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Bewerbungsschreiben. Wieviel Klartext ist erlaubt?

Eine vollständige Bewerbung besteht aus dem Bewerbungsschreiben, dem Lebenslauf und den Anlagen. Entgegen einiger Meinungen, die den Lebenslauf als wichtigsten Bestandteil ansehen, betrachte ich das persönliche Anschreiben als stärksten Appetizer für die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Sicherlich müssen die im Lebenslauf aufgeführten und durch Zeugnisse belegten Qualifikationen grundsätzlich zur vakanten Stelle passen, aber ob ein Interessent auch wirklich zum Unternehmen, der Unternehmenskultur, dem Chef oder der Chefin und nicht zuletzt auch ins Team passt, das lässt sich vor allem durch die persönliche Note im Anschreiben im Vorfeld einschätzen. Ein Anschreiben sollte daher deutlich mehr als ein Rechtfertigungsschreiben für einen Job und die bloße Auflistung der fachlichen Kenntnisse und Qualifikationen sein. Lassen Sie die Hosen runter und sprechen Sie Klartext! Die folgenden 13 Themen gehören aus meiner Sicht in ein Anschreiben, mit dem Sie sich heute definitiv von der Masse der 08/15-Bewerbungen abheben. Mit diesem sehr persönlichen Anschreiben werden Sie bei solchen Unternehmen punkten, deren Kultur durch Menschen, ihre Werte und Persönlichkeiten geprägt ist. Bei anderen kann es sein, dass sie gleich aussortiert werden – weil vielleicht Maschinen diese Arbeit erledigen.

1. Seriöser und ansprechender Briefkopf

Hier gehören Ihr Name, die Adresse, eine Telefonnummer, unter der Sie auch zu erreichen sind und Ihre E-Mail-Adresse hinein. Achten Sie auf eine „seriöse“ Mail-Adresse und nutzen Sie für Ihre Bewerbung nicht die Adresse Ihrer Hobby-Homepage Chantalle@Feenzauber.de. Legen Sie sich lieber bei Gmail oder T-Online einen neuen Mail-Account mit Ihrem Vor- und Nachnamen an, über den Sie auch bequem Mails schicken können, ohne gleich im Spam-Ordner zu landen. Überlegen Sie sich, ob Sie im Briefkopf mit Farben oder anderen Schriftarten als im Text spielen möchten. Das Design sollte zu Ihnen passen und auch zur Stelle. Nach meinem Geschmack sollte der Briefkopf jedoch nicht das Highlight des Anschreibens sein – also an dieser Stelle dann doch lieber etwas dezente Zurückhaltung.

2. Adressat mit persönlichem Ansprechpartner

Immer wieder sehe ich Anschreiben, die ohne konkreten Ansprechpartner an ein Unternehmen geschickt werden – sogar dann, wenn in der Stellenausschreibung ein persönlicher Kontakt genannt ist. Auch wenn dies nicht gegeben ist, können Sie versuchen, einen Ansprechpartner herauszufinden und vielleicht so auch schon einen ersten Kontakt zum Unternehmen herstellen. Das bietet sich gerade bei kleinen oder mittelständischen Unternehmen an. Hier kann ein Anruf und die Ankündigung der Bewerbung bereits ein wichtiger erster Kontaktpunkt und Türöffner sein. Zudem können Sie sich auf das Gespräch in Ihrem Anschreiben beziehen. Viele große Unternehmen nennen heute keine persönlichen Ansprechpartner mehr, um nicht mit Nachfragen überschüttet zu werden. Stattdessen wird auf einen standardisierten und anonymen Online-Bewerbungsprozess mit Eingabefeldern definierter Zeichenlänge gesetzt. Eine Entwicklung, die ich sehr kritisch sehe, aber das ist ein anderes Thema. Sparen Sie sich hier also den Versuch, einen Namen herauszufinden, das ist in der Regel Zeitverschwendung.

3. Betreff mit Angabe der Position

Die Betreffzeile dient der schnellen Zuordnung Ihrer Bewerbung zu einer Stelle. Nach neuer DIN 5008 schreibt man das Wort „Betreff“ nicht mehr davor. Halten Sie die Betreffzeile so kurz wie möglich. Aus meiner Sicht ist die Angabe der Quelle, in der Sie die Anzeige gelesen haben, nicht notwendig. Gibt es eine Kennziffer in der Ausschreibung – das kommt oft in Konzernen vor – gehört diese jedoch unbedingt auch hierher. Bewerben Sie sich initiativ, dann sollten Sie dies auch im Betreff kenntlich machen, damit der Leser Ihr Anschreiben gedanklich einsortieren kann.

