Blog 10DingeChef FB

10 Dinge, die Ihr Chef unbedingt über Sie wissen sollte.

Gute Führung setzt voraus, etwas mehr als den Namen und Geburtstag seiner Mitarbeiter zu kennen. Eine sinnvolle Delegierung von Aufgaben und die gezielte Entwicklung eines Mitarbeiters sind nur dann möglich, wenn eine Führungskraft um die Stärken und Schwächen sowie die persönlichen Werte und Ziele seiner Mitarbeiter Bescheid weiß. Ja, eigentlich ist es die Aufgabe jeder Führungskraft, genau diese Informationen entweder bei der Einstellung, spätestens aber in der täglichen Zusammenarbeit selbst herauszufinden. Dies gelingt durch bewusstes Zuhören oder aktives Fragen. Doch wer sich nun als Mitarbeiter gelassen zurück lehnt nach dem Motto „Soll sie/er mich doch fragen!“ kann unter Umständen lange warten und macht sich die Zusammenarbeit und damit den Job unnötig schwer. Das muss nicht sein! Wechseln Sie die Perspektive und werden Sie aktiv. Was sollte Ihre Chefin oder Ihr Chef über Sie wissen, um Sie gut führen zu können?

1. Ich kann besonders gut …

Welches sind Ihre Stärken? Was macht Ihnen besonders viel Freude im Beruf und was liegt Ihnen gut? Worin sind Sie vielleicht sogar besser als Ihre Kolleginnen und Kollegen? Ja, wir Deutschen reden nicht gerne über unsere Stärken. Wenn Sie aber genau diesen Teil der Arbeit in Ihrem Bereich vom Chef zugeteilt bekommen möchten, dann machen Sie Ihrem Vorgesetztem klar, womit er Ihnen eine Freude machen kann. Eine Win-Win-Situation, denn Ihr Chef kann sich einigermaßen sicher sein, dass Sie Ihre Lieblingsaufgaben mit Bravour erledigen. Das heißt in der Konsequenz wohl nicht, dass Sie ab sofort nur noch die tollen Aufgaben bekommen, aber vielleicht mehr davon.

2. Ich hasse es, wenn …

Die andere Seite: Jeder von uns mag bestimmte Tätigkeiten nicht so gerne. Für die einen ist die Präsentation vor einer großen Gruppe der Horror, für die anderen ist es die Recherche und strukturierte Aufbereitung komplizierter Sachverhalte. Was auch immer – es gibt bestimmte Aufgaben, bei denen Sie nicht Hurra schreien. Wenn Ihr Vorgesetzter davon weiß (und ich gehe davon aus, dass er dieses Wissen dann nicht bewusst gegen Sie einsetzt), dann kann er bei der Verteilung von Aufgaben entscheiden, ob er die für Sie unliebsamen Aufgaben etwas öfter an andere Mitarbeiter, die diese vielleicht sogar gerne erledigen, verteilt. Selbst wenn dies nicht möglich ist, weiß sie oder er, dass es hier vielleicht einer extra Portion Motivation und genauerem Hinschauen beim Ergebnis bedarf.

3. Ich fühle mich wohl, wenn …

Was brauchen Sie, um sich an Ihrem Arbeitsplatz oder im Team wohlzufühlen? Jetzt höre ich einige von Ihnen wieder sagen „Arbeit und Wohlfühlen? Muss das denn sein?“. Ja! Sie halten sich täglich viele Stunden in Ihrer Arbeitsumgebung auf. Fühlen Sie sich dort nicht wohl, weil Sie zum Beispiel im Großraumbüro sitzen, sich aber nur in Ruhe konzentrieren können, kann Sie dies auf Dauer stressen und krank machen. Wie sollte also Ihre Arbeitsumgebung aussehen, damit Sie gute Leistungen erbringen? Vielleicht lässt sich hiervon nicht alles in die Tat umsetzen, aber wenn Sie darüber gesprochen haben, dann wundert sich niemand mehr, wenn Sie im Großraumbüro ab morgen mit Geräusche unterdrückenden Kopfhörern sitzen. Und vielleicht kommt Ihr Vorgesetzter auch selbst auf Ideen, Ihnen eine für Sie bessere Arbeitsumgebung zu ermöglichen.

