr Braun,

      danke! Investition in Kundenbindung ist immer etwas auf Dauer angelegtes, da kann ich doch eigentlich nie mit sofortigen Rückflüssen rechnen. Viel wichtiger erscheint mir das Bloggen allerdings für die Kundengewinnung als für die Bindung, rd. 75% der Blog-Zugriffe kommen heute über google und nicht über (befreundete) Netzwerke.

      Viele Grüße
      Bernd Slaghuis

  12. Vielen herzlichen Dank für diesen wunderbaren Beitrag, Ihre Worte bestärken mich in dem, was ich von Herzen gern tue (aber noch ausbauen möchte) und nehmen mir die doch hin und wieder auftretenden Zweifel.
    Liebe Grüße
    Anja Langhammer

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