4. Persönliche Anrede

Im besten Fall kennen Sie den persönlichen Ansprechpartner. Dann bietet sich die Anrede „Sehr geehrte/r Frau/Herr …“ an. Zunehmend beliebt wird auch die Anrede „Guten Tag, Frau/Herr ….“. Entscheiden Sie sich für eine Initiativbewerbung, dann überlegen Sie sich, wer der richtige Empfänger Ihrer Bewerbung ist. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen kann neben HR auch ein Mitglied der Geschäftsführung oder der Inhaber selbst ein sinnvoller Adressat für Sie sein. Vielleicht kennen Sie auch einen anderen Ansprechpartner außerhalb der Personalabteilung, der Ihre Bewerbung intern weiterleiten kann. Gelangt Ihre Bewerbung über Umwege mit dem Zusatz „Ich habe hier eine interessante Bewerbung erhalten“ in die Personalabteilung, dann ist die Chance höher, dass Sie bei Initiativbewerbungen nicht gleich auf dem Stapel „Weiß nicht, was ich damit anfangen soll“ landen.

5. Motivation: Warum genau diese Stelle?

So, los gehts mit dem eigentlichen Text. Beginnen auch Sie jede Ihrer Bewerbungen mit „Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als … „? Laaaangweilig! Kein News-Wert, denn das steht schon im Betreff. Ihre Bewerbung ist Werbung für Sie! Mit diesem Start erzeugen Sie kein Interesse. Mein Tipp: Schaffen Sie Klarheit – gleich zu Beginn: Warum haben Sie so richtig Lust auf genau diese Stelle? Was reizt Sie ganz speziell besonders an diesem Unternehmen? Warum glauben Sie, dass Sie sich auf der Position und in diesem Unternehmen richtig gut aufgehoben fühlen? Diese zwei drei Sätze zu Beginn des Anschreibens ist der aus meiner Sicht wichtigste Teil. Der Leser sollte hier sofort ein Interesse entwickeln, weiter zu lesen und sich den Rest Ihrer Unterlagen anzusehen. Ich weiß, das ist schwierig, aber hier lohnt es sich vielleicht für den Traumjob der nächsten Jahre auch mal einen Abend oder einen ganzen Samstag zu investieren.

Achten Sie darauf, dass Sie nichts schreiben, was der Empfänger eh schon weiß. Ich lese oft Lobeshymnen auf das Unternehmen und auf dessen tolle Produkte oder geniale Strategien. Auch kein News-Wert für den Empfänger! Untersuchen Sie außerdem jedes Wort darauf, ob es nur eine allgemeine Worthülse ist oder ob Sie konkret genug sind. Wenn Sie schreiben, dass die Stelle genau Ihren Interessen entspricht, dann erklären Sie, warum das so ist. Schreiben Sie keine Bandwurmsätze mit 10 Nebensätzen. Kurze Sätze, klare Aussagen, auf den Punkt! Das ist nicht nur besser zu lesen, sondern der Leser kann in der Kürze der Zeit den Inhalt auch leichter verstehen.

6. Aktuelle Situation und Wechselmotivation

Was machen Sie im Moment? Wo sind Sie beschäftigt? Bewerben Sie sich aus einer ungekündigten Stellung? Aus welchem Grund möchten Sie wechseln? Auch an dieser Stelle erscheint mir Klarheit und Ehrlichkeit sehr wichtig. Es versteht sich von selbst, dass Sie nicht schlecht über Ihren jetzigen oder letzten Arbeitgeber schreiben. Wenn Ihnen aber etwa betriebsbedingt gekündigt wurde, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, dies auch genau so zu schreiben – denn daran sind Sie in den allermeisten Fällen unschuldig und dies sagt nichts über Ihre Qualifikation aus. Möchten Sie ein neues Unternehmen kennenlernen, sich neuen Herausforderungen stellen und wechseln aus eigenem Antrieb, ist auch dies eine sinnvolle Information für den Leser Ihrer Bewerbung. Hier brauchen Sie keinen Roman zu schreiben, sondern wie in Punkt 5. können Sie mit zwei oder drei präzisen Sätzen Ihre Botschaft auf den Punkt bringen.