4. Ich arbeite gerne mit Kollegen, die …

Welche Kollegen rauben Ihnen den letzten Nerv und mit welchen Menschen arbeiten Sie besonders gut zusammen? Es ist ganz normal, dass wir uns je nach eigener Persönlichkeit mit einigen Menschen besser, mit anderen schlechter verstehen. Stimmt die Chemie, dann macht die Zusammenarbeit Spaß und beide Seiten motivieren sich gegenseitig. Möchte Ihr Chef ein Team von Mitarbeitern zusammenstellen, kann diese Information sehr nützlich sein. Und wenn Sie doch einmal mit Ihrem unsympathischen Kollegen an einer Sache zusammenarbeiten müssen, kann Ihre Führungskraft die eventuell entstehenden Konflikte bewusster erkennen und schneller darauf reagieren.

5. Ich brauche im Job …

Dies ist der aus meiner Coaching-Erfahrung wichtigste Punkt, über den Ihre Führungskraft Bescheid wissen sollte. Hier geht es m Ihre Werte im Beruf. Was ist Ihnen wichtig und welche Werte müssen erfüllt sein, damit Sie im Job glücklich sind? Werte sind zum Beispiel Anerkennung, Herausforderung, Erfolg, Sinn, Freude, Gerechtigkeit, Kollegialität, Status oder Macht. Im ersten Schritt müssen Sie sich natürlich selbst darüber bewusst werden, was Ihnen am wichtigsten ist. Danach machen Sie Ihrer Führungskraft klar, welche Werte eine besondere Rolle spielen und woran Sie sie festmachen. Sie beide können dann gezielt an denjenigen Stellschrauben drehen, die genau diese Werte beeinflussen.

6. Ich möchte in den nächsten Jahren …

Was sind Ihre Ziele im Beruf? Sind Sie auf die große Karriere aus und möchten sich so schnell wie möglich weiterentwickeln? Oder sind Sie glücklich, wenn Sie einfach nur Ihren Job gut machen können? Ein Unternehmen braucht beide Ausprägungen dieser Mitarbeiter – es gibt hier also kein Gut oder Schlecht! Für die „artgerechte“ Führung ist dies jedoch eine extrem wichtige Information für Ihren Chef. Hier geht es um Ihre Motivation im Beruf. Was sind Ihre Pläne und was möchten Sie gerne noch erreichen? Nur wenn Sie selbst für sich und auch Ihre Führungskraft über dieses Bewusstsein über Ihre beruflichen Ziele verfügen, sind auch eine gezielte Mitarbeiterentwicklung und -förderung möglich.

7. Ich möchte lernen, wie ich …

Was ärgert Sie, weil Sie etwas vielleicht nicht so gut können? Führungskräfte sind Vorbilder. Was möchten Sie von Ihrem Chef lernen? In welchen Themengebieten möchten Sie sich weiterentwickeln oder auch extern weiterbilden? Zeigen Sie aktiv Interesse, Ihren Horizont zu erweitern, sich Fachwissen anzueignen oder auch ganz neue Themen für sich zu erschließen. Natürlich nur, wenn Sie dies selbst möchten. Wenn Sie am liebsten für die nächsten Jahre in Ruhe gelassen werden möchten, dann vergessen Sie diesen Punkt schnell wieder! Viele Vorgesetzte sind dankbar für konkrete Vorschläge ihrer Mitarbeiter, welche Weiterbildung oder welches Seminar sie selbst für sich als sinnvoll erachten.

8. Ich sage Bescheid, wenn …

Jeder Mensch hat eine andere Belastbarkeitsgrenze. Und mal ganz ehrlich – wenn Sie Führungskraft wären, würden Sie dann Ihre Mitarbeiter nicht auch so lange mit immer mehr Arbeit „zuschütten“, bis sich derjenige beschwert? Setzen Sie als Mitarbeiter auch Grenzen. Sie dürfen auch mal „Ich schaffe das nicht bis …“ sagen, ohne dass morgen die Kündigung auf Ihrem Schreibtisch liegt. Ihr Vorgesetzter sollte ungefähr wissen, wo Ihre Belastungsgrenze liegt, und einschätzen können, ob Sie eher der Typ „So lange schlucken, bis das Fass explodiert“ oder der Typ „Jammern bei der kleinsten Anstrengung“ sind.