7. Wichtigste Kenntnisse und Fähigkeiten

Dies ist bei den meisten Bewerbungen, die ich in Coachings oder auf Karriere-Messen zu lesen bekomme, der größte Block. Viele Bewerber glauben, wenn Sie möglichst viele ihrer Fachkenntnisse, Projekte und Erfahrungen aufzählen, macht dies Eindruck. Das Ergebnis ist meist eine wirre Aneinanderreihung von Fachausdrücken, die mir oft unbekannt sind und bei denen ich auch vermute, dass HR- und auch Fachbereichs-Mitarbeiter diese nicht kennen. Was hier hinein gehört: Überlegen Sie sich, welche Ihrer vielen Kenntnisse und Fähigkeiten Sie für genau diese Position gebrauchen können. Investieren Sie hier auch ruhig mal eine Stunde Zeit. Was vermuten Sie, werden Sie auf dieser Stelle tun und welche Ihrer Fähigkeiten sind hierfür besonders wertvoll? Schreiben Sie sich alle diese Punkte separat auf. Danach reduzieren Sie Ihre Liste auf maximal 5 Kernkompetenzen. Erklären Sie diese im Anschreiben und nennen Sie konkrete Beispiele für Situationen, in denen Sie genau diese Fähigkeiten in der Vergangenheit unter Beweis gestellt haben. Denken Sie hier nicht nur an die letzte Position, sondern gehen Sie Ihre gesamte Berufslaufbahn durch. Wir vergessen oftmals, was wir im Job schon alles gelernt und an Erfahrungen gesammelt haben. Auch hier gilt: Kurze Sätze, klare Struktur, konkrete Beispiele! Wenn Sie mehr über Ihre Kompetenzen schreiben möchten, dann empfehle ich manchmal ein gesondertes Kompetenzprofil als Anlage. Dies bietet sich insbesondere für höhere Positionen oder als Übersicht für Headhunter an.

8. Persönliche Stärken

Was zeichnet Sie persönlich aus? Was sind Sie für ein Typ? Wie ticken Sie so? Dies sind Informationen, die ich in fast keiner Bewerbung finde. Vielleicht denken Sie jetzt „Das geht ja auch niemanden etwas an!“ oder „Wie soll ich sowas denn schreiben?“ Aus meiner Sicht sind es wichtige Informationen für den Leser, denn nur so kann er beurteilen, ob Sie mit Ihrer Persönlichkeit zum Unternehmen und in das Team passen. Ja, ich weiß, dass dies auch der schwierigste Teil Ihres Anschreibens ist. Viele Bewerber sind sich ihrer persönlichen Stärken und Eigenschaften gar nicht bewusst. Ich meine hier nicht diese allgemeinen Dinge wie Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke oder Zielorientierung. Es geht auch nicht um das Nachplappern genau der Worte, die in der Ausschreibung aufgeführt sind. Was zeichnet Sie ganz persönlich aus? Gehen Sie auch hier in sich und schreiben Sie alle Ideen auf, die Ihnen in den Sinn kommen. Gehen Sie in die Tiefe. Vielleicht zeichnet sie Kommunikationsstärke aus, aber dann erklären Sie auch, woran Ihr neuer Arbeitgeber dies erkennen kann. Was bedeutet Kommunikationsstärke? Nur so machen Sie klar, dass Sie nicht nur blind Begriffe aufzählen, von denen Sie glauben, dass der Leser sie gerne hören möchte, sondern dass Sie sich selbst reflektiert haben und hier tatsächlich über sich als individuelle Persönlichkeit schreiben.

9. Eigene Ziele und Werte im Beruf

Was ist Ihnen besonders wichtig im Beruf? Geld, schneller Aufstieg, herausfordernde Aufgaben, Sicherheit? Wenn Sie meinen Blog schon länger lesen, dann wissen Sie, dass „Werte“ eines meiner zentralen Themen sind. Ich erlebe viele Job-Gefrustete auf der Suche nach neuen Arbeitgebern und bei allen von ihnen sind genau diese Werte nicht mehr erfüllt. Daher halte ich es für sinnvoll, sofort mit der Bewerbung zu signalisieren, was Ihnen wichtig ist. Hier kommt es sicherlich auf die Formulierung an. Sie sollten lieber nicht schreiben „Mir ist Geld sehr wichtig, daher möchte ich eine jährliche Gehaltserhöhung.“ Hinter dem Wert Geld verbirgt sich oftmals der Wunsch nach Anerkennung von Leistung. Trifft dies auf Sie zu, können Sie das schreiben: „Bei meiner Arbeit ist es mir wichtig, dass gute Leistungen wertgeschätzt und anerkannt werden.“ Hiermit kann der Leser etwas anfangen und sich ein Bild von Ihnen machen.