9. Ich wünsche mir von Ihnen …

Nicht, dass ein falsches Bild entsteht, der Job ist kein munteres Wunschkonzert. Hier geht es auch weniger um mehr Geld oder den größeren Schreibtisch, sondern vielmehr um Ihre Vorstellung davon, wie Sie gerne von Ihrer Führungskraft behandelt und geführt werden möchten. Das Spektrum ist vielfältig und kann reichen von „mehr gemeinsamer Zeit“ über „klare Ansagen“ bis zu „mehr Freiraum, Dinge selbst zu entwickeln“. Führungskräfte haben keine Glaskugel und können nicht Ihre Gedanken lesen. Sagen Sie, wenn Sie sich von Ihrer Führungskraft ein anderes Verhalten wünschen. Und hierfür müssen Sie auch nicht das jährliche Mitarbeitergespräch abwarten, in dem auch Sie in den meisten Unternehmen Zeit für ein Feedback an den Chef haben. Mein Tipp: Verfallen Sie weder in eine Vorwurfshaltung, noch in eine Rechtfertigungsposition. Bleiben Sie wertschätzend und respektvoll und bringen zum Ausdruck, was Ihnen wichtig ist.

10. Ich bin bereit, … einzubringen.

Punkten Sie mit Ihren Stärken und bringen Sie sich aktiv ein. Was werden Sie dazu beitragen, nicht nur Ihre eigenen Aufgaben gut zu erfüllen, sondern auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Team oder im Unternehmen zu unterstützen? Vielleicht gibt es sogar etwas, was Ihre Führungskraft von Ihnen lernen kann? Sich einzubringen bedeutet mehr als nur seinen Job zu machen. Sagen und zeigen Sie Ihrer Führungskraft, wann bzw. bei welchen Themen sie/er auf Sie zählen kann – vielleicht auch über das normale Maß hinaus.

Klarheit oder Ratespiel? Ihre Entscheidung!

Was glauben Sie? Über welche dieser 10 Dinge weiß Ihre Führungskraft heute schon gut Bescheid? Überlegen Sie sich, ob Sie selbst Wissenslücken schließen möchten und was dies für die weitere Zusammenarbeit bedeutet. Vielleicht hilft Ihnen als Mitarbeiter auch das Bewusstsein über diese 10 Punkte bereits, anders mit Ihrer Führungskraft ins Gespräch zu gehen. Es muss ja nicht gleich heißen „Chef, ich muss Ihnen was sagen!“

Es ist Ihre Entscheidung, was Sie in welcher Form und wann preisgeben. Meine Erfahrung: Je besser Ihre Führungskraft weiß, wie Sie ticken (und umgekehrt!), umso weniger Missverständnisse entstehen und umso besser funktioniert Führung.

Ich bin gespannt auf Ihre Perspektive. Sollte Ihre Chefin oder Ihr Chef dies alles von Ihnen wissen? Oder sehen Sie es als ihre bzw. seine Managementaufgabe an, dies selbst herauszufinden? Was sind Ihre Erfahrungen, wenn Ihre Führungskraft vielleicht auch zu viel über Sie weiß?

P.S. Auch wenn sich dieser Beitrag an die Mitarbeiter richtet, können Sie sich natürlich auch als Führungskraft kritisch fragen, was Sie von Ihren Mitarbeitern (nicht) wissen und welche Führungstechniken Ihnen zur Verfügung stehen, eventuell bestehende Informationslücken zu schließen.

Dr. Bernd Slaghuis

Ich arbeite als Karriere- und Business-Coach in Köln und habe mich auf Fragen rund um die Karriereplanung und Neuorientierung spezialisiert. Mit Bewerbern arbeite ich an ihrer Bewerbungsstrategie, der Optimierung ihrer Unterlagen sowie der Vorbereitung auf Gespräche. Führungskräfte unterstütze ich, zu einer gesunden Grundhaltung zu finden. Ich halte Vorträge, gebe Seminare, moderierere Workshops und schreibe außerhalb dieses Blogs für diverse Karriere- und Management-Magazine.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Ihre Perspektive? Schreiben Sie einen Kommentar.