Was sind Ihre Ziele? Hier können Sie vielleicht sogar eine Brücke zur Wechselmotivation schlagen. Es versteht sich von selbst, dass Sie hier nicht den Eindruck erwecken sollten, am Stuhl des Chefs zu sägen oder nach Ihrem Einstieg mit abgeschlossener Ausbildung in zwei Jahren die Unternehmensleitung zu übernehmen. Aus Sicht des Lesers ist es von Interesse, Ihre Entwicklungsmotivation einzuschätzen. Das meine ich ganz ohne Wertung, denn ambitionierte Aufstiegsziele sind für mich gleichwertig mit dem Wunsch, einen Job mit Routine-Aufgaben und täglicher Sicherheit zu suchen. Jeder Bewerber hat unterschiedliche Ziele, die zur aktuellen Lebenssituation und den eigenen Wertevorstellungen passen und sollte Ausschau nach einem Job und dem passenden Arbeitgeber halten, der hierfür den richtigen Nährboden bietet (dazu passt mein Beitrag zum Worklifestyle).

10. Entwicklungspotenzial

Die eierlegende Wollmilchsau suchen Unternehmen bis heute immer noch vergeblich. Viele Bewerber legen Stellenausschreibungen sofort zur Seite, wenn sie auch nur eine Anforderung nicht erfüllen. Das ist gelinde gesagt Blödsinn! Wäre es nicht auch total langweilig, wenn Sie als Bewerber gleich zu 100% auf eine Stelle passen, Sie sich fachlich perfekt auskennen und direkt vom ersten Tag an voll produktiv wären? Ok, für manche Unternehmen ist dies die Einstellungsvoraussetzung, doch genau hier sind Stellen auch länger unbesetzt als (produktiv) besetzt – ganz zu schweigen von den exorbitant hohen Suchkosten.

Also: Finden Sie eine Stelle und das zugehörige Unternehmen spannend, können aber nicht alle Anforderungen erfüllen, dann spielen Sie (vorsichtig) mit offenen Karten. Die Voraussetzung: Sie haben Lust darauf, das fehlende Fachwissen oder die Fertigkeiten zu lernen. Die weitere Voraussetzung: Es sollte einigermaßen realistisch sein, dass Sie diese Lücke innerhalb überschaubarer Zeit schließen können – ohne mehr Zeit in Weiterbildungen als am Arbeitsplatz im ersten Jahr zu verbringen. Ich weiß, dieser Punkt ist kritisch, denn hier signalisieren Sie „Lücke“ und geben eine Schwäche zu. Einige Bewerbungsberater warnen hiervor. Ich bin der Meinung, dass niemand von uns perfekt ist und dass es ganz im Gegenteil sogar von Stärke und Selbstreflexion zeugt, dies erkannt zu haben und klar zu zeigen: „Ich weiß, mir fehlt noch …, aber ich habe Lust, Neues zu lernen und mich fachlich und persönlich im neuen Job weiter zu entwickeln.“ Außerdem vermeiden Sie durch diese Klarheit böse Überraschungen im Vorstellungsgespräch.

11. Gehalt und Verfügbarkeit

Oha! Eine sehr kritische Passage. Über Geld spricht man doch in Deutschland nicht! Daher wissen die meisten Bewerber nicht, welche Gehälter in welchen Berufen, Branchen und Unternehmensgrößen realistisch sind. Viele möchten mit dem Wechsel eine Schippe auf das bisherige Gehalt drauflegen – so zwischen 3% bis zu 20% sind drin. Hier gibt´s ein paar gute Tipps, u. a. warum Sie krumme Gehaltsvorstellungen (43.550 Euro) nennen sollten. Wichtig: Ist die Gehaltsvorstellung in der Stellenanzeige gefragt, gehört die Angabe ins Anschreiben hinein. Ich kenne Unternehmen, die hiernach in der ersten Runde sieben (und vielleicht so auch Diamanten mit aussieben). Mein Tipp: Durchforsten Sie das Internet nach Gehaltsvergleichen, besser noch: Durchforsten Sie Ihre Netzwerke (XING, Linkedin, den Skat- oder Golf-Club etc.), ob dort jemand entweder in einer vergleichenden Position oder sogar im gleichen Unternehmen arbeitet, oder sich in der Branche auskennt, vielleicht sogar selbst HR-Entscheider ist und Ihnen einen Tipp zum Gehaltsniveau geben kann.

Kennen Sie eigentlich Ihre Kündigungsfrist? Ich arbeite viel mit Bewerbern und stelle immer wieder fest, dass sie mir hierzu keine Auskunft geben können. Dabei ist es wichtig, um die nächsten konkreten Schritte oder vielleicht auch eine Übergangszeit für die Bewerbungsstrategie zu planen. Und der neue Arbeitgeber möchte auch planen! Also – Ein Blick in den Vertrag genügt und Sie wissen, wann Sie frühestens raus sind – sollte Ihr jetziger Chef nicht einem Aufhebungsvertrag zustimmen.

12. Abschluss

Wie bei einer guten Story sind auch für Ihr Anschreiben Anfang und Ende von größter Bedeutung. „Ich würde mich über eine Einladung zu einem Gespräch freuen.“ Na klar, oder glauben Sie, Sie bekommen sofort den Vertrag zugeschickt? Außerdem schreibt hier der kleine Bewerber, der hofft, dass seine Bewerbung Berücksichtigung findet und ihm Gehör geschenkt wird. Lassen Sie das mit dem Konjunktiv sein! Würde hätte könnte machen Sie klein. Nein! Sie freuen sich auf den gegenseitigen Austausch oder ein gegenseitiges Kennenlernen. Sie freuen sich darauf, im Gespräch herauszufinden, ob dieser Job und das Unternehmen das Richtige für Sie ist und Sie zueinander passen – auf Augenhöhe! Dieser letzte Satz sollte wie in einem guten Verkaufsprozess eine Call-to-action-Botschaft enthalten. Der Leser sollte den Impuls verspüren, Ihre Bewerbung nicht auf den „Geht-zurück-Stapel“ zu legen, sondern im besten Falle sofort zum Hörer greifen und einen Termin mit Ihnen vereinbaren (ok – geträumt!).

13. Unterschrift

Ihr Anschreiben ist – wenn es diese Punkte enthält – zu einem sehr persönlichen Dokument geworden. Ihre eigenhändige Unterschrift gehört hier unbedingt darunter. Auch wenn viele Bewerbungen heute online verschickt werden, gehört die Unterschrift (als Scan/Bild-Element im Anschreiben-PDF) aus meiner Sicht dazu. Unterschreiben Sie, wie Sie es immer tun. In jede Unterschrift (links-geneigt, ausschweifend, klein, geschwungen, unleserlich) lässt sich irgendetwas hineininterpretieren. Darüber sollten Sie sich den Kopf nicht zerbrechen!

Zum guten Schluss …

Aus welcher Perspektive schreiben Sie Ihre Bewerbung? Haben Sie etwas zu sagen oder denken Sie vielmehr darüber nach, was der Personaler im Unternehmen lesen möchte? Kombinieren Sie am besten beide Perspektiven: Setzen Sie die Brille des Personalers oder Entscheiders auf und überlegen Sie sich, was Sie aus seiner Sicht über sich alles lesen möchten. Was sollte er über Sie, Ihre Fähigkeiten, Erfahrungen, Talente, Persönlichkeit und Ziele wissen? Was möchten Sie über sich preisgeben und was ist von Relevanz für diese Position und genau dieses Unternehmen?

Wichtig ist: Bei Ihrer Bewerbung geht es nicht um Honig um den Bart schmieren oder dem Unternehmen nette Komplimente machen. Denken Sie lieber darüber nach, was Sie zu sagen haben als darüber, was der Leser vielleicht lesen mag. Das wissen Sie ohne hellseherische Fähigkeiten ohnehin nicht und dies werden Sie auch niemals in Erfahrung bringen – selbst nicht nach einer Absage.

Ich weiß, dass meine Perspektive und die genannten Punkte mitunter etwas „gewagt“ sind und habe in der letzten Zeit auch mit einigen Kollegen und auch HR-Entscheidern gesprochen. Die Meinungen gingen auseinander. Und wenn ich mir die Entwicklungen im HR-Bereich bei der Sichtung von Bewerbungen ansehe – Stichwort Roboter im Recruiting – dann wird mir ganz schwindelig. Sehr wahrscheinlich würde dieser Roboter meine persönliche Bewerbung sofort aussortieren und mich als Kandidaten im Netz auch nicht aufspüren, doch ich bin mir auch ganz sicher, dass ich in diesem Unternehmen nicht arbeiten wollen würde.

Wie sehen Sie das und was sind Ihre Erfahrungen? Auf Nummer sicher gehen und Standard-Langweiler-Bewerbungen nach Schema-F in die Welt schicken? Oder durch Klarheit zu eigenen Werten, Zielen und Entwicklungspotenzialen die Hosen runter lassen und mehr von der eigenen Persönlichkeit preisgeben – mit der Gefahr, sofort aussortiert zu werden, vielleicht sogar eigenhändig von einem Roboter? Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen und Euch!

(Bildnachweis: 123rf.com, 39338062, jehsomwang)

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